Ägypten habe ich begriffen: Eine Besichtigungsrunde in praller Augustsonne - und die Wasserflaschen vergessen. Schnell heftige, pulsierende Kopfschmerzen und das Gefühl, gleich zu vertrocknen, werden mir immer erinnerlich bleiben. Morden hätte ich können für Wasser! Und als es dann endlich die Gelegenheit gab, eine Flasche zu kaufen: Selten hat mir Wasser so gut getan. Und da wusste ich: Ich habe das Land und den Fluss begriffen. Ein bisschen. Natürlich nur ein bisschen. Traumhafte Landschaften wurden am Dampfer vorbei geschoben: Sand, Sand, Sand, bizarre Felsformationen und natürlich Felder und Gärten, wie vor Jahrtausenden emsig bestellt und gepflegt. Man muss sich klar machen, dass Ägypten zu etwa 97% aus Wüste besteht, und es nur am Nil entlang , in den wenigen Oasen und an den in jüngster Zeit angelegten, sehr technisch aussehenden Kanalsystemen überhaupt Grün gibt! Und dieses Grün ist essenziell wichtig für das Leben :Natürliches Reifen, Stolz auf die Ernte, Mühsal und Fröhlichkeit. Poesie. Nicht zu verwechseln mit romantisch verklärter Idylle. Dieser Hermes kommt mir vor wie eine Disney-Nil-Landschaft: Süße, aromatisierte Fruchtigkeit, eine Melange aus allerlei Resten von fadem holländischem Obst und Gemüse im Küchenboy zerschreddert bis zur Unkenntlichkeit. Dazu dann Blumen., denen ebenfalls alle natürliche Schönheit ausgetrieben wurde. Die Gewürze, die aufgeführt wurden - erkenne ich nicht. All das wäre nicht schlimm - man muss nicht alles erkennen, wenn viele Einzelbestandteile ein Gesamtbild ergeben, harmonisch oder besser noch, Harmonie durch Kontraste. Und wenn da nicht diese bleierne Schmierigkeit über allem wölken würde, die sich zwar mit der Zeit abschwächt, letztlich aber den Duft für mich zu keiner Zeit spannend erscheinen lässt. Kalmus - nur ein Sekündchen erspüre ich ihn, mit leichter würziger Bitterkeit, doch er wird sofort verschlungen. Nach Stunden dann eine leichte iris-holzige Basis mit zarter Süße. Insgesamt stört mich vor allem etwas, das ich mit Klebrigkeit und stechender Künstlichkeit unangenehm verbinde. Weder ein malerischer Garten noch die Erhabenheit und Wucht der Nillandschaft wurden hier auch nur ansatzweise eingefangen. Unteres Mittelmaß im Mainstream. Ich würde den Duft nicht in den Nil verkippen. Das wird die Zeit tun: Während der Strom noch lange fließen wird, ist dieses Wässerchen längst vergessen. Sehr viele Hermes-Düfte schätze ich: Qualität, Originalität, das richtige Maß an Harmonie und "Stachligkeit". Hier wurde wohl vorschnell eine Umsetzung der an sich schönen Gartenidee auf den Markt geworfen, bevor sie reifen konnte. Eine Puddingpulvermango macht noch keinen Garten. Und das Zitieren des "Jardin de bagatelle" wird die Konkurrenz nur lachen lassen! Wenn ich mir einen Nilgarten-Duft wünschen dürfte: Satt grün wäre er, mit sehr herben und pointiert fruchtigen Noten, gern mit mehr Kalmus, vielleicht auch bittersüße Akzente . Hoffentlich wird er reformuliert.
Hehehe, ja, dein Ägypten kann ich nachvollziehen. Als kleiner Knirps hab ich jedenfalls der Königin Hatschepsut den Bus-Parkplatz vollgekotzt (Nildampferbazillen) ;-) Vielleicht will jemand sowas mal thematisieren - als Konzeptduft natürlich :-D
Ja, Elléna ist ein Minimalist, sagt er in seinem Buch. Aber seine Düfte, das beschreibt er auch, sind schon tatsächlich aus auseinander genommenen Duftbestandteilen und nicht immer, finde ich, kommt etwas Essentielles zustande - für jeden.
Spannend, denn an mir kommt er so raus wie Dein Wunsch-Nilgarten: grün, herb, etwas bitter. Allenfalls mehr Frucht hätte ich mir auch gewünscht, und leider nervt mich die dominante Karotte etwas. Das macht ihn für mich zu einem ewigen Wackelkandidaten