ImelImels Parfumkommentare

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24.09.2012 17:57 Uhr
Es steigt merkwürdig unluftig von meinem Arm empor, mit einer großräumigen Portion aller oben angeführten Innereien; dick, leicht süßlich und schwergewichtig lasten die Noten im Raum.
Die angegeben Ingredienzien sind von Beginn an auszumachen, sofern man von ihnen weiß, denn gut durchwebt ist dieser Duft. Zwar rauh und kantig, schreit dennoch kein Akkord unnötig laut oder plärrend um die Ecken; wenngleich der Duft durchdringend und mit lärmend geschwollener Brust daher kommt.
Drinnen bettet sich eine würzige, hell scharfe Koriandernote, an leise aber dunkle Patchouli und Weihrauchtöne. Das Labdanumharz mitsamt Ambra bemüht sich hier all diesen Noten Kissen und Decke zugleich zu sein, es umschließt sie sozusagen und macht sie träge und wohlig warm beginnt Ambra del Nepal.
Dreckige, teerige Akzente des Ambers durchwandern diese würzig narkotische Wolke und an dieser eigentümliche Weise eines Duftes finde ich Gefallen.

Der Koriander nimmt dem Duft etwas von seiner Schwerfälligkeit, nicht das er mittelbar leichter würde, aber die pfeffrige Schärfe gibt dem Duft einen rauchigen, vielleicht sogar schwebenden Charakter. Dieses zerstrittene Duftbild findet sich gut in die brummenden Töne des Labdanum wieder und die Idee an sich, empfinde ich beinahe als innovativ.
Jedoch, es scheint mir alles ungehörig viel zu sein, viel Koriander, viel Amber und Labdanum und viel zu viel von zu viel Rest den man dazwischen noch ausmachen vermag.

Im weiteren Verlauf verfeinert sich der Duft mit einigen honigearteten Noten, er wird süßer aber noch schwerer, beinahe plump ist er nun. Amba del Nepal verhält sich leider etwas unbeholfen mit so viel olfaktorischer Last, es zieht ihn an jeder Ecke talwärts; so beginnt sich der Duft schon nach kurzer Zeit zu setzen, oder besser, er beginnt anzusetzten.

Nunmehr quillt eine schokoladenartige Patchouli, mitsamt Weihrauchgezeter unter einem Wanst von Labdanum hervor. Der Weihrauch ist hier nicht ätherisch sondern schwer lastend und von tiefen würzigen Tönen verhangen. Die Noten sind immer schwieriger zu vernehmen, alles verschwimmt ineinander; tauchen einzelne Aspekte hervor, so werden sie bald darauf wieder verschluckt.
So läuft Ambra del Nepal, nach einer halben Stunde Duftverlauf in sich zusamenn zu einem Pudding-Ambrabastard.

Man kann bei diesem Duft nicht von Kopf, Herz und Basis sprechen, daher kann man auch diesen Kommentar zu lesen beginnen wo immer man will. Es ist ein Konglumerat wobei im Kopf der Koriander und der Amber, im Herzen das Labdanumharz und in der Basis das Patchouli maßgebend sind.
Im Grunde bin ich gar kein großer Liebhaber solcher überbordernder Düfte, diesen hier mag ich irgendwie doch ein wenig, er hat etwas schwerfälliges an sich, er ist einfach und sogar unbeholfen, beleibt und dabei beinahe dekadent ist er, grob und kratzig, innen unheimlich weich und wohlig.


24.09.2012 14:16 Uhr
Les Zazous (Swing Jugend), "Les zazous étaient un courant de mode de la France des années 1940. Il s'agissait de jeunes gens reconnaissables à leurs vêtements anglais ou américains, et affichant leur amour du jazz."
Als großer Jazzliebhaber habe ich also einiges von diesem Duft abverlangt.
Die Duft kommt, frohen Erwartungen entsprechend, liebevoll aufbereitet daher.
Ein Geäst aus Blumen und Früchten ragt empor, alsbald blühen warme Noten auf. Der Lavendel also. So ästhetisch ätherisch und beswingt in Szene gesetzt, der Dandy mal schreitend mal tanzend. Mal gelassen, mal affektiert, aber immer kokettierend.
Les Zazous groovet.
Der Duft ist gleichzeitig ein Seufzer wie ein Jauchzer. Ein Hüpfer und ein langsamer Walzer.

Eine warme, beinahe zu süßliche Note von Sandelholz und Ambra wird Bett einer weichen Rose. Diese Blume wälzt sich dort mit dem Lavendel im Lacken und lümmelt danach noch ein bisschen drauf herum während der Lavendel schon eingeschlafen ist. Nur noch sein leiser Atem am Arm ist zu spüren. Irgendwann nickt sie dann ein und träumt von Ambra und Vanille, er von viel Sandelholz und einem Hauch Vetiver. Leider ist sie nie wieder aufgewacht.
So träumen sie gemeinsam ewig weiter.

Zurück zum Eigentlichen. Die Aura dieses Duftes ist in seinem Fond am schönsten.
Eine leichte Süße, zärtlich bedrängt von holzigen Nuancen des Sandelholz bewegt sich wiegend mit dem Ambra im Arm und fegen fast den kleinen Vetiver vom Parkett. Schaut man jedoch genau hin bringt der ein wenig mürben Charme in die Runde. Er ist die kleine runzlig Frau in der Ecke über die alle schmunzeln.
Die Bigband spielt nicht mehr, Ella Fitzgerald ist heißer und das beglückte Publikum drollt sich von dannen. Was bleibt ist ein leerer Parkettsaal mit einem älteren Putzmann mit einer Pfeife im Mund der von Lebensfreude, Lust und Übermut, von Leichtlebigkeit träumt.


