Betty0714

Betty0714

Rezensionen
1 - 5 von 23
Betty0714 vor 8 Monaten 6 2
Warme, zarte, kompromisslose Weiblichkeit
Claude Montana verkörpert für mich eine warme, nährende, rezeptive, in sich ruhende und mysteriöse Weiblichkeit, die heute fast schon wie eine Art Mythos oder Gottheit erinnert, von einer längst vergangenen Zeit. Eine Frau, die nichts beweisen muss, nur sein. Dennoch scheint die Sehnsucht nach ihr groß, man sieht wie sie oft nur gesucht oder imitiert wird. In zahllosen Videos, Anleitungen und Coachings soll man lernen wie Weiblichkeit geht.

Die Wärme wurzelt in den Hölzern und Balsamen, die die floralen Noten in würdevoller Balance halten. Dadurch erhält das Parfum seine zurückhaltende und stilvolle Eleganz. Keine Inszenierung, kein kindliches Spiel, sondern eine Frau, die mit natürlicher Selbstverständlichkeit zu ihrer sinnlichen, wilden, zarten und zugleich königlichen Weiblichkeit steht.
Wie teure Pfirsich-Bodylotion auf edler Haut, umhüllt von Seide und feinsten Strümpfen.

Ein Duft wie das goldene Licht und die tiefen Schatten sinnlicher 90er-Fotoshootings. Diese Bilder, die ich mir so gerne ansehe, in denen Frauen mit rohem, sich hingebendem Blick in die Kamera sahen. Zart und verletzlich, doch genau darin lag ihre Kraft. Es braucht Mut und innere Kraft so einen vulnerablen Teil seiner Seele mit der Welt zu teilen. Diese Form von Stärke und Vulnerabilität kann man nicht spielen – sie kommt von innen. Claude Montana erinnert mich genau an die Shootings und Bilder dieser Zeit.
An das Unfertige, das Ungefilterte. Ich suche oft nach einer Art Wahrheit in diesen Ausdrücken in den Gesichtern dieser wunderschönen Frauen. Claude Montana bringt mich ein Stück näher daran.
2 Antworten
Betty0714 vor 2 Jahren 10 4
Liebe in Bienensprache
Dies ist der erste Duft von Zoologist den ich teste.
Seit ich mich erinnern kann liebe ich Tiere. Ich hatte in meinem Leben das Glück 14 Jahre lang die Zuneigung und das Vertrauen einer Katze zu erfahren. Ein Tier, eine andere Spezies, von dieser auf so seine ganz eigene Art geliebt zu werden ist etwas besonderes. Dieser Duft transportiert Gefühle, die nur von einem Tier stammen können, wie meine Katze.
Diese wohlige Wärme, das sanfte Fell. Dieses Schnurren. Das sich Anschmiegen. Die feuchte, rosane Nase, die mich wachriecht. Nachts mit mir einschlafen. Die zwinkernden giftgrünen Augen. Was würde ich nicht alles in der Welt dafür geben mein Gesicht noch ein einziges Mal in seinem sonnigen, tiefschwarzen Fell zu vergraben und seine herzallerliebste Aura riechen zu können. Seine raue Engelszunge auf meiner Haut spüren zu können. Dieses Gefühl ist tief mit meinem Selbst verwoben und eingebunkert in mir. Ich bewahre mir diese kostbaren Erinnerungen an Vollkommenheit auf und traue mich fast kaum diesen Raum in meinem Innern zu betreten.
"Bee" aber verfolgt einen anderen Plan für mich.

Jedes Mal, wenn ich das Vertrauen und die Gunst von einem (wilden) Tier für mich gewinnen kann, bin ich glücklich. Es ist ein wohliges, pures, unschuldiges Glücksgefühl, welches ich nur bei Tieren habe. Ich fühle mich für einen Moment vollkommen und heil.

