GoldGolds Parfumkommentare

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Gold vor 5 Jahren 12
8
Duft
9
Haltbarkeit
6
Sillage
7
Flakon

Grandios hingehaucht
Dort in moosumrankten Klüften,
Wo der Kühlung Weste wehn,
Und den Kranz um Schläf und Hüften
Elfen sich im Tanz ergehn.

Joseph von Eichendorff
Der Duft von Bottega Veneta, Eau legere, ist so gelungen, daß ihn nur Poesie angemessen beschreiben kann – in diesem Falle natürlich nicht meine eigene, sondern die eines großen Romantikers. "Moosumrankte Klüfte" finden sich in Bottega Veneta E.L. in der Tat, die herbe Frische von Eichenmoos (welcher Ersatz hier für das 'real thing' gefunden worden ist, vermag ich nicht zu sagen, Eichenmoos steht ja auf der Liste der Geruchsstoffe, die aus Parfums verschwinden sollen) ist spürbar, Kühlung erfährt die Verwenderin dieses Duftes durch Zitrone, die aber nicht beißt, sondern zusammen mit ganz dezenten Blütennoten wie auf einem grünen Pfad ins matte Licht führt. Hier ist alles wirklich nur hingehaucht, auch die softe Ledernote. Dennoch kann gerade die Feinheit und zurückgenommene Eleganz dieses "leichten Wassers" Wonne in müde Seelen hauchen – grandios, was der Parfümeur hier vollbracht hat... und dann kommt das ganze auch noch von einem Mainstream-Giganten, nämlich von Coty... - Wunder gibt es immer wieder. Ja, es gibt einen kleinen Wehrmutstropfen – wie viele schöne Eindrücke verläßt dieses "leichte Wasser" mich nach zwei Stunden wieder, es verblüht ein bißchen zu früh, aber ich sehe es ihm nach, denn es ist so vergnüglich und perfekt so lange es präsent ist. Und für alle, die es weniger poetisch mögen: Das Bottega Veneta Eau de Parfum hält besser (verständlich), hat mehr ledrige Anteile und einen deutlicheren Chypre-Charakter. Das hier von mir gefeierte Eau legere zeichnet sich durch seine zitrusartigen, grünen Kopfnoten aus, die im Sommer besonders angenehm sind. Dieses "leichte Wasser" ist genau der Sommerduft, nachdem ich schon immer gesucht habe.
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Gold vor 5 Jahren 12
6
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
5
Flakon

Unsüßes Patchouli
"Borneo 1834" ist ein reduzierter Duft, der sich vor allem dadurch definiert, was er wegläßt, um nicht zu enden wie "A*men" von Mugler: zu süß, zu üppig, zu pappig. "Borneo 1834" kombiniert Patchouli mit Schokolade und erzielt damit einen würzigen, ganz zart blumigen Effekt. Während "A*men" sich in Vanille-Fantasien ergeht, läßt es "Borneo 1834" bei dem Patchouli-Schokoladen-Duo bewenden. Die Patchouli-Note ist wundervoll, sehr reich und würzig, die Schokolade ist bitter, man riecht sogar ein bißchen Kampher und Harze, zum Glück sehr wenig Honig (ich bin kein Honig-Fan). "Borneo 1834" hält sehr gut und ist ein wundervolles Parfum für alle, die einen Patchouli-Duft ohne beschwerende Süße und Dessert-Anklänge suchen.
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Gold vor 5 Jahren 6
3
Duft
7.5
Haltbarkeit
7.5
Sillage
2.5
Flakon