19.09.2012 10:25 Uhr
Es war eines Tages den ich wie immer, so naiv wie möglich begonnen, als eine Horde exquisiter Neuerscheinungen sich den Weg zu Parfumo bahnte. Allen voran tosende Kommentare, Hymnen und Wundergesänge. Und in dieser Unmenge an Düften, da ist es schwer irgendwo einen Anfang zu finden. Da selbst die Pröbchen bei ALzD ungemein teuer sind, habe ich mich zunächst nur an einen einzelnen Versuch gewagt und mich dabei selbstredent gegen die ganzen Gourmands entschieden; der Frühling stand auf nackten Füßen und frisch und fröhlich sollt es sein.

Ich errinnere mich nur noch, das die Erwartung groß, die Freunde gewaltig und es früher Morgen war, der Jasmintee zog und die Bäume fingen an sich zu regen.

Nio von XerJoff beginnt sehr saftig mit Bergamotte und Neroli, beide klar erkennbar, geben sie sich äußerst potent aber mitsamt der Würze ergießt sich ein stimmiges Ganzes in meine Nase. Fast opulent, großartig die Kopfnote. Die würzigen Akzente der Bitter-Orange werden gestützt, das lässt die zitrischen Aspekte der Ingredienzen nicht zu laut und grell werden. Vorallem riecht es lecker, ich möchte sagen, süffig, mehr ist nicht zu sagen.

Im Übergang zur Herznote wird der Duft trockener, er lockert sich auf und verliert an Üppigkeit. Teilweise meine ich etwas blumiges zu riechen, nur ganz leicht und schüchtern. Dagegen wird der Pfeffer immer stärker, immer mehr drängt er sich an die Luft und von nun an verliert der Duft mehr und mehr an Kraft und Fülle. Er wird regelrecht nüchtern, trocken und farblos. Der Kardamom versucht hier den Pfeffer etwas aufzufangen und ist zudem tragend für den Übergang von der Kopfnote hin zu immer mehr Pfeffer. Irgendwann ist nur noch Pfeffer zu riechen, rosa Pfeffer, versteht sich. Wir bewegen uns jedoch auch schon Richtung Basis, denn das zappeln und kratzen der Pfeffernote beginnt sich langsam dunkel einzufärben.

Wo es spritzig grün begann wird es nunmehr dunkler, erdig, wie sollt es anders sein. Zwar riecht man von den angegeben Basisnoten noch nichts konkretes aber brummend und knarzend kündigt sie sich an. Drin schwingt auch ein leichte Süße mit, die ich nicht ganz zuzuorden vermag, sie ist eigentlich kein konkreter Aspekt des Duftes, eher Unterbau, um Nio nicht allzu mager daherwanken lassen.
Vor allem wird es nun holzig, erdig und es bleibt grün, jedoch nicht gleich dem dunkelgrün komplexer Patchoulidüfte, auch nicht das dunkelgrün wie es bei Guerlains Vetiver zu riechen ist und auch kein mossig blaugetauchtes dunkelgrünes Grey Flanel. Allein auf holziger Basis getragen ist es ein trockenes aber samtenes grün, vielleicht ein Pastell-Dunkelgrün. Zwar strömt von der Basis auch eine balsamische Wärme aus; weniger eine Wärme von Glut und Amberdüften, sondern eine Wärme von Wasserdampf. Jedoch bleibt der saftlos-holzige Charakter.
Über all dem ist im übrigen immer noch der Pfeffer zu riechen, selbst so spät ist der Duft trocken und kristallien. Es scheint mir als könne sich die Basis noch nicht zur Ruhe setzten, obwohl alles danach drängt, zwirbelt raschelnd die Würze des rosa Pfeffer durchs Unterholz. Einerseits könnte man das als innovativ empfinden, mir geht es gehörig auf den Sack.
Zudem ist es einfach fad, ich meine hier hätten noch gut ein oder zwei Noten Platz gehabt.
Wie sich Nio ausläuft, verläuft er sich nur tiefer im Unterholz, der Schritt wird langsamer, die Beine kürzer und irgendwann verschwindet er im Erdreich.
Später, an eben dieser Stelle ranken sich einige saftige Vetiverhalme am Zedernbaum empor.

Im großen und ganzen ist Nio leider nichtssagend. Von diesem Duft bleibt einfach nichts hängen und man hätte mehr daraus machen können. Trotzdem er gut zusammengestellt ist; man spürt auch deutlich die handwerkliche Qualität und die Duftstoffe sind riechbar natürlich und hochwertig. Ich mag jetzt nicht über Luxusmarken lamentieren aber so hochwertig diese Düfte sein mögen, ein ELdO-Duft, ein Harris oder Tauer waren mir stets ein größeres Vergnügen.

Ich möchte an dieser Stelle nocheinma Pfeffer sagen.
Pfeffer.


