Gyokuro2021Gyokuro2021s Parfumrezensionen

Gyokuro2021 vor 28 Tagen 45 11
10
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon
Verheißungsvolle Sommernächte
Eine Rezension zu schreiben, finde ich recht schwierig, da es mir dazu an Erfahrung fehlt. Und an Parfumwissen. Daher bitte ich um Nachsicht mit den folgenden Zeilen.

Louis Vuitton ist für mich seit mehr als 35 Jahren das Synonym einer Luxusmarke. Damals habe ich schon Produkte dieser Marke gekauft und aus meiner Sicht ist das nachhaltig und ökonomisch gewesen, werden diese Sachen doch immer noch genutzt und sehen gut aus. Zu dieser Zeit gab es von LV keine Duftlinie, keine Kleidung und keine lustigen Accessoires. Das Ansehen des Hauses war trotzdem sehr hoch. LV ist dank Kreativer wie Virgil Abloh zu einem Fashion-Brand mit handwerklich hoher Qualität, sammelwürdigen Editionen und zeitlosem Design geworden.

Die Unisexdüfte der Linie Parfums de Cologne, zu der auch City of Stars gehört, gefallen mir durchweg sehr, da sie so unaufdringlich sind, dass Mitmenschen auch einen Spritzer mehr verzeihen können.

Viele Konzert- und Theaterbesuche, Abendessen und lockere Dates sind für mich dadurch zu einem Alptraum geworden, dass es aus der Reihe vor mir, von dem Tisch neben mir unerträglich nach einem besonderen Duft übertrieben roch.

Das passiert mit Düften wie City of Stars nie. Sie ordnen sich unter und bleiben nah am sie Tragenden. Trotzdem verströmt dieser Duft den Glamour eines High Fashion Brands, nur distinguierter und zeitloser als es lautere Mitbewerber tun.

Auch der von dem australischen Kreativen Marc Newson entworfene Flakon spiegelt genau das wider. Er ist traditionell und modern zugleich, ordnet sich seiner Funktion unter und macht in fast jedem Ambiente ein gutes Bild.

Als blumig oder süß, wie an verschiedenen Stellen zu lesen ist, rieche ich den Duft in keinem Moment. Blutorange und Mandarine sind für mich gegenwärtig, eine Moschussüße bleibt sehr dezent im Hintergrund und wirkt zusammen mit Sandelholz und der Tiare-Blüte cremig und auch ein wenig puderig.

City of Stars kommt mir manchmal wie eine Ode an warme Sommernächte und die Verheißung neuer Liebe vor.
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Gyokuro2021 vor 10 Monaten 5 2
9
Duft
7
Haltbarkeit
7
Sillage
6
Flakon
Laurel Canyon an einem milden Regentag
Das Konzept "Bottling counterculture" der Nischen-Marke nineteen sixty nine (19-69) aus Schweden lockt mich immer wieder mit seinen in Italien hergestellten Düften und Namen mit Bezug zur Popkultur der späten 60er und frühen 70er Jahre. Die neuste Kreation "Higher Peace" habe ich dann sofort als Blindkauf erworben und bin anfänglich richtig enttäuscht gewesen, wahrscheinlich auch aufgrund falscher Erwartungen. Der Duft wirkte auf mich seltsam unstimmig mit äußerst dominanter Benzoe-Note. - Wie bin ich damit umgegangen? Erst einmal Abstand gewinnen, Zeit verstreichen lassen und in einem entspannten Moment noch einmal den Flakon hervorholen und der Duftkomposition eine Chance geben.
An einem regnerischen Tag Ende Juli war es dann noch einmal so weit, Higher Peace auszuprobieren und der Duft gefiel mir plötzlich doch sehr gut. Das weichwürzige Bukett mit einer Hanfmitte auf einer leicht grünsüßlichen Basis umgibt an einem solchen Tag mit einer sehr angenehmen Aura. Gerade bei Nischendüften habe ich schon festgestellt, dass sich diese ähnlich einem guten Rotwein nach einem Transport erst wieder "setzen", "beruhigen" müssen, bevor das Potential zum Vorschein kommt und in Harmonie erstrahlt. Auch sind Nischendüfte m. E. deutlich witterungsempfindlicher als in größerem Rahmen produzierte Industriedüfte.
Heute kann ich "Higher Peace" all denjenigen Individualisten empfehlen, die einen besonderen und doch tragbaren Duft für einen milden Regentag suchen und auch einen Hauch Laurel Canyon (Musikszene mit Joni Mitchell und Crosby, Stills, Nash & Young etc.) zu schätzen wissen. Higher Peace halt.
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