Jean-Michel Duriez schuf diese Duftkreation in Erinnerung an eine Pariser Bibliothek; deren eigenes Tempo, deren zeitloser Eigengeruch und unverwechselbare Persönlichkeit sollten in einem der marken-typischen zylindrischen Flacons eingefangen werden.
Bibliotheken, wo auch immer, über einen besonderen Zauber auf mich aus. Deckenhohe Regale, voll mit Büchern, die Geschichten und Geheimnisse umschließen.
Nicht nur wertvolle Folianten und große Literatur bergen diese; jedes Taschenbuch trägt eine Geschichte in sich und lädt zu einer Reise in eine andere Welt ein. Auch diese "trivialen" Werke sollten man nicht geringschätzen.
Die Ruhe in diesen Lesesälen, die häufig nur durch das leise Rascheln umgeblätterter Seiten unterbrochen wird; die Lichtinseln an den einzelnen Leseplätzen: all das verführt zum Stöbern, Verweilen und manchmal sogar zum Sichselbstfinden.
So ist "Bois Froissés" ein ruhiger, besinnlicher - ja, fast möchte ich sagen: "trockener" Duft.
Hier wirbelt und strahlt nichts, kein verlockendes Prickeln und Leuchten, keine Untiefen und Unebenheiten lassen sich finden: dieses Duftkunstwerk fliesst leise und sympathisch unaufgeregt dahin.
Die beiden Zedernarten stehen für eine Würze, die kantenlos und transparent scheint.
Papyrus und die pfeffrige Eigennote des Basilikums unterstreichen harmonisch den bereits jetzt entstehenden ruhigen Duftverlauf.
Wärmender Zimt und der leichte Vanillehauch des Styraxharzes vertiefen das Gefühl des Entschleunigens.
Eine fast sakral wirkende Weihrauchnote entführt in einen verwunschenen Raum, der schützend umschließt und doch verlockende Weite verspricht.
Die schmeichelnd-aromatische Hülle des Tolubalsams, die sich über all das schmiegt, enthüllt die Bedeutung des Namens, den Duriez für diesen eigenartig faszinierenden Duft fand: "Bois Froissés" = "verletztes Holz"!
Wer sich daran erinnert, wie dieser, auch leicht nach Vanille duftende Balsam gewonnen wird, versteht diesen Namen: die Rinde des Balsambaumes wird zur Gewinnung dieses harzigen Schatzes zerschnitten, verletzt!
"Bois Froissés" hat mich tief beeindruckt. Diese Duftkomposition entführte mich in eine Welt, in der alles Laute und Störende fehlte; sie verlieh das Gefühl, plötzlich den eigenen Gedanken lauschen zu können.
Hier hat Jean-Michel Duriez einen ganz speziellen würzig-harzigen Duft geschaffen, der nicht einfach nur aufgesprüht wird: er erwartet ein gewisses Maß an Hingabe, an Vertrauen und entwickelt sich dann zu einem stundenlangen angenehmen Begleiter, dessen Holz- und Rauchnoten wundervoll umschmeicheln.
"Bois Froissés" verfügt über einen beinahe mystischen Zauber, erinnert an einen unsichtbaren schützenden Mantel!
Mich hat dieser Magier in Duftform überzeugt und ich ließ ihn nur ungern weiterziehen; eine so überraschende Duftkomposition sollte nicht im Verborgenen bleiben.
Vielleicht verzaubert und beeindruckt er noch andere Liebhaber des Außergewöhnlichen.
Hier noch einmal mein besonderer Dank an Turandot, die mir die gesamte Proben-Kollektion dieses Parfümeurs zuschickte und mich damit in einer besonderes Abenteuerland entführte.
Es waren Duftreisen, die sich (bis auf wenige Ausnahmen) wirklich lohnten.
Was es nicht alles gibt?! Dieser Duft hört sich aber sehr entspannt und ein bisschen gemütlich an. Wer könnte den nicht gebrauchen. Ich denke wir beide schon!...;)
"Diese Duftkomposition entführte mich in eine Welt, in der alles Laute und Störende fehlte; sie verlieh das Gefühl, plötzlich den eigenen Gedanken lauschen zu können."
Wie schön ist es immer wieder, deinen geschrieben Gedanken lauschen zu können , andächtig Platz zu nehmen, in deiner Bibliothek der Duftbeschreibungen.
Du bist ja wirklich eine unglaublich produktive Kommentatoren und jeder ist es wert, gelesen zu werden. Auch dieser. Es scheint sich um einen in sich ruhenden und unaufgeregten Duft zu handeln. Schön beschrieben.
Wie schön ist es immer wieder, deinen geschrieben Gedanken lauschen zu können , andächtig Platz zu nehmen, in deiner Bibliothek der Duftbeschreibungen.