Bowmakers 2012 Eau de Parfum

Bowmakers (Eau de Parfum) von D.S. & Durga
Flakondesign Kavi Moltz
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8.0 / 10 283 Bewertungen
Bowmakers (Eau de Parfum) ist ein beliebtes Parfum von D.S. & Durga für Damen und Herren und erschien im Jahr 2012. Der Duft ist holzig-harzig. Es wird noch produziert. Der Name bedeutet „Bogenbauer”.
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Duftrichtung

Holzig
Harzig
Würzig
Rauchig
Grün

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
GeigenlackGeigenlack MahagoniMahagoni Luft-AkkordLuft-Akkord
Herznote Herznote
KolophoniumKolophonium ZypresseZypresse AhornholzAhornholz
Basisnote Basisnote
BaumharzBaumharz ZederZeder MoosMoos

Parfümeur

Bewertungen
Duft
8.0283 Bewertungen
Haltbarkeit
8.0224 Bewertungen
Sillage
7.1227 Bewertungen
Flakon
7.8193 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
6.464 Bewertungen
Eingetragen von DonVanVliet, letzte Aktualisierung am 13.04.2024.

Rezensionen

11 ausführliche Duftbeschreibungen
7.5
Flakon
7.5
Sillage
7.5
Haltbarkeit
9
Duft
Meggi

1019 Rezensionen
Meggi
Meggi
Top Rezension 35  
Squaredance in der Grundschule
„Oha, Antonio muss wieder ran!“ war mein Gedanke beim Test von Bowmakers. Ein ernstes Problem, schließlich war Antonio Stradivari bereits in meinem Duro-Kommi aufgetreten und ist nicht mehr der Jüngste. Wer hätte auch ahnen können, dass mir mal ein Duft unter die Nase kommt, der sich explizit auf Bogenmacher und Geigenbauer bezieht. Übrigens bis heute zwei unterschiedliche Disziplinen, obwohl sie gelegentlich von selber Hand ausgeübt werden.

Ins neunzehnte Jahrhundert möchte der Duft uns zurückversetzen, als in der Massachusetts Bay Colony anscheinend fleißige Instrumentenbauer am Werk waren. Deren Werkstätten mit ihren Gerüchen von Hölzern, Harzen und Lacken verschiedenster Rezepturen, als streng gehütete Geheimnisse vom Vater zum Sohn weitergegeben, möchte der Duft geruchlich zu neuem Leben erwecken.

Und das gelingt ihm mühelos. Selbst ohne die Geschichte drumherum hätte ich mich in eine nostalgische Schreinerwerkstatt, Möbel-Tischlerei oder Ähnliches versetzt gefühlt.

Nur kurz lässt zum Auftakt staubiges, beinahe muffiges Holz Schlimmes erahnen, so wie einen vielleicht beim Betreten einer derartigen Werkstatt der Geruch zunächst überfordert. Doch nach kaum fünf Minuten geht es los mit dem eigentlichen Thema: Das Holz, der Lack und das Kolophonium; jenes Koniferen-Harz zum Bestreichen der Pferdehaare, mit denen der Bogen bespannt ist, um die Saiten in Schwingung zu versetzen.

Helle, luftige Hölzer und der Schleifstaub davon mischen sich mit dunklen, mahagonifarbenen Noten. Charakterlich vermag der Duft durchaus an Duro zu erinnern, ist allerdings nicht holzig-umhüllend, sondern das Harz lässt ihn distanzierter wirken. Böse Nasen mögen gar eine Spur Schinken-Rauch entdecken, passenderweise um die Mittagszeit herum. Gegen Ende erinnert mich Bowmakers mit einer Anmutung von Weihrauch à la Cardinal tatsächlich ein bisschen an den Anfang von Odins 07 Tanoke. Freilich ist insgesamt wenig Duftentwicklung vorhanden, es wird lediglich im Laufe der Zeit milder, un-harziger. Die Haltbarkeit liegt bei locker neun, zehn Stunden und noch am Folgetag sind die Reste gut spürbar.

Alles schon gehabt, mögen die geneigten Riecher nun einwenden. Das mag im Großen und Ganzen stimmen, aber eine Herausforderung stellt der Duft trotzdem dar, weil sich fast durch den gesamten Verlauf die Idee der Holz-Verarbeitung zieht. Lack, womöglich ein Hauch von Lösungsmittel. Die in der Pyramide erwähnte Note „Freiluft-Akkord“ (im Original „outdoor accord“) verdient zwar begrifflich einen Originalitäts-Preis, indes: Wo isser denn? Wuchsa spricht profaner von Ozonischen Noten. Egal, inhaltlich kriege ich die Dinge ohnehin nicht zusammen, nach frischer Luft riecht es wirklich nicht.

