Ooonidda

Ooonidda

Rezensionen
1 - 5 von 43
Ooonidda vor 2 Tagen 5 6
Eigentlich mag ich kein Rose-Oud...
... Und obendrein ist mir kein besserer Titel eingefallen. Nun gut, Schwamm drüber – genau wie über meine Rose-Oud-Abneigung heute. Der hier ist fein, butterweich, komplex, unstinkig, nicht zu blumig, nicht zu laut und nicht zu süß.
Und bei all dem "nicht zu" bist du doch so viel.

Du machst dem Namen Dark Saphir alle Ehre: Dunkel bist du, schluckst das Licht, doch nicht über eine auffällige Präsenz, sondern durch deine beruhigend leise Tiefe. Ein ruhiger Geselle bist du. Die Himbeere (ich denke mal zusammen mit dem Pfeffer) blitzt am Anfang kurz deutlich hervor, als hätte jemand Licht auf dich gerichtet, das erst einmal scheinbar über die Oberfläche oszilliert. Die restlichen Kräuter arbeiten zusammen; sie sind für mich schwer als Einzelnoten auszumachen, aber sie kitzeln schön oben in der Nase und schenken auch im weiteren Verlauf eine schöne, heu-artige Krautigkeit.
Das blumige Herz bestimmt mit der dunkelholzigen, etwas erdigen und rauchigen Basis den weiteren Duftverlauf. Wie schon vor mir bemerkt wurde, ist die Rose dominant, der Rest geht jedoch nicht unter, sondern schenkt Facetten. Die Rosengeranie und vielleicht auch die Gartennelke steuern eine schön saftige Frische bei. Ich stimme Taurus zu: Das hier ergibt durch die kühlen Akzente eine „blaue Rose“. Ich schätze, Heliotrop, Iris und Karotte geben eine pudrige Weichheit – wie schweres Satin, weich fließend, von der Haut angewärmt und schwer ruhend ist die Blume hier, ohne zu dominieren.
In einer seiner feineren Variante kann ich auch das Oud ausmachen. Dieses gefällt mir hier: nicht stallig, nicht schmutzig, auch nicht wirklich laut, doch präsent. Es zeigt sich von seiner holzig-aromatischen Seite, fein dosiert und auf seine Begleiter abgestimmt.
Ich kann vor allem Zistrose, Weihrauch, etwas Patchouli und eine feine Süße ausmachen – Tonka oder Vanille (oder beide Tonkanille eben).
Zu warm ist die Basis trotz ihrer Dunkelheit nicht; kein süßer Rose-Oud-Vanille-Tonka-Bomber, eher vornehm dunkles, leicht erdiges Holz mit einer Patchouli- und Weihrauch-Frische. Die die Tonkanille spendet eher wohlige Tiefe statt plakative Süße, genau wie Heliotrop, Iris und Zimt im Herzen.

Ich bin froh, dich entdeckt zu haben. Du zeigst mir mal wieder auf, dass es ein kategorisches „diese Art Duft mag ich nicht“ nicht gibt. Ein schöner, ruhiger Duft, der nicht durch Sillage oder harte Kontraste auffällt, sondern durch seine Harmonie besticht. Er ist vielsagend, einzigartig facettenreich und keinesfalls banal. Leise wie ein massiver, dunkler Stein, der sich nicht bewegt und nicht schillert, zieht er doch die Aufmerksamkeit langsam auf sich, hält sie magisch fest und lässt mich still beeindruckt zurück.
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Kommt ein Fougère in den Wald ...
Unaufgeregt, klassisch, weich mit einem frisch-waldigen Twist. Ein Parfüm für die Barbour-Jacke beim Waldausflug und ebenso passend für das grüne Tweed-Sakko beim Afternoon Tea danach.

