SaleredSalereds Parfumkommentare

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Salered vor 2 Jahren 9
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Flakon

Wie die Seele zur Schöpfung wurde
Wer hier jetzt einen romantischen Text erwartet, den muss ich enttäuschen. Neulich wurde die Kollektion Tuscan Soul in Tuscan Creations umbenannt. Welche Änderungen rein technischer Natur dies mit sich brachte, analysiere ich in diesem Kommi zum Duft Terra Rossa.

Name der Kollektion
Alt: Tuscan Soul
Neu: Tuscan Creations

Flakoninhalt
Alt: 75ml
Neu: 100ml

Konzentration
Alt: Eau de Toilette
Neu: Eau de Parfum

Verpackung
Alt: weiß, schlicht
Neu: goldfarben, hochwertig

Verschluss (Deckel)
Alt: edles Holz
Neu: feinstes Leder, handvernäht

Preisumfang
Alt: 100-140 Euro
Neu: 220-250 Euro

Da die Kopf-, Herz- und Basisnoten beim Terra Rossa gleich geblieben sind, rate ich allen Fans, die noch verbliebenen Restflakons des alten Duftes zu kaufen. Ich ließ mich von meiner Urlaubslaune verleiten und kaufte dann am Flughafen Changi in Singapur die deutlich teurere Neuversion. Na ja, ich werd´s überleben.

Den Duft an sich haben andere schon sehr schön beschrieben. Ich kann nur sagen: ein Juwel für Patschuli-Liebhaber. Das Patschuli ist ab der ersten Sekunde da und wirkt sehr intensiv.
2 Antworten

Salered vor 2 Jahren 10
8
Duft
8
Haltbarkeit
10
Sillage
10
Flakon

Namibia
Kurze Beschreibung des Duftes in Deutsch-Südwestafrika:
Bergamotte - ganz und gar nicht
Lavendel - nein
Veilchen - bei starkem Einatmen
Wacholder - ja
Vetiver - im Überfluss
Labdanum - später
afrikanisches Grenadill - WTF?
Vanille - nö
Moschus - weiß nicht, bin eingeschlafen

Ein sehr schöner trocken-holziger Vetiverduft. Süß? Zum Glück nein.

Für Männlein und Weiblein (und alle dazwischen laut Bundesverfassungsgericht).
2 Antworten

Salered vor 2 Jahren 9
7.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
10
Flakon

Bulgarische Wahrsagerin
Baba Wanga (zu dt. Oma Wanga) war eine berühmte bulgarische Hellseherin und Wahrsagerin. Mehr als ein halbes Jahrhundert hielt sie mit ihren Prophezeiungen die Bürger Bulgariens, des ehemaligen Jugoslawiens und der Sowjetunion in ihren Bann. In den 1980er Jahren war es fast unmöglich ohne besondere Beziehungen einen Termin bei ihr zu bekommen.

In den späten Achtzigern öffnete sich das kommunistische Bulgarien langsam gen Westen und so kamen auch die ersten Parfüms aus Bulgarien nach Jugoslawien, wo ich eine Zeit lang lebte. Auf dem Balkan war schon damals Bulgarien für die Produktion der berühmt berüchtigten bulgarischen Rose bekannt, die heutzutage Bestandteil vieler kostbaren Düfte ist. Die Düfte waren sehr gradlinig: Rose und Moschus, manchmal zur Abwechslung Moschus und Rose, in der Reihenfolge. Die Parfüms wurden in kleinen 10ml Zerstäubern über die streng kontrollierte Grenze geschmuggelt. Manchmal drückten die bulgarischen Zollbeamten ein Auge zu, wenn man ihnen die neueste Kassette der auf dem Balkan mega-populären Folksängerin Lepa Brena zusteckte. Ich glaube, dann hätte man auch einen ganzen LKW durchschmuggeln können, so beliebt war die Sängerin dort.

Nach einiger Zeit waren wir von den Düften aber nicht mehr so beeindruckt. Man spürte die äußerst wertvollen Zutaten in Form von bulgarischer Rose und Moschus (vermutlich artifiziell), aber der Ideenreichtum zum Kombinieren, Mixen, Ausprobieren fehlte einfach. Die Duftnoten marschierten wie die Soldaten der bulgarischen Volksarmee unter Osteuropas zähstem Diktator Todor Schiwkow: Moschus, Rose, Moschus, Rose, Moschus, Rose. Heute, 30 Jahre danach, denke ich sofort an die strikt komponierten Volksparaden in Nordkorea.

So strikt sind auch die Duftnoten im Chopard Musk Malaki. Leider kommen die oben angegebenen Komponenten wie Pfeffer, Zedernholz, Leder nicht zum Vorschein. Der Duft startet sehr frisch, aber auch cremig. Ein Freund von mir sagte beim ersten Schnuppern, es erinnere ihn an eine wundervolle Seife. Danach entfaltet sich das Gemisch von Moschus und (die in der Duftkomposition komischerweise nicht erwähnte) Rose. Auch nach 7 Stunden riecht alles völlig identisch wie am Anfang. Die Moschus-Rose-Kombination überdeckt alles andere.

Der Flakon ist eine reine Augenweide. Er ist der gleiche wie bei Rose Malaki, den ich auch besitze (mehr darüber im Kommentar dort). Die Flüssigkeit ist allerdings nicht so pinkfarben wie hier auf dem Titelfoto dargestellt. Bei künstlichem Licht ist sie durchsichtig, bei Tageslicht schimmern einige Pinknoten hervor, aber weit von dem, was man hier zu sehen bekommt.