15.03.2011 10:58 Uhr
13 Auszeichnungen
Da ist man bemüht der Tage, gelangweilter Abendstunden, vor allem sorglos, aus dem Wege zu gehen da begegnet man den Machenschaften sogenannter Exzentriker die wie mir scheint, die Kunst nicht mehr an sich selbst ausleben können.
Ich glaube Revolution ist auf einer Suche entstanden.
So erzählt es auch Lisa Kirk, ihre Suche nach dem Geruch der Revolution.
Man selbst, dem Verständnis im Subtext der Namensgebung nachjagend, verfängt sich mit dem Duft nicht in Bildern romantischer Politabenteuer zum Kampfe um die Freiheit aller noch verläuft er sich in dumpfe Parolenhymnik oder Straßenpolemik.
Ulrich Langs Revolution muss spektakulär und vor allem atmen (be)raubend beschrieben werden. Der Duft ist ein Beispiel vom im Vorbeischlendern, mitgerissener künstlerischer Genialität, an Perversion und groteskem Wahnsinn. So eröffnet die Kopfnote ein tiefes Loch, gewaltigem Ekels auffüllend, erworben aus dem Unverständnis zweier sich selbst verlachender Emotionen. Zum einen Ekel, zum anderen bizarres Staunen, widerspiegelnd in der Vorstellung meiner eigenen Grimasse. Eine olfaktorische Fratze sieht sich langsam über mein Gesicht in meine Nase hinein und umwindet mein Gehirn mir einer völlig neuen Erfahrung verspiegelter Gerüche die sich selbst zu parodieren und zu inszenieren wissen. Revolution ist nichts weiter als Theater. So wie auch alles was vorher war und was nach Revolution kommt. Deshalb muss man der Sache mit Humor auf den Grund gehen.
Ich denke ich bin soeben, just in diesem Moment, der dekadenten Übelkeit nicht weniger verfallen als manch ein anderer der gerade A*Men testet, oder Le Male oder irgendeinen der Geniestreiche von Etat Libre d'Orange antestet.

Zum Duft selbst der er trotzdem nie ein anderer war.
Die Kopfnote eröffnet sich triefend von dreckigem Urschleim übelster Gerüche. Ich nehme hier vor allem den Geruch eines eingesessenen Raucherzimmers wahr, durchsetzt mit dem Mief alten Schweißes, unterlegt mit viel Zibet und viel Leder. Dazu den von Kankuro empfohlenen viel Weihrauch was dem ganzen ein wenig die herb feuchte anbiedernde Art nimmt und den Duft rauer und trockener erscheinen lässt. Die hölzernen Komponenten sind wie alle Bestandteile des Duftes schwer herauszufiltern doch aber besonders im späteren Duftverlauf zu erkennen. Ich persönlich würde auf Zedernholz tippen.
Ist die Kopfnote noch durchtränkt von Intensität so verliert die sich langsam und sehr gleichmäßig. Auch die Entwicklung vollführt keine Schleifen und Kehrwendungen sondern durchzieht zielstrebig den anvisierten Abklang. Dazwischen passiert nicht viel. Deshalb reicht es den Duft zweigeteilt zu umschreiben. Einmal seinen Beginn, einmal seinen Abklang. Die Herznote und alles was dazwischen liegt ist ein sich verschiebendes Gemenge.
Den Fond nehme ich, anders als Kankuro vor allem durch trockene Hölzer wahr, eine typische Vetivernote vermisse ich eher. Zugeben muss ich an dieser Stelle das ich enttäuscht bin je länger sich der Duft auf meiner Haut entwickelt. Er gibt wenig neues Preis und wirken manche Dufte besonders in ihrer Geradlinigkeit schön, so kann man das von Revolution nicht behaupten. Revolution ist nicht schön außer man ist empfänglich für die Ästhetik des Hässlich. Ecos Abhandlung darüber ist sehr angenehm zu lesen und zu betrachten. Hier als nur zur Empfehlung.
Nur ganz langsam quetscht sich eine Moschusnote mit ins Bild, haucht dem Duft etwas Lebendigkeit ein, hat er von Anfang an irgendwie morbide und tot gewirkt. Glücklicherweise hat man bei diesem Duft auf übermäßigen Patchouli verzichtet, er wäre kein Denkmal an die Revolution sondern ein Grabmal geworden.
Zum Ende hin wird es dann regelrecht nett.
Animalisch ist der Duft die Entwicklung durchweg aber hin oder her, der Duft ist nicht attraktiv noch hat er Brunftfaktor. Er ist zwar Tier aber nicht Hengst.
Insgesamt ist das Gesamtbild außerordentlich homogen und liebevoll zusammengeflickt. Obwohl dieses ganze Gebilde kahl und fahl wirkt ist es doch äußerst komplex und mannigfaltig und man lernt dem Ekel für die Faszination zu überstehen.

Man spürt wie Revolution unter dem Joch der Selbstdarstellung leidet auch wenn er zum Ende hin ein wenig an sich rütteln lässt und ein wenig schwächelt. Gerade deswegen ist er wohl authentisch. Der Duft strahlt Ruhe und Coolness, gleichzeitig Angst und Beschämung aus. Ich vermag es nicht den Geruch in Worte zu fassen, zu stark erzeugt der Duft Bilder und Emotionen. Ich denke auch nicht, dass sich der Duft auf diese Art erfassen lässt, er erklärt sich eher in Bildern.

Manchmal sehe ich nur einen vor langer Zeit verlassenen Raum vor mir, nur in den Ecken stehen noch vergessene für unbrauchbar und belastend empfundene Dinge. Reste die langsam verfaulen und im Anblick ihrer den Ekel verlorener Zeit wiederkäuen. Als Kind habe ich im Dorf gelebt und bin auf Abenteuersuche in alte verlassene Villen geschlichen. Diese Häuser sind von innen nicht schöner als von außen aber sie lassen einem Kind die Räume sich in seiner Fantasie auszutoben.
Manchmal wenn ich an meinen Handgelenk schnuppere erinnere ich mich an alte Kriegsfilme in denen die Kameraführung noch charmant und die Bildqualität noch sachlich ungeschönt war, in denen Soldaten blutend in einer Baracken liegen, draußen die Salven der Sturmgewehre zu vernehmen sind und man den Menschen als Tier sieht wie er vom Brüllen anderer Tiere umgeben über dem Boden kriecht.
Manchmal verlangt der Duft seinen Tribut, als Kultwerk das er sein möchte und ich erlebe Herrn Ernesto Guevara wie er irgendwo im Dschungel zwischen Affen und all den Tieren in einem Erdloch sitzt, zu eng für all die verschwitzen Männer mit ihren Bärten und Kalaschnikows auf dem Rücken. Und wie er da so steht vor einer Landkarte und über Pläne schwadroniert.
Einige Bilder vermisse ich auch. Revolution darzustellen gelang Lisa Kirk auf Einseitige Art und Weise und sie wollte sicher nicht alle Vielfalt betrachten und hat uns mit „Revolution“ einen Ausschnitt gewährt.

