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Hypnotic Poison (2014) (Eau de Parfum) von Dior

Hypnotic Poison 2014 Eau de Parfum

Version von 2014
Ergreifend
03.09.2017 - 09:18 Uhr
29
Top Rezension
9Duft 9Haltbarkeit 8Sillage 10Flakon 7Preis

Der Teufel ist am Gefährlichsten, wenn er schön ist.


Schönheit mag nicht immer mit zierlichen Geschöpfen verbunden werden, die in Seide gewickelt sind, nach Waschmittel riechen und auf einer schier unendlichen, grünen Weide barfuß laufen. Schönheit ist in vielen Kulturen, etwas was einem die Sünden in den Körper haucht und die Seele ins Verhängnis treibt. Sie unrein macht. Sie außer Gefecht setzt. In vielen Kulturen neigt man sehr in diese leicht abergläubische Sparte und oft wird etwas, was schön ist, dem teuflischen gleichgesetzt. Egal ob eine Person, ein Ding oder sonstiges. Vielmals habe ich gehört, dass der Teufel drin steckt. In einer Hocke. Jedes Mal auf Opfersuche. Nur um sich zu ernähren. Von den guten Menschen, damit er ja nicht im Keim erstickt. Meiner Oma haben wir oft bei ihren alten Geschichten zugehört und so richtig die Ohren gespitzt. Sie erwähnte dies oft. Vor allem Frauen wurden mit der roten Sünde gleichgesetzt. Eine Frau, die alles in Schutt und Asche legen kann, sobald man sie berührt. So eine muss doch den Teufel in sich haben. Dabei neigte Oma immer etwas zu übertreiben, denn sie wollte und direkt in diese Geschichte eintreiben und so konnte man richtig mit den eigenen Händen, die Geschichte förmlich vor Augen fassen.

Als ich das erste Mal auf dieses Gift gestoßen bin, war es Herbst. Es ist ein Jahr her. Oktober müsste es gewesen sein. Ich erinnere mich noch ganz genau. Ich war in der Altstadt unterwegs und entdeckte den schönen Flakon in einer kleinen Parfümerie. Ich war direkt hängen geblieben und er machte mich visuell so was von an. Da kickt das Herz förmlich und die Pupille staucht sich zu einer Stecknadel zusammen. Wie der giftige Apfel , von dem Eva gegessen hat. Saftig im Kern. Richtig feuerrot. Tiefe Unendlichkeit von Begierde und Liebe. Und drum herum ein dichtes Schwarz, welches das Rot umschließt, als wäre es seins. Leichte Nuancen dringen durch. Wenn man den Apfel hebt und vor das Licht hält, schimmert ein sanftes, eindringliches Rot da heraus, verwandelt sich in ein leicht trübes Orange. Daran gerochen und ich verfiel dem Feuer, welches der Duft entfachte. Schon beim ersten Kontakt. Was Dior auf jeden Fall kann, ist schöne Flakons zu kreieren. Ich mag alle aus der Poisonserie, da sie wirklich was hermachen. Auch was die Qualität anbelangt. Das Gewicht spielt hier auch eine Rolle. Denn man hat hier wirklich etwas zum Greifen und zum Anpacken. Wie ein Frau, die richtig Kurven hat und ihre Weiblichkeit exzellent zur Show stellt. Und vor kurzem kam er mir wieder unter. Das Verlangen ist nicht erloschen. Ich hatte ihn immer in der hintersten Ecke. Gedanklich war er immer da. Doch konnte ich mich noch nicht dazu überwinden. Ich hatte und habe heute noch zu viel Parfüms, doch jetzt ist es um mich geschehen. Jetzt kann ich nicht anders und muss ihn mir holen.

