Louce
20.01.2012 - 08:00 Uhr
Top Rezension
9Duft 7.5Haltbarkeit 2.5Sillage 5Flakon

Der leise, langsame Tanz der Dunkelgrünen Fee

Paname ist ein veritabler Mecheri-Duft: Völlig unklassisch - dabei aber elegant, nicht sehr out-going - dennoch eindrücklich, markant und eine feinstsinnige Einlassung auf Zwischentöne und filigrane Halbnoten.

„Grün“ disqualifiziert einen Duft mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit als „Louce-Duft“. Jedoch richtig dunkles Dunkelgrün (das mir zuerst in „Narcisse Noir“ begegnete), diese Art Grün ohne ein bisschen Gras, Frühlingsfrische und Salat, sondern warm, samtig und ein wenig unterirdisch, kann meine Nase und mein Herz vollkommen erobern.

Solches Dunkelgrün bestimmt zunächst alleine die Kopfnote von Paname und wird dann zum Grundthema bis in die Basis.
Der Absinth gesellt sich dazu. Diese Note ist sehr reizvoll, offenbar ein Mix aus mehreren anderen Aspekten, um zusammen eine dunkle, süße Krautigkeit, ein schattig gedimmtes Kräuteraroma und einen ganz leichten Alkoholeffekt zu erzielen, eher Likör als Schnaps.

Beim Kennenlernen der Absinthnote, roch ich tatsächlich nur Absinth und fragte mich kein bisschen, wie dieser Absintheindruck entsteht. Inspirierendes Mitriechen eines Komplizen brachte mich dann auf die Spur: Da ist sicher Anis drin, tatsächlich etwas Lavendel, und mindestens ein Küchenkraut (Basilikum? Fenchelgrün?).

Absinth, die Grüne Fee bringt freilich Assoziationen von selig fühligem Rauschnebel. Tatsächlich werden diese nicht nur willkürlich auf den Duft projiziert, sondern von ihm beantwortet, gefordert: Tiefe, Wohligkeit, Wärme, ein wenig Verlorenheit und eine gewisse Rührung werden im leisen Dunkelgrün auf Duftsprache entfaltet und ausgekostet.
Die Wermut-Note kommt hinzu, bevor die süßliche Absinthkräuterigkeit in der Herznote in konturenlose Harmonie abdriften könnte und gibt zarte Bitterkeit und begrenzende Trockenheit.

Die Basis dann ist sehr, sehr tonkacremig. Das ganz zart gewordene, jetzt beschleierte Dunkelgrün und die Absinthnote fügen sich, mit einer dunklen Würzung und einem ganz sachten, ebenso dunklen, Holz nun kantenlos in eine weiche, angedeutete Süße. Paname wird enorm ruhig, balanciert und leise melodisch.

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Ein so schönes Geschenk, zweimal geschenkt zu meiner Haut gekommen: Danke Antoine und Ronin!
9 Antworten
UnterholzUnterholz vor 14 Jahren
Fenchel und Dill wachsen in grossen Teilen des Mittelmeerraumes als wildes Kraut. Und einige Absinth-Hersteller häckseln das Zeug zuletzt in die Flasche mit rein. Somit scheint das ein gelungenes Abbild der grünen Fee zu sein...
LouceLouce vor 14 Jahren
Ha! *freu* Meine Antwort auf alle Fenchelfragen: Fenchelgrün! Nicht die Knolle, sondern das dillmäßig faserige Kraut darüber. Das (oder eine dem entsprechende synth. Note) ist darin.. und Basilikum würde ich tippen.
LouceLouce vor 14 Jahren
@Hasi: Nee, Nageteieren würde ich hellgrünes Grünzeug geben. Aber ein großartiger Duft könnte Dir auch gefallen, ohne Natur zu sein, die nach Dressing schreit.@Ronin: Vom Fenchel bin ich inzwischen abgekommen. Der Basilikumverdacht verfestigt sich.
HasiHasi vor 14 Jahren
Grünzeug für Hasen???
RoninRonin vor 14 Jahren
... In meiner Vermutung Fenchel fühle ich mich bestätigt durch Vergleich mit meinen Küchenkräutern (obwohl ich es schwer finde, Fenchel neben Anis zu riechen). *hihi* Louce mag einen Duft mit deutlicher Lavendelnote :-P
RoninRonin vor 14 Jahren
Danke für den schönen Kommentar, der auch die Stimmung des Duftes perfekt widerspiegelt. Nach Schnuppern an meiner Flasche Noilly Prat kann ich auch gut die Wermutnote erkennen. Ist Wermut nicht eh Teil des Absinth-Kräutermixes? Warum extra gelistet?
ErgoproxyErgoproxy vor 14 Jahren
Fein geschrieben.
MariellaMmmhMariellaMmmh vor 14 Jahren
Grün ist die Komplementärfabre zu pink! :D --- dein Titel erinnert mich an irische Tänzerinnen/Sängerinnen: Elfengesicht, rote Locken und dazu ein dunkelgrünes Samtkleid.
DannyboyDannyboy vor 14 Jahren
Dunkles Dunkelgrün disqualifiziert ihn mit ziemlicher Wahrscheinlichkeit als "Damny-Duft", aber ein toller Kommentar ist ja immerhin was. ;)