Der Duft ist einer dem ein Kommentar würdig erscheint aber nicht viel nützt denn eine Vorstellung von ihm zu schaffen ist sehr schwer. Auch nach Kankuros beeindruckend passender Darlegung war ich absolut überrascht und hätte etwas völlig anderes erwartet.
Der Duft ist übrigens nicht tragbar und als Geruch gewöhnlich als Parfum ungewöhnlich.


13.02.2011 14:06 Uhr
6 Auszeichnungen
Oud Immortel eröffnet sich sehr krautig und kampferartig. Die Ähnlichkeit zu Byredos Baudelaire ist verblüffend wenn auch differenziert mit beiden umgegangen werden muss. Sie tragen vorsätzlich die gleiche Handschrift. Oud Immortel ist jedoch weniger fruchtig. Die Wacholderbeere ist durch zitrische Anklänge ersetzt und lässt eine eher pseudofruchtige Note zu. Der Weihrauch ist dominanter im Kopf, schwillt dann jedoch schnell ab und gibt mitsamt zum blumig hinlaufendem Kardamom einen guten und gelungenen Übergang zur Herznote. Schnell wird der Duft rund und glatt. Ein Gigant von Patchouli dominiert die Herznote, eingegraben und auswuchernd über einem zarten Hauch Rosenduft. Ich habe keinerlei Ahnung wie brasilianisches Rosenholz riecht, aber orientiert man sich am Blütenduft, so erklärt sich einem die stämmige Feingliedrigkeit dieses Duftes, elegant ertragen und getragen von einer Rose. Oud Immortel ist unisexier als Baudelaire. Das sagt einem eigentlich schon der Vergleich beider Duftpyramiden, trotzdem ist er nicht nur eine verweiblichte Variante. Was Baudelaire fehlt ist die der Düsternis entflohenen Eleganz. Eine Grazie die Oud Immortel mit sich führt. Vielleicht hätte man den Duft Poe nennen sollen.
Papyrus scheint in beider Düfte Anwendung zu finden. Leider weiß ich nicht wie es riecht. Wer beide Düfte vergleicht bekommt womöglich eine Ahnung davon oder probiert noch einmal Guillaumes Papyrusinterpretation.
Oud Immortel ist ein sich sehr schnell entwickelnder Duft. Ehe man sich versieht hat man die Basisnote vor der Nase. Aber wie für Byredo typisch, öffnen sich in der Basis keine neuen Türen sondern tasten sich nur langsam aus einer Öffnung heraus die man schon mit der Kopfnote einsehen konnte. Wahrscheinlich fehlt es dem einen oder anderen hier an Flexibilität und Spontaneität. Dem Duft aber fehlt nichts. Er ist gleichmäßig abgerundet aber nicht abgekantet. Er hat jedoch keine unangenehmen Tücken, dafür leider aber auch keine Überraschungen.
Wenn ich die Basisnote zu beschreiben hätte wie hier dann würde ich sie einfach nur „Moos“ nennen. Nun ist das nicht sehr einfallsreich, nicht nur weil es gleich vor „Tabakblatt“ schon dasteht sondern auch langweilig daherkommt und schnell ausgelatscht ist. Genau, mehr wollt ich auch nicht sagen. Die Basis ist ein Duft, modrig holzig, wie trocken herb zugleich. Mehr als die beiden angegeben Duftnoten lässt der Duft leider nicht erahnen. Und das Oud ist mehr erwartet als erahnt. Nichtsdestotrotz hat der Fond eine kühle Lebendigkeit.
Als Oud Interpretation ist er nicht weniger Interessant wie Accord Oud, wenngleich gefälliger. Dieser Duft, „Oud Unsterblich“, ist eher Begleiter als Träger von Agarholz, Accord Oud ist weniger ein Schrei kreativer Perspektive als Immortel Oud ein Klagehauch: „Kauf mich!“. Als Paar sind beide Düfte also innovativ; der eine unzeitgemäß mit Hang zur Melodramatik, dabei Kunstwerk und der andere eine langweiligere Fassung Baudelaire die sich dafür aber verkaufen lässt. Also, wer es bis jetzt verpasst hat an den Blumen des Bösen zu schnuppern der darf mit Oud Immortel noch einmal. Und wem erstere zu muffig rochen, der gehe dahin und kaufe sich Blanche oder irgend einen anderen Scheiß oder probiere Oud Immortel.


