GoldGolds Parfumkommentare

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Gold vor 12 Tagen 20
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Haus-Oper-Home-Work
„All diese flüchtigen Düfte, die der Straßen, der Felder, der Häuser, der Möbel...die süßen und die schlechten, die warmen Düfte der Sommernächte und die kalten der dunklen Winterabende, sie alle rufen Erinnerungen hervor, gerade so als ob im Duft selbst die vergangenen Dinge einbalsamiert wären.“ Guy de Maupassant, Fort comme la mort
Blog-Eintrag Nora-Claire (18 Jahre alt)

Hey Leute, hier poste ich noch etwas unsortiert alles, was mir so eingefallen ist. Ihr werdet schon damit klarkommen.
Manche Freaks legen ja wahnsinnig viel Wert auf Düfte. Meine Tante zum Beispiel. Keine Woche vergeht, in der sie nicht einen neuen Duft kauft. Meistens einen sogenannten „Vintage“.
Oder einen „Nischenduft“. „Rare distribution.“ Mir sind ihre Parfums eher unangenehm. Viele erregen in mir Abscheu, fast so wie ein Buch mit Matheregeln oder diese penetrant stinkenden Patchouli-Räucherstäbchen.
Doch gestern zeigte mir Tante Annick ihre neuste Errungenschaft.
„Teatro alla Scala“ von Krizia.
Endlich mal ein altes Parfum (von 1986), das mir gefällt. Nicht verspielt. Kein fragwürdiger, peinlich anmutender „Glamour“. Kein Beispiel für die Abgedrehtheit meiner crazy Tante. Auch keine bloße Ergänzung zu ihrem neusten Outfit. Und auf keinen Fall der passende Duft für einen Stadtbummel.
Wie ich dazu komme, überhaupt ein Parfum verstehen und kommentieren zu wollen, fragt meine Tante gerade über Skype an. „Du hast doch noch nie ein Parfum interpretiert!“
Stimmt. Solche Aufgabenstellungen gehören sonst nicht zum Lehrplan einer Oberstufenschülerin. Aber in Corona-Zeiten haben wir im Fach „Politik und Gesellschaft“ die Aufgabe bekommen, über ein verrücktes Hobby zu berichten, das „kulturell bedeutsam“ sein könnte.
Jetzt fühle ich mich völlig überfordert.
Annick mailt mir:
„Parfums kann man zum Beispiel mit dem selben Vokabular beschreiben wie Fahrstile („rasant“, „temperamentvoll“), Liebhaber („leidenschaftlich“, „ungestüm“, „zärtlich“) oder Wetterphänomene („schwül“, „drückend“, „sonnig“).
Haben solche Beschreibungen einen Wert?
Ist „Teatro alla Scala“ ein leidenschaftlicher Duft?
Ja, er ist warm und würzig.
Nicht narkotisierend (wie zum Beispiel „Tabu“) oder so balsamisch wie „Youth Dew“.
Muß ich eine Leidenschaft für die Oper an den Tag legen, um ihn zu tragen?
Nein.
Aber wenn Oper, welche wäre es?
Annick meint:
„Auf keinen Fall Mozart.
Selbst ein reifes Werk wie „Don Giovanni“ nicht.
„La Boheme?“
Zu traurig. Am Ende. Ach, viele Komponisten drücken zum Schluß auf die Tränendrüse. Oder alles ist hochdramatisch.
Nehmen wir „Rigoletto“. DIE Oper von Verdi. Mitreißend. Unvergeßlich. So very MILAN and so very SCALA.“
„Meine Mitschüler und ich gehen manchmal zusammen in die Parfümerie, aber wir kommen nicht mit den wahren Schätzen der Duftwelt in Kontakt. Diese vielen älteren Parfums, die von Dir immer so angepriesen werden, liebe Tante, die gibt es doch gar nicht mehr bei Douglas zu kaufen“.
Ja, ich leide an meiner Parfum-Unkenntnis. Die gängigen Düfte, die ich bisher so probiert habe, werden von meiner Tante nicht anerkannt. Ich müsste komplett neu starten. Und vorher natürlich die anspruchsvollen Duft-Prüfungen im Internet absolvieren, die meine Tante schon vor Jahren bestanden hat. Erst auf Basenotes, dann auf Fragrantica. Und später dann auf Parfumo.
Parfumo, so sagt sie, war die größte Herausforderung.
Zum Glück stecke ich nicht in Mijas Haut. Die hat noch mehr Probleme mit der Hausaufgabe.
