Me, Myself & I - ist Nische alles?
März 2022, an einem warmen Frühlingstag ...
... Die Vorgeschichte, wie alles anfing
Es begann damals mit der Suche nach Düften, die besonders sein sollten. Ich wollte, nein, ich durfte es nirgendwo anders riechen und es ganz für mich alleine lieben. Zudem soll es etwas sein, was wirklich (fast) niemand kennt, ja.
Ich hatte damals schon einige Erfahrungen mit Düften, aber teils nur mit Alltagsdüften oder "einfachen" Designern, nichts besonders. Ich war sehr wählerisch und wählte mit viel Überlegung aus. Nichts kam drumherum - um den wochenlangen Test auf Duftstreifen, Kleidungen und verschiedenen Stellen auf der Haut. Nach einiger Zeit notierte ich mir fleißig mögliche Düfte, teils empfohlen von anderen Sammlern, die in eine engere Auswahl kommen könnten. Dieser Prozess zog sich sogar über einige Monate ... durch den frischen Frühling, heißen Sommer und verregneten Herbst.
Ich zog mich eine Zeit lang zurück. Vielleicht brauchte ich eine Pause...
An einem kalten, verregneten Tag im November schrieb ER mir mitten in der Nacht. Es war kurz nach vier Uhr - ein Bekannter via WhatsApp, er hätte gerade etwas entdeckt. War es das endlich? Nach tagelangem Testen, schlaflosen Nächten und unendlichen Konversationen - das Ende einer schier unendlichen Suche? Eine völlige unbekannte und relativ neue Marke, sogar Internetrecherchen ergaben weniger als 25 Suchergebnisse, wow!
Sofort verglich ich, noch im Bett mit verschlafenen Augen liegend, die Düfte und deren Duftnoten mit meinen aufgeschriebenen und beschriebenen Duftnoten sowie deren Pyramide. Ich wischte mir öfter über die Augen, musste so oft gähnen wie noch nie, doch ich konnte nicht mehr vom Handy wegschauen - meine Augen verloren sich im endlosen Display. Die weißen Strahlen erhellten mein Zimmer, rissen meine Mitbewohner aus dem Schlaf, aber ich nahm es in Kauf.
Ohne Vorwarnung lief mir ein eisiger Schauer über den Rücken. Ich wühlte mich aber dennoch aus meiner Decke heraus, warf sie runter - plötzlich wurde mir heiß, wie vor einem Laubfeuer stehend. Ich fing an zu schwitzen und konnte nur mehr erschwert atmen. Mein Puls erhöhte sich, Adrenalin schoss durch meine Adern und sie fingen an zu pulsieren. Ich spürte jeden Herzschlag - duff, duff, duff, duff, duff, DUFF, DUFF, duff... es hörte nicht auf!
... Ich sprang aus meinem Bett und rief ohne Zögern meinen Freund an. Sofort müsste ich diesen Düfte, mit diesen mysteriösen aber interessanten Zusammensetzungen ausprobieren, am besten direkt , sofort, JETZT!
Doch so einfach war es nicht. Hier fängt es an, der erste Nachteil der Nischenwelt, die (damals noch) geringe Verfügbarkeit?
Der, der mir die Chance gab
In einer WhatsApp-Gruppe mit vielen Parfüm interessierten Menschen hatte ich dann gefragt, und tatsächlich, es gab einen kleinen Austausch - ich war nicht alleine (mit dieser Idee). Nicht lange hat es gedauert, bis eine 5ml Abfüllung bei mir Zuhause eintraf.
An diesem Tag war alles anders, vormittags leergesaugte Straßen und eine kahle Stimmung wie vom Eise umflossen - ich wusste, irgendwas Besonderes lag in der Luft. Alle meine Handlungen im Alltag, wie noch nie, durchdachter und mit dreifachem Überlegen...
Wie ein riesiger Tiger in seinem Revier, er war nicht zu übersehen, es war wirklich so - dort stand er. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, ein kleiner, feiner Flakon mit dem besagten Duft stand auf meinem Küchentisch - ich ließ alles stehen und liegen und verzog mich in mein Arbeitszimmer. Frische Duftstreifen, eine Erwartung so hoch wie noch nie. Es war eine besondere Farbe des besagten Duftes, meine Augen erwarteten etwas anderes, doch was zählte, war der Duft.
Pfft-Pfft hörte man, als man vor meinem Zimmer stand - ich bereitete meine Nase so gut wie noch nie vor. Alle meine Knospen mussten jetzt funktionieren, ich musste alles, wirklich auch jedes Molekül wahrnehmen.