Und so ist Bowmakers schlussendlich gewiss nicht leicht zu tragen und mit seiner überdies starken Sillage definitiv für die Fans der drastischeren Harz- und Holz-Düfte gemacht. Für die ist er eine dringende Test-Empfehlung und für mich ein Kauf-Kandidat.

PS: Apropos Stradivari - über die Qualität historischen nordamerikanischen Geigenbaus weiß ich natürlich kaum etwas. Es scheint, dass hier und dort begabte Leute am Werk waren, die gleichwohl angesichts der fehlenden Fachkenntnisse ihrer Käufer auch üble Fiedeln an den Mann brachten. Die Qualität selbst des epigonalen Cremona wurde jedenfalls in der Breite wohl eher nicht erreicht, behaupte ich mal in aller Vorsicht. Das hätte - um jetzt gehässig zu werden - zu Squaredance-Geschrammel sowieso nicht recht gepasst.

Einmal habe ich einen solchen Tanz live gesehen. Eine (vermutlich) VHS-Gruppe übte in der geräumigen Halle der Grundschule, an der meine Frau tätig ist. Zufällig war gleichzeitig draußen große Aufführung des schulischen Zirkus-Projekts und dessen Besucher verließen den Platz durch das Gebäude. So fand es sich, dass die ansonsten zweifellos in Abgeschiedenheit übenden Tänzer schlagartig von bestimmt zweihundert Zuschauern umringt wurden, die auf Nachzügler oder Abholung warteten oder einfach nur verweilten und zusahen. Eine bizarre Szenerie: Eine plärrende Musik-Kiste, daneben ein Typ mit tadellos amerikanischem Heiße-Kartoffel-im-Mund-Akzent, der rhythmisch Kommandos nuschelte, von denen ich einzig „…boys“ und „…girls“ verstanden habe und denen die rund zwanzig angesprochenen „boys“ und „girls“ (sämtlich im Rentenalter) sichtlich nervös Folge leisteten, weil plötzlich umstellt von massenhaft Publikum. Die guten Leute konnten einem leidtun, denn es gab vielfach Geschmunzele. Aber – zugegeben – diese Cowboy-Krawatten auf Holzfäller-Hemden mögen ja noch einigermaßen lokalkoloritmäßig-charmant sein. Doch eine Dame um die siebzig, die in einem knall-engen, knall-magentafarbenen Kostüm mit knall-rosafarbenem Tüll-Röckchen herumhüpft, das entfaltet sogar für den wohlwollendsten und empathischsten Betrachter eine unwiderstehliche Komik…
17 Antworten
8
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Flioline

14 Rezensionen
Flioline
Flioline
Top Rezension 28  
Stilles Streichkonzert

In Schweigen wollte ich mich hüllen bezüglich Bowmakers. Kein Wort sollte über meine Lippen, kein Ton von keiner meiner Saiten, und kein Buchstabe aus dem Farbband meines ipads entfleuchen.
Mein Bowmakers.

Doch die Winde wehn wie sie wehn, und heut wehte der Moment.
Ich habe mir also alle drei Hände gewaschen, und bereit stehen sie:
Der aktuelle imposante Zylinder mit hippem NYishem Understatement Etikett: BOWMAKERS,
die recht neue hellölige Variante für den modernen Vorcorona-Traveller (bzw. Travelline)
(Der Name hätte mir auch gefallen. Damals.),
und der mythenumwucherte „Alte“, der somit bar jeder Diskussion ewiglich Bessere, der viel Parfumobetrauerte, im eleganten Flach-Flakon mit der wirklich schönen weissen Blumenillustration,
Also, auf meinen linken Arm kommt nun aus dem Klotz klaren Glases,
auf meinen mittellinken Arm aus filzummanteltem Röhrchen Öl,
und auf den am wenigsten linken Arm weht die filigranere Retro Version.