Sie empfindet die meisten der edlen und kostbaren Parfums, die meine Tante in ihrer Sammlung hat, wie ein Schloß mit hohen, unerklimmbaren Mauern und ein paar schönen Blumen drumherum, die man nicht pflücken darf. Mija hat keine Akadamiker-Eltern, kann nicht gut Englisch und ihr Deutsch ist auch nicht prickelnd. In der noblen Schloß-Parfümerie, die wir zu Recherche-Zwecken aufgesucht hatten, fühlte sie sich unwohl, weil sie erst mühsam den Umgang mit teuren Düften erlernen müsste, um dort zu bestehen. Wenn Mija extrem frustriert ist (und das ist sie öfters), kauft sie sich eine Flasche „Bruno Banani“ oder „La Rive“ im Supermarkt.
Wir haben wohl wohl nur den leisen Hauch einer Ahnung, wie unbefriedigend und trist Mijas Leben wahrscheinlich so verläuft. Im Gegensatz zu meiner Tante verfügt sie nicht über eine prächtige Parfumsammlung, über keinen einzigen herrlichen Vintage im Jugendstil-Flakon.
„Ich stelle mir oft vor wie ich mit einem fetten Portemonnaie durch die Stadt spaziere und mir einfach alle Wünsche erfülle“, sagt Mija plötzlich. „Und dann würde ich mir ein richtig geiles Parfum kaufen. Eins, das alle Typen umhaut!“
Wir schauen etwas planlos im Netz nach Informationen über Parfums und stoßen auf die Seite
„Traumduft gesucht - der Stammtisch“.
Da begeben sich leider nur die uns unsympatischen, machohaften und unbefriedigten Männer auf Duftsuche. Diese Typen sind allesamt „schwer zufriedenzustellen“, weil sie unrealistische Vorstellungen von Parfums haben. Oft kaufen sie Düfte, die beliebt sind und von denen andere sagen, daß man mit ihnen oder durch sie schneller und besser Frauen flachlegen könne.
Lange Listen von günstigen Imitaten der „Super-Panty-Dropper-Scents“werden gepostet.
„Stopp, Mädels“, ruft meine Tante. „Wo sucht Ihr denn?“ Sie sagt, daß sie es nicht toll fände, wenn ihr Mann mit einem Duft aus dem „Traumduft-Stammtisch-Bereich“ ankäme. Schließlich seien die meisten auch noch „Kopien“, die aus einer „primitiven Kultur“ stammten, was ein Mann denn mit so einem „Dupe“ eigentlich bezwecken wolle? (Was für eine Frage, ist doch klar, was...).
„Man sieht Ihnen außerdem an, dass sie kopiert sind!“
Riecht man es auch?
Für meine Hausuafgabe zum Thema Düfte, die ich heute noch online einreichen muß, ist es von Vorteil, daß ich mich offenbar schnell in Probleme einfühlen kann, die eine mangelnde Sensibilität für den Einsatzort und das „Wesen von Parfum“ mit sich bringen. Ich rede mit Annick über ihre ersten Jahre in der Parfumwelt, in denen sie (ihre Worte!) „wahllos schwere orientalische Geschütze“ verwendete.
Ihre Vermieterin in Heidelberg kündigte ihr anno 1984 ihr Studentenzimmer wegen der „aufdringlichen, unanständigen Gerüche“, die sie im Hausflur wahrnahm. Meine Tante hatte „Habanita“ von Molinard getragen. Sagt mir nichts, aber ich kann mir genau vorstellen, was die Vermieterin gemeint hat.
Hey, übrigens. Vivaldi und Bach passen nicht zu Teatro alla Scala. Eher Bauchtanz. Fällt mir gerade ein, weil der Duft als „Orientale“ gilt.
Jean Kerleo: „Nun, wie immer dem auch sei, der Duft und auch das Parfum regen zum Träumen an. Sie provozieren Gefühle. Man kann sogar sagen, sie bewegen unsere Psyche. Sie lassen einen grauen Tag frühlicher erscheinen. Sie vervollständigen etwas in Ihnen. Aber sie sind vor allem dazu da, das Leben schöner zu machen. Ja, genau das ist es. Denn dort, wo es keine Düfte und keine Parfums gibt, gibt es auch keine Träume und damit keine Zukunft mehr.“
Jean Kerleo ist der Gründer der Osmotheque (Parfum-Museum!) und natürlich Parfumeur.
„Es gibt genug Gelegenheiten, zu träumen, Möglichkeiten, Düften nachzuspüren. Manche Menschen scheinen dafür eine besondere Begabung zu haben, die Schöpfer von Teatro alla Scala zum Beispiel. Da wird aus einem kleinen Ensemble von fünf, sechs Noten schnell ein Fest mit Belcanto und Chypre-Akkorden. Herrlich ungezähmt und trotzdem mit Überlegung dahinter.“
(Sagt meine Tante).
„Möchte jemand die Noten mitlesen? Ich habe Internet.“

