Somebody

Somebody

Rezensionen
1 - 5 von 227
Abseits der Bühne
Was für ein schöner, anschmiegsamer und irgendwie leiser Duft ist das denn?

Nur zufällig getestet finde ich hier einen weiteren Vertreter der von mir insgeheim als „Theaterdüfte“ bezeichneten Parfüms, zu denen für mich auch Skin on Skin und Moulin Rouge gehören. Das muss wohl an einer ganz besonderen Wechselwirkung der Iris mit den anderen Inhaltsstoffen liegen.

Zu Beginn nehme ich deutlich eine trockene Papiernote wahr wie sie mir auch in Dior Homme begegnet. Mild, von angenehmer Süße und nur ganz dezent staubig. Dazu gesellt sich seidiger Puder und ja, vielleicht sogar etwas, das an die Lippenstifte von früher erinnert.
Es ist ein intimer Duft, der nicht um Aufmerksamkeit buhlt, sondern bei mir für sanftes Wohlbehagen sorgt, den ich in stillen Momenten intensiv genießen kann.

Wie er wohl zur schillernden Persönlichkeit der Dita von Teese passt? Oft sind die Bühnenleute privat ganz anders als im Rampenlicht, introvertiert, fast scheu. Enthält der Name „Vaniteese“ eine Anspielung aufs Englische „to vanish“, also Verschwinden, oder hat er eher mit dem Lateinischen „Vanitas“ zu tun, was so viel wie leerer Schein oder Eitelkeit bedeutet? Beides wäre möglich, mit einem Schuss Selbstironie und Desillusionierung.

Jedenfalls ist er in der Trilogie mit Vedette und Victresse der unaufgeregteste, aber umso bemerkenswertere Duft.
1 Antwort
Herbsthaut
Fällt mir im nahegelegenen Drogeriemarkt ein neuer Duft auf, komme ich beim Einkauf selten ohne einen kleinen Sprüher auf den Arm daran vorbei.

Der Rammsteins gab es davon schon viele, von denen auch viele wieder aus dem Sortiment verschwunden sind. Nur wenige sind mir Gedächtnis geblieben oder in meinen Besitz gewandert. So wurde auch dieser hier im Vorbeigehen aufgesprüht und der erste Eindruck war durchweg positiv.

Balsamisch-würzig eröffnet er. Ich rieche deutlich Sternanis und glaube unterschwellig kurzzeitig aromatisch Hochprozentiges wie Rum zu erahnen. Rasch gesellt sich eine warme rauchige Note dazu, nicht so kalt und scharf wie ich das bei geräuchertem Schinken empfinde. Auch ein bisschen knarziges Leder wie ich es aus Kokain Gold erinnere gesellt sich zum Dufteindruck. Es bleibt aber alles warm und angenehm abgemischt. Für mich riecht es nicht synthetisch. Am schönsten finde ich dann die Entwicklung zu einem menschelnden, minimal "dreckigen" Duft, der an Intimität und Leidenschaft erinnert. Ist das Castoreum? Wenn ich ganz nahe an der besprühten Stelle schnuppere, nehme ich durch den Atemhauch außerdem das feine süße Aroma der Mandarinenschale und wieder den eingangs erwähnten Rum wahr.

Für mich ein gelungener Duft, der mir ein Gefühl von Geborgenheit vermittelt und mit seiner hautigen Ausstrahlung durchaus geeignet ist, an trüben Herbsttagen das Kopfkino und vielleicht auch mehr anzufeuern…
3 Antworten
Ruhepol
Der rote Pino hat mit Nadelbäumen, Wald und Zapfen nur die Form des Flakons gemeinsam.
Vom Charakter her ist er ein ruhiger, feiner Zeitgenosse, mit dem ich mich gerne zum Chillen zurückziehe.

Die Kopfnote ist durchaus würzig, aber schnell verflogen. Ich kann Muskat deutlich erkennen und auch den zitrischen Anteil, Thymian hält sich zurück.
Rasch gesellt sich Lavendel dazu und verschmilzt mit Safran und den Basisnoten, von denen ich keine einzige explizit herausriechen kann, auf meiner Haut zu einem trockenen Papier-Duft, zu dem sich mit wechselnder Intensität ein zarter Barbershop-Vibe gesellt, nicht herb, sondern leicht süß.

Ich denke an die mit einem Echthaarpinsel aufgeschäumte Rasierseife meines Opas und wie er nach der Prozedur duftend und in seine graue Strickjacke gehüllt Geschichten „von früher“ erzählte, wie ich euch jetzt diese Geschichte erzähle.
So mäandert Amber Woods hautnah vor sich hin und erzeugt ein stilles Wohlbehagen ohne dass ich bei diesem Duft je an Amber oder Wald denken würde.

