Ich weiß gar nicht, weshalb mich dieser Verschluss an ein Kunstwerk von Salvador Dalì erinnert.
Seit ich ihn zum ersten Mal sah, ist mein erster Gedanke: Die "Dalì-Sonne"!
"Sonnenflecken", gekrönt von Dalì: Das klingt wahrhaft surrealistisch!
"Grain de Soleil" entstammt noch der Duft-Epoche, in der die Marke Fragonard wunderschöne und tragbare Düfte kreierte; Duftkunstwerke bodenständigen Handwerks.
Sie zeichneten sich nicht nur durch einen moderaten Preis, sondern auch durch viel Persönlichkeit aus.
Wie jammere ich heute noch den Soliflor-Flacons nach, die ich so leichtsinnig verschenkte: wie waren sie schön, die Blütendüfte in ihren einfachen eckigen Glasbehausungen!
Besonders an "Mimosa" denke ich immer wieder gern!
"Sonnenflecken" ist wohl der Name dieser schöne Dame auf Deutsch.
Nein! "Sonnenflecken" steht hier für das Spiel von Licht und Schatten; Sonnenstrahlen, die durch das Laub fallen und mit dessen Schatten Fangen spielen.
"Grain de Soleil" ist eine subtile, sonnige Kreation; irgendwo zwischen orientalisch-blumig und würzig-gourmandig angesiedelt: opulent und sinnlich!
Ein Korb voller Blüten bildet hier die Grundlage, wobei Kopf- und Herznote nicht streng getrennt werden.
Der zarte Duft der zu Herzen gehenden Orangenblüte trifft auf Heliotrop in dunkelvioletter Vanilleschönheit mit leichtem Pudereffekt; beide umschmeicheln einander.
Aber auch Jasmin und Rose, beides Klassiker und damals bei den Damendüften kaum wegzudenken, entlassen ihre aromareichen Duftschwaden in das leichte Flirren aus Licht und Schatten, das bereits an ein impressionistisches Gemälde erinnert.
Bevor sich die wahre Vanillegöttin einmischen kann, tritt erst einmal Iris dazwischen und sorgt für weitere pudrige Duftmomente, auf denen sich Zimt bequem einrichtet.
Wärme trifft auf Wärme: die Würze von Zimt auf die cremige Sinnlichkeit von Vanille.
Hier erwacht die Weiblichkeit dieses Duftwesens, hebt leicht verschlafen und lasziv den Kopf und schüttelt die Lagen ihres duftigen Gewandes: "Wer ruft? Ich bin bereit!"
Patchouli gesellt sich träge lächelnd und duftintensiv dazu und bringt Erdnähe mit: Sonnendurchwärmt und von leichter Feuchtigkeit!
Harzige Weihrauchschwaden setzen Akzente, bevor die Amber-Lichtspiele beginnen und "Grain de Soleil" einen passenden Namen geben: ein finales Amberfunkeln wie munter tanzende Sonnenflecken im Hochsommer!
"Grain de Soleil" verfügt über den Charme einer Frau, die man nicht so schnell vergisst.
Reizvoll und wohlduftend begegnet sie uns, diese elegante Südfranzösin, verweilt heiter plaudernd, um sich nach einigen Stunden harmonischen Zusammenseins vornehm zu verabschieden.
So ist auch der Duftverlauf: Der auf dem Höhepunkt pulsierende Sonnenduft wird mit schwindendem Licht feiner und leiser, ohne sich negativ zu verändern.
Ein im ganzen ruhiger, unaufgeregter und doch ausdrucksvoller Duftfluss endet nun in leichten Schleiern, die sich über alles senken!
Zurück bleibt der Hauch eines Duftes, einer Frau, deren Anwesenheit nicht so schnell vergessen wird.
Aus zauberhaften Duftnoten fragile Netze der Erinnerungen spinnen, das konnte Fragonard schon damals.
Duftnetze, in denen leicht der Sommerwind spielt!