Riechen. Eine der schönste "Hausaufgaben" überhaupt.
18 Antworten

Gold vor 6 Monaten 46
8
Duft
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Je vous embrasse... wann ich will und wenn ich will!
Leila Hatami ist eine preisgekrönte Schauspielerin aus dem Iran (2011: Nader und Simin, Biennale), die ständig Drahtseilakte vollbringen muss.
2014 begrüßte sie in Cannes Kollegen mit Küsschen à la française und zog sich prompt den Groll der offiziellen Politiker im Iran zu. Leider glauben diese verknöcherten Sittenwächter, dass nur sie darüber zu entscheiden haben, was sich für eine Frau gehört und was nicht.
Wer die herausragenden Autorenfilme des iranischen Kinos kennt, dem ist Leila Hatami sicherlich schon begegnet.
Gerade weil iranische Schauspielerinnen aufgrund der Kleiderregeln weniger plakativ in Szene gesetzt werden können, ist die Mimik so wichtig. Der Fokus liegt stets auf dem Gesichtsausdruck.
Hier erweist sich Hatami grundsätzlich als Meisterin ihres Faches. Sie kann spielen... Wow!
Aber kann sie auch Düfte?
Um einen Duft zu kreieren, braucht man natürlich eine Firma im Hintergrund, außerdem Parfumeure, keine Schauspieler.
Kurz nach der Unterzeichnung des Atomabkommens mit dem Iran herrschte im Land eine erfreuliche Aufbruchstimmung. In diesem Kontext entstand die Idee zur Zusammenarbeit mit einer französischen Firma und Robertet, die Leila Hatami als Gesicht für zwei neue Düfte mit ins Boot holten.
Es gab noch viele andere Einfälle für solche Kooperationen - doch -

enter Trump... and you all know the result of the story.

Die Téhéran - Düfte sind quasi ein Relikt der Aufbruchsphase.
(Übrigens erschien mir der Herrenduft beim Testen im Oktober in der Parfümerie Safir in Tehran sehr gelungen, toll würzig und aromatisch.)
Den Damenduft habe ich sofort gekauft, da ich ein Mitbringsel wollte.
Der Iran besitzt im Gegensatz zu den arabischen Ländern, die politisch mit ihm verfeindet sind, keine nennenswerte Parfumindustrie.
Es existieren nur sehr wenige eigene Produkte, obwohl es eine fantastische Rosenöl - Herstellung gibt und Rosenwasser ein Bestandteil vieler persischer Speisen ist.
Um so schöner wäre ja eine Zusammenarbeit mit Frankreich etc. gewesen... aber...- es hat nicht sollen sein.
Daher habe ich mich gefreut, Leila Hatamis Parfum im Land selbst kaufen zu können.
Ich möchte jetzt nicht weiter auf die politische Situation im Iran eingehen, auch nicht auf die Abschaltung des Internets im gesamten Land (letzte Woche!) die brutale Ermordung von Demonstranten auf der Straße...

ja, es ist hart und gefährlich, in dem Land zu leben.
Die Leute verzweifeln. Es ist dramatisch.