Und dann war es endlich soweit. Ich führte den Duftstreifen immer näher und näher zu meiner Nase, die schon vor Sehnsucht wartete. Halt! Nein, warte doch! - Ich konnte sogar hier nicht stillhalten, selbst beim Heranführen musste ich bereits einen Zug nehmen. Nein, verdammt, wirklich? Das kann jetzt nicht sein!
Ein Duft, den ich so noch nie wahrgenommen hatte. Es war eine Explosion... so, als wäre eine bereits tickende Zeitbombe in mir gezündet.
Ich bemerkte einen Stich im Herzen, es brannte sich direkt hinein und setzte keinen Fuß mehr heraus - das Brennen, so schmerzhaft, aber doch so befreiend. Ich konnte nicht loslassen, doch ich musste, NEIN- lass es! Ich ließ aber los. War es das Ende? War es doch nicht das Richtige? War es eine falsche Entscheidung?
🔹 ... nun vergingen einige Monate und ich trat auch der Plattform "Parfumo" bei ...
> Parfumo - Menschen, Düfte und mehr ...
Die meisten Leute hier sind echt locker und entspannt drauf, hier kann man sich wirklich über alle Themen und zum Glück auch alle Düfte unterhalten. Ich habe nun einiges durchforstet, Beiträge durchgelesen und im Ticker gechattet - überall kamen die verschiedensten Düfte in Erwähnung, mit tausenden Bewertungen. Ich habe diese auch in kleineren Parfümerien gesehen, sie waren nicht übersehrbar.
Für mich habe ich entdeckt, dass ich auf die meisten massentauglichen Düfte (die von vielen Leuten getestet; getragen werden) einen kleinen "Hass" entwickelt habe. Mein kleiner Nachteil ist, dass ich es sehr einzigartig mag, so wie jeder Mensch auch einzigartig ist, wieso dann einen wiedererkennbaren Duft tragen, der uns zusammenführt? Sprichwort: Beziehung, okay, will das aber jeder?
Natürlich hatte ich am Anfang auch Designer, man kauft sich als Anfänger auch nicht direkt die teuerste Uhr, das teuerste Auto, usw.)
Damals also noch Hugo Boss, und viele andere 0815 Düfte für kleines Geld (für den Anfang waren die super, keine Frage). Doch ich bemerkte schnell, dass ich war anderes brauche ... nein, keinen anderen Duft dieser Reihe, etwas komplett anderes.
> Die ersten "Entdeckungen"
Ich bin relativ schnell auf Marken wie Nasomatto, Orto Parisi, Amouage usw. gestoßen. Alle etwas einzigartiger und definitiv nichts, was viele tragen, das war genau meins. Ich verbrachte einige Monate mit ihnen, vieles darüber gelesen, gehört und auch erfahren. Doch ich wollte noch mehr, kann man das als Sucht bezeichnen? Vielleicht, ich nenne es Leidenschaft.
Natürlich hörte ich auch einiges über die restlichen (Designer)-Düfte, vorallem Online auf diversen Plattformen. Ja, einige haben mich wirklich gereizt, sodass ich diese testen musste - 99% pfui, 1% hmm. So bestätigte ich meine Entscheidung bzw. verstand ich meine Vorlieben.
> Utopische Preise, gerechtfertigt?
Vieler dieser Artisan; Niche Düfte haben eines gemeinsam - billig sind sie nicht. Warum sollten sie das auch sein? Man hat hier etwas besonderes, was es vorhin noch nie gab; ich sage sogar: man vorher noch nie wirklich ähnlich gerochen hat. Bei vielen denkt man sich, ist das wirklich nötig?
Nein ... für viele reicht sogar ein Deo, ein 10€ Parfüm oder meinetwegen der neueste Dior. Klar, nicht jeder legt den Wert auf Düfte, ist auch gut so.
Wenn man aber weiß, wie viele Gedanken; Ideen hineinflossen und kreative Menschen daran "gewerkelt" haben, um auch diese Geschichte oder (in den meisten Fällen) so einzigartige Duftnoten zusammengesetzt haben, schätzt man es wirklich sehr. Bei vielen Düften denk ich mir, dass es einfach nur jedem gefallen soll - Marke bekannt machen und dadurch viel Geld verdienen.
> Toscovat - einfach nur zusammengewürfelt?
