Zahlreiche extravagante Duftschöpfungen haben wir inzwischen von Serge Lutens kennengelernt, doch was hat sich der Monsieur dabei gedacht ein Parfum
Dent de Lait zu nennen?
Ich habe eine Probe erhalten und werde der Angelegenheit auf den Zahn fühlen.
Ünglücklicherweise werfe ich vorher noch einen Blick auf die Duftnoten und lese : Blut-Akkord.
Nun wird mir doch etwas bang.
Ich frage mich, was da auf mich zukommen mag.
Wie wird dieser verwendete Akkord duften?
Frisches, altes, getrocknetes Blut -
alles schon mal gerochen.
Möchte ich das in einem Parfum wiederfinden?
Doch halt, es handelt sich ja um den benannten kindlichen Milchzahn.
Kann so schlimm also nicht sein.
Ich erinnere mich an eine Begebenheit, als mein ältester Sohn sich im Alter von 6 Jahren peu à peu von seinen ersten Zähnen trennte.
Ein Backenzahn erwies sich als besonders hartnäckig und wollte sich den zahnbautechnischen Planungen nicht fügen.
Da kam sein Papa auf die geniale Idee, den Störenfried mit einem festen Zwirn zu umwickeln und das andere Ende des Fadens an der Playmobil -Steinschleuder zu befestigen.
Die Schleuder wurde gespannt und eh wir alle begriffen, daß nun aus Spiel ernst werde sollte, war der Zahn auch schon gezogen.
Mit Spuren von Blut baumelte er am stabilen Faden und hinterließ dabei keinen unangenehmen Dufteindruck.
Doch endlich zum Test:
Ich sprühe und augenblicklich befinde ich mich auf dem Zahnarztstuhl.
"So, nun bitte noch einmal kräftig den Mund ausspülen ", höre ich meinen Arzt sagen.
Aldehyde in reinster Form wirken auf mich ein und ich meine schon fast eine Mundspülung schmecken zu können.
Gewisse Zweifel kommen auf, ob ich mich gerade parfümiert oder desinfiziert habe.
Nach einer Stunde wird der Duft etwas sanfter, was sicher an der Kokosmilch liegen mag. Gibt es da eine Ähnlichkeit mit Chanel Nr. 5 ?
Nein, dieser Gedanke keimt nur ganz kurz in mir auf, was sicher an den Aldehyden liegen mag.
Dent de Lait hat nichts zitrisches, nichts blumiges, nichts cremiges.
Wenn ich eine leichte Mandelnote wahrnehme, liegt es eventuell an dem verwendeten Benzaldehyd, welches süß mandelig daher kommt.
Auch nach 2 Stunden stagniert Dent de Lait in seiner Aldehydpräsenz.
Jede Lebendigkeit bleibt aus.
Fast schon wünsche ich mir den Blut - Akkord herbei, um das Ganze wiederzubeleben, doch auch diesen vermisse ich noch nach Stunden.
Da ist leider nichts zu retten -
das Parfum ist klinisch tot.
Die komatöse Haltbarkeit ist durchaus ordentlich.
6 Stunden am Handgelenk waren bei mir möglich, wobei die Sillage eher körpernah bleibt.
Der SL - typische Flakon paßt diesmal vortrefflich. Könnte sich doch auch ein gutes Mundwasser darin befinden.
Fazit:
Nein, mein lieber Monsieur Lutens,
dieser Behandlung möchte ich mich nicht noch einmal unterziehen.
Der Zahn ist nun endgültig gezogen.
Ein klinisch toter Duft... och nö, heute mal nicht. Nennen wir es ein Duft-Experiment und belassen es dabei ;)
Zumindest einer weniger für die Merkliste.
Schmunzel - den Trick mit der Playmobil-Schleuder muß ich mir merken, auch wenn ich längst keine Milchzähne mehr und auch keine eigenen Kinder habe, dafür einen Stall voll Betreuungskinder! Mit den mir bisher bekannten Lutens-Düften komme ich eigentlich gut zurecht, im vorliegenden Fall jedoch beschleichen mich leise Zweifel...
Ich habe mich beim Lesen köstlich amüsiert, aber den Duft möchte ich lieber nicht kennen lernen. Beim Tragen eines Duftes mag ich nun wirklich nicht an die Wurzelbehandlung beim Zahnarzt erinnert werden.
Ich find den auch einfach nur skurril und widerlich und kann mir nicht vorstellen, wer sich damit eindieselt und denkt "Geil!". Mir unbegreiflich. Dein Kommi toll!
lustig! An Deinen Kommi denke ich nächste Woche - da habe ich einen Zahnarzttermin und hoffe, er findet nix. Milchzähne habe ich keine mehr und die Weisheit wurde mir schon gezogen ;-))
Zumindest einer weniger für die Merkliste.