07.02.2011 16:06 Uhr
10 Auszeichnungen
Schon vorneweg, der Duft lässt sich schwerlich beschreiben und ist erstmal nur in Bildern zu formulieren.
Ersteinmal beginnt es wunderbar ledrig, aber nicht nur. Mit trockenfruchtiger Tiefe riecht Accord Oud alt, nicht unbedingt altertümlich denn der Duft ist modern. Eher wie alte Möbel, sehr alte dunkelbraune Holzmöbel, solche die man durch die Dunstschleier emporgewirbelten Staubes auf dem Dachboden der Großältern entdenkt. Sie sind schlicht, dennoch von unbestimmter Eleganz.
Der Duft riecht für mich nach Vergangenheit und Einsamkeit. Trotzdem vermittelt er eine dumpfe Eleganz, nicht so dröhnend dumpf sondern pulsierend und erwachend.
Es ist eine handwerklich großartige Komposition. Man spürt nur wie Himbeere, Rum und Ledernoten hier eine Symbiose eingehen aber man riecht es nicht wirklich, zu verwoben ist dieser Duft.
Wenn ich auf dem Dachboden meiner Eltern bin und es ist Hochsommer spüre ich die stickige trockene Luft im Hals, die unerträgliche Hitze und den Wunsch nach einem erfrischenden Fruchteis was meine Kehle nur noch mehr austrocknet. So in etwa ist Accord Oud. Trocken, staubig mit einem Hauch ausgemergelter Fruchtigkeit. Um mich herum altes Holz und alte Sessel.
Der Übergang zur Kopfnote ist sehr subtil fortschreitend.
Der Salbei ergibt sich hier ganz seiner heuartigen hellen Note und löst fließend die fruchtig trockenen Noten der Kopfnote durch ebenso trockene aber Holzlastige Noten ersetzen. Eine bittere herbe Note setzt mit ein und setzt den Abschluss der Kopfnote fest.

Accord Oud wirkt als Duft irgendwie gehemmt. Er schließt nicht so ganz auf und verkriecht sich mit voranschreitender Duftentwicklung immer mehr. Er wird auch immer schwächer.
Zimt soll übriegens auch noch mit drin sein. Von würzigem Zimt und Safran rieche ich eigentlich nichts. Wahrscheinlich hab ich die verschlafen.
Nach einem erwartungswürdigem Auftakt habe ich auch auf etwas erwartungvolles gewartet. Nichts.
Regelrecht langweilig wird der Duft. Der Ausklang ist lediglich ein dezenter Patchouli.
Das Oud, wie es der Name verspricht findet sich in einer neunen Interpretation. Vormals der Primoballerino im Duft, ist es hier sehr dezent und schüchtern. Man erriecht den harzigen schwülen Holzcharakter mit erdigem Anklang.
Ich kenne Oud Immortel leider nicht, beide sollen jedoch "Übertreibungen" ursprünglicher Ideen sein. Doch lest selbst.

Ben Gorham zu Accord Oud:
„Ich lernte den Geruch von Oud in Indien und dem Mittleren Osten kennen. Sein unverwechselbarer und intensiver Charakter hat mich sehr beeindruckt. Ich hatte das Bedürfnis, mich ganz auf die Eigenart dieses Rohstoffs zu konzentrieren und einen Duft zu kreieren, der sozusagen ausschließlich aus dem Charakter von Oud schöpft. Bei der Entwicklung stellte ich fest, dass unterschiedliche Facetten dieser komplexen Holzart in Verbindung mit anderen Essenzen noch stärker zur Geltung kamen. Letzten Endes gefielen mir zwei sehr unterschiedliche Interpretationen am besten, und ich beschloss, sie als Paar vorzustellen. In beiden Fällen handelt es sich um Übertreibungen der ursprünglichen Idee.“

Wenngleich die Idee nach meiner Auffassung und Nase großartig ist, die Umsetzung lässt zu wünschen übrig. Als hätte der Parfümeur nach der Herznote keinen Bock mehr gehabt. Die Ideenumsetzung ist mir zu schlicht und zu nichtssagend. Mehr als bis zur Kopfnote kommt bei mir nicht an danach verliert sich Accord Oud in holzigem Pseudominimalismus. Accord Oud wirkt unfertig, nach anfänglicher Größe nichtssagend.
Der Auftakt war so vielversprechend, das Ende so nichtssagend.


30.01.2011 19:24 Uhr
8 Auszeichnungen
Der Auftakt verwirrt mich, keineswegs im negativen Sinne nur, fehlt in der Duftpyramide nicht irgendetwas? Etwas Animalisches vielleicht? Auch den Kommentaren unter mir ist nichts dergleichen zu entnehmen und die Dufttypeinordnung lässt auch nicht darauf schließen.
Dennoch beginnt XPEC Original deutlich mit einem würzigen Geruch animalischer Noten. Nicht zu offensiv doch verzehrend des Tieres in mir steigen typische Anklänge tierischer Noten zu mir empor, durchsäuseln meine Nase.
Zur gleichen Zeit: Zitronen noch recht hell und klar, lassen den Duft erstahlen. Kontrastieren die milchige Würze von Thymian. Ansonsten ist der Duftakkord der Kopfnote recht schwer zu erklären, weil sich schnell und sehr komplex eine monströse Tiefe offenbart.
Tuberose, als solche, sticht hier nicht deutlich heraus, sie bildet eher den Charakter den Duftes hervor. Ein wenig buttrig, eher undeutlich süß. Schon spürt man die sanfte Bitternis, aufsteigend aus dem Eichenmoos der Basis und den würzigen Anklängen von pikantem Pfeffer. Dazwischen gesellen sich die kräuterigen Nouancen der Herznote. Umhüllt wird dieser sanfte Umriss eines Chypreduftes süß, von besagter Tuberosewärme.
Die Kopfnote an sich ist schon ein Meisterwerk, sie allein lässt bereits einen tiefen Einblick in die Komplexität des Duftes zu und ist dankenswerter Weise lange präsent. Medizinisches kann ich hier beim besten Willen nicht erriechen, will ich auch gar nicht.
Mit fortschreitender Duftentwicklung gibt sich die Tuberose immer mehr ihrem blumigen Charakter hin und lässt sich umschließen vom waldigen Charakter der langsam aus der Basis emporsteigt, sich des Duftes annimmt und ihn ganz direkt in eine bestimmte Richtung führt.
Mein erster Gedanke nach der Kopfnote war dennoch, der Duft würde vom Gegensatz süßer Tuberose und bittrem Eichenmoss liegen. Dem ist nicht so.
Mir unerklärlicher Weise bildet sich im langsamen, gemächlichen Entfalten und Aufblühen eine komplexe wie durchdringende Harmonie aus. Der Duft erschafft sich irgendwie selbst und lebt nicht von seinen Noten allein, bringt sich von selbst nach vorn, begiebt sich dabei nicht in ein anstrengendes Wechselspiel sondern lässt einen wohlklingenden Einklang zu. Noch vor dem Ausklang.
Das kennen wir sicher alles, harmonische stimmige Düfte, gut gemacht und ebenso großartig eigen. Wir kennen das. XPEC aber ist dahingehend besonders, dass es einen gewissen Grad an Komplexität überschreitet, pompöse Kreativiät hinter sich lässt und genug Platz lässt, auch in seiner gewaltigen Großräumigkeit, für Authentizität. Der Duft strahlt den gleichmäßigen und ungezwungenen Charakter der Würde aus ohne die Nase zu weit nach oben zu strecken und den Blick fürs wesentliche verlierend, umherschweifen.

