Sinneseindrücke Chicago
Ich sage bewusst: Sinneseindrücke, denn es geht nicht nur um Parfum. Eher fast gar nicht.
Erstens: ich habe 15 Tage lang nur „Iris Silver Mist“ von Serge Lutens getragen. Ein solider Nachtest sozusagen: Nur diesen einen Duft, und das Fazit: Ja, ich habe mich nicht geirrt, auch nach dem halben Monat Intensivkur kann ich meinen Kommentar bestätigen. Der Duft ist, abgesehen von der kurzen befremdlichen Ouvertüre, einfach wunderbar, eigensinnig, interessant.
Ich war nur in einer Parfümerie: Im Ableger des Saks, deutlich schlichter aufgestellt als in NY.
Nur den „Fracas“ und „Bois d`Armenie“ habe ich (nochmals) getestet, mit dem letzteren liebäugle ich immer noch sehr - ihn dort zu kaufen, schien mir angesichts des Kurses mehr als unvernünftig.
Leider habe ich es nicht mehr geschafft, zu dem bei einem der vielen Spaziergänge entdeckten "Merz"-Shop in der Nähe des WillisTower zu gehen, der Homepage nach führen sie feine Sachen. Schon die Auslage war sehenswert.
Was ich roch in der Stadt: „Cashmir" (Chopard), ein durchaus immer noch schätzenswertes, leider eben überdosiertes Parfum. „Angel" - dito. Und „Coco Mademoiselle“. Neben einigen, nicht von mir zu definierenden Frischlingen aus meiner „Bäh“-Gruppe.
Gerochen habe ich dennoch jede Menge: die vielen Pflanzen im Botanischen Garten, in den vielen, weitläufigen Parks, die den Namen verdienen. Viele Essens- und Marktdüfte: Kanadische (!) Kirschen - die besten meines Lebens. Ja, und die Leute essen üppig, überall, nicht nur Fastfood- kräftig gewürzt, gar nicht zach. Manchen sieht man es leider an. Trinken: Obwohl ich eigentlich keine Biertrinkerin bin, testete ich etliche der Draftbiere, die im Supermarkt "Marianos" sogar recht wohlfeil sind, in den Lokalen dagegen wird man kräftig zur Kasse gebeten. Feine, zum Teil sehr kräftige Biere!
Hören: Nicht nur das bisher beste Saxophonsolo meines Lebens - ziemlich free, im Museum für Zeitgenössische Kunst als Video - auch an vielen Plätzen, Straßenecken, Subwaystationen.
Sehen: Klar ist die Architektur augenfällig, Lieblingsgebäude sind die Marina City, der Aquatower - der weltweit erste Skyskryper einer Architektin, sehr organisch, raffiniert, ja genial, der Hankocktower - und das Fakeding von Wrighleytower - und Tribunegebäude, eigentlich gotisch-kitischig, aber mit unzähligen, ähm, gwie auch immer beschafften Bauteilen aus aller Welt - von der Chinesischen Mauer oder dem Kölner Dom- als Zitat, das wieder versöhnt. Aufschreie, wenn ich - für mich- neue Bilder im Original von Klee, Gauguin, Magritte, Chagalle oder vielen anderen entdecke. Und: Im Fieldmuseum, eher ethnologisch ausgerichtet, wieder die Bestätigung, dass es früher kaum Kitsch gab, egal ob bei den Alten Ägyptern, Griechen, Inuit, „Indianern“ sprich Ur-Amerikanern, Inkas oder Mayas oder Wikingern war. Toll immer die Konfrontationen von Tradition versus Moderne dieser Kulturen, Interpretationen, Adaptionen, Experimenten, neuen Botschaften. Insofern - wie neulich schon in einem Blog geäußert, bin ich Kulturoptimistin.
ich bin es - kurzfristig nicht - wenn ich Selfies vor einem Seurat-Gemälde sehe oder - wie im letzten Jahr in NY- vor dem 9/11-memorial. Dann fürchte ich kurz barbarische Gene in mir, die ich sehr tapfer niederkämpfen muss. Aber ich übe mich in Zivilisation - angesichts der erlebten Schätze in Natur und Kultur.
MrWhite vor 10 Jahren
Yalla vor 10 Jahren


Esther19