So eine Frau, trägt auch wahrscheinlich so einen Duft hier. Sie fährt gleich mal ihre Geschosse aus. Süßliche Nuancen von Jasmin und dezenter Orangenblüte. Leicht im Hintergrund etwas Lakritze. Gezuckert alles von einer sehr saftigen Vanilleschote, die hier alles schon zusammenbringt und den Duft mit der Zeit unheimlich schön cremig mach. Ein Korsett wird geschnürt. Leicht knarzige Gewürze umfalten dieses, mit sanften , nebligen Schichten. Tonkabohne umschlingt dies alles von außen. Es passt alles so gut zusammen, so dass man vor Freude heulend in die Knie fallen könnte. Tief ist der Duft. Das weiß man schon von Anfang an. Im Duft hängt ein süßliches , melancholisches Lied, welches förmlich die Männlein anzieht. Umzwirbelnd über all dies liegt ein schwarzer Stoff von Seide, der die Kurven umhüllt und den Duft direkt an die Trägerin presst. Er greift nicht viel umher, ist auch sehr hautnah. Doch kommt man in den nahen Radius der Dame, die den Duft trägt, so meint man, dass jemand einem Honig um den Mund schmiert und mit Lakritze und Vanille befeuert. Den Körper dabei das Leben nimmt. Voller Liebe und Gelüste ist man da. Da wird jeder schlechte Gedanke einfach in der Luft zerschossen. Außer Gefecht wird man gesetzt und am liebsten würde man gleich in die Arme der roten Göttin fallen, die den Duft so stolz auf ihrer Brust trägt. Pudrige Geschosse kommen noch hinzu. Machen alles warm und flauschig. So, dass man sich richtig geborgen fühlt, auch wenn man meint in Gefahr zu sein. Etwas Vertrauen muss doch auch hier stecken. Auch wenn für so manche der Teufel, hier die Feder führt.

Die Tiefe wird immer süßlicher, umfasst so viel Schönes. Leicht anrüchig mag er sein, doch kommt nie eine Boshaftigkeit ans Tageslicht. Er tut keinem was, obwohl es schon so anmutet. So, als würde man jemanden um die Ecke bringen wollen, mit diesem süßlichen Gift, was langsam in die Venen eingeflößt wird. Vom wahrhaftigen Teufel? Vielleicht in unserer Fantasie. Die Spritze führt demnach eine Dame, die sich ihrer Schönheit durchaus bewusst ist. Eine, die nur spielen mag und nur für wenige Stunden ihre Krallen ausfährt, dabei ihre Beute sehr nah bei sich hält. Doch ihr Herz wird je fortschreitender der Tag, erweicht. Durch liebliche Blüten, die nicht mehr so fett knallen und sich etwas zurückziehen. Tonkabohne ist nur noch im Gedanken. Das Pudrige ist nur leicht wahrzunehmen. Das Würzige längst verblasst. Wie roten Lippen, die Stundenlang geküsst haben und am Austrocknen sind. Es blieben nur noch die zarten Blüten, mit der Vanille über. Aufatmen. Man ist dem Duft doch entgangen.

Für mich der beste Poison, wenn auch mit dem Mitternachgsgift gleichgestellt. Tolle Performance. Tolle Tiefe. Tolles Kopfkino. Hier kommt man voll auf seine Kosten, wenn man tiefes Rot, getunkt in Süßes und Pudriges mag. Ein sinnlicher Orientale, der sein Spiel spielt, wie man es erwartet. Die Sinne sind bedeckt und man fühlt sich unnahbar. Teuflisch unnahbar. Was für eine Kraft, die aus nur einem Duft entspringt.

Die Haltbarkeit sprengt bei mir einige Stunden und die Sillage erscheint nicht so mächtig. Doch umgibt man sich lange mit ihr, so weiß man dass die Kraft und die Macht auch schleichend daherkommen können.
Aktualisiert am 03.09.2017 - 09:20 Uhr
7 Antworten
DunkelblauDunkelblau vor 3 Jahren
Ich verstehe wirklich nicht warum Weiblichkeit immer mit viel Kurven und "was zum Anpacken" gleichgesetzt wird. Hätte mich nur wenig gewundert, wenn dieser Satz von einem Mann käme. Totaler Blödsinn mmn. Weiblichkeit ist so viel facettenreicher als ein paar Kurven zu besitzen...🙄
CaecilieCaecilie vor 8 Jahren
Toll erzählt, ich habe ihn heute nur auf dem Duftstreifen gerochen, werde ihn aber, da ich ihn genauso fand, wie Du ihn beschrieben hast, bald richtig testen...
PaloneraPalonera vor 8 Jahren
Gar keine Frage - Du bist ihm verfallen, dem Gift, ;-)!
Sweetsmell75Sweetsmell75 vor 8 Jahren
das EdT liegt mir mehr ... werde den jetzt aber nochmal testen :)
TurandotTurandot vor 8 Jahren
1
Omas Talent, Geschichten zu erzählen lebt in Dir weiter. Den Kommentar hab ich sehr gerne gelesen, auch wenn ich Hypnotic Poisen so gar nicht mag.
YataganYatagan vor 8 Jahren
Der ist mir schon viel lieber als Tobacco & Tolle! ;)
TrinTrin vor 8 Jahren
1
Ergreifend geschrieben ;-))