...in leichten Wellenbewungen streicht die heiße Mittagsbrise durch die Kornfelder und ein kaum merkliches, sanftes Rauschen entzückt das Ohr. Je weiter der Blick gegen den azurblauen Horizont streift, desto klarer werden die Wogen des feinstrukturierten, gelben Ozeans. Hoch oben am Himmel ziehen statische Cirruswolken ihre feinen, weißen Schlieren. Die leicht vibrierende Geräuschkulisse der Grillen wird getragen von der Sommerhitze, unterstreicht die als angenehm empfundene, entrückte Benommenheit. Ein sachter Windstoß trägt von weit her die lukullische Süße der Orangenplantagen, vermengt das Aroma mit der spelzigen Bitterkeit der Felder und der leicht würzigen Meeresluft zu...
... - sorry für den unsanften Cut, meine Damen und Herren -, einer betörend synthetischen Gesamtkomposition. Das ist ernüchternd, ich weiß, aber irgendwann müssen wir ja in der Realität ankommen. Ich muss eingestehen, so hervorragend sich Agrumi di Sicilia auf das Evozieren von Tagträumen versteht, so wenig bestrickend zeigt sich sein Aromenspiel letztlich auf der Haut.
Agrumi di Sicilia lässt einen abgleiten und zeichnet dabei in makelloser Perfektion das Idealbild südländischen Flairs und Wohlgeruchs. Erstaunlich ist dies, denn wir haben es hier mit einem Duft zu tun, der sich weder durch die Güteklasse seiner Zutaten auszeichnet, noch durch den Einfallsreichtum seiner Komposition. Der Start ist geprägt von einer leicht wässrigen, orangefarbenen Süße, die mich etwas - man möge mir den Vergleich verzeihen - an Capri Sonne erinnert. Im weiteren Verlauf gesellen sich grünlich-florale Attribute von konzilianter Bitterkeit hinzu, eher synthetischer Ausprägung, denn organischer. Und gegen Ende wird es ozonisch-aquatisch, ein leicht stechender, aquamarin-türkisgefärbter Dufteindruck, der sich betörend mit den verbleibenden Agrumennoten liiert.
Der eher künstlichen Ausprägung zum Trotz weckt Agrumi di Sicilia regelmäßig oben beschriebene Bilder in mir. Ich vermag nicht zu beurteilen, weshalb, und letztlich spielt es auch keine große Rolle. Fakt ist, dass sich Agrumi di Sicilia von einer anfänglichen 50%-Bewertung in der Skala auf ordenliche 70% hochgearbeitet hat. Schien mir der Duft eingangs noch unwürdig, so habe ich ihn mittlerweile lieb gewonnen und freue mich auf ein sporadisches Kopfkino, entfacht durch diesen eigentümlich geglückten, synthetischen Hauch .
Bei Deiner wundervollen Beschreibung und einer doch leisen Begeisterung die man daraus lesen kann, mag er doch nicht so schlecht sein. Mir wäre lediglich die Sillage wohl etwas zu schwach.
Auch "künstlich" kommt von "Kunst" - und solange die Bilder so wunderschön sind, wie Du sie beschreibst, ist der Rest vielleicht doch zu vernachlässigen. Den Monotheme-Düften bin ich eh ein wenig verfallen, der Himmel weiß warum.