Somebody

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Rezensionen
11 - 15 von 227
Jelängerjelieber
Um es vorweg zu sagen: der Duft hat nichts mit Geißblatt zu tun, auch wenn ich dessen „Zweitnamen“ als Überschrift gewählt habe.
Und sein sperriger Name kennzeichnet ihn auch nur zur Hälfte.
Weil es ein besonders schönes Beispiel für ein Parfum aus dem Low-Price-Segment ist wie übrigens fast alle bisher von mir getesteten Düfte von L‘Atelier des Bois de Grasse, möchte ich ihn für einen kurzen Moment ins Rampenlicht, sprich auf die Startseite von Parfumo, stellen.

Der Duft öffnet gleich zu Beginn ein Stück von seinem Herzen und lässt bitterfrischgrünes Petitgrain durch einen zitrischen Wirbelsturm blitzen, in dem man auch die holzigen Basisnoten schon erahnen kann.
Die Zitruselemente ziehen sich zwar etwas hinter eine feine Zimtwürze zurück, sind aber lange nicht komplett verschwunden, sondern strecken sich der neugierigen Nase immer mal wieder entgegen.
Der Duft wird ruhiger und man spürt den ausgleichenden Lavendel.
Rose und Ylang-Ylang nehme ich minimal wahr.
Das Herz changiert für mich zwischen blumig-cremig und seifig-würzig. Zwar recht hautnah, aber trotzdem gut wahrnehmbar.
Als holzig würde ich ihn nicht beschreiben, weil sich bei mir zum Ende hin alles in eine edle, nicht zu süße Hautcreme verwandelt.

Ich empfinde Bois de Cèdre Petit Grain als sehr angenehm, natürlich und unaufdringlich.
Ein echter Allrounder und das ganze Jahr über tragbar.
Die Basis toppt alle meine Erwartungen und auch fast alle meine anderen Düfte mit einer bombastischen Haltbarkeit.
24 Stunden nach dem Aufsprühen duftet meine Haut immer noch wie zart eingecremt.
Am liebsten würde ich ihn ewig so konservieren.
Und hieraus erklärt sich die Überschrift.
Ich möchte wirklich gerne noch den Cuir Iris aus der L‘Atelier des Bois de Grasse Familie kennenlernen.
Das war leider der einzige, der im Geschäft nicht vorrätig war, und ich bin ziemlich sicher, dass ich den auch mögen würde.
1 Antwort
Lounge-Feeling
Für einen Tag wie diesen, an dem die miese Wettervorhersage eingetroffen ist und an dem man nicht viel mehr zu tun hat, als sich zuhause behaglich einzumummeln, ist Ambre Pamplemousse Rose keine schlechte Wahl.

Der Duft verströmt gleich zu Beginn eine warm-würzige Aura.

Rum kann ich herausriechen und gleich danach eine leicht bittere Zitrusfrische, die, wie bei hesperidischen Kopfnoten üblich, nicht lange anhält, sondern das Zepter wieder an diese mir karamellfarben erscheinende olfaktorische Schmusedecke übergibt, die ich schon am Anfang wahrgenommen habe.
Die Farbgebung von Etikett und Verschlusskappe des Flakons finde ich absolut zum Inhalt passend.

Der Duft gibt mir die darin enthaltenen Blüten nicht wirklich preis, sondern bewegt sich irgendwo zwischen hell-harzig, ambriert-holzig und dezent rauchig, tabakartig.
Sicher tragen Veilchen und Rose dazu bei, dass der Gesamteindruck nicht zu herb und finster wird, sondern freundlich und anheimelnd bleibt.

Die einzelnen Noten sind schön und harmonisch miteinander verwoben und werden zum Ende hin ohne weitere Verwandlung immer leiser.
Trotz der nicht so starken Duftkonzentration eines Colognes hält Ambre Pamplemousse Rose auf meiner Haut viele Stunden und beweist einmal mehr, dass es auch wunderbare, beachtenswerte Düfte in den unteren Preisklassen gibt.

Bücken lohnt sich manchmal!
3 Antworten
Der Lärm einer Metropole
Indien. Mumbai. Vereint Gegensätzliches wie am Existenzminimum lebende Menschen der unteren Kasten und den Luxus einer wohlhabenden Finanzmetropole, vor Jahrhunderten erbaute Tempelanlagen und die lärmend bunte Bollywood-Industrie.
Man stellt sich unwillkürlich von Verkehrschaos beherrschte Straßen vor, Gewürzmärkte und Garküchen, Bettler, Touristen – ein Kaleidoskop verschiedenster Eindrücke.

Doch Mumbai Noise ist ein sehr leiser, zurückhaltender Duft, der für mich eher in das Ambiente eines Luxusresorts oder einer Ayurvedischen Wellnessoase passt.
Er beginnt balsamisch und harzig, dann gesellt sich eine dunkle Note dazu, die für mich weder eindeutig Kaffee noch Bitterschokolade ist, und ein leicht dumpfer Duft nach Sandelholz.
Oud kann ich nicht herausriechen.

Alles ist sehr angenehm, warm und einhüllend, deshalb wohl auch meine Assoziation eines Wellnesstempels.
Eine große Veränderung im Duftverlauf gibt meine Haut nicht her und ich habe ihn auch nicht ständig in der Nase, sondern muss schon nahe an die besprühte Stelle heran. Zwischendurch meine ich manchmal, ihn verloren zu haben, aber z.B. beim Temperaturwechsel von drinnen nach draußen erhasche ich dann wieder einen Hauch davon. Sehr dezent und ohne Kopfschmerzpotential wie beim Afganen.