So schickt mich "Bee" auf eine olfaktorische Astralreise in das Innere eines Bienenstocks. Die Wände aus Honigwaben heißen mich voll Wohlwollen willkommen. Ich bin im Mutterleib. Im Bienenstockmutterleib. Wohlige Wärme strahlen die vielen felligen Bienen aus. Ich spüre mütterliche Zuwendung und süße, sanfte würzige Liebe. Jene Art von Liebe, die einen nicht erdrückt. Es fließt warmer Honig, gewonnen aus den edelsten, hübschesten und seltensten Blüten eines, wie es mir erscheint, himmlischen Reiches. Mir zu Ehren! Ich bin hier wohl eine Bienenprinzessin und ruhe mich aus an diesem Fluchtort im Garten des Himmels. Die Bienen schützen mich, verraten keinem mein Versteck. Ich darf mich hier verkriechen und niemand fragt mich warum ich hier bin oder wer ich bin. Ich darf an diesem Ort einfach nur s e i n. Der Honig legt sich auf meine seelischen Wunden. Ich werde geliebt, ich werde geheilt, ich bin ganz, ich bin gut genug und wertvoll. Ich spüre innigstes Wohlwollen, werde umarmt, werde genährt. Ich darf mich ausruhen. Das rauchige Summen beruhigt mich.

Wie ist es eine Biene zu sein. Wie wäre es, wenn sie zu mir spräche?
In diesem Duft ist die Sprache der Bienen kodiert. Und ich möchte dir, liebe Biene offenbaren,
manchmal da habe ich so große Angst vor den Schatten an den Wänden, die sich immer so bilden, nachts, wenn ich einsam und verlassen im Bett liege
Ich weiß manchmal nicht wie ich fliehen soll vor manchen gesprochenen Worten
Ich weiß einfach nicht was man so macht als Mensch
und was andere tief im Herzen ehrlich fühlen
Und was sie meinen
Ich habe irgendwann gelernt zu tanzen
mit den gruseligen Schatten an den Wänden
liebe Biene, mir geht es auch so,
ich kann mich auch nicht so gut verständigen mit Worten aus gesprochener Sprache
Doch ich glaube, ich bin mir sicher, dass der ganze Bienenstock nur das Allerbeste für mich will und dass alles gut war, ist und sein wird. Ich rieche es eindeutig.


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Betty0714 vor 2 Jahren 4 1
Saftige Wüste
In der staubigen Wüste schwitzt schon längst ausgetrocknetes Holz.
Mühsam durch Hitze und Sand voranschreitend,
ganz unverhofft,
eröffnet sich dem sehnsüchtigen Blick eine Quelle.
Ringsum ergrünt und erblüht es.
Der Saft der reifen Früchte an den Bäumen tropft schon fast auf den Boden.

Dieser Duft vereint die augenscheinlich unüberbrückbare Grenze aus „Trockenheit" und „Saftigkeit". Byredo hat hier wieder erfolgreich mit Kontrasten gespielt und erfreut neugierige Nasen.
Vor allem bei schwül-heißem Wetter ein gnädiger Begleiter, der die Träger*in gepflegt und sauber fühlen lässt.
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Betty0714 vor 2 Jahren 4 1
Großstadtnihilismus
Die zwielichtige Großstadt
und ihr tückischer Glanz,
ihre Massenuniversitäten
und Bildungsdienstleistungen,
zur Hölle mit ihr!
Sie lockt und wirbt mit Möglichkeiten,
zerreist und enttäuscht.
" (...) wie glücklich derjenige sich schätzen darf,
dem die Welt nicht größer ist als der Marktflecken,
darin er geboren ward
und dessen Horizont nur bis zu jenem Punkte reicht
wo der Schlagbaum seines Heimatstädtchens sich senkt". ¹
Dreimal verfluchtes Streben nach Wissen!
Ich hätte es nie gedacht aber
das zu Wissen ertragbare hat Grenzen.

