Wer Bond No. 9 und ähnliche Düfte gerne mag und außer den quietschig-bunten Flakons auch noch einen solchen Duft in Neonfarbnoten möchte, der sollte "Tubéreuse Couture" wenigstens testen.
Bei Tuberosendüften habe ich oft Probleme, sie riechen mir in vielen Fällen wie feuchter Spüllappen, etwas "anrüchig", den man entsorgen oder 60° waschen sollte. Do Son und einige andere Düfte hingegen finde ich schön und gelungen - ab und zu. Tuberose ist eine schwere sowie problematische Blume in Parfüms, wie ich finde. An echten Blüten habe ich bewußt noch nie riechen können.
Aber nun beim Testen von "Tubéreuse Couture" überfällt mich nach dem Auftragen ein heftiger, sehr süßer und eindeutiger Tuberosenduft, ich meine ein Spur Vanille zu riechen.
Nein, hier ist kein angegammeltes feuchtes Spültuch, ganz und gar nicht. Mir fällt nur dazu ein: Das ist ja wie einer der Bond No. 9 -Düfte, allerdings mit sehr hoher Konzentration synthetischer Tuberose zunächst.
Mir gefällt das, ja doch! Und ich notiere: Man sollte Tuberosendüfte nicht, wie so oft, so ernst, fade und dunkel-grün-sumpfig kreieren, sondern süßer, lieblicher, hell und strahlend.
Zugegeben, in "Tubéreuse Couture" ist das etwas überzeichnet - zunächst.
Jedoch nach einiger Zeit nehme ich dicht auf der Haut eine etwas herbere, grüne fruchtige Note mit Tendenzen zur Pudrigkeit wahr. In der Sillage, also um mich herum, rieche ich weiterhin die starke und süße Tuberose. Die Synthetik hat sich weitgehend zurückgezogen.
Dazu entwickelt sich eine cremig-milchige Note in der Sillage. Hautnah nehme ich den zurückgenommenen Tuberosenduft mit fruchtig-trockenen und grünen Noten wahr. Hier und da rieche ich auch so etwas wie Jasmin. Aber viele Düfte die Tuberose, Gardenia, Tiare gelistet haben, haben für mich auch immer eine Tendenz zu Jasmin. Manchmal kann ich das gar nicht auseinanderhalten.
Weiter tut sich nichts mit "Tubéreuse Couture". Hier und da meine ich etwas Harzig-Holziges wahrzunehmen zumindest hautnah. Aber auch Anklänge an Orangenblüten nehme ich wahr.
Insgesamt stimmt mich "Tubéreuse Couture" heiter. Es ist ein fröhlicher Duft.
Aber auch ein Duft für Frauen - ohne Zweifel ist das ein femininer Duft - die gerne etwas exaltiert auftreten mögen.
Also zu mir passt "Tubéreuse Couture" allenfalls zu Hause. Damit in die Öffentlichkeit oder zur Arbeit zu gehen erfordert meiner Meinung nach richtig Courage. Ich würde das nicht wagen.
Dann kommen mir auch Gedanken an südliche tropische Länder, Strände mit Palmen, Gegenden in denen die Vegetation überhaupt üppig und schwer duftet.
Ich kann mir auch vorstellen, dass "Tubéreuse Couture" Kopfschmerzpotential hat. Also muss man gut drauf sein um es zu tragen.
Aber nun bin ich hier und rufe die Pyramide auf.
Zuerst gibt es ein Rätsel. Was zum T... ist denn nun schon wieder: Calomondinorange? Dazu lese ich im Wiki, dass es verschiedene Kreuzungen zwischen Mandarinen oder Orangen und Qumquat gibt die zusammengefaßt so heißen. Eine davon heißt Citrofortunella, eine andere Variegata etc.
Diese fruchtige Note, etwas herber in der Herznote ordne ich deshalb Calomondinorange zu.
Süß und milchig ist "Tubéreuse Couture", um bei der Pyramide zu bleiben. Wie Pflanzenasche riecht weiß ich nicht.
Je länger ich "Tubéreuse Couture" trage, desto leichter wird es, der Blütenduft wird transparenter. Als neulich meine Engelstrompete ihre bisher einzige Blüte hatte, roch sie ähnlich. Dennoch bleibt der Grundton in "Tubéreuse Couture" die Tuberose.
Ich finde "Tubéreuse Couture" sehr gelungen. Er ist das, was der Name verspricht, ein (maß)geschneiderter Tuberosenduft. Und daher nur für diejenigen, die Düfte mit weißen Blüten und ganz besonders Tuberose mögen.