Ich frage mich, ob Baba Wanga damals vorausgesehen hätte, dass ein Parfümhersteller namens Chopard im Jahr 2017 einen Duft herausgibt, der so sehr an die Düfte Bulgariens aus dem vorigen Jahrhundert erinnert. Und das der Verkauf so schlecht laufen würde, dass man ihn schon ein Jahr danach vom Markt nehmen würde. Die Restbestände kann man jetzt in den Vereinten Arabischen Emiraten kaufen, wo Moschus anscheinend beliebter ist als bei uns. Diese wundervolle, kurze Erinnerung an eine sozialistisch-kommunistisch geprägte Zeit hat jetzt einen festen Platz in meiner Sammlung.
3 Antworten

Salered vor 3 Jahren 4
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
10
Sillage
10
Flakon

Einmal Rose, geräuchert bitte!
Die Chopard Malaki-Serie hat mich auf Anhieb mit ihrem Aussehen fasziniert. Ja ich weiß, man sagt, man solle sich nicht nur vom Äußeren beeindrucken lassen, aber man kommt nicht umhin, die wunderbaren Flakons stundenlang zu bewundern. Die Chopard Malaki-Serie setzt sich aus folgenden Duftserien zusammen: Amber Malaki, Musk Malaki, Oud Malaki und Rose Malaki. Ich wollte alle auf einmal kaufen, aber so leicht zu bekommen, sind die wirklich nicht. Irgendwelche entfernten USA-Chopard-Uhren-Shops oder nicht ganz liebevoll anmutende Brexit-Läden boten zwar 1 bis 2 Düfte an, so richtig war ich aber dann doch nicht überzeugt. Mit einem Blick gen Osten jedoch, änderte sich dies schnell. Fast jedes arabisches Land von Katar über Bahrain bis zu den Vereinten Arabischen Emiraten bietet alle 4 Düfte auf allen Flughäfen und diversen Online-Shops an. Zu sehr korrekten Preisen hinzu. Zum Glück gibt es in meinem Freundeskreis einen Vielflieger und so landete mein Rose Malaki vor einigen Tagen bei mir.

Die braun-goldfarbene Verpackung mit schwarzer Aufschrift ist sehr dezent. Einen Schlag in die rechte Ecke hat sie dann doch auf der langen Reise eingebüßt (siehe Foto unten), was aber optisch nicht weiter stört. Der Flakon ist zwar rund, aber eigentlich auch oktogonal mit 8 halbrunden Seiten. Man fühlt in der Hand das volle Glas wie bei einer kostbaren Ralph-Lauren-Vase. Der Deckel ist auch rund/oktogonal und schließt mit einem Magnetverschluss. Die Aufschrift „Chopard Rose Malaki“ ist zwar nur aufgeklebt, dass wusste ich allerdings aus diversen Foren und war nicht enttäuscht, obwohl man eher eine kleine Metallplatte zuerst vermutet.

Die Kopf-, Herz- und Basisnoten liegen ziemlich eng beieinander und man spürt von Anfang an die dominierende Rose. Keine pinkfarbene Sommerrose auf dem Kleid einer präpubertären Teenagerin sondern eine Nachtrose. Eine maskuline, dunkle Rose mit anfänglich sehr viel Rauch, als ob man gerade sein indisches Räucherstäbchen angezündet hat. Kurz danach wird man zum Leder-Hoflieferanten der emiratischen Sultane versetzt, wo die Lederarten der unwahrscheinlichsten Tiere ausgebreitet sind. Der Patschuli-Vanille Ausklang rundet diesen einzigartigen Duft ab.

Danke Chopard! Ich werde zwar deine (überteuerten) Uhren nie kaufen können, aber solange du noch weiter im Parfümbusiness bleibst, werde ich dein treuer Kunde sein. Der Vielflieger ist wieder auf dem Weg zum Flughafen...

Salered vor 3 Jahren 14
10
Duft
8
Haltbarkeit
9
Sillage
8
Flakon

Trendig und Elegant
Helmut Langs minimalistische Mode befand sich immer zwischen den Eckpfeilern trendig und elegant: gerade erschwinglich genug um sie zu lieben, aber auch herausfordernd genug um sich vor seiner Zeit versetzt zu fühlen. Mit der Rückkehr des geliebten und schmerzlich vermissten Helmut Lang Eau de Parfum war ich begeistert herauszufinden, dass die fesselnde Balance der Moschusnoten - herrlich weich, aber mit einem auffallenden Unterton animalischer Sinnlichkeit - noch immer intakt ist. Die erste Version dieses stimmungsvollen, überzeugenden Duftes mag schon vor einem Jahrzehnt erschienen sein, aber ich war gar nicht überrascht festzustellen, dass der Duft sich anfühlt, seiner Zeit wie immer voraus zu gehen.

Die Kontraste dieses Parfüms sind von Anfang an spürbar. Eine vorübergehende Pudernote gibt den Start an und vergibt den begleitenden Lavendel und Rosmarin eine untypisch zarte Softness. Mit der Zeit jedoch, führt eine aufkommende Herznote von Rose und Jasmin den Moschus in eine andere Richtung; sie vergibt ihm ein leicht maskulines, animalisches Element, das der Herznote gegenübersteht, sie aber nie überdeckt. Sobald die Amber-Holz-Patschuli-Basis Fuß gefasst hat, zeigt der Duft was er wirklich ist - ein tadellos ausbalanciertes Meisterwerk. Egal ob man neu bei Helmut Lang ist oder unermüdlich auf die Rückkehr gewartet hat, man hat es hier mit etwas ganz Besonderem zu tun.
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