Kalter Zigarettenrauch hat sich
in die lange schwere Jacke,
in Herz und Lunge
in Leib und Seele gefressen.
Mit zitternder Hand inhaliert er den dichten, stinkenden, grauen Rauch tief ein.
Es hat fast etwas Spirituelles, wenn der Rauch, den ich ausatme
sich widerstandslos auflöst
und verschluckt wird von Dunkel und Ferne.
Ich drücke die Kippe aus
an meiner dunklen, dicken Lederjacke.
Ein fairer,
ein notwendiger,
ein natürlicher,
ein völlig normaler
und berechtigter Kampf,
so sagen alle,
zwischen Vieh und prometheischem Feuer.
Ich drücke so tief,
dass das glühende Ding
meine eingebutterte Haut etwas durchdringt.
Ein überraschend beruhigender und stimulierender Reiz,
ich bin also doch noch ein wenig lebendig!


¹ Mary Shelley Frankenstein oder Der neue Prometheus, S. 62






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Betty0714 vor 2 Jahren 8 4
"Kann man das noch essen ?, Ist das noch gut? " oder " Diesem Parfum ist die Mülltrennung völlig egal" oder " Zombie"
So viel Obst zu Hause, wer soll das alles essen?
Ich mache Marmelade.
Ein bisschen verfault sind sie ja aber macht nichts; mit viel Zucker und langem Kochen wird das schon.
Beim Kleinschnibbeln der matschig-braunen Früchte schmeiße ich mir ein Stück von der Ananas in den Mund.
Ein kleiner Fleck sah noch frisch aus.
Da habe ich wohl das falsche Stückchen erwischt:
Wie Gift zerfrisst sie sich in meine Schleimhaut.
Hätte ich mir doch kurz vorher nicht nicht auf die Zuge gebissen!
das macht alles das Enzym Bromelain, habe mal gelesen.
Während der süß-saure Saft der Ananas so meine Mundschleimhaut verdaut, bemerke ich einen mir nicht ganz unbekannten Geruch.
Nanu, was riecht hier denn wieder so ?
Ich muss mal wieder den Müll raustragen, es riecht schon wieder so nach vergorenen Zitrusfrüchten, das ist ja kaum auszuhalten.
Hatte ich nicht gestern noch zu ihm gesagt er soll auf dem Weg zur Arbeit doch bitte an den Mü...
Da werden meine Überlegungen unterbrochen von einem anderen, noch alamierenderen Geruch: Die Marmelade!!
Sie ist schäumend übergekocht und angekokelt.
Von diesen Eindrücken überfordert suche ich das Bad auf.
Der Kosmetikschrank mit den Männerpflegeprodukten wurde offen gelassen.
geöffnete Tuben und Flaschen mit Herrenhygieneprodukten liegen am Waschbeckenrand.
Ich suche nach etwas, um mir nach dem Ananasangriff meine trockenen Hände und Lippen einzucremen und finde einen Behälter mit Sheabutter.
Soll ja auf natürliche Weise feuchtigkeitsspendend und glättend wirken. Wäre da nicht immer dieser nussig-erdig verroteter Geruch! Aber raffinierte Sheabutter wollte ich jetzt auch nicht kaufen damit die guten Inhaltsstoffe nicht verloren gehen.
Das wäre ja viel zu schade!
Die Sheabutter riecht irgendwie total eklig aber das soll bei unraffinierter Sheabutter ja so üblich sein, aber sie riecht ja schon etwas schlimmer als sonst schon.
Ich glaube sie ist wirklich ranzig geworden.

Ich schmeiße alles in den stinkenden, gärenden Mülleimer. Die Mülltrennung ist mir heute mal völlig egal. Ja, auch die Herrenkosmetik kommt rein. Ist mir egal. Das soll ihm eine Lektion sein.


Abschließende Gedanken:

Halbverdaut von der Ananas
zwischen lebendig und tod
öffne ich den Abfalleimer
vergorene Zitrusfrüchte
weder tod noch lebendig
faulendes, giftiges Fruchtallerlei
wird mit viel Zucker zu Marmelade weiterverarbeitet
schäumend kocht alles über und brennt an
Würzigfrische Herrenkosmetik bringt etwas lebendige, herbe Frische
ranzig gewordene Nussbutter



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