Synthetikblumen
"Belle" hat mit dem alten, leider vor circa zwei Jahren reformulierten Klassiker in etwa soviel zu tun wie Dieter Bohlen mit den Wiener Philharmonikern. "Belle" ist also keinesfalls ein "Opium light", sondern ein eigenständiger Duft, den ich eher in die blumige als in die orientalische Ecke einsortieren würde. "Belle d'Opium" beginnt mit einer geheimnisvollen, synthetischen, sehr süßen Blumennote, die ich leider nicht definieren kann (welcher Laie kennt schon die Namen der neuen "aromachemicals", aus denen die neuen Kreaktionen bestehen?). Nelke - wie im klassischen Opium - rieche ich hier auf keinen Fall. Im Herz des Duftes entfalten sich ein Mix aus Lilien und eine leicht fruchtige Note, die dann zu einer holzigen Basis aus synthetischem Sandelholz hinführen. Alles in allem ist "Belle" das Resultat der Anstrengungen des Hauses YSL, aus dem enormen Bekanntheitsgrad des Klassikers "Opium" nochmals Kapital zu schlagen. Es wurde wohl bewußt ein weniger prägnanter, moderner Duft geschaffen, der es an Komplexität mit dem alten "Opium" nicht aufnehmen kann, der aber auf der anderen Seite auch wenig Leichtigkeit oder Transparenz aufweist. "Belle d'Opium" wirkt auf mich wie eine Kreation des Kompromisses, es ist weder zu gewagt (wie z.B. Muglers "Womanity") noch zu reduziert (so wie die Düfte von J.C. Elléna). "Belle d'Opium" umhüllt die Trägerin mit einem Duftschleier, der relativ unspezifisch ist. "Frau" trägt ein angenehmes Parfum, aber welches? Es könnte auch "Sensuous" von Estée Lauder sein oder vielleicht etwas von Jil Sander... Männer scheinen das Parfum im allgemeinen positiver zu bewerten als Frauen; auf jeden Fall kenne ich einige, die "Belle d'Opium" sexy und inspirierend finden. Und das ist ja nicht das schlechteste Urteil über ein Parfum.
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Gold vor 5 Jahren 3
10
Duft
8
Haltbarkeit
7.5
Sillage
10
Flakon

Edler Chypre der Vergangenheit
Dieser Duft wird leider nicht mehr hergestellt. Sein moosig-grüner und gleichzeitig zitroniger Auftakt wurde gefolgt von einem spannenden, dunklen Fruchtakkord. Von der Struktur her war dieser Duft klar ein fruchtig-grüner Chypre, doch seine Schönheit war außergewöhnlich! Auch optisch war "Azzaro" ein Vergnügen, mit diesem Flakon begann ich als Kind meine Sammlung, da meine Mutter mir den leeren Flakon für meinen "Kaufladen" zum Spielen überließ.
2008 hat man versucht, den Duft wiederzubeleben, der Flakon ist nun nicht mehr schwarz, sondern weiß. Die Neuauflage "Azzaro Couture" ist sehr schön geworden, erinnert an das Original, weist aber eine andere Basisnote auf.

Gold vor 5 Jahren 10
6
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
6
Flakon

Edelstes Aoud
"Amber Aoud" von Roja Dove wird bei Harrods an mehreren Stellen angeboten: Roja in der Edel-Parfümerie im 5. Stock präsentiert ihn, und in der Perfume Hall im Erdgeschoß findet er sich ebenfalls; dort zudem an mehreren Stellen, man hatte 2012 sogar einen eigenen Counter NUR für "Amber Aoud" aufgebaut. Preislich nicht gerade im Mitnahmesegment angesiedelt (ab circa 300 Euro aufwärts), erfreut dieser Duft mit einer weichen, feinen Aoudnote, von der ich annehme, daß sie natürlich ist. Die anderen Zutaten sind ebenfalls erlesen und ergeben zusammen ein harmonisches, sehr schönes Duftgebilde. Dennoch empfinde ich das Parfum als hochgradig repetitiv, muß aber einräumen, daß ich ohnehin kein Aoud-Fan bin. Roja Doves "Amber Aoud" ist soldide gemacht, für mich aber bar jeglicher Überraschungen. Zu einem derartig hohen Preis ist es möglich, sich weitaus spannendere und faszinierendere Düfte zuzulegen, ich würde hier z.B. zu "Inquisitive" von Bodiacea The Victorious raten (Stichwort: "Aoud einmal anders"). Der Aoud-Trend setzt sich in allen Segmenten fort, ob Mainstream oder Nische, ob ab 20 oder ab 200 Euro. Wann bringt eigentlich Ulric de Varens einen Aoud-Duft heraus? Oriflame hat auch schon einen. Ebenso Jovan und der Body Shop...
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