Mir gefällt er trotz seiner schwachen Sillage und Haltbarkeit richtig gut.
1 Antwort
Freigeist
Der Zufall wollte es, dass ich vor nicht allzu langer Zeit online über diesen Duft „stolperte“.
Eine kurze Recherche bei Parfumo später war er eingetütet, nicht zuletzt auch wegen des Flakons.
Schlicht und doch mit einem Augenzwinkern, dem Rauchfähnchendeckel, der meiner Ansicht nach souverän am Kitsch vorbeischrammt.
Zudem haben die 80er mich dufttechnisch vorgeprägt und einige Parfums hervorgebracht, die ich immer noch liebe - so es sie denn noch gibt.
Nachdem Romeo Gigli damals unbemerkt an mir vorbeiging, sollte diese Erfahrung nun nachgeholt werden.

Romeo ist eindeutig ein Kind seiner Zeit, der sich in der heutigen Duftlandschaft reichlich antiquiert ausmacht.
Er ist erwartungsgemäß absolut nicht süß und auch die zitrischen Anteile der Kopfnote ziehen unbemerkt an mir vorüber.
Ich empfinde ihn von Anfang an als ziemlich Kräuter-krautig und stelle einmal mehr fest, dass sich Tagetes, die in unserer Gegend auch als „Stinkerle“ bezeichnet wird, in allen Düften, die sie beinhalten, an mir eher unschön entwickelt.
All die wunderbaren Blüten wie Freesie, Kassia, Iris oder Rose, die ich einzeln so liebe, können das Ruder in ihrer Gesamtheit leider nicht herumreißen.

Dennoch besitzt Romeo eine opulente Fülle, die eine gewisse Faszination auf mich ausübt.
Mir kommt das intensiv orangefarbene Chloe in den Sinn, das in den Siebzigern von Karl Lagerfeld auf den Markt gebracht wurde. Hier gibt es für mich gewisse geruchliche Parallelen.
Obwohl ich mir Romeo nicht wegen seines charaktervollen Duftes kaufen würde, zieht er mich auf eine sentimentale Weise mit so vielen Erinnerungen und Assoziationen in seinen Bann, dass sich der Kauf allein deshalb gelohnt hat.
Und der Flakon mit seinem hübschen Deckel entlockt mir immer wieder ein Schmunzeln.

Der Wind weht, wo er will.
0 Antworten
Nomen ist nicht Omen
Von Jesus del Pozo kannte ich bisher nur Ambar und Arabian Nights und da mich keiner der beiden wirklich vom Hocker gerissen hat, wurde del Pozo als nachrangig interessante Marke abgespeichert.

Dann kam ich unverhofft zu einem Restflakon Amber Patchouli Nights.
Natürlich erzeugte der Name bestimmte Assoziationen und Erwartungen, die sich so erstmal nicht erfüllten.

Dennoch dachte ich beim ersten Schnuppern am Sprühkopf – wow, der duftet toll!
Zwar nicht nach dem, was ich als ambriert kenne, auf gar keinen Fall nach Patchouli und als ausgesprochen orientalischen Abend- oder Nachtduft würde ich ihn auch nicht bezeichnen.
Überhaupt fällt es mir schwer, den Duftverlauf zu beschreiben.

Irgendwie purzeln die Noten der Pyramide auf meiner Haut wild durcheinander und sind alles auf einmal: würzig-blumig-fruchtig-holzig.
Das Gewimmel ist wunderschön, vielleicht fehlen mir deshalb die Worte für eine präzise Beschreibung. Sollte das der Grund dafür sein, dass dieses olfaktorische Schmuckstück bisher nur mit zwei Statements bedacht wurde?
Die am deutlichsten wahrnehmbaren Noten sind Guajakholz (erinnert mich an Gaiac von Micallef), Jasmin und Tuberose.
In manch anderen Düften schwierig und mit enormem Kopfschmerzpotential ausgestattet kann ich die Tuberose hier gut ertragen und empfinde sie als unverzichtbaren Bestandteil der Gesamtkomposition.
Die Namensgeber tragen sicher ihren Teil bei, sind aber von mir nicht explizit auszumachen.
Das mag vielleicht auch daran liegen, dass ich die letzten Wochen eine ausgeprägte Patchouli-Phase hatte und mir in dieser Hinsicht nichts stark genug sein konnte um mich damit einzunebeln, wodurch meine Nase für die Note abgestumpft ist.

Die Aura von Amber Patchouli Nights ist für mich warm, einladend, freundlich, unaufdringlich.
Und auch der Flakon spricht mich mit seinem wunderschönen Beerenton und dem verspielten Sternenmuster an.

Mein herzlichstes Dankeschön an M., durch die ich diesen Duft genießen darf!
0 Antworten
1 - 5 von 227