Enchanted Forest The Vagabond Prince 2012
16
Top Rezension
Wandern und wundern im Johannisbeer-Wald
Beim Aufsprühen: Johannisbeere, schwarz aber süß, mal überwiegt die Süße mal die herbfruchtig typische Cassis- Bitterkeit. Fruchtige Düfte sind eigentlich so gar nicht AugustAs Lieblings-Metier, da hebe ich schon mal alle verfügbaren Hände: Nein, nicht schon wieder so eine Fruchtbombe! Außer zitrische Düfte, das ist für mich etwas völlig anderes. Aber herbfruchtige Aromen können dann doch bestechend sein, Brombeere zum Beispiel oder eben Cassis. Da darf aus meiner Sicht auch nie das Blatt fehlen, oder starke Kontrapunkte, damit wir nicht beim Fruchtkompott landen. Reine oder vordergründige Fruchtdüfte sind einfach zu langweilig, die Frucht will ich mir in den Mund stopfen und weg ist sie, das brauche ich nur riechen, wenn es am Strauch oder dem Baum hängt oder schon auf dem Weg zum Mund ist. Dann aber gerne.
Von den heute fast zwingend in jedem Mainstreamer vorkommenden Fruchtaroma will ich hier gar nicht sprechen. (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.)
Hier nun haben wir es aber nicht nur mit einem Fruchtduft zu tun, sondern mit einem Wald, einem bezauberten, entzückten, verwunschenen Wald.
Und der Duft wird auch schnell vielschichtiger, die Beeren bleiben am Strauch und viele Bäume gesellen sich außen herum. Und dieser Wald ist nicht gerade kühl, sondern ein Sommerwald, herrlich duftend nach all diesem Grün, den Harzen, die durch die Sonne gelöst werden, fast klebrig, aromatisch. Lichtstrahlen fallen durch den Mischwald, und die Sträucher unter den Bäumen tragen köstliche Beeren. Entzückend, in der Tat, und bezaubernd. Ein warmer Sommerwald ist wirklich etwas ganz wunderbares. Und freundlich, die Lebhaftigkeit, die in diesem Wald herrscht. Wenn überall sonst die brütende Hitze Mensch und Tier niederdrückt, findet man in diesem Wald Luft zum Atmen, Grün in allen Facetten und den Duft der Bäume und sonstigen Pflanzen. Auch ein Tier ist mal vorbei gestrichen. Das Fell hängt noch riechbar im Gesträuch. Man schwitzt gegen Ende ein wenig und fühlt sich wohl dabei.
Was für ein schöner Duft! Wunderbar, da bekommt man den Kopf frei und sogar etwas anderes als das Übliche hinein. Durch die Nase, versteht sich. Verzaubernd, weil der Duft einen nicht los läßt - er ist dabei sehr tragbar und besonders sogar bei hohen Temperaturen trotz der aromatischen Harzigkeit und der Tannennadel. Oder gerade deshalb - und fordert doch, dass man ihn aktiv wahrnimmt. Das ist keine Hintergrund-Melodie, sondern eine ausgwachsene Sinfonie und völlig harmonisch fügt er sich auf Haut und Träger(in) zusammen.
Nach der Kopfnote mußte ich gleich an "Woody Mood" denken, ein für mich sehr ähnlicher, wenn auch archaischerer Wald, weil, ja, ganz ohne Johannisbeere oder dergleichen, aber mit mehr Holz und Harz und Rauch. Er hat aber ebenfalls diese charakteristische Tropfharz-Süße, die einem nie auf den Geist geht, anders als die schon erwähnten Fruchtzucker-Nachtische, in denen ich mich niemals aufhalten wollen würde - wer will schon in einer Kompottschüssel schwimmen oder in einem Sorbet ums klebrige Überleben kämpfen. Aber in Duchaufours Wäldern, da ist gut sein, die suche ich jederzeit gern auf!
Schöner Flakon übrigens auch, erinnert an die schwarze Beere und die golden-russische Verzierung passt zu all dem vielen Harz und Nadelwald, der so mild-würzig duftet. Das tut er übrigens lange, von ca. acht Uhr abends bis am nächsten Morgen war der Duft in seinen Wandlungen immer noch da.
Die Johannisbeere und der Wald betonen verschiedene Momente, klar wird die Frucht traditionellerweise eher den Damen in all ihrer verführerisch-tropfenden Süße - wobei sie hier auch ein bisschen herb ist - zugewiesen und der Wald dem Manne, egal ob in Tweed oder Försterskostüm. Davon sollte man sich nun wirklich nicht täuschen lassen, sondern einfach schauen, was hinter den Baumstämmen hervorlugt und wie es sich mit der eigenen Haut verträgt. Dieser Duft ist ganz sicher keinem Geschlecht zugewiesen, es sei denn den Trollen oder dergleichen, die sicher sehr viel besser riechen als ihr Ruf es vermuten läßt. Ach, dieser Märchen-und Sagen-Kitsch, wo kam der denn jetzt wieder her? Ach ja, es ist ja ein Zauberwald. Diese Cassisnote kann einem offenbar schon etwas zu Kopf steigen. Wo war ich noch gleich - mir ist, als hätte ich mich verlaufen...
