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Düfte mit Guajakol vor 3 Jahren
Liebe Duftgemeinde,

ich suche euren Rat. Momentan arbeite ich in einem Forschungslabor für Geruchsforschung, und da im Speziellen mit einem guten hundert typischer Duftstoffmoleküle (jaja, Blog kommt bald wieder). Gestern habe ich zum ersten Mal mit Guajakol gearbeitet. Und bin in diesen Duft verliebt!

Guajakol riecht in Reinform stark phenolig nach Rauch und trägt unter anderem zum typischen Aroma von Rächerwaren und Holzfeuer bei (da es unter anderem beim Verbrennen von Lignin entsteht). Verdünnt aber, und ganz genau genommen rede ich hier von meiner Erfahrung mit der Konzentration von 2,09% in weißem Mineralöl, kommt dem Raucharoma eine ausgeprägte Vanillenote hinzu. Hier wird es interessant! Ich liebe Vanille und trage eh schon viel zu viel davon. Aber diese rauchige Vanillenote von Guajakol hat mich fasziniert, und ich brauche nun auch sowas.

Nun nehmen nicht alle Menschen sofort Vanille wahr, wenn sie Guajakol riechen. Da ich aber für Vanille sehr sensibel bin und regelrecht danach suche, fiel sie mir noch vor dem Rauch auf. Ein paar Kollegen riechen dagegen fast nur Rauch. Ein anderer wiederum, der erklärter Vanilleliebhaber ist, roch auch sofort Vanille. Tatsächlich riecht das verdünnte Guajakol für mich eher nach Vanille als Vanillin: denn auch echte Vanille hat durch die Fermentierung immer ein leichtes rauchiges Aroma, welches das pappsüße Vanillin nicht hergibt.

Kurzum: Ich suche Düfte, von denen ihr wisst, dass Guajakol eine wichtige Rolle spielt. Wenn ihr das nicht wisst, freue ich mich auch über Anregungen mit dem obigen Geruchsprofil. Außerdem wüsste ich gerne: riecht so Guajakholz? Ich kenne nun leider nur die reinen Duftmoleküle aus dem Labor und ein paar ätherische Öle, aber nicht den Duft von echtem Guajakholz. Wenn es so einen Vibe von Rauch und Vanille hat, muss es göttlich sein...

Cave: Ich kann nicht absolut sicher sein, dass meine Probe Guajakol nicht mit Vanillin verunreinigt ist. Vanillin wird nämlich technisch aus Guajakol synthetisiert (und das wiederum aus Holz, weswegen regelmäßig getuschelt wird, dass man angeblich Holzspäne im Vanillejoghurt habe...), und die Flasche Guajakol bei uns im Labor ist auch schon ein paar Jahre alt. Allerdings habe ich die Probe selbst hergestellt und auch eine Abfüllung reinen Guajakols vorgenommen, das wiederum stark nach Rauch und sonst wenig riecht. Zudem wird in den gängigen Moleküldatenbanken auch immer Vanille als Note für Guajakol genannt, also gehe ich stark davon aus, dass das schon so richtig ist und ich einfach nur besonders auf die Vanille fokussiert bin Smile

Danke für eure Ideen!
euer Mathieu
vor 3 Jahren
Das wird möglicherweise eine etwas schwierige Suche. Guajakholz ist als Note in sehr vielen Düften und dazu noch sehr unterschiedlichen Düften.

"Gaïac" von Micallef ist sogar nach Guajakholz benannt und da spielt es eine wichtige Rolle, könnte deinem Wunsch entsprechen.
Ein schöner Duft bei dem Guajakholz auch eine interessante Rolle spielt ist "Aclus". Holzig, trocken, aber auf weicher leicht süsslicher Basis. Dem könnte aber für Dich vielleicht das rauchige fehlen.
Bei "Vanhera" handelt es sich um einen Duft der Deinem Wunsch nach Rauch + Vanille auf jeden Fall entspricht, auch wenn da kein Guajakholz als Note gelistet ist. Sehr gelungene Kombi mit Holz, Rauch und trockener nur wenig süsser Vanille.

Edit: Tippfehler
Zuletzt bearbeitet von MrGaunt am 14.04.2018, 15:12, insgesamt einmal bearbeitet
vor 3 Jahren
Hallo Mathieu,

es ist zwar kein Guajakol enthalten aber hast Du schon mal Spiritueuse Double Vanille ausprobiert? Startet sehr rauchig und entwickelt sich zu einer wunderbaren Vanille ohne Süße...
vor 3 Jahren
Bei Deiner Beschreibung könnte ich mir auch vorstellen das in "Dreckig bleiben " Guajakol verwendet wird.
vor 3 Jahren
Deine Feststellungen sind absolut logisch, da Guajakol in Spuren auch in echter Vanille enthalten ist. Gaiac in purer Form riecht hauptsächlich nach Räucheraromen (ich muß immer an Schinken denken, selbst bei einer molekularen Destillation von Robertet, bei der unerwünschtere Komponenten vermindert werden).