Die linksradikale olfaktorische Impression ist am strengsten. Ja sie kann sogar bisweilen scharf werden. Holziger ist sie. Weihrauchiger auch; und aus beidem heraus: sakraler.
Hier prunkt und strahlt in Finsternis mein ganz persönliches zentrales Bowmakers Bild: Dunkelheit, dunkle Dunkelheit. Holz. Dunkelbraunschwarze Möbel. Bänke sind es... Gebetsbänke. Eine tiefe italienische Krypta unter dem (ja) Saitenschiff mit einigen ururalten Gebetsbänken. Auch an den Wänden ist teils dunkles Holz, schwarz fast, Jahrhunderte getränkt durch heilige Politur und durchdrungen von Weihrauch und Glaube. Durchgearbeiteter Lack, „durchgebeteter“, „bebeteter“, „be be te te ta ta taaaa“... Hier wohnt Inbrunst. Und einige wenige schmale Kerzen der Hoffnung und der Sehnsucht, die das Dunkel noch betonen.
Und wenn er schon jahrhunderte alt ist, dieser Linksradikale, dann kann er freilich auch noch länger bleiben: Er hat von den Drei Grazien klar die stärkste Haltbarkeit.

Ein Sprung nun!
Der retro Linke - il Grande Originale* - ist smoother. Und doch wuchtig. Weichwuchtig. Linoleum. Boden. Einen Moment am Anfang meinte ich gar einen erdigen Patch aufzustöbern.
Das Smoothere macht mehr Instrumenten-Assoziation, ist weniger gewaltig und erfurchtgebietend, weniger dunkler im Duft, tatsächlich eher rötlichbräunlich, wie die hier mächtige Zeder eben, und wie herrliche alte Streichinstrumente. La Musica sta guarendo. Heilend ist sie. Ja, und da ist auch etwas Medizinisches im Duft, auch sanft.
Ist er nun wirklich sanfter, moosig-bäriger? Oder ist da nur der Kopf etwas ladiert und zauselig unfrisiert ob seiner Lebensspuren, und die Kanten abgeschliffen, wie manch Körperteil einer viel verehrten Heiligenstatue? Keiner lebt ewig.
Meine Krypta kommt hier schon auch noch, aber später, eine entferntere Ahnung, sanfter. Da streicht schon die Musik.

Zum Rätsel.. il grande mistero: Der Unterschied zwischen jenen beiden ist delicato, dezent.
Kein Anlass für Theatralik.
Sowieso nicht.
Stille!
Stille in Klang, Stille nach Klang...

Nun noch zu meiner mittellinken Hand (die auch eine eigene Parfumo Seite hat * *, recht so). Schwächer. Ist das der Zauberlehrling, der Junior? Oder die? Irgendwas ist hier fast zitronig frisch, nach einer Weile ein Weilchen waldiger... Die Zypresse ists!
Witzigerweise finde ich nun gerade hier am ehesten die so vielgelobte Kolophonium Nuance. Brava, apprendista!
Heller ist er, nicht nur in der Optik, sondern auch im Duft. Flacher auch. Aber, äh, hoch-flach. Etwas fliegt. Ein helles Botticello-Ufo?
Nicht Pressspan-flach. Aber auch keine schwarze Kirchenbank. Auch kein Kontrabass. Eine Sommerreisevioline! Prima, auch schön. Ich freu mich schon drauf. Aber, wenn trotz Klimawende grad mal nicht Sommer ist, und dazu noch ein Flakon in den Rucksack passt, dann ist jener hier mir wohl am ehesten verzichtbar... * * * ...der mittellinke Arm. Was ja auch irgendwie Sinn macht.

(* * * Was mehr als relativ ist, denn keine meiner Drei Grazien geb ich niemals nicht her!)
Ausserdem: „Es gibt keine Mitte“, sagt die Linke ;)

Grazie oscura Durga per le dimensioni di queste fragranze, e viva la musica !
21 Antworten
8
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Chizza