Diese Natur-nicht-Natur-Düfte gefallen mir. Das hier ist keine einfache Duft-Abbildung von Wald und Beere. Das gefällt mir, weil sie eine neue Naturwahrnehmung verkörpern. Nicht mehr die ursprüngliche Natur als Gewalt von Außen, gegen die der Mensch sich schützen muss. Die gibt es so ja gar nicht mehr. Das ist zwar nicht ganz passé, aber diese Wahrnehmung entspricht überhaupt nicht mehr dem Verhältnis der Menschen zur Natur von heute. "Natur"gewalt begegnet einem heute als Straßenverkehr oder durch Industrie oder Arbeitsverhältnisse dauernd und noch ganz anders, unterschwellig auch. Die Natur ist heute nicht mehr einfach nur Natur - sie ist angereichert mit Bedürfnissen und Vorstellungen, über die Jahrhunderte geformt und vom einzelnen wieder wahrgenommen beispielsweise als Ort der Erholung und des Rauskommens, als Wahrnehmungs-Kontrast zum urbanen oder Alltags-Umfeld, oder eben auch als Sagen und Märchen-umwobenen versteckten Wunschort. Ich spreche hier bewusst nicht vom allseits verordneten Bio-Gesundheits-Natur-Wahn, der ist ja nur eine weitere Möhre, die dem braven Esel vor die Nase gehängt wird, damit er im spätkapitalistischen um die Wette-Rennen schön dabeibleibt. Das geht ja auch nicht ewig so weiter.
Und schon wieder verlaufen, wo war noch gleich diese Abzweigung? Es raschelt im Gebüsch. Hmmm, dieser Duft zeigt mir doch den Weg, oder?
Kurz gesagt: Wer Fille-en-Aiguilles mag oder Woody Mood, oder Natur-nicht-Natur-Düfte, sollte den hier mal probieren. Fruchtphobie hin oder her.
Von den heute fast zwingend in jedem Mainstreamer vorkommenden Fruchtaroma will ich hier gar nicht sprechen. (Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.)
Hier nun haben wir es aber nicht nur mit einem Fruchtduft zu tun, sondern mit einem Wald, einem bezauberten, entzückten, verwunschenen Wald.
Und der Duft wird auch schnell vielschichtiger, die Beeren bleiben am Strauch und viele Bäume gesellen sich außen herum. Und dieser Wald ist nicht gerade kühl, sondern ein Sommerwald, herrlich duftend nach all diesem Grün, den Harzen, die durch die Sonne gelöst werden, fast klebrig, aromatisch. Lichtstrahlen fallen durch den Mischwald, und die Sträucher unter den Bäumen tragen köstliche Beeren. Entzückend, in der Tat, und bezaubernd. Ein warmer Sommerwald ist wirklich etwas ganz wunderbares. Und freundlich, die Lebhaftigkeit, die in diesem Wald herrscht. Wenn überall sonst die brütende Hitze Mensch und Tier niederdrückt, findet man in diesem Wald Luft zum Atmen, Grün in allen Facetten und den Duft der Bäume und sonstigen Pflanzen. Auch ein Tier ist mal vorbei gestrichen. Das Fell hängt noch riechbar im Gesträuch. Man schwitzt gegen Ende ein wenig und fühlt sich wohl dabei.
Was für ein schöner Duft! Wunderbar, da bekommt man den Kopf frei und sogar etwas anderes als das Übliche hinein. Durch die Nase, versteht sich. Verzaubernd, weil der Duft einen nicht los läßt - er ist dabei sehr tragbar und besonders sogar bei hohen Temperaturen trotz der aromatischen Harzigkeit und der Tannennadel. Oder gerade deshalb - und fordert doch, dass man ihn aktiv wahrnimmt. Das ist keine Hintergrund-Melodie, sondern eine ausgwachsene Sinfonie und völlig harmonisch fügt er sich auf Haut und Träger(in) zusammen.
Nach der Kopfnote mußte ich gleich an "Woody Mood" denken, ein für mich sehr ähnlicher, wenn auch archaischerer Wald, weil, ja, ganz ohne Johannisbeere oder dergleichen, aber mit mehr Holz und Harz und Rauch. Er hat aber ebenfalls diese charakteristische Tropfharz-Süße, die einem nie auf den Geist geht, anders als die schon erwähnten Fruchtzucker-Nachtische, in denen ich mich niemals aufhalten wollen würde - wer will schon in einer Kompottschüssel schwimmen oder in einem Sorbet ums klebrige Überleben kämpfen. Aber in Duchaufours Wäldern, da ist gut sein, die suche ich jederzeit gern auf!
