Es war im September 2017 als wir zum Abendessen in Südfrankreich am Hafen saßen. Wie das so ist, war die Terrasse voll und jeder hatte beste Laune und genoss den Abend. Plötzlich lief eine Frau vorbei und hatte einen Duft an sich der nicht nur mich, sondern die gesamte Terrasse gefangen nahm. Wow , was für ein Duft! Sie schwebte mit diesem Duft förmlich an uns vorbei und dieser hing noch Minuten später in der Luft. Mein Mann war nicht der einzige Besucher der sich nach diesem Duft erkundigte. Leider war sie schon weg und ich konnte nicht mehr fragen. Es war ein weicher, samtiger leicht würziger Duft – eindeutig ein Orientale.
Obwohl ich sonst eher eine Freundin der frischen Blütendüfte bin war ich fasziniert von dieser Duftaura - den musste ich haben! Nun habe ich mich auf alles orientalische gestürzt und habe geschnüffelt, Proben und Abfüllungen bestellt, aber keiner war es. Getestet habe ich Coco, Samsara, Joop, Shalimar und weitere gängige Verdächtige. Leider war es das nicht. Alle haben für mich einen eher altmodischen Touch. Ich habe es dann gelassen und mein Unterfangen aufgegeben, ja fast vergessen bis ich im Urlaub 2018 wieder diesen Duft wahrnahm. Und dieses Mal konnte ich die Trägerin sofort fragen: Es war Scherrer Nuit indienne!!! Eine mir bis dahin unbekannte Marke. Der wurde auch sofort gekauft, denn hier in Deutschland ist Scherrer eher schwer zu bekommen. Das Modehaus Scherrer ist wohl auch in der Modewelt für seine exclusiven Creationen bekannt.
Jetzt zum Duft: Nuit indienne startet direkt blumig exotisch würzig frisch. Ein ganz klein wenig erinnert er in dieser Startphase an Chanel No5. Das seifig aldehydige mag es sein. Allerdings wechselt dieser Eindruck recht schnell und macht überaus weichen Ylang Ylangblüten, Heliotrop und Vanille Platz. Später begleitet von cremigem Sandelholz, wunderbarem Benzoin und Amber. Alles in allem aber ein sehr homogener und unglaublich geheimnisvoller sinnlich und femininer Duft, der mich von Anfang bis Ende gefangen nimmt und wie ein seidiger Duftschleier umhüllt. Nuit indienne ist äußerst extravagant und eher an besondere Abenden oder spezielle Anlässen tragbar. Er braucht eine große Robe, um zu wirken. Das tut er dann aber auch. Er gibt eine Hülle von weicher Exotik und samtener Weiblichkeit. Ein ungewöhnlich schöner Duft für den großen Auftritt. Die Sillage ist im hohen Bereich, die Haltbarkeit ist mit mind. 10 Stunden enorm.
Fazit: Nuit indienne ist ein großer Verführer und Schmeichler. Ein ungewöhnlicher Duft für den Abend und für besondere Anlässe. Fürs Büro wäre er mir zu opulent. Durch die Blüten ein moderner Florientale für Frauen ab 25 die den großen Auftritt, das Leben und warme Düfte lieben. Ich habe ihn im Sommer kennen gelernt und finde ihn für Sommerabende ganz wunderbar. In unseren Breitengraden ist er aber eher für den Herbst und den Winter geeignet.
Ein sehr schöner Kommentar, der mich wieder neugierig gemacht hat. Ich kenne nur die alte Version aus den 90-ern, die war sehr heftig. Ich vermute mal, die neue Version ist um einiges abgemildert, was in diesem Fall nicht unbedingt schlecht ist. Schöne Beschreibung!
hast Du wunderbar beschrieben -, genauso empfinde ich ihn auch ... nehme noch feine Gewürznoten wahr, die gar nicht vorhanden sind :)) Kenne allerdings auch nur die Version 2013. - Besondere Sommerabende - die passen absolut zu ihm! .... Beide - alte wie neue Version - sind eigentlich im Netz auch noch gut zu finden .... Exotikpokal für Dich ;))