Aber das Regime erlaubt Ablenkung... und nichts scheinen iranische Frauen lieber zu tun als über Schönheit, Mode und auch über Parfums zu sprechen. Nirgendwo auf der Welt wird so viel Geld für Kosmetik ausgegeben wie im Iran.
Der Islam erlaubt es den Frauen ausdrücklich, sich für ihre Ehemänner herzurichten... sich herauszuputzen, sich zu parfümieren.
Sie sollen das sogar tun.
Kein sinnenfeindliches Verbannen eines opulenten französischen Parfums in die hinterste Schublade (wie zum Beispiel in protestantischen norddeutschen Städten im Jahre 1952) ist hier angesagt, sondern eine ganz klare, starke Duftbotschaft.
Leila Hatamis Eau de Parfum ist daher kräftig und erinnerte mich zunächst an die großen Blockbuster der letzten Jahre, zum Beispiel an La Vie est belle und Flowerbomb.
Dies sind jetzt so gar nicht meine Lieblinge... also war ich erstmal enttäuscht.
Wenn der Duft sich aber nach einer Weile gesetzt hat, kommt eine starke Patchouli-Note heraus, die gekonnt mit einem Gourmand-Touch und mit einer Eichenmoos-Basis (mag ich sehr!!!) abgemischt wurde. Die Blüten und Früchte treten in den Hintergrund, der Duft wird klassischer. Man spürt die Handschrift der französischen Entwickler von Robertet.
100 ml konnte ich für umgerechnet 32 Euro erwerben. Doch da die Inflation ständig wächst, dürfte der Preis schon wieder veraltet sein. (Man kann den Duft aber auch online in Frankreich bestellen!)
Eine Lehrerin verdient im Iran übrigens circa 250 Euro im Monat.
Leila Hatamis Duft wird gerne gekauft, ich habe mich erkundigt.
Die Schauspielerin verkörpert die Sehnsucht nach einem normalen Leben in Freiheit. Sie ist eine emanzipierte Frau, die trotz der Widerstände, die sich immer wieder von Seiten des Regimes ergeben, durchsetzt und sich nicht dafür entschuldigt hat, in Cannes vor laufender Kamera einfach das zu tun, was ihr normal erschien, nämlich einem Kollegen ein Küsschen auf die Wange zu drücken.
Wer Leilas Téhéran trägt, sprüht vielleicht ein bisschen Hoffnung in die Welt...
31 Antworten

Gold vor 7 Monaten 30
6.5
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
6
Flakon

Kein Rosengedicht weit und breit
Wild durcheinander schreiben, das war bestimmt nicht Hafez' Ding, auch nicht Goethes Stil.

Rituals wirft jedes Jahr Namen auf den Markt, oder sind es Düfte?
BildungsbürgerInnen zeigen dann, dass sie Bescheid wissen...

Die Verkäuferin hat ihre Hausaufgaben gemacht, denke ich, naja, offensichtlich ist sie eine Aushilfe, Studentin, Germanistik im 7.Semester, Öst-Westlicher Diwan stand schon auf dem Programm.
Shiraz kann sie verorten, Rituals hat es ja alles top in der Broschüre erklärt.

Es freut mich, dass ich im Werbetext eine so romantische Beschreibung eines persischen Gartens lese. Einen Spaziergang durch einen duftenden Hain ... wer möchte den nicht unternehmen?

Ich sprühe mal schnell und bin nicht dort.

Ich war auch noch nie dort. Die Stadt Shiraz ist im Süden, acht Stunden entfernt von Teheran.
Man kann ja nicht alles schaffen, sage ich mir. Nächstes Mal vielleicht.

Kashan habe ich besucht, das ist das Zentrum der iranischen Rosenproduktion...

ein französischer Duft, der eher der Nische zuzuschlagen ist als dem Mainstream heißt "Kashan Rose" und hat mich auch noch nie berührt.