Er eröffnet zunächst etwas unharmonisch, denn die ganze säuerliche Kopfnoten-Zitrik wird sofort vom Koriander und Lavendel im Herzen begleitet; etwas Salz-Ambra schwingt auch mit. Das Ganze ergibt in den ersten zwei Minuten eine säuerliche Lavendelnote mit einem Hauch frisch-grüner Würze darunter. Etwas sperrig... doch das legt sich sehr schnell, sobald sich die restlichen Herren-Fougère-Klassiker dazugesellen. Opas Rasierwasser übernimmt nun: klassisch, herb, frisch, sauber. Die Tanne kommt hervor, der Kardamom und die Blumen vermischen sich mit der zitrischen Kopfnote, und der Dufteindruck wird milder, wärmer und bekommt dadurch mehr Balance.

Ein toller Fougère: Zitrik, Lavendel, Koriander, Rosengeranie, Eichenmoos, Hölzer – im Verlauf perfekt verblendet. Das Besondere sind die sanft eingewobenen Kiefernnadeln und dazu die Verwebung des frisch kühlenden Rasierwassers mit süßlichen, milden Noten von Jasmin, einer würzig-warmen Kardamom-Note und einer leichten Ambra-Salzigkeit.

Es entsteht ein hübscher, milder, Herrr-lich klassischer Dufteindruck mit Tiefe und schönen kontrastierenden Facetten aus kühlem Tannenwald, etwas Blumensüße und wärmender Kardamom-Würze.
Ein Gentleman-Duft: nicht laut, keine Synthetik, kein Kratzen in der Nase und keine Monster-Sillage. Einfach ein Fougère, getragen von einem wohlgekleideten und gepflegten Herrn bei seinem Waldausflug. Es ist kühl, die Luft ist frisch und trägt den Duft der Kiefernnadeln zu ihm herüber. Beim Stapfen über den Waldboden mischt sich etwas salzige Meeresluft von der Küste weit vor ihm hinzu. Der Kardamom-Schal wärmt ihn, und so lässt es sich hier draußen etwas länger aushalten, die Natur genießen und über Gott und die Welt sinnieren, bevor der Tee ruft.
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Harziges Met mit Tannenzapfen
Ein ausgesprochen vielschichtiger und vielfältiger, süßlich-holziger, feinblumiger, grasiger, harzig tiefer, naturalistischer Duft, der mir bei der Einordnung einige verwirrte Kopf-Kratzer beschert hat.
Hier eine um Stringenz bemühte Sammlung meiner Eindrücke nach mehrmaligem testen:

Hmm, irgendwie bist du zu Beginn fruchtig, die Süße riecht lieblich! Was ist denn hier los, seit wann sind Räuber so bezaubernd? Anfangs bekomme ich eine Schippe Jasmin und Ginster – gut, vielleicht auch das echte Mädesüß, aber ich habe keine Ahnung, wie es riecht. Auch das unechte Mädesüß ist mir ein Rätsel, deswegen klammere ich das hier mal aus, fehlende Expertise und so.
Jedenfalls: Das Opening ist herrlich un-räuberisch, doch dann kommt’s dicke. Das Met schwappt über den Rand des Krugs und riecht für mich stark nach Bienenwachs. Dann wird es doll krautig, modrig, das verkippte Met sickert in die Erde, die Tannenzapfen liegen hier überall verteilt und hängen nicht mehr frisch und lebendig am Baum, inmitten der Fichtenblätter, die langsam anfangen, den Lebensabend-Tango mit dem Myzel zu tanzen. Die Sonne scheint noch, es ist warm, es ist schön – eher September als November.

Ich glaube, auf dieser Insel herbstet es. Hier herrscht eine angenehm süße Modrigkeit, leichte Athenaeum -Opening-Assoziationen machen sich bei mir breit. Süß, dampfig, braun, Bienenwachs oder auch altes Met.

Bittersüß und angenehm modrig dümpelt der Inselräuber vor sich hin, entspannt sich im menschenleeren Urlaubsgebiet. Wir sind, von der Duft-Szenerie hier, nicht im mediterranen Raum, keine Kräuter oder Zitronen. Wir sind wohl eher der Norden, oder? Diese Insel ist kein Mittelmeer-Paradies, wohl eher das wilde Skandinavien. Haben sie nicht dort so gerne Met gepeitscht?