332 Rezensionen
Chizza
Chizza
Top Rezension 24  
Olfaktorische Anleitung eines Bogenbaus
Bowmakers ist alleine schon vom Namen her ein Duft den ich sehr goutiere, denn erstens schätze ich kreative Namen und nicht einfach nur so was wie „Leather“ (Verzeih mir, AdP) oder Ähnliches. Zweitens - man mag es kaum glauben - aber solche Dinge wie Angeln, Reiten oder auch Bogenschiessen unternehme ich gerne, meist im Urlaub natürlich. Insofern hegte ich von Beginn an Sympathie. Nun kenne ich beide Versionen von Bowmakers, die ältere Machart empfinde ich als leicht besser, muss aber auch bekennen dass der neue Flakon den Reifeprozess bereits gestartet hat und das Holz dunkler sowie öliger wird und sukzessive die charakteristische Lacknote erhält. Insofern sehe ich das gelassen und werde beide Versionen im weiteren Verlauf nicht groß gegenüberstellen da die Unterschiede marginal sind, wenngleich ich die ältere Fassung (noch) einen halben Punkt höher bewerten würde.
Natürlich sticht der Geigenlack zu Beginn hervor und nur hier ist für mich der Unterschied beider Versionen relativ klar ersichtlich. Während das Parfum einerseits den Duft einer vor längerer Zeit lackierten Geige annimmt, zeigt uns die Reformulierung eher eine frisch lackierte Geige. Das Mahagoni erinnert an alte Möbel aus beispielsweise dem Elternhaus; ich denke, da kann sich jeder etwas darunter vorstellen. Durchaus edel aber auch mit gereiftem Charakter.
Mit fließendem Übergang reist Bowmakers in der Zeit zurück. Wo gerade noch das fertige Produkt olfaktorisch im Mittelpunkt stand, befinden wir uns nun in einer Schreinerei und fertigen das Endprodukt zunächst an. Es duftet nach Spänen, nach Beizmitteln und Lack sowie einer Melange aus einer Vielzahl von Hölzern. Ganz leicht erahnt man einen Hauch Räucherwerk, welcher vom Ahorn stammt. Dominanter ist jedoch die Zypresse welche durch ihren limonigen Charakter das Quäntchen Frische liefert, was uns in den Fertigungsprozess katapultiert hat.
Ein Satz zum Bestandteil Kolophonium, hier gemeint ist wohl Geigenharz: dieses besteht Klassischerweise aus diversen Nadelholzarten und so duftet Bowmakers eben auch. So sehr ich die Zypresse auch schätze, die Frage ob diese hier sinnvoll eingesetzt ist, die schwingt für mich stets mit denn ich finde das Ergebnis gut aber es hätte seinen Reiz, diese Hölzer einmal ohne Zypresse wahrzunehmen.
Vielleicht muss man auch nicht so lange warten, denn zumindest in der älteren Fassung zieht sich die Zypresse rasch zurück respektive wird verdrängt. Bei der neueren Fassung leistet sie mehr Widerstand und geht nie so ganz.
Spannend wird es in der Basis denn die Zeder kämpft sich durchaus nach vorne; die spielt zwar nicht die erste Geige (den musste ich einbauen) so aber doch die zweite. Tatsächlich in der alten Fassung herausragender, wenn man weiß, dass diese enthalten ist. Leicht kühl-krautiges Moos rundet den Duft ab und wirkt krautiger, je jünger der Duft ist. Persönlich schätze ich eine geringere krautige Attitüde aber es ist empirisch gesehen klar, dass dieser Punkt nur eine Frage der Zeit ist. Wie vermutlich auch die Zypresse und der Auftakt.
Zur Haltbarkeit und Sillage sei gesagt, das sich die neuere Fassung als stärker empfinde wenngleich beide gut sind. Die neuere duftet intensiver, langanhaltender stark und verharrt auch bei einem Sprühstoss stundenlang im Raum wie mir eindrucksvoll von meiner kleiner Tochter vorgeführt worden ist. Seitdem stehen die wichtigsten Düfte meiner Sammlung auch etwas höher aber das sei nur als kleine Anekdote am Rande erwähnt.
Bowmakers ist - wenn wir die älteren Düfte von D.S. & Durga heranziehen - mein Favorit. Unangefochten. Burning Barbershop ist ebenfalls schön, der Rest ist solide bis gut, erreicht mich aber nicht so sehr wie diese beiden. Das liegt sehr simpel hier an der Symbiose aus Lack und Harz. Generell gefallen mir dunklere Holzdüfte wie Norne aber auch Arso besser als eher helle Varianten. Insofern erstaunlich wo wir hier schließlich die limonige Zypresse dabei haben aber das harmoniert hier im Gros außerordentlich.
Insofern meine Kaufempfehlung für deren Umsetzung ich einen Naturkosmetikanbieter aus Deutschland empfehlen kann. Preislich tut sich hier nicht viel bei den einzelnen Anbietern, ausser man kommt erwirbt mit etwas Fortune diesen Duft in rar gesäten Angeboten. Ich blieb bei meinem Naturkosmetikhändler welcher unter anderem mehrere Proben inklusive einer 12ml-Abfüllung dazugelegt hat. Plus handgeschriebenem und parfümiertem Brief, sowas schätze ich ja.
18 Antworten
7
Flakon
5
Sillage
6
Haltbarkeit
8
Duft
loewenherz