Und so begann es, die Entdeckung und die Reise mit Toscovat' - eine sehr einzigartige Marke mit tiefen Geschichten hinter den Düften. Sie beschreiben einen Moment, den man einmal (ähnlich) erlebt hat.
Die zusammengewürfelten Duftnoten sind nicht einfach so zufällig so gewählt worden, nein, ich habe mir einige Live-Talks angeschaut und erfahren, wie präzise und durchdacht diese Düfte zusammengestellt werden.
Wahnsinnig spannend! Und so soll es auch sein, einzigartige Düfte für genau diese Menschen wie ich.
Fazit
Die Suche nach den Düften, die man wirklich mag, ist lang. So viele Düfte dort draußen, jeden Tag findet man neue, die Merkliste wird länger und das Budget kleiner. Hier auf der Plattform vereinen sich die Schnäppchenjäger und dennoch gut riechenden Leuten mit den "Freaks" der dunklen Welt (z.B. ich). Wenn man wirklich Wert auf Düfte setzt und dabei sehr einzigartig riechen möchte, muss man entweder sehr schnell (bei Designern) sein, bevor die wieder alle haben ODER eben tiefer in die Materie tauchen und so seine Erfahrungen machen. Wenn man es also so gerne mag, scheut man sich vor höheren Preisen (für wenig Inhalt) auch nicht wirklich.
Spray on!
Eure Rosalie.


( Lehren und Sätze zum Gebrauch für die Jugend, 1894)
Solange es Dir Spaß macht, Dich in die Jagd nach dem einzig wahren Ego-Duft zu stürzen, viel Vergnügen. Sobald Du es als Zwang empfindest, suche eine andere Form, Dich auszudrücken ;-)
Ist Danny Wilde Oscars Nachfahr aus einem seiner Ausbrüche aus der Homosexualität ? @Sarroise: Er salbadert schon ziemlich herum für seine Verhältnisse, da hast Du ganz recht ;-) Oscar war eben ein Hohepriester des schönen Scheins. Als Dandy war er wohl dazu verpflichtet, nehme ich an, die Jugend im Sinne seines Selbstbildes zu erziehen ...
DAS wird es sein!
Ich leiste Abbitte
Aber irgendwas ist halt immer.
Ich hatte mit dem Gedanken gespielt. Und schon stand ich vor dem nächsten Problem. Schießpulver und Blut in den Duftnoten kann ich als bekennende Pazifistin nicht.
Ist übrigens ein Stilmittel, die Schreibweise. Hab ich von anderen Experten gelernt. 🤪
Das fällt raus. Trägt seit heute ja jeder.
Mach dir keine Sorgen, für jede Hypothenuse gibt es eine Hyperbel. Oder so ähnlich… 😆
56 Jahre und ich habe ein Problem: ich bin nicht besonders. Nicht einzigartig. Ich trage Designer und Cheapies und weiß gerade nicht, wie ich damit umgehen soll. Jahrelang hat mir das Geld gefehlt, um einzigartig zu duften. Kinder halt und Studium finanzieren. Jetzt ginge es zur Not. Und ich mache es immer noch nicht. "Begnüge mich mit Dior", bestenfalls. Hat jemand einen Rat? Dankeschön!
Vielleicht hast du noch ein paar Tipps, wo es Klamotten für so einzigartige Menschen wie dich gibt. 😆
Mir ist das alles ein klein wenig zu pathetisch, aber hey, ist ja dein Hobby.
Einzigartig ist übrigens jeder - das ist keine Variable, die von den schmückenden Accessoires abhängt. 😉
Sei nicht traurig, es gibt Geometrie-Kurse an der VHS! Und dort bist du sicher auch schon ziemlich besonders, wenn du ein Deo benutzt.
Hab jetzt zu meiner Beruhigung festgestellt, dass ich derart besonders allerdings dann doch nicht sein möchte. Der Gedanke, dass jeder bei parfumo sofort weiß, dass ich an ihm vorbeigegangen bin wenn es plötzlich nach Schießpulver, Gummi, Benzin oder Blut riecht wäre mir doch unangenehm. 🙈
Immerhin erkennen wir jetzt aber alle Rosalie 👍
Und mit Mathe habe ich leider ebenfalls nichts am Hut.
Es gibt auch relativ günstigere Nischendüfte, wobei da dann wieder die Gefahr ist, dass die sich relativ schnell und auch häufig in die Sammlungen schleichen. Naja gut, man muss die auch Supporten.
Sehr coole Geschichte :)