Im weiteren Verlauf sind die animalischen Noten nicht wegzudenken, die bleiben dezent im Hintergrund aber verbergen sich nicht unter dem wachsenden Akkord erdiger und würziger Noten. Gemeinsam erwischen sie eine krautige Eigenart. Alle Noten sind sehr sacht und ordentlich platziert, nichts schreit oder quengelt oder hockt vergessen in der Ecke.
Die Tuberose kann ich mitlerweile kaum noch als Blume wahrnehmen. Erwartend eines solchen Charakters bildet sich eher eine honigartige Unsüße heraus.
Ein nicht unähnlicher Duft ist Frankincense & Myrrh von Czech & Speake. Beide vermitteln diese Kräuterartige Süße ohne im Entfernesten wirklich süß zu sein und beide schaffen das mit völlig unterschiedlichen Duftingredizien. Allein der Parfümeur ist der selbe, der mir diesen direkten Duftvergleich abrang. XPEC hinzugegeben ist vorallem, im Vergleich, der herbe Beigeschmack. Da auch No. 88 zu einem vergleich hinhielt bin ich zu dem Entschluss gekommen, den vergleichbaren Charakter, als die Handschrift oder besser die Nase, des Parfümeurs zu begründen.
Anstadt der Tuberose ist hier etwas ganz anderes für den blumigen Charakter zu verantworten. Oben nicht mit angegeben: Die Rose die hier, nicht stark aufgezäumt aber dafür dezent eine angenehme Sensibilität unterstreut, dem Duft wegführt vom Urmann zum Gentelman. Das muss nicht jedem gefallen, dem Duft tut es allerdings gut und ein Anzug steht ihm hier zumindest besser als ein Stück Mamutfell. Aber wer weiß, der Gentleman von morgen trägsts vielleicht wieder.
Im Gesamten bildet der Duft einen herben, nicht kratzigen Charakter ist nicht schön, sieht aber gut aus.
Im weiteren verläuft sich der Duft inmitten wärmender Zedernhölzer, bettend auf erdigem Eichenmoos. Entfernt lassen sich hier leichte Anklänge an Leder wahrnehmen. Der Abgang ist wie er sein sollte, grandios und unauffällig. Bittere Noten durchweben schwere Holzakkorde mit der Lebendigkeit fruchtiger Ahnung eines großen Etwas das Wärme und Geborgensein darstellt. Mehr aber auch nicht weniger als ein "Etwas" ist dieser Fond, denn schwer zu beschreiben.
Für mein Empfinden ist eine ähnliche Ahnung animalischer Noten nicht wegzudenken, womöglich auch nur ein eingebildeter Ausblick auf die harmonische Tiefe des Duftes oder ich habe das Glück dem Duft als die olfaktorische Synthese von Mann und Tier wahzunehmen ohne das sich einer beider traut, die Oberhand zu gewinnen. Bei diesem Vergleich muss ich beglückt an Harry Haller denken, den Protagonisten einer meiner Lieblingswerke, dem "Steppenwolf" von Hermann Hesse. Das Buch, behandelnd einen Kampf zwischen Mensch und Tier und die Frage nach dem Gewinner bildet sich im Duft wiederum als dieses Spannungsfeld ab, zwar dufttechnisch ahrmonisiert aber immer noch nach der Antwort strebend erreicht XPEC Original einen meinerseits persönlichen Charakter mit dem man sich gern identifiziert.

Schön ist es, auf welche Art sich der Duft auf diesen "altertümlichen" Charakter einlässt, ohne mich mit der langweiligen Unmündigkeit von allzu zitrischen Beiklängen zu nerven und den klassischen Zitrone-Blume-Holz Charakter eines Männerparfums, gewaltigen Schrittes animalischer Noten, zu umgehen weiß.
Danke XPEC, endlich komme ich in den Genuss eines klassischen Duftes ohne mehr und älter als ich selbst sein zu müssen.
Danke auch an Apicius und all die anderen Schreiberlinge nach ihm, deren Einschätzungen ich mich so gerne annehme und deren Kommentare mich auf die Dufterfahrung von XPEC Original Man einluden.
XPEC Original Man - Ein Duft für Entdecker.


