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Fuoco Infernale von Linari

Fuoco Infernale 2010

Serenissima
25.08.2018 - 14:32 Uhr
15
Top Rezension
7.5Duft 8Haltbarkeit 6Sillage 8Flakon

dieser Teufel ist blond

Vor fast einem Jahr stellte mir Meggi eine sehr umfangreiche Weihrauch-Duftkollektion zusammen.
Durch dieses Sortiment lernte ich nicht nur viele interessante Weihrauchdüfte kennen, sondern entdeckte auch meine Liebe zu Amber!

"Fuoco Infernale" ist sogar noch in einem Taschenzerstäuber; Meggi meinte damals, eine Umfüllung lohne sich nicht mehr.
Dadurch kommt mir dieser Duft natürlich häufiger in die Finger, als all die kleinen Zerstäuber.

In "Fuoco Infernale" lernte ich einen überraschend hellen Weihrauchduft kennen.
Hier ist der Teufel blond und der Weg zur Hölle nicht nur mit guten Vorsätzen, sondern offenbar mit vielen lichten Birken gepflastert.
Auch die anderen Holznoten sind hell (ich vermeine auch Buche wahrzunehmen) und meinem Empfinden nach gut abgelagert; einen Baumarkt-Holzcharakter mit Synthetikanklang kann ich nicht wahrnehmen.

Bei den Birken fällt mir natürlich sofort der Berliner Maler Max Liebermann ein.
Er hatte damals, zusammen mit Alfred Lichtwark, auf seinem Grundstück eine wunderschöne Allee aus Birken geplant und gepflanzt, die direkt bis an den Wannsee führte.
Besucher der Hamburger Kunsthalle werden jetzt aufmerken: Alfred Lichtwark war hauptberuflich Direktor dieser Institution und so ganz nebenbei auch Gründer der gleichnamigen Schule.
Auf Helmut Schmidt, unseren ehemaligen Bundeskanzler, muss ich in diesen Zusammenhang sicher nicht hinweisen.
Diese Birken findet man auf vielen impressionistischen Bilder Max Liebermanns; das Licht- und Schattenspiel des Blattwerks fängt er unnachahmlich ein. Und meist schimmert das Wasser des Wannsees im Bildhintergrund.
Die Stiftung, die sich der sog. "Villa Liebermann" angenommen hat, sorgte dafür, dass diese Birkenallee nach Erwerb des völlig heruntergekommenen Wasser-Grundstücks wiederhergestellt wurde.
Inzwischen haben diese Birken ihre Jugendjahre hinter sich und lassen einen ungefähren Eindruck des ehemaligen Grundstück-Charakters entstehen.
Auf dem Rasen in ihrem Schatten lässt sich wunderbar entspannen: mit einem Becher Kaffee und einem Buch - und immer den belebten See vor Augen.

Diese hellen Hölzer eröffnen also "Fuoco Infernale", bevor sich der bekannt würzige Duft der "gemeinen" Gartennelke meldet.
Die Nelkensträuße, die in den sechziger Jahren zu Kaffee-Einladungen mitgebracht wurden, standen hier sicherlich Pate!
Nelke und helles Holz - schon eine schöne Duftkombination! Dazu passt die Dosis Zimt ganz ausgezeichnet.
Ein wenig erscheint leckere Weihnachtsbäckerei am Duft-Horizont! (Aber das nur so nebenbei!)
Das Geschmeidige dieser Komposition wird durch das Harz der Zistrose, Labdanum, strenger und auch ein wenig bissiger.
Ich mag dieses Aroma sehr; sogar die Lutschpastillen damit sind mir und meinen Atemwegen im Winter willkommen.
Majoran und Myrte, beide auch sehr würzig, vervollständigen eine Ouvertüre, die schon recht faszinierend ist.
Iris und Tonkabohne - beide nicht unbedingt "my favorite things" - rollen jetzt den "roten Teppich" für einen hellen, aber nicht etwa seichten Weihrauch aus!
Dieses durch ihn entzündete Feuer raucht und qualmt nicht. Es brennt hell, ausgeglichen und eigentlich recht freundlich! Ein Duftakzent, der erst einmal leicht irritiert.
Denn der Teufel, blond und leichtfüßiger als vielleicht erwartet, wohnt auch hier im Detail: er schürt sein höllisches Feuer jetzt!
Eine Handvoll harzig-würzigem Gurjunbalsams landet erst einmal in den Flammen: holla - das ist eine Freude!
Der Teufel grinst!
Atlaszedernholz, besonders würzig und auch wieder hell, fliegt gleich hinterher; oh, wie das knistert!
Jeweils eine gute Portion Leder und Moschus lassen die Flammen auflodern - der höllische Duft wird von erotischer Spannung durchzogen!
Aromatischer Rauch entwickelt sich; er benebelt bereits leicht die Sinne - lässt schweben.
Unser Teufel tanzt inzwischen vor Begeisterung um das von ihm geschaffene Feuer!
Er hat sich nämlich noch ein ganz besonderes Bonbon zum Schluss aufgehoben - Ambra!!
"Fuoco Infernale" vibriert jetzt vor Sinnlichkeit und Lust!
Dieser Feuerteufel schreit nicht etwa laut: er ist leise, aber gerade dadurch sehr intensiv!

Die Haltbarkeit dieses Linari-Duftes ist durchschnittlich; aber es macht sehr viel Freude, immer wieder einmal nachzusprühen und das kecke Teufelchen zum Leben zu erwecken.
Für mich ist "Fuoco Infernale" kein rein männlicher Duft; er lädt auch Frauen dazu ein, durch einen Schleier aus Rauch zu treten und sich einfach einmal neu zu erfinden!
Und welche Frau möchte nicht ab und zu das Spiel mit dem Feuer genießen; es eventuell sogar eröffnen?

Fast hätte ich doch auf "Fuoco Infernale" vergessen - das wäre doch sehr traurig gewesen!
Aber dadurch, dass Can777 mir viele schöne Duft-Überraschungen zusammenstellt, musste ich in meiner eleganten "Sisley-Box", in der die Abfüllungen und Proben wohnen, ein wenig Ordnung machen.
Und traf diesen sympathischen Gesellen zum Glück erneut!

Heute Abend wird mich "Fuoco Infernale" nun nicht gerade auf Abwege treiben.
Trotz der stattfindenden "Langen Nacht der Museen" denke ich, dieses Feuer sollte lieber noch ein wenig vor sich hin schwelen, ehe ich es entzünden werde!
"Fuoco Infernale" wird mich mit Sicherheit begleiten, wenn es dann heißt "Fait Votre Jeux!" oder "The Game is on again!"
Aktualisiert am 15.09.2021 - 12:15 Uhr
5 Antworten
FlirtyFlowerFlirtyFlower vor 7 Jahren
Klingt interessant - und die Überschrift hat mir besonders gefallen! :oD Pokal
YataganYatagan vor 7 Jahren
Ich kann mich nur noch erinnern, dass ich den mochte. Dein Kommentar regt zu einem neuerlichen Test an.
GerdiGerdi vor 7 Jahren
Ich halte mich an den Liebermann! Mit Linari 'kann' ich irgendwie nicht. ...Deiner fabelhaften Schilderung zum Trotz!
Can777Can777 vor 7 Jahren
Den mag ich auch sehr. Den Duft wie auch den Kommentar. Und wenn Du erst die anderen Proben von mir hast,wird es erst richtig brennen!...;)))
MeggiMeggi vor 7 Jahren
Bisschen viel Majoran war da drin.