Ich weiß es nicht, ich male heute Duftbilder und bereichere die Welt mit meinen lückenhaften kulturanthropologischen, geschichtlichen und geografischen Kenntnissen!
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Der Veilchenschal in Vivaldi's Winter
Ich bin mir hier unschlüssig, welchen Winter wir hier genau behandeln: die Jahreszeit Meteorologisch gesehen oder Vivaldis Vier Jahreszeiten Winter Interpretation als Musik in Parfum (Interpretationsception!). Und wenn es der meteorologische Winter ist, was haben wir hier? Die Wärme, nach der wir uns im Winter sehnen? Die kalte Wintersonne?
Irgendwie muss ich doch eher an Vivaldi denken, an seine Vier Jahreszeiten und den Winter aus dem Konzert.
Das anfängliche Brausen, die Ruhe in der Mitte und hin zur Basis, die herrlich fröhlich ist. Das passt schon eher. Ich bin ratlos, aber ratlos heißt nicht abgeneigt, ich bin sogar entzückt. Ich bin hier friedlich in meinen warmen Veilchenschal eingeschmiegt und schnurre vor mich hin.

Der Hiver startet knarzig. Die kühl-bittere Harz-Zitrus-Mischung mit dem bereits deutlich merkbaren Moschus ist unerbittlich, sogar ein wenig unharmonisch, beißend kalt, wie die erste Woge Winterluft, sobald man sein warmes Heim verlässt. Ist das der karge Winterbeginn? Der erste Akt von Vivaldis Winter, das Allegro non molto? Das Opening ist so freundlich wie die kargen, krallenähnlichen Äste der kahlen Bäume, die versuchen, sich in den grauen Himmel zu hacken, um ein wenig Licht aus der Tristesse herauszukratzen. (Passend zu den kargen Ästen auf dem Flakon). Die Zitrone ist leise und eher zestig, genauso wie die Orange. Keine süße, spritzige Sommerzitrik, keine Zitrone der klassischen Winter-Bänger, eher getrocknete Orangen- und Zitronenscheiben, ein verzweifelter Versuch, die einst fröhlichen, saftigen Früchte und ihre Freude für den Winter zu konservieren. Elemi bringt eine kühle Rauchigkeit, wie die kalte winterliche Mittagssonne: Sie verheißt Wärme, doch diese kommt einfach nicht so recht an. Moschus ist auch von Beginn an da und steuert eine kühle Sauberkeit eines sonnigen Wintertages bei.

Recht schnell gesellen sich die Blumen hinzu. Zuerst merke ich das Ylang, divahaft die Gute, wie immer: melancholische Seifigkeit, ein Schuss Retro-Opulenz. Und dann kommt die herrliche Wärme wie eine sanfte Woge: Jasmin und Veilchen und die Vanille. Als würde ich wieder eine gut beheizte Stube betreten, oder kurz die Wärme der Sonne auf der Haut spüren. Vielleicht ist es auch der Winter-Largo, der gemächliche Teil von Vivaldis Winter, der breit und wärmend einlullend dahinfließt. Sanft, warm und zufrieden. Ab diesem Zeitpunkt sind die Zitrik und das Elemi eher Beiwerk. Durch die süßliche Wärme der Blumen und Vanille schimmert der Kopfnoten-Frost fast schon freundlich durch, die blasse Seifigkeit des Ylangs vermag es nicht, die Szene noch abzukühlen. Fast mandelig-pudrig verwebt sich die Vanille mit dem Veilchen und dem Moschus; Letzterer nimmt ihr die Süße und jegliche essbare Assoziationen. Jasmin süßelt feminin im Hintergrund.