Ich werde das nochmal genau auf den "Vanilleaspekt" analysieren und Bescheid geben. Bisher ist mir definitiv keiner prominent aufgefallen.

Das mit dem Joghurt ist leider Realität, da durch die schon seit 2014 anhaltenden Vanillekrise echtes, aus echter Vanille gewonnenes Vanilin gegenwärtig dreimal teurer als Gold ist. Meine letzte Info vom Produzenten war 90.000€ / kg.
Manchmal werden alibimäßig minderwertige, bereits extrahierte Schoten mitverarbeitet, das ist aber mehr ein optischer als geschmacklicher Aspekt, kann aber als echtes Vanillearoma deklariert werden.
Die Preise sind seit 2014 um ca 2500% gestiegen, da wird im industriellen Betrieb kaum noch echte Vanille verwendet, weder in Nahrungsmitteln noch in Parfums.
vor 3 Jahren
Danke erst mal für die vier Dufttipps. Ich werde vielleicht bald mal bei ALZD eine Probenbestellung aufgeben, die Düfte klingen sehr spannend. Riecht Guajakholz also dementsprechend tatsächlich rauchig-vanillig? Ich kann mir vorstellen, dass vor allem die Rauchnote beim Holz dominant ist. Wie dem auch sei, die Richtung rauchig-holzig-vanillig ist in meiner Phantasie schon ein Gewinner! Falls es noch Ideen gibt, gerne her damit Smile

Spirituese Double Vanille ist sogar bereits einer meiner absoluten Lieblinge, habe ihn aber bisher nur als große Probe Smile

@Centifolia: Die Verdünnung macht es echt aus. Für mich riechen die 2%-Lösung und das reine Guajakol erstaunlich unterschiedlich. Mit dem künstlichen Aroma in Joghurt habe ich übrigens gar kein Problem - künstliches Vanillin ist vielleicht nicht so reichhaltig und komplex wie echte Vanille, aber ich muss ja auch nicht jeden Becher Joghurt wie ein Glas Wein verkosten Smile Bei den kleineren Bioherstellern gibt es allerdings noch recht häufig reine "echte" Aromatisierung, dafür halt nicht so günstig.
vor 3 Jahren
Centifolia:
...., aus echter Vanille gewonnenes Vanilin gegenwärtig dreimal teurer als Gold ist. Meine letzte Info vom Produzenten war 90.000€ / kg.

Macht eine Vanillin-Extraktion denn überhaupt Sinn? Vanillin ist ein chemisch klar definierter Einzelstoff. Der riecht aus künstlicher wie natürlicher Herkunft identisch. Oder meinst Du Vanille-Extrakt? Der ist natürlich megakomplex und riecht alles andere als eindimensional.

In den meisten Supermarktwaren zum Normalpreis dürfte seit langer Zeit kaum echte Vanille verwendet werden. Das ist Vanillin aus z.B. dem genannten Holz und damit "natürliches Aroma", versetzt mit wie Centifolia schon schreibt Abfall der echten Vanille oder auch gerne Johannisbrotkernmehl für ein paar schwarze Stippen.

Andy Tauer hat in seinem Blog übrigens einen kleinen Beitrag zum Thema Vanille-Mangel: tauerperfumes.com/blog/2018/01/17/vanilla-plan ifolia-shortage/
vor 3 Jahren
Informativer Thread, Danke Mathieu!
Kenne Guajakol noch nicht (Du Glücklicher!), aber probier mal von Merchant of Venice "Venezia Essenza pour Homme"
Das sanfte edelholzig vanillierte Palo Santo ist hier mit Labdanum und Kaffeearomen umgeben. Erster Duft an dem ich andersartiges Holz, als das gängige, erkannt habe. Tolles Aromenspiel für Frühling!
EDIT: +1 für M. Micallefs "Gaïac", den hab ich auch schon ewig im Visier.
vor 3 Jahren
Guajakol ist zwar nach Guajakholz benannt, weil es erstmals bei einer nicht ganz so schonenden Destillation dieses Holzes entdeckt wurde, kommt aber im Guajakholzöl nur in Spuren vor. Dessen geruchlicher Charakter hingegen wird v. a. bestimmt von dem zu 42-72 % enthaltenem (-)-Guajol. Klingt ähnlich, ist aber als Sesquiterpenalkohol etwas vollkommen anderes als das phenolische Guajakol. Die restlichen Prozente der Zusammensetzung sind eine Mischung aus Bulsenol, Bulsenen, Guajoxid, beta-Patchoulin uswusf.
Ich kenne pures Guajakol nicht, nur einige anderen Phenolderivate und das Guajakol-reiche Birkenteer. Daher würde ich erwarten, dass Guajakol, wie die anderen Phenolderivate, sehr rauchig, fast beißend riecht, aber auch süß. Dabei nie warm. Passt das zu Deinem Eindruck? Und falls ja: könnte die Süße Deine Wahrnehmung der Vanilligkeit verstärken?
Guajakholzöl wiederum riecht auch durchaus holzig, räucherartig und süß. Aber, im Unterschied zum Guajakol, sehr balsamisch und warm. Schon eine andere Ecke.