Mr. Partoo, der Parfumspezialist aus Esfahan, erzählte mir, dass Rosensoliflores gar nicht beliebt seien im Iran.
Wer nach Rosen duften will, greift zu den überall erhältlichen Ölen oder Rosen-Wasser.
"Von einem Parfum erwarte ich mehr als die Abbildung einer Rose", sagte mir auch meine Cousine, deren Lieblingsduft seit Jahren "Obsession" von Calvin Klein ist.

Warum ich zufällig in Teheran einen Mann kennengelernt habe, der mich fragte, ob mir die französische Stadt Grasse ein Begriff sei, weiß ich nicht...
aber wahrscheinlich war es mal wieder eine glückliche Fügung.
Passiert.
Maziar war 2016 als Dolmetscher mit einer iranischen Delegation in Grasse, um einen Vertrag über ein franco-iranisches Parfumgeschäft abzuschließen.
Doch es kam nie zur Ausführung.
Trump kam.

Die Holländer zumindest besetzen Shiraz positiv. Sie verkaufen ein freundliches Rosendüftchen als Ritual. Im Ritual-Geschäft.
Nein, es riecht nicht nach Gewürzen, es ist nicht "Isphahan" von Yves Rocher oder "Opium" von Yves Saint Laurent.
Es handelt sich auch nicht um einen "Attar" , also ein schweres Duftöl aus Arabien.

Denn aufgepasst, arabische Parfums sind eine völlig andere Baustelle. Sie haben nichts mit diesem leichten Rosenduft zu tun und auch politisch...
nein, das lasse ich jetzt.
Wer sich mit dem Thema beschäftigen will, liest bei Michael Lüders weiter.

Der Rhabarber ist aber doch ziemlich unpassend... ok, ich kann diese Note nicht ausstehen. Würde den Duft ohne diese grünlich- saure Komponente wahrscheinlich besser finden.
Hat Goethe mal etwas über Rhabarber geschrieben?
Auf jeden Fall wollte er Persisch lernen, um Hafez im Original zu lesen.

Hafez' Gedichte werden regelmäßig an dessen Grab in Shiraz rezitiert.
Die Trendscouts von Rituals waren vielleicht mal dabei.
---
Ich finde die Idee gut, eine persische Stadt auszuwählen, um einen angenehmen Allerwelts-Rosenduft zu verkaufen.
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Der Bush war es doch, der den Iran einen Schurkenstaat nannte...
streicht diesen Satz.

Ich lasse ihn doch stehen, denn ich werde diesen Text nicht redigieren.

Das sind doch auch nur meine persönlichen Gedanken zu dem Produkt.
Klischees und Rituale.

Hier gut aufgehoben.

Habe mir in Nordtheran in der Parfümerie einen Duft gekauft, der nicht gelistet ist (vielleicht hat ja jemand Bock, ihn einzureichen, er heißt "Téhéran" und ist von Leila Hatami.)
Leila Hatami kennt man aus vielen guten iranischen Spielfilmen, z. B. aus "Nader und Simin, eine Trennung."
"Téhéran Eau de Parfum" wird in Frankreich hergestellt und exklusiv im Iran verkauft. Es ist ein feiner, eleganter, zurückhaltender Duft. Think Chanel, nicht Al Haramain.

Es gibt offenbar keine eigene, nennenswerte Parfumindustrie im Land.
Schade.

Dafür aber hat fast jedes teure Label ein Ladendepot in Teheran, selten sah ich so viele noble Marken auf einem Haufen.

Spaltung der Gesellschaft, hüben wie drüben.
Ach kommt,
Rituals sind doch ziemlich sympathisch.
Der Tee ist aus biologischem Anbau, die Basis des Shiraz - Parfums riecht nicht nach Cashmeran.

Man muss nicht wissen, wer Hafez war und dass die Rose Mohammeds Lieblingsblume war, daher auch den Beinamen "gol Mohamadi" trägt.

Aber natürlich schadet es auch nicht.
Shiraz zu besuchen, steht noch auf meiner Bucket - List, aber da stehen auch noch Vancouver und Reykjavik, Lima und Augsburg.

Der Ritualsduft ist nun doch schnell abgehakt.