28.01.2011 14:46 Uhr
7 Auszeichnungen
Incense rosé ist ein Duft, ob man ihn mag oder nicht mag, der getestet werden sollte. Zum einen weil er handwerklich grandios gemacht und zweitens ein nicht nur ein olfaktorisches Spektakel ist. Ein betörend ruhendes Bilderspektakel. Dabei ist der Duft nicht angenehm gemütlich oder in ähnlicher Richtung schön, sondern ganz bewusst klar und von reiner Schönheit.
Es beginnt mit dem was Lav schon so stimmig zu beschreiben wusste. Er erinnert an frostige Winterwälder, von silbernem Mondlicht klar umrissene Bäume unter einem klaren Sternenhimmel. Dieses Bild ist durchsetzt von einer Liebe zur Natürlichkeit. Also kein kunterbunter Märchenwald sondern einfach Stille und Friedlichkeit und einem Hauch Heimlichkeit der sich durch die Bewegungen der Duftentwicklung zieht. Schöns ists, der Kopfnote Ingredienzien, vereint zu etwas neuem erschaffen, zu sehen. Man weiß zwar um Bergamotte und Rose aber sie entbinden sich in Incense rosé ihres eigenen Charakters, verschmelzen zu etwas neuem aufregenderem.
Allmählich verändert sich der Duft, wird würziger, zarter und weniger kraftvoll wie der Auftakt, dennoch mystischer und unerklärlich geheimnissvoll. Geradezu als schaue man immer dringlicher in die unendlichen Tiefen des Waldes und sinniere über die Hexe im Pfefferkuchenhaus.
Der Duft der Iris setzt sich schnell durch und erzeugt eine gewisse weibliche Süße der, im Kontrast dazu, immer noch der schwere Weihrauch gegenübersteht. Das Bibergeil stellt sich hier nicht unbedingt in den Vordergrund, setzt sich aber unterstützend hinter die Süße und verspricht dem Duft einen Hauch Verwegenheit.
Zur Basis hin wälzt sich der Duft den Hölzern entgegen und verspricht mit Vetiver, Patchouli und Zeder nicht zu viel. Alle drei sind recht klar wahrnehmbar. Nur unterschwellig suggerieren Myrrheharze den Charakter des Duftes sind an sich aber nicht so verfälscht eingesetzt und verbunden worden wie die Bestandteile der Kopfnote, wirken nicht neu oder anders geartet. Ambra mitsamt Labdanum unterstützt weiter die Süße und lässt Incense rosé mit seinem ganzen sakralen Weihrauch aus seinen Sphärennahen Höhen herabsteigen, zu uns auf die Erde. Der Akkord ist stimmig und vereint grün-holzige Noten mit balsamischer Süße, die ganze Zeit über umrundet von dunkelwürzigem Weihrauch. Irgendwo am Rand des Duftes kann ich auch noch einige Noucancen blumiger Noten wahrnehmen. Hier endet für mich das Grandiose an Andy Tauers Rosenduft. So einmalig wie er durchweg bleibt missfällt mir die Basisnote ein wenig. Die Süße des Ambers, als Gegensatz meisterlich in den Duft eingefasst, verträgt sich im Spiel mit den Kräuterartigen Noten nicht mit meiner Nase und meiner Empfindung. Wer sich jedoch mit einem spannendem Dufterlebnis messen möchte, Kopfkino mag und Weihrauch nicht abgeneigt ist, sollte sich Incense rosé mal zu Gemüte und zur Nase führen. Das Konzept von einem Kontrast wie es hier präsentiert wird, einem Spiel von kühlem Weihrauch und warmen erotischen Harzen auf dem Bette frivoler Blumen, sich im Kopf zur ästhetischer Synthese vorführend, ist unbedingt einmalig.


19.01.2011 10:42 Uhr
11 Auszeichnungen
Wenn ein Duft durch meine Sinne weht und sich dort festsetzt so entsteht nicht selten ein Bild vor meinen inneren Augen. Lieber mag ich abstrakte Konstruktionen irrealer Bildgewaltigkeit aber ich gebe mich oft zufrieden mit einem erklärbaren Eindruck schöner Erinnerung.
Serge Lutens Kreaktionen sind da ganz anders. Anstadt mir ein Bild zu entlocken erschaffen seine Düfte eine Szene, ein ganzes Szenario.
So auch hier.
Musc Koublai Khan beweist sich als animalisch gleichwohl auch als sanftmütig. Er ist nicht so dunkel wie andere Vertreter, sondern weich und zart hell. Auch nicht dreckig und verschwitzt sondern sauber, klar und trotzdem einfach extrem Geil.
Ich würde hier Rose nicht ganz ausschließen, aber das sollte wohl eine Frage der Hautchemie bleiben.
Andere Animale sind sicher mit einem wohlüberlegten Trumpf Ironie unterm Hemdsärmel zu tragen, Muscs Koublai Khan dagegen spielt da ganz offen seine tierische Seite aus, weiß sie totzdem ansehnlich zupräsentierten.
Der Auftakt ist einfach nur angenehm. Sehr weich und mild, trotzdem herb aber nicht unartig kratzig. Kein unregelmäßiger stechender 3 Tage Bart sondern ein wohlig wollender Männerbart. So maskulin, ultramännlich strotzend vor Wildheit, aber bewahrend der Eleganz und eines charmanten Umgangs mit den dilettanten Leidtragenden.
So ist Muscs Koublai Khan gar nicht bösartig oder gar stinkend.
Die Tierherde, wird dann doch noch überaschend eingeläutet. Immer noch weich und warm verströmt der Duft, alsbald sich die Kopfnote verzogen hat, einen tierischen Charakter. Gleich einer ganzen Horde traben sie an durchs Unterholz. Die holzigen Noten des Duftes geben den animalischen ihre Eleganz zurück. Castoreum, Zibet duften nicht mehr wild und unzähmbar sondern verstömen eher unterschwellig ein monströses Potentz zur wilden Mannesbestie.
Sonderlich viel Entwicklung zeigt sich danach nicht mehr. Die wilden Tiere grasen friedlich und die Bienchen summen sart ums Öhrchen.
Eine olfaktorische Dorfidylle im letzten Schein der Sonne bevor die Nacht der Tiere anzubrechen droht. *Grunz*


18.01.2011 11:26 Uhr
3 Auszeichnungen
Ein "Geisterhaftes Veilchen" oder -"Lila". So der Titel.
Ich hasse Lila. Nicht nur weil es meint sich zur Livestyleikone der Nation herabklimmen zu müssen, lila ist einfach nicht schön. Es will irgendwie ein Zusammenspiel sein zwischen dunkel, mysteriös und lustvoll, kräftig und dabei noch unisex. Lila ist wirklich eine dämliche Idee.
Hoffentlich ist der Duft Veilchen.