Und da sind wir eigentlich schon in der Basis. Diese kann sich nicht so wirklich von der Herznote lösen, sie sind herrlich verwoben. Die Kopfnoten sind (zumindest auf meiner Haut) nach ca. 1h für meine Nase fast verschwunden. Ein bisschen ist von der Orange geblieben und süßelt nun mit der Vanille und dem Jasmin fröhlich gemeinsam herum – das Allegro des dritten Satzes.
Es ist nun heiter, warm und kuschelig. Der Moschus pfeift sein Frische-Wind, angewärmt von dem Veilchen und der Vanille. Ylang versucht, etwas Ernsthaftigkeit zu bewahren: "KINDER, es ist schließlich immer noch Winter!", brummt sie seifig inmitten all der wärmenden Fröhlichkeit.
Es ist kuschelig, geborgen, warm und schön. Die Zeder in der Basis ist mein Liebling. Sie lässt den Duft hell und leicht sein, nimmt ihm auch nicht die kühl-winterlichen Assoziationen. Die kalte Wintersonne erhellt immer noch die heitere Szenerie. Alles andere wäre mit dem dominanten Veilchen und der Vanille zu erdrückend. Moschus und Zeder halten das Ganze leicht, die Veilchen-Jasmin-Vanille-Mischung wärmt, und die Erinnerung an die Reminiszenz der Kopfnoten lässt das Ganze nicht so hart in Richtung Krasnaya Moskva und deren erstickende Opulenz driften.
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Der unauffällige Tiefsinnige
Oder auch der Birkenteer-endgeedge'te Bruder von She Was an Anomaly .

Der hübsche und unauffällige, aber tiefsinnige Bücherwurm-Typ. Der junge Mann mit heller Haut, dunklen Augen und dunklen Locken, der sich zwar nicht traut, jemanden anzusprechen, doch nimmt man ein Gespräch auf, versinkt man in seiner Tiefsinnigkeit und dem begeisterten Literatur-Monolog des Gegenübers. Der junge Kafka eben, gegebenenfalls auch ein Puschkin.

Gut, genug der Schriftsteller-Assoziationen, nun zum Duft:
Süßliches, helles, aber nicht weißes, sondern eher creme- oder eierschalenfarbenes Iris-Papier, dunkle Birkenteer-Tinte, glattes, feines braunes Leder als Einband, deckenhohe, helle und doch massive Holzregale, Gänge aus diesen Regalen und den Büchern, in denen ich mich hier verliere und dich finde.

Kafka on the Shore ist vielleicht ein hübscher, zurückhaltender Bibliothekar, auch Sillage-technisch. Ich muss wirklich an die dunklere, etwas trockenere und minimal herbere Version von She Was an Anomaly denken.
Das Papier ist sehr präsent und wird durch die Iris weniger staubig, sondern bekommt eine vornehme, pudrige Süße. Das Patchouli mit dem Birkenteer gibt mir feine Druckertinte. Rasiermesserscharf sind die Lettern in das Papier gedru(ü)ckt und tiefschwarz. Das zusammen hat doch mehr den Geruch eines neueren Buches, als würde man in einer Buchhandlung ein qualitativ hochwertig hergestelltes, neues Buch nehmen und mit dem Daumen die Blätter durchrascheln, sodass der Duft einem in die Nase steigt.
Ein feiner, glatter, haselnussbrauner Ledereinband umhüllt das Buch, doch der Lederduft ist sehr zart, ohne Animalik, kein schweres Leder, ganz glatt und weich ist es, mit schlanken, feinen, schnörkellosen, aber Serfienbetoneten Lettern ist der Titel auf dem Cover eingeprägt. Entgegen schwebt mit etwas süßliches, das Iris-Papier, die feine vanillige Süße und die leise Sillage, das Ganze ist sehr zart, ein feines flirten mit der Tinten-Düstrrniss, der Moschus ist federleicht. Ein zarter Duft, das Thema Buch ist herrlich umgesetzt.

Etwas später, nach ca. 1h, ist das Holz mit der Vanille etwas präsenter. Nun ist nicht nur das Buch, sondern auch die Umgebung (die Bücherei? die Buchhandlung?) da. Kuschelig ist's hier, die vielen Bücher lullen mich ein, das Licht ist warm. Ich schnappe mir so ein Buch und verkrieche mich in eine Ecke zum Schmökern. Schön ist's hier. Kafkaesk ist hier höchstens der Schriftsteller-Nachhall.
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