Falls noch irgend'ne Firma Vorschläge für einen orientalisch klingenden Parfumnamen benötigt, bitte bei mir melden.
Ich kaufe außerdem jeden Mist, wenn nur irgendwie etwas halbwegs Anmutiges draufsteht auf der Pulle. Schließlich sammele ich...

und habe diese Sehnsucht in mir.

20 Antworten

Gold vor 8 Monaten 16
9
Duft
10
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Ispahan pour moi
Leconte de Lisles romantisches Gedicht "Les roses d'Ispahan" könnte als Inspiration für diesen üppigen, süßen Rosenduft gedient haben.
Anders als der Vorgänger "Ispahan", der 1977 heraus kam und den ich immer in einer Linie mit "Opium" gesehen habe, handelt es sich bei "Rose Ispahan" (1997) nicht um einen würzigen Orientalen, sondern um einen leicht fruchtigen, von dezenten Gourmand-Tönen untermalten Rosenstrauß, der eine konfektartige Süße aufweist, welche normalerweise nicht meinem Parfumgeschmack entspricht, die aber hier so clever eingebaut wurde, dass sie nicht zu kitschig wirkt.
Kitschig wäre es allerdings jetzt, wenn ich verraten würde, warum ich den Duft vor kurzem bei Ebay ersteigert habe und was ich mit ihm vorhabe.
Ich entschuldige mich für diesen relativ kurzen Kommentar und verspreche, Euch in einigen Wochen ein ausdrucksstarkes Foto von diesem schönen Parfum zu zeigen. Manchmal sagt ein Bild doch mehr als 1000 Worte.
In diesem Sinne,
au revoir et à bientôt !


Update:
Habe meine Fotos an Originalschauplätzen in Esfahan gemacht und das Parfum in der Stadt gelassen.
Es befindet sich jetzt bei meiner Cousine, die es noch niemals vorher gesehen, geschweige denn gerochen hatte. Ihre Parfums kauft sie seit ihrer Jugend bei Herrn Partoo in dessen kleiner, aber extrem gut sortierter Parfümerie in Esfahan. Yves Rocher hat ja stets eigene Vertriebsweg gehabt und nicht in normalen Parfümerien verkauft, daher führt Herr Partoo YR nicht.
Wahrscheinlich wäre der starke, süße Rosenduft auch kein Bestseller im Iran geworden, denn die Rose ist dort als Parfumkomponente zwar bekannt, als Soliflore aber nicht beliebt.
"Wenn ich nach Rose duften will, kann ich auch persisches Rosenöl kaufen oder mich mit Rosenwasser abreiben", sagen mir alle meine Freundinnen und Verwandten. Für sie ist ein Rosenparfum gar nicht faszinierend und außerdem stets mit religiösen Praktiken verbunden.
Wer Rose trägt, schmückt sich nämlich mit Mohammeds Lieblingsblume.

Dennoch ist Rose Ispahan jetzt bei meiner Cousine sehr gut aufgehoben.
Ein kleines Zeichen der Verbundenheit Europas mit den fortschrittlichen Kräften eines sehr nach Freiheit lechzenden Landes.
13 Antworten

Gold vor 8 Monaten 26
6.5
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
6
Flakon

Frische Brise, ganz international!
Die Parfümeurin Fanny Bal war mir bis dato noch kein Begriff, IFF allerdings schon.
Die Abkürzung steht für "International Flavors&Fragrances", einen der führenden Parfumproduzenten der Welt mit Sitz in New York.
Weltweit hat die Firma circa. 6000 Mitarbeiter, Symrise (ehemals Haarmann&Reimer in Holzminden) sind aber wohl noch größer. Mich wundert, daß die Kölner bei IFF angeklopft haben, um dieses neue EdC "Intense" zu kreieren, aber war nicht auch die große Sophia Grosjman (Yvresse, Paris, Spellbound,Trésor....) jahrelang für IFF tätig, oder Nathalie Lorson (Wish, Folie Douce...) oder Jean-Claude Deville (Cabotine, Wings...) ?
Man möchte eben hoch hinaus und viel verkaufen. Das ist absolut legitim.

