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Les Nombres d'Or - Vétyver von Maison Mona di Orio

Les Nombres d'Or - Vétyver 2011

Stefanu155
23.04.2016 - 16:05 Uhr
14
Sehr hilfreiche Rezension
5.5Duft 8Haltbarkeit 6Sillage 8Flakon

Vetü... Was?

Das Ypsilon in Vétyver ist zwar rechtschreibtechnisch offenbar legitim, will heißen, das kann man machen, aber irgendwie kommt es mir immer vor, als würde man beispielsweise "Vampyr" schreiben - analog zu "Motörhaube", um das Ganze irgendwie ehrfurchtgebietender oder gefährlicher klingen zu lassen. Mit mehr Aura aufgeladen und so. Und etwas böser natürlich.
"Zitröne" wäre ein Vorschlag von meiner Seite. He, ihr deutschsprachigen Duftschaffenden, macht doch mal bitte "Zitröne", ich wäre dabei!
Dann monothematische Düfte - auch wieder so eine Sache mit einem gewissen Absolutheitsanspruch: den rosigsten Rosenduft, die orangenste Orange, die irischte Iris oder den fischigsten aller Fischdüfte zu kreieren. Ich weiß nicht ganz, wieso, aber irgendwie ist mir das verdächtig. Andrerseits ist diese Seite unter anderem dazu gut, solcherlei Vorurteile abbauen zu helfen. Weshalb ich mich schon eine ganze Weile mit diesem Vétiver rumschlage. Für den Kommentar hier habe ich aber mein Pröbchen aufgebraucht und ich kann mich damit von diesem Lebensabschnitt getrost verabschyden.
Mein Endergebnis vorneweg: Ich finde ihn eher langweilig. Die Zutatenliste lässt ja mein Nasenherz gleich höher schlagen, aber irgendwie peppt das dann trotzdem nicht so richtig. Und ich frage mich jetzt, was da für mich nicht stimmt.
Anfangs macht er ja gleich einen auf ungehobelten Kerl und will offenbar die Knarzigkeit der knarzigsten Vétiveteranen in den Schatten stellen. Dabei buhlt er nicht gerade um Sympathien. Das legt sich aber gleich wieder, Zedernholz rückt ihn schnell in freundlicheres Licht und eine leichte Schärfe konturiert alles. Ein wenig rauchig, finde ich auch. Ich finde das aber eine Spur zu unwirsch, da ich für diese Herbheit nichts Wesentliches vermittelt bekomme. Das ist auch nicht "tief" oder "edel" sondern, ich muss es leider sagen, eigentlich nur unfreundlich. Und weil man wird, was man trägt, werde ich auch bei diesem Kommentar so... so eben.
Relativ schnell beruhigt er sich in einem langen Stillstand. Ich wollte grad schreiben "Plateauphase", nur kommt danach nichts mehr... oder nicht viel.
Prinzipiell riecht er dann wie eingeöltes Vétiver, die vielgeschmähte Möbelpolitur möchte ich hier anführen, obwohl ich zu der Art von Junkies gehöre, die Möbelpolitur meist gerne riechen. Aber Vétiver, Holz und was Öliges. Wenn mir eine harzige oder ölige Note nicht gefällt, habe ich immer sofort Elemiharz in Verdacht, das kann ich nämlich nicht leiden, denn es macht alles zu, wenn man da nicht aufpasst. Das schmiert jetzt den Mittelbereich einigermaßen ein, oben spitzen ein paar grelle Spitzen heraus, aber - wozu? Irgendwie mault das Bittergras da noch ein wenig bitter rum und scharfes Gewürz (ich nehm jetzt mal den Muskat aus der angegebenen Liste, das ist gut möglich, dass der das ist) leistet ihm dabei Gesellschaft.
Dabei bleibt es dann auch und ganz am Ende hin kommen - wen wundert's - die weicheren Süßlinge stärker nach oben und setzen sich ganz allmählich gegen die unermüdlichen Hysteriker durch.
Mir ist bewusst, dass man das auch mögen kann, aber verzeiht, dass es mich einfach nicht vom Hocker haut. Das ist eine Bytte.
Aktualisiert am 14.01.2021 - 15:47 Uhr
5 Antworten
ErgoproxyErgoproxy vor 9 Jahren
Mir hat der zwar gefallen, aber tragen würde ich den nicht wollen.
OrmeliOrmeli vor 9 Jahren
Möbelpolitur hat was; toller Kömmëntar mit Tiefgang ;-)
MeggiMeggi vor 9 Jahren
Ich finde den auch eher sperrig.
SeeroseSeerose vor 9 Jahren
Pökáhl selbtverfreylych, dabei: Pö + kahl? Davon hattest Du nichts geschrieben:-D
YataganYatagan vor 9 Jahren
Genialer Kommentar und ich bewerte ihn genauso wie Du!