Für die schwache Projektion hält er echt lange, was wohl den Harzen geschuldet ist.
Kein Lärm, sondern ein feines lockendes Flüstern.
Schön, aber teuer, und definitiv den oberen Kasten vorbehalten ;-)
2 Antworten
Aquoud
Durch Opulent Oud auch auf diesen hier aufmerksam geworden, zumal er Ähnlichkeiten zu Varvatos‘ Oud aufweisen soll, habe ich mir Blue Oud besorgt und denke, dass ich nach mehrfachem Testen eine Beschreibung abgeben kann, die ihm einigermaßen gerecht wird.
Denn er ist kein leichter Fall, ja fast schon ein Chamäleon, so wandelbar, dass ich im Verlauf zwischen ganz unterschiedlichen Einordnungen schwanke. Was er auf meiner Haut jedenfalls gar nicht hat, ist eine Ähnlichkeit zu Varvatos – abgesehen davon, dass beide flüssig sind. Ich habe die Düfte parallel aufgesprüht an jeweils einem Arm und nehme sie so unterschiedlich wahr, dass ich sie schlicht nicht vergleichbar finde.

Blue Oud beginnt frisch-aromatisch mit leichter Pfefferschärfe und einem fast schon cremigen Unterton. Das namensgebende Adlerholz nehme ich ebenfalls wahr, aber nicht dominant, sondern nur leicht in eher ländlicher als medizinischer Ausprägung, teilweise sogar minimal rauchig. So schlimm wie ein Kuhstall-Duftschweif ist er glücklicherweise nicht.

Dann dreht er in eine aquatische Richtung, wird dabei aber nicht wässrig-leicht, sondern hat eine fast körperliche Dichte. Diese Wasser-Assoziation wird oft durch die Kombi blumiger und fruchtiger sowie Moschus-Elemente erzeugt. Ein wenig erinnert er mich jetzt an den Seemann von Rammstein. Dieses Stadium gefällt mir richtig gut und möglicherweise hat der Flakon deshalb dieses intensive Blau bekommen. Der ist übrigens eine echte Augenweide, schön und wertig verarbeitet mit guter Sprühmechanik und einer fest sitzenden Kappe.

Zur Aqua-Aura gesellt sich immer wieder eine Rasierwassernote, die ich als leicht scharf empfinde je nachdem, wie nahe ich am Duft dran bin. Ich könnte mir vorstellen, dass das etwas mit der Hauttemperatur zu tun hat und bemerke es oft an mir, wenn ich Herrendüfte teste.

Erst nach vielen Stunden ist Blue Oud bei einer holzig geprägten Basis angekommen. Die Haltbarkeit ist enorm, 12 Stunden sind locker drin.

Ich finde, das ist ein total interessanter, komplexer und wandelbarer Duft mit einer gut ausbalancierten Mischung floraler und herber Elemente.
Bei meiner Recherche im Netz habe ich folgende Duftnoten gefunden, die weitgehend mit meiner Wahrnehmung übereinstimmen:

Kopf: Apfel, Bergamotte, Oud, schwarzer Pfeffer
Herz: Jasmin, Moschus, Obst, Safran, Salbei
Basis: Ambergris, Guajakholz, Sandelholz

Die offizielle Lattafa Webseite weist abweichend dazu folgende Duftnoten aus:

Kopf: Marine, Bergamotte, schwarzer Pfeffer
Herz: Lavendel, Cashmeran
Basis: Oud, Amber, Vanille
1 Antwort
Ohrwurm
Den habe ich jetzt dank dir, liebe Pudelbonzo, denn der von dir erwähnte Song gefällt auch mir ausnehmend gut.
Wie dein Kommentar, der eine besondere Stimmung sehr schön illustriert.
(Wir Wasserwesen sind eben sehr sensitiv.)
Ich erlaube mir, dem eine Beschreibung meiner Duftempfindung hinzuzufügen.

Im Vergleich mit Parfum de Peau ohne Intense, den ich letztlich aufgrund unüberbrückbarer Differenzen ziehen ließ, kann ich hier nun viel Gutes berichten.
Der Intense startet kräftig und knarzig mit deutlichem Chypre-Einschlag.

Mein Partner kommentiert solche Kaliber oft mit den Worten “du riechst alt“. Kein Wunder, denn dem aktuellen Zeitgeist, bei dem ein Duft häufig problemlos die Nachspeise ersetzen kann, entspricht er wahrlich nicht. Nebenbei bemerkt gehöre ich wohl auch schon zu den älteren Semestern - Best Ager nannte man das unlängst noch. In dieser Hinsicht bin ich gänzlich uneitel und realistisch. Auf berufsjugendlich zu machen finde ich albern, auch wenn ich mich inwendig nicht gealtert fühle.
Aber wir schweifen ab - zurück zum Duft:

Ich vernehme etwas, das auch Eichenmoos sein könnte. Leicht waldig-holzig-rauchig, dunkelgrün bis erdig braun.
Gleich darauf lugt eine warme honiggoldene Note um die Ecke und macht mir den Duft freundlicher, tragbarer als PdP, wenn auch eine gewisse Grund-DNA nicht von der Hand zu weisen ist.
Blumiges tarnt sich gut und ist für mich spezifisch nicht wahrnehmbar.
Ich würde ihn in die gleiche Schublade stecken wie die großartigen Klassiker Cabochard und Diva.

Es genügen ein, zwei Sprüher um mich den ganzen Tag so zu begleiten, dass Intense mir immer wieder angenehm in die Nase steigt ohne anstrengend zu werden.
Nach ein paar Stunden wird er weniger streng, etwas holziger, balsamischer und hautnäher.

Nicht für jeden Tag, aber hin und wieder für eine ganz besondere Stimmung.
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