Kleiner Exkurs: die typische Guerlainvanille, die immer etwas dunkler und natürlicher wirkt als reines Vanillin, ist ein nicht ganz so sauber aufgearbeitetes, synthetisch hergestelltes Vanillin. Wahrscheinlich ist genau in dieser noch etwas vom Ausgangsstoff Guajakol enthalten - deswegen der dunklere, rauchige Charakter. Als Guerlain Ende des 19. Jahrhunderts erstmals synthetisches Vanillin einsetzte, konnte das großtechnisch noch gar nicht so sauber aufgereinigt werden wie später. Und als das dann möglich war und das Vanillin immer reiner und sauberer wurde, musste Jacques Guerlain seine Lieferanten abklappern und darauf drängen, doch bitte nicht so sehr aufzureinigen - ansonsten hätte dies so sehr den Charakter der Parfums verändert, dass auf Parfumo das Reformulierungsgeschrei groß gewesen wäre.
vor 3 Jahren
Ronin:
Guajakol ist zwar nach Guajakholz benannt, weil es erstmals bei einer nicht ganz so schonenden Destillation dieses Holzes entdeckt wurde, kommt aber im Guajakholzöl nur in Spuren vor. Dessen geruchlicher Charakter hingegen wird v. a. bestimmt von dem zu 42-72 % enthaltenem (-)-Guajol. Klingt ähnlich, ist aber als Sesquiterpenalkohol etwas vollkommen anderes als das phenolische Guajakol. Die restlichen Prozente der Zusammensetzung sind eine Mischung aus Bulsenol, Bulsenen, Guajoxid, beta-Patchoulin uswusf.
Ich kenne pures Guajakol nicht, nur einige anderen Phenolderivate und das Guajakol-reiche Birkenteer. Daher würde ich erwarten, dass Guajakol, wie die anderen Phenolderivate, sehr rauchig, fast beißend riecht, aber auch süß. Dabei nie warm. Passt das zu Deinem Eindruck? Und falls ja: könnte die Süße Deine Wahrnehmung der Vanilligkeit verstärken?
Guajakholzöl wiederum riecht auch durchaus holzig, räucherartig und süß. Aber, im Unterschied zum Guajakol, sehr balsamisch und warm. Schon eine andere Ecke.

Kleiner Exkurs: die typische Guerlainvanille, die immer etwas dunkler und natürlicher wirkt als reines Vanillin, ist ein nicht ganz so sauber aufgearbeitetes, synthetisch hergestelltes Vanillin. Wahrscheinlich ist genau in dieser noch etwas vom Ausgangsstoff Guajakol enthalten - deswegen der dunklere, rauchige Charakter. Als Guerlain Ende des 19. Jahrhunderts erstmals synthetisches Vanillin einsetzte, konnte das großtechnisch noch gar nicht so sauber aufgereinigt werden wie später. Und als das dann möglich war und das Vanillin immer reiner und sauberer wurde, musste Jacques Guerlain seine Lieferanten abklappern und darauf drängen, doch bitte nicht so sehr aufzureinigen - ansonsten hätte dies so sehr den Charakter der Parfums verändert, dass auf Parfumo das Reformulierungsgeschrei groß gewesen wäre.

Wunderbare Antwort, vielen Dank! Rein riecht Guajakol durchaus rauchig beißend, definitiv süßlich, die Vanillenote ist recht trocken. Da ich die Guerlainvanille liebe, kann ich mir deine Erklärung der unvollständigen Synthetisierung gut vorstellen. Das würde auch erklären, wieso ich das verdünnte Guajakol sofort so überschwänglich positiv wahrnehme.

Das Guajakholz nehm ich dennoch mal mit auf die Probierliste und schreib mir die oben genannten Empfehlungen auf. Und die Erklärungen mit der Namensherkunft und der Unterscheidung zu Guajakholz haben mich sehr gefreut!
vor 3 Jahren
Zwar kein 100%iger Gujakol-Treffer, aber in Kombination mit deiner Guerlainvanille-Vorliebe könnte der auch passen "Bois d'Arménie"
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