881 Rezensionen
loewenherz
loewenherz
Top Rezension 28  
Der Bobo
Vor inzwischen siebzehn Jahren veröffentlichte der amerikanische Publizist David Brooks, seinerzeit politischer und Gesellschaftskolumnist der New York Times, mit 'Bobos in Paradise' einen populärwissenschaftlichen Bestseller, in dem er sich - durchaus kritisch und bisweilen nachgerade gallig - an der tonangebenden, urbanen amerikanischen Ostküstenoberschicht abarbeitete, für die er den seinerzeit neuen Begriff der 'Bobos' schuf. 'Bobo' ist gleichermaßen ein Oxymoron wie ein Akronym aus 'bourgeois' und 'bohémien', also die scheinbar paradoxe Verschmelzung von bürgerlich-wohlständiger Arriviertheit und künstlerischem Nonkonformismus: also gebildete, ökonomisch unabhängige Städter, die sich ganztägig der heiligen Dreifaltigkeit aus 'Kunst, Kultur, Konsum' zu widmen in der Lage sind. Oder pejorativ-vereinfacht: 'Möchtegern-Bohème'.

Es gibt für Bobos unzählige Düfte - was kaufmännisch Sinn macht, sind Bobos doch ebenso konsumorientiert wie kaufkraftstark. Meistens sind diese Düfte etwas teurer als notwendig und oft außerordentlich aufwändig verpackt. Sie sind nicht überall zu haben und beinhalten häufig etwas manieriert anmutende Dinge wie eben 'Geigenlack', 'Freiluft-Akkord' oder auch 'bernsteinfarbenes Kiefern-Kolophonium'. Oft sind sie außergewöhnlich arrangiert und fast immer zumindest 'interessant'. Ich mag Bobo-Düfte. Ich mag die Geschäfte, in denen es Bobo-Düfte zu kaufen gibt. (Was sicher daran liegt, dass ich schrecklich gerne das Leben eines Bobos führte - vor allem in den vielen Stunden, die ich dieser lästigen Berufstätigkeit zu opfern gezwungen bin.) D.S. & Durga ist eine der vielen typischen Bobo-Marken - und Bowmaker vielleicht ihr ikonischster Bobo-Duft.

Von Geigenlack, Freiluft-Akkord und 'bernsteinfarbenem Kiefern-Kolophonium abgesehen ist er so etwas wie ein 'Holzduft plus'. Er thematisiert rötliches Holz - eins, das eher an einen nördlichen Wald denken lässt als an einen südlichen. 'Holzduft plus', weil er dank eines ungewöhnlichen, streckenweise fast artifiziell anmutenden Beiklangs dieser Holzigkeit - fast mehr die Ahnung von nasser Farbe als ein echter Harzton - sperrig genug ist, um gesellschaftlich diskussionsgeeignet zu erscheinen - doch ausreichend konventionell und rundgeschliffen, um bei Bergdorf Goodman und im Russian Tea Room niemanden zu verstören. Ich empfinde Bowmaker als interessanten Tagesduft für jemanden, der eine Abneigung hegt gegen Alltägliches, aber doch in Walmart-Aktien investiert ist und bei weitem nicht verrückt genug, um sich mit wirklich Skandalösem zu beduften.

Fazit: für jemanden, der schon den Gedanken an Mainstream nicht ertragen kann und doch einigermaßen verträglich duften will. Und tatsächlich ein sehr gutes Parfum.
4 Antworten
7
Preis
9
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Ergreifend

483 Rezensionen
Ergreifend
Ergreifend
Top Rezension 33  
Die Geige des Großvaters
Die Geige meines Großvaters, der bereits 1973 verstorben ist, hängt noch immer an der Wand im Schlafzimmer, des Elternhauses meiner Mutter. Irgendwo in einem kleinen Dorf, an einer hohen Lichtung, im Nordosten Bosniens. Leider habe ich ihn nie kennen gelernt, aber die ganzen Fotos, die von ihm geblieben sind, habe ich unzählige Male durchgesehen und sie setzen sich nicht nur in der Erinnerung uns aller ab, sondern machen sich gut im Schlafzimmer. Es hat Charme und es strahlt viel Leben aus. Großvater war ein passionierter Geigenspieler. Sie war sein stetiger Begleiter, in seinem viel zu kurzen Leben.

