Es gibt im Japanischen ein paar Wörter, die lassen sich nur schwierig oder nur näherungsweise in andere Sprachen übersetzen, z.B. 'Karoshi' = plötzlicher Tod durch zu viel Arbeit (meistens, aber nicht unbedingt Herzinfarkt, wobei das japanische Wort für Herzinfarkt ein völlig anderes ist) oder 'Chikan' = das 'sich Reiben' an wildfremden Leuten (meistens Frauen) in der überfüllten U-Bahn.
'Enjokosai' beschreibt das Phänomen, dass (Schul-)Mädchen - oft übertrieben niedlich, auf Japanisch 'kawaii' - ihre Zeit mit deutlich älteren, wohlhabenden Männern verbringen. Es kommt häufig zu nicht mehr als etwas Fummeln - und sie erhält kein Geld dafür, sondern stattdessen etwa Prada-Schuhe oder eine Vuitton-Handtasche, die oft gemeinsam als Teil der gemeinsam verbrachten Zeit gekauft werden - so dass sich keine(r) als Prostituierte oder als Freier wahrnimmt. Freilich: bei weitem nicht jede niedlich aussehende Japanerin mit Hello Kitty- oder Sailor Moon-Rucksack betreibt 'Enjokosai'!
Etat Libre d'Oranges Don't Get Me Wrong Baby, I Don't Swallow (einer meiner Lieblingsnamen des Nischenparfumeurs aus dem Marais, neben dem als Duft eher enttäuschenden Fat Electrician) spielt mit seiner blumig-unschuldigen Süße, die gar nicht passen will zu seinem vulgär-provozierenden Namen, mit einer ganz ähnlichen Konnotation. Die Blumigkeit ist gleichermaßen einschmeichelnd wie betörend, dabei jedoch nicht lüstern oder gar lasziv. Sie kommt im Gegenteil recht unschuldig daher und arglos - Jasmin und Maiglöckchen zum Trotz. Unterstützt wird dieses Unschuldige durch das Zuckerzeug, das ihm nachfolgt - Mandel und Schokolade - und einen erst an seinem Ende wahrnehmbaren Hautakkord von Moschus und Patchouli. Es entwickelt sich nichts Sündiges und gar nichts Schmutziges aus diesem Duft - was sein Name ja im Grunde von Anfang an klargestellt hatte.
Fazit: kein großer und auch kein sehr komplexer Duft, lieblich-süß in seiner Wesensart und sicherlich attraktiv für jene, die gerne Blumen- und Gourmanddüfte mögen - und sich nicht schrecken lassen von seinem so gar nicht poetisch-subtilen Namen. Diejenigen, die aufgrund dieses Namens einen ungezogenen, womöglich obszönen Duft erwarten, die werden zweifellos enttäuscht.
Interessanter Kommentar, wieder was gelernt. Enjokosai scheint's aber hier auch zu geben, sehe ich zumindest regelmäßig in guten Hotels ;-) Sugardaddy-Pokal!