Schöner Flakon übrigens auch, erinnert an die schwarze Beere und die golden-russische Verzierung passt zu all dem vielen Harz und Nadelwald, der so mild-würzig duftet. Das tut er übrigens lange, von ca. acht Uhr abends bis am nächsten Morgen war der Duft in seinen Wandlungen immer noch da.
Die Johannisbeere und der Wald betonen verschiedene Momente, klar wird die Frucht traditionellerweise eher den Damen in all ihrer verführerisch-tropfenden Süße - wobei sie hier auch ein bisschen herb ist - zugewiesen und der Wald dem Manne, egal ob in Tweed oder Försterskostüm. Davon sollte man sich nun wirklich nicht täuschen lassen, sondern einfach schauen, was hinter den Baumstämmen hervorlugt und wie es sich mit der eigenen Haut verträgt. Dieser Duft ist ganz sicher keinem Geschlecht zugewiesen, es sei denn den Trollen oder dergleichen, die sicher sehr viel besser riechen als ihr Ruf es vermuten läßt. Ach, dieser Märchen-und Sagen-Kitsch, wo kam der denn jetzt wieder her? Ach ja, es ist ja ein Zauberwald. Diese Cassisnote kann einem offenbar schon etwas zu Kopf steigen. Wo war ich noch gleich - mir ist, als hätte ich mich verlaufen...
Diese Natur-nicht-Natur-Düfte gefallen mir. Das hier ist keine einfache Duft-Abbildung von Wald und Beere. Das gefällt mir, weil sie eine neue Naturwahrnehmung verkörpern. Nicht mehr die ursprüngliche Natur als Gewalt von Außen, gegen die der Mensch sich schützen muss. Die gibt es so ja gar nicht mehr. Das ist zwar nicht ganz passé, aber diese Wahrnehmung entspricht überhaupt nicht mehr dem Verhältnis der Menschen zur Natur von heute. "Natur"gewalt begegnet einem heute als Straßenverkehr oder durch Industrie oder Arbeitsverhältnisse dauernd und noch ganz anders, unterschwellig auch. Die Natur ist heute nicht mehr einfach nur Natur - sie ist angereichert mit Bedürfnissen und Vorstellungen, über die Jahrhunderte geformt und vom einzelnen wieder wahrgenommen beispielsweise als Ort der Erholung und des Rauskommens, als Wahrnehmungs-Kontrast zum urbanen oder Alltags-Umfeld, oder eben auch als Sagen und Märchen-umwobenen versteckten Wunschort. Ich spreche hier bewusst nicht vom allseits verordneten Bio-Gesundheits-Natur-Wahn, der ist ja nur eine weitere Möhre, die dem braven Esel vor die Nase gehängt wird, damit er im spätkapitalistischen um die Wette-Rennen schön dabeibleibt. Das geht ja auch nicht ewig so weiter.
Und schon wieder verlaufen, wo war noch gleich diese Abzweigung? Es raschelt im Gebüsch. Hmmm, dieser Duft zeigt mir doch den Weg, oder?
Kurz gesagt: Wer Fille-en-Aiguilles mag oder Woody Mood, oder Natur-nicht-Natur-Düfte, sollte den hier mal probieren. Fruchtphobie hin oder her.
Aktualisiert am 05.12.2018 - 12:33 Uhr
6 Antworten
Pinkdawn vor 5 Jahren
Dieser Duft scheint dich sehr inspiriert zu haben. Oder zumindest sein romantischer Name.
Mefunx vor 5 Jahren
Ich bin ja eher der Wiesen-, weniger der Waldtyp (jedenfalls in Düften, tatsächlich wohne ich am Wienerwald). Und so bin ich nicht böse, hier den Wald nicht zu erkennen. Der Duft selbst ist jedenfalls großartig und Deinen Befunde zur Beere (das Blatt darf nicht fehlen!) teile ich natürlich.
Verbena vor 7 Jahren
Ganz wunderbarer Kommentar zu einem Duft, von dem ich mich nur allzu gern verzaubern lasse.
Jumi vor 7 Jahren
Kitsch hin oder her - bin auch von diesem Cassiswald total verzaubert :) Ein schöner Kommentar!
Yatagan vor 7 Jahren
Der ist gut, eigenwillig und definitiv mal was anderes. Die Marke hat da ja so einiges zu bieten.
Mydarkflower vor 7 Jahren
Ich empfinde den Duft genauso wie du, als unnatürlich natürlichen, wunderschönen Sommerwald. Der ist einfach toll. :)