Letztes Jahr haben wir uns Enkelkinder, die Mühe gegeben die ganzen Bilder neu aufzuarbeiten und einzurahmen. In schwarze Lackbilderrahmen. Dazu die alten Möbel, die im damaligen Jugoslawien hergestellt wurden und noch immer was herhalten. Das Holz wurde von uns behandelt, eine neue Matratze gabs auch, dazu eine blaue Seidenbettwäsche, die Oma sich irgendwann in den 90er Jahren gegönnt hat. Die Geige bekommt natürlich auch oft eine Behandlung des ortsansässigen Geigenbaumeisters, der schon auf die 93 Jahre zugeht.

Leider ist Großmutter 2019 verstorben und somit blieb das Haus leer, welches jedoch stetig zu einem Treffpunkt uns aller wird. Es ist immer ein Vergnügen das Haus, vor allem das Zimmer zu betreten. Die Gerüche, die sich da bilden, die Bilder die einem von der Wand lachen. Man kann sie förmlich hören, riechen und auch spüren. Die Gerüche und das Zimmer erinnern mich an diesen Duft! Schon bei der Aufmachung, bei der ersten behaglichen Berührung. Dieser Geruch der verschiedenen Holzarten und dieser feine Lackgeruch verbinden sich so harmonisch miteinander, so dass das Herz lacht. Wie in Zeitlupe tropft warmes Harz von der Decke, auf den staubigen Boden. Heu flimmert in der etwas stickigen Luft, lässt immer wieder dunkle Wellen von erstmals seichten Rauch durch das Zimmer knallen. Es wird dabei deutlich dunkler, auch etwas ernster. Rauch, verbunden mit in die jahre gekommendem Holz und reines Harz, das kann was! Es wirkt aber mit der Zeit dann nicht mehr so ernst, sondern bewusst fließender. Schöne, warme Akkorde, allen voran dieser dezente Geruch von Heu, wirbeln den Staub im Kopf auf. Lack, so geschmeidig, als würde man gerade mit den warmen Fingerspitzen über die Geige streichen.

Was für eine Wucht! Dazu auch noch mit einer imposanten Haltbarkeit, wobei ich jetzt nicht weiß, ob mir das Gehirn hier einen Streich spielt und mich einfach länger in dieser Duftblase hält. Weil Erinnerung. Weil Großvater. Weil nie kennengelernt.

Ein toller, zeitloser Duft, der mich in die Vergangenheit bringt.
Glücklich darüber, etwas gefunden zu haben, wo ich mich erinnern kann.
Danke, ich habe fertig und bedanke mich bei dem anonymen Spender
25 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

102 kurze Meinungen zum Parfum
JonasP1JonasP1 vor 2 Jahren
7
Flakon
5
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Zwischen dichten Zypressen
Ertönen sanfte Geigenklänge
Harz rinnt wie Tränen
Durch die moosbewachsene Rinde
Weicher Rauch zieht wie Nebel
37 Antworten
Eggi37Eggi37 vor 2 Monaten
7
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Geigeninstrument
Aus koniferen Nadelholz
Frisch lackiert mit Terpentin
Melodisch-harmonische Klänge erweckt den Wald
Bäume harzen vor Freude
51 Antworten
Danny264Danny264 vor 1 Jahr
6
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
10
Duft
Stradivari
frisch gelackt
Fichten Korpus
Ahorn Bogen
Saiten vergoldet
präsentiert auf
Bemoostem Mahagoni-Tisch
Majestätisch
wie eh und je!
33 Antworten
SchalkerinSchalkerin vor 3 Jahren
8
Flakon
7
Sillage
7
Haltbarkeit
8.5
Duft
Mit frisch lackierten Geigen startet das Konzert open air im Zypressenwald. Dazu tanzen die Baumharze und Zedern.
27 Antworten
ToppineToppine vor 2 Jahren
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Geigenbauer und Bogenmacher zaubern... Holz-Harz-Ausnahmeduft mit rauchigem Terpentinklang. Tief, ruhig, dunkel und doch voller Licht.
28 Antworten
Weitere Statements

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