Mich würde allerdings sehr interessieren, welches "Briefing" IFF aus Köln erhalten hat.
Wahrscheinlich wurde der Parfumeurin gesagt, sie solle den ultimativ frischen Duft kreieren, der an die Klarheit der Luft des Himalayas erinnert. Reinheit, Weite, Eis. Keine schlechten Assoziationen.

Wenn man bedenkt, daß Jacques Cavallier bei der Erschaffung des ersten Issey Miyake-Dufts die Anweisung bekam, ein nach frischem Wasser riechendes Produkt zu entwickeln, dann kann man sich vorstellen, wie schwierig es mitunter ist, Kundenwünsche umzusetzen.
Nicht umsonst erwähne ich hier den berühmten "L'Eau d'Issey"-Duft, da er zum Prototypen geworden ist. Auch "Pure Breeze" kommt nicht an ihm vorbei, denn "Pure Breeze of Himalaya" bewegt sich zwischen den Polen eines Acquaten und den zitrisch-holzigen Aspekten eines typischen Eau de Colognes. Die Haftfestigkeit des Dufts ist übrigens sehr gut, auch nach Stunden kann man ihn noch wahrnehmen. "Intense" trifft hier zu.

Wahrscheinlich stand der Name eher fest als der Duft selbst (Stichwort "Briefing"). Was lag da näher, als eine chemische Duftverbindung zu wählen, die mittlerweile in der modernen Aromaküche der Parfumhersteller als "Luftakkord" bezeichnet wird?
Nun bin ich leider keine Chemikerin und beileibe keine geschulte Parfümeurin. Der sogenannte "Luft-Akkord" begegnete mir jedoch in letzter Zeit schon öfter. Parfumo listet 266 Düfte mit einem "Luftakkord", z.B. "Glacier" oder "Bleu von Lacoste" oder "Swiss Army Mountain Water."

Duftstoffe sind natürlich Massenprodukte und werden auch zuhauf in Haushaltsartikeln verwendet, vom Geschirrspülmittel bis zum Toilettenreiniger. Aus denselben Stoffen werden oft auch Aromen für Lebensmittel hergestellt, allerdings kann ich mir keinen Joghurt vorstellen ,der nach "Luftakkord" schmeckt, Duschgels oder Bodenreiniger gibt es aber bereits, die sehr aquatisch-frisch riechen. Daher erinnert der neue "Pure Breeze of Himalaya" einige User hier auch sofort an ein Putzmittel.
Mir fiel an dem EdC vor allem seine Duschgel-Frische auf, die mich am Freitag im Laden sofort ansprach.
Dies war wohl der besonderen Tatsache geschuldet, daß wir letzte Woche ein neues Badezimmer bekommen haben und ich nicht täglich duschen konnte. Meine letzte Dusche war also schon 48 h her, als ich "Pure Breeze of Himalaya" testete und ich sehnte mich nach Sauberkeit!
Hier wurde sie mir ganz unkompliziert in der Form eines EdCS angeboten, außerdem gab es in meiner Stammparfümerie in unserer kleinen Stadt gerade mal wieder "20% auf alles" - so schlug ich zu.

Doch mein zunächst positiver klingendes Statement (verfaßt am Abend des Kaufs) habe ich heute wieder modifiziert. Nach einem Besuch im Schwimmbad mit der Möglichkeit zur umfassenden Ganzkörper-Erfrischung habe ich "Pure Breeze of Himalaya" am Wochenende weiterhin geteste, um den Duft heute morgen auf unserem Gäste-WC abzustellen. Denn da gehört er hin, perfekt dazu geeignet, müde Zeitgenossen zu erfrischen und "totally unisex".

Einen individuellen, speziellen "Kölner Stil" vermag ich nicht zu erkennen. Auch keine persönliche Handschrift von Fanny Bal.
So ist der neue Duft "from Cologne" auch nur das Produkt einer riesigen Firma mit weltweiten Niederlassungen. Nicht zufällig wurde der englische Name gewählt. "Frische Brise aus dem Himalaya" würde ja auch ziemlich stark an einen bekannten "Air-Freshener" erinnern. Oder soll dat sogar?
16 Antworten

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