»Preis' Dir, oh Nil, der herauskommt aus der Erde und herbeikommt, um Ägypten zu ernähren. Mit verborgenem Wesen, eine Dunkelheit am Tage. Der die Fluren bewässert. Der die Wüste tränkt, die fern vom Wasser ist. Der Nahrung bringt und reich an Speisen ist. Der alles Gute schafft. Der Kraut für die Herden schafft und jedem Gotte Schlachtopfer gibt. Der die Speicher füllt und die Scheunen weit macht. Der den Armen etwas gibt. Der Bäume wachsen lässt nach jedem Wunsch und man hat keinen Mangel daran. Man fängt an, für Dich auf der Harfe zu spielen und man singt Dir mit der Hand. Flutet der Nil, so opfert man Dir, mit Weihrauch, Ochsen und Rindern und Vögeln auf der Flamme, Der Du den Menschen von seinem Vieh leben lässt und sein Vieh von der Flur. Du grünst, Du grünst oh Nil, Du grünst." (Hymne von dem Dichter Cheti, ca. 1900 v.Chr.)
Der Nil ist ein Strom in Afrika, der in den Bergen von Ruanda und Burundi entspringt, dann Tansania, Uganda, den Südsudan und den Sudan durchfließt, bevor er in Ägypten in das Mittelmeer mündet. Die alten Ägypter glaubten, dass der Nil dem Ozean entspringe, der die Erde umfloss, den sie wiederum "Nun" nannten. Womöglich nannten die Ägypter ihn auch deswegen "Ium" (Meer). Sie bezeichneten ihn auch als "Iteru-aa" (großer Fluß). Es gab auch einst noch die Bezeichnung: "Wadj-wer" ("Das große Grüne"). Die Länge dieses gewaltigen Nils beträgt 6.671 km und er ist somit der längste Strom Afrikas sowie der zweitlängste Fluß weltweit. Aufgrund der jährlichen Schneeschmelze im äthiopischen Hochland und den heftigen, lang anhaltenden, Regenfällen im subtropischen Afrika während der Sommermonate trat sehr häufig die jährliche Nil-Überschwemmung im Sommer ein. Dadurch wurde der Nil den Ägyptern zum Geheimnis, Glück und Schrecken zugleich. Denn: Der Nil war im Altertum der Ernährer des Landes. Sein schlammhaltiges Wasser mit seinen Beimischungen von Tonerde, Kalk, Eisenoxyden, Mineralsalzen und Kohlenstoffen bedeckte das ausgetrocknete Land für drei bis vier Monate und ermöglichte Saat und Ernte. Der schwarze Schlamm, der nach dem Verdunsten des Wassers auf dem Boden zurückblieb, gab dem alten Ägypten den Namen "Das Schwarze Land" im Gegensatz zum "Roten Land" der umgebenden Wüste. Angebaut wurden im alten Ägypten vor allem Getreidesorten wie Weizen, Gerste und Spelz sowie Flachs. Heutzutage tritt der Nil im Hochsommer aufgrund des Assuan-Staudammes nicht mehr über seine Ufer. Der Nil war zudem (fast) die einzige Verkehrsader des Landes. Infolge seines geheimnisvollen Wesens wurde der Nil im Altertum als Gott angesehen. Er besaß zwar keinen Tempel und keinen regelrechten Kultus wie die anderen Götter. Dennoch wurden ihm von den alten Ägypter Hymnen gesungen und Feste gefeiert, die deutlich den Dank an den Nahrungsbringer aussprachen.
Und dies beflügelte möglicherweise Jean-Claude Ellena im Jahre 2005 dazu, diesem ebenso gewaltigen wie geheimnisvollen Fluss seine eigene Hommage auszudrücken: "Un Jardin sur le Nil". Unser Garten-Spaziergang beginnt bei einer fruchtigen Mango. Ich empfinde sie als süß und reif. Eine Frucht mit einer geheimnisvollen Exotik. Für eine erfrischende Portion Säure sorgt dann eine freche Grapefruit, die sich neben unsere Mango gemogelt hat. Doch schon kurz nach dieser Erfrischung führt uns unser Weg durch den Garten schon am Gemüsebeet vorbei: Für meine Nase ist dies ein -durchaus angenehmes- Sammelsurium von einzelnen Gemüsesorten. Ich bilde mir ein, etwas Gurke zu riechen. Eine frische Gurke, die uns hier entgegen kommt. Diese in Begleitung von etwas, das ich in Richtung Tomatensaft einordnen würde. So in etwa "Bloody Mary" ohne Wodka. Ich finde: Eine sehr interessante und gelungene Idee. Doch dann wird's blumig: Der fruchtig (Mango und Grapefruit)-gemüsige (Gurke, die in Tomatensaft schwimmt) Grundgedanke bleibt zwar erhalten. Die Noten werden jedoch heller und freundlicher: Ich rieche eine Pfingstrose. Ein stattliches und stolzes Exemplar, das nunmehr unseren Gemüsegarten sanft umweht. Doch sie bleibt nicht alleine: Der Hauch einer Hyazinthe gesellt sich dazu. Und die Beiden streifen fortan Hand in Hand fröhlich durch die prächtigen Beete. Leicht holzig mit einer schönen Portion geheimnisvollen Weihrauch klingt dieser Duft aus. Insbesondere der Weihrauch verleiht unserem Gemüsegarten Tiefe. Wie ein sanfter Nebel, der sich am Ufer des gewaltigen Flusses abends über die Landschaft legt. Melancholisch und besonnen zugleich. Und damit geht die heiße afrikanische Sonne mit ihren wärmebringenden Strahlen über unserem Nil-Garten unter und gibt diesen der kühlen Dunkelheit der Nacht preis. Wissend, dass bereits nach einigen Stunden ein neuer Tag mit neuen wärmenden Strahlen beginnt, die das Land und seine Früchte mit neuem Leben erwecken.
Mein Fazit: Eine sehr schöne Interpretation des selbst gesetzten Themas. Kennt man in Düften Noten von Früchten (insbesondere von Zitrusfrüchte) bereits zu Genüge, so sind die Gemüse-Noten originell. Ein schöner Duft, der seinen Träger im Sommer zweifelsohne erfrischen wird.
Königin Kleo hat den gestern bei Hitze getragen und ist recht angetan! Bei mir kommt der zum Glück sehr angenehm raus, nix Gemüse, nix Weihrauch. Gut so!