Der Auftakt lässt gleich einaml mir einen Hüpfer zur Seite abringen.
Eine bittrig saure Limette stürmt voran, gejagt von pappiger Himbeersüße.
Zusammen heben sie sich entweder auf oder streiten miteinander und hier ist es beides im Mittelmaß. Ganz hinten dümmpeln noch einige krautig grüne Galbanos rum. Ein synthetisches Zitrusnotengeplänkel entsteht. Nicht so richtig frisch und angenehm erfrischend sondern irgendwie nur ein Knäuel einzelner Noten. Die Limette hällt sich dabei tapferer also die Himbeere. Die schleicht sich bald leise davon. So richtig in Fahrt kommt dieser Duft nicht ist aber nicht unangenehm und man könnte sich einen schlechteren Auftakt vorstellen.

Bis jetzt ist der Duft eher männlich als unisex. Aber warten wir auf das Veilchen.
Das Galbanum steht hier zwischen Kopf- und Herznote und schafft einen homogenen Übergang. Die ganze Zeit über spüre ich eine bittrig saure Note im Hintergrund die auf der einen Seite etwas erfrischendes und anderereits etwas aufdringliches hat.
Was sich dann dazugesellt ist so schüchtern das es schon wieder nervt. So schüchtern, das mich das Veilchen nicht anspricht sondern nur in der Gegend rumplärrt. Ich hätte mir von einer Blume mehr Sanftmut erhofft.

Ich bin sehr erfreut zu bemerken wie sie sich im späteren langsam beruhigt.
Nun wird der Duft angenehm. Man musst sich der Geduld entbehren aber wie so oft wird man entlohnt. Die bittrige Note von der ich sprach, sie ist immer noch präsent aber beginnt ein interessantes Wechselspiel mit der weichen Liebenwürdigkeit der floren Noten. Es ist kein Ringen mehr sondern eher ein gegenseitiges Kitzeln. Die zitrischen Noten geben dem Veilchen Klarheit und Reinheit. Die Blume selbst gibt sich trotzdem ganz ihrem floralen Charakter hin. Dem Duft entgeht das was ihn weiblich machen würde. Trotz der Veilchen und einer feminimen Blumigkeit glüht er nicht richtig auf sondern ist eher matt und fast herb.
Wenn hier jemand einfach nur eine blecherne Plörre wahrnimmt, würd ich auch damit völlig mitgehen. Ich habe mich nur bemüht das Beste in allem zu sehen. Wie immer. Derweil vergeht sich der Duft am Nichtstun und ist mir etwas zu aussagelos, dazu später mehr.
Ich möchte sagen er verschwindet für eine gute halbe Stunde Herznote um dann später und umso stärker wieder aufzuerstehen. Der folgende Duftverlauf beglücke nun Liebhaber süßerer Düfte und wendet sich seiner feminimeren Seite zu.
Ein Welle süßer Duftnoten geht der nächsten voraus und immer runder und weicher wird der Duft. Zuerst läuft ein tänzelnder Moschus mitsamt Iris ein, beide mit einem rundlich fruchtigen Akzent. Die fruchtigen Noten aus der Kopfnote finden sich also auch in Fond wieder und bilden einen erträglichen Gegenpart zum süßen Didledum. Die Süße in Spectral Violet kommt, gedenke man einmal dem ehemals so bittren Charakter ziemlich unerwartet, dennoch passend in heftigem Ausklang einer barock pompösen Irisnote. Dieser Akkord stellt sich als Art Zusammenfassung vor, lässt abwechselnd blumige, fruchtige und herbe Akzente auf einem plüschigen Süßeteppich auftreten.
Aber noch warte ich auf einige holzige Nouancen des Sandelholz.
Im Verlauf zeigt der Duft dann tatsächlich Anreize in Richtung orientalischer und holziger Gefilden. Wer jetzt jedoch einen maskulinen Opulenten erwartet den muss ich enttäuschen. Die Noten werden im weiteren, im Moschus versenkt und es entsteht ein weicher Grundton, ein glatter See, kein brausendes Meer voller geheimnissvoller Untiefen. Wir die wir alle Moschus kennen, können jetzt nicht sagen das dr Geruch langweilig oder unschön währe. Auf natürliche Art ist er angenehm, so weich und animalisch, akzentuiert mit ein paar Früchtchen. Also vorschriftmäßig und qualitativ gut.

Bemüht den Duft für Männer und Frauen in gleichem Sinne tragbar zu machen, also einen Unisexduft auf die Beine zu stellen, vergisst Spectral Violet ein wenig die eigene Authensität. Das schaffen sowieso nur wenige. Oftmals, wie hier ist es nur ein maskuliner Part neben einem feminimen, weniger wirklich geschlechtsneutral.
Er will zuviel Parfum und zuwenig Kunstwerk sein.
Alle Wege führen nach Rom, aber muss es denn immer nur Rom sein? Rom kennt doch jeder.

Einen Dank an den großzügigen Don für die Probe von Spectral Violet.
Wem dieser Kommentar nicht reicht dem schick ich sie auf Anfrage auch gern weiter.


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