Somebody

Somebody

Rezensionen
216 - 220 von 227
Ein Quantum Trost
Es war einer dieser Tage, die sie wahlweise aus dem Gedächtnis, dem Leben oder dem Kalender streichen wollte. An dem nicht nur ein bisschen, sondern komplett alles schief gegangen war. Sie fühlte sich vor die Alternative zwischen stummer Verzweiflung oder Hysterie gestellt und sah als Ausweg nur die Flucht zu der gedrungenen kleinen Flasche mit der goldgelben Flüssigkeit, die sie immer an ein T-Shirt mit abgeschnittenen Ärmeln erinnerte. Nur der billige weiße Deckel darauf erschien ihr furchtbar unpassend.

Sie nahm ihn ab, drückte einmal auf den Sprühknopf und fühlte sich um Jahrzehnte zurück versetzt in eine Zeit, als noch alles gut war. Sah sich mit der Großmutter in der Küche stehen und goldgelben Kuchenteig rühren, dessen Vanille-Aroma ihr damals und heute lieblich in die Nase stieg. Eine warme Decke hüllte sie im Geiste ein, ein Panzer, den die triste Realität nicht zu durchdringen vermochte.

Le Bain ... Bain ... Brain ... irgend etwas ging in ihrem Verstand vor sich, eine absurde Transformation. Ganz allmählich breitete sich ein Gefühl der Stärke in ihr aus, eine Siegesgewissheit, dass sie den Schwierigkeiten nicht nur trotzen, sondern sie einmal mehr überwinden würde...
3 Antworten
Ultra-Violet
Nach meiner Erfahrung mit Diamonds and Emeralds war ich eher etwas skeptisch was Violet Eyes betrifft. Da mich die angegebenen Noten reizten und endlich einmal keine Gardenie enthalten ist, mit der ich mich offenbar nicht anfreunden kann, wollte ich ihn dennoch unbedingt testen.

Der leicht getönte und satinierte Flacon gefiel mir auf Anhieb sehr gut. Er ist handlich und praktisch in der Anwendung.

Mein erster Eindruck des Duftes war angenehm. Hätte ich die Pyramide nicht gekannt, wäre ich aber weder auf Pfirsich noch Rose oder Jasmin gekommen. Am ehesten hätte ich auch auf etwas Milchig-Wässeriges getippt. Für mich hat Violet Eyes etwas sehr Ätherisches, schwer Greifbares. Immer wenn ich denke, jetzt habe ich die Duftmoleküle dingfest gemacht, sind sie wieder weg und ich rieche fast nichts mehr. Von der Duftwahrnehmung her erinnert mich Violet Eyes an Heliotrop mit dieser ätherischen Süße, nur ohne Vanillenote. Er hat jedenfalls keine raumfüllende Intensität oder Sillage und ist - zumindest in meinem Fall - eher körpernah.

Insgesamt empfinde ich Violet Eyes als warmen, süßen, einschmeichelnden Duft. Und bin mit Mrs. Taylor olfaktorisch wieder versöhnt.
0 Antworten
Ein mysteriöser Fall
Früher Abend. Es ist schon dunkel.
Ich betrete eine Gaststätte, deren Interieur sichtbar in die Jahre gekommen ist.
Gedämpftes Schummerlicht versucht die Spuren der Zeit weich zu zeichnen.
Der Kellner ist freundlich und führt mich zu einem Tisch in der hinteren Ecke, von wo ich einen guten Überblick habe.
Am Nebentisch sitzt ein Paar mittleren Alters.
Ich vertiefe mich in die Karte.

Der zarte Hauch eines unbekannten Duftes streift meine Nase. Ich halte inne und versuche, mehr davon zu erhaschen. Es sind Blumen, aber keine hellen, lieblichen, sondern dunkle, geheimnisvolle, auf einem holzig-balsamischen Bett. Vor meinem inneren Auge erscheint eine tief violette, fast schwarze Rose mit samtigen Blütenblättern.

Der Kellner erscheint und nimmt meine Bestellung auf.
Als er gegangen ist, schaue ich mir das Paar am Nebentisch genauer an.
Die Frau ist ganz in Schwarz gekleidet.
Sie hat ihre Unterarme auf den Tisch gelegt, beugt sich zu dem Mann hinüber und redet leise und lebhaft auf ihn ein.
Er sitzt ihr mit gekreuzten Beinen gegenüber, hat sich auf seinem Stuhl zurückgelehnt und hört mit leicht geneigtem Kopf zu.
Sie lacht, entblößt dabei ihre Zähne, und streicht sich die auf einer Seite ins Gesicht fallenden dunklen Haare hinters Ohr.
Dann nippt sie an dem Glast Rotwein, das vor ihr steht.

Erneut weht der dunkle Rosenduft an mir vorbei, etwas stärker diesmal, so dass ich neben den Blumen noch eine weitere, verhalten animalische Komponente wahrnehme.

Der Kellner serviert meine Bestellung und der Duft der Speisen vertreibt alle anderen Gerüche.
Während ich esse, streift mein Blick immer wieder dieses seltsame Paar.
Er sitzt wie versteinert vor einer leeren Kaffeetasse und einem ebensolchen Wasserglas, sie redet fast ununterbrochen, gestikuliert dabei und bricht immer wieder in dieses kurze Lachen aus, bei dem ihr grellrot geschminkter Mund einen scharfen Kontrast zu den weißen Zähnen bildet.
Ich frage mich, in welchem Verhältnis diese beiden Menschen zueinander stehen und was sie in dieses Lokal geführt hat.
Das erste Date? Eine geschäftliche Besprechung? Aufarbeitung einer Beziehungskrise?

Der Mann steht plötzlich auf und geht die Treppe zu den Waschräumen hinunter.
Sie hält einen Moment inne und greift in die Tasche, die neben ihr steht.
Ihre Hand kommt mit einer kleinen tropfenförmigen Flasche, die oben fliederfarben und unten dunkel ist, zum Vorschein.
Ein Sprüher daraus an den Hals, einen weiteren an jedes Handgelenk.

Ein intensiver, rauchig anmutender Blütenduft breitet sich um sie aus mit einer fast metallisch anmutenden Beinote. Die schwarze Rose in einer Vierkantvase aus Metall.

Die Frau erhebt sich, geht zum Tresen, redet kurz mit dem Kellner und kehrt zu ihrem Tisch zurück.
Kurz darauf erscheint der Mann aus dem Untergeschoss.
Er setzt sich schweigend.
Der Kellner kommt.
Beide zahlen getrennt.
Ziehen sich an, er hält ihr nicht den Mantel hin.
Sie verlassen das Lokal.

Auch ich begleiche meine Rechnung und trete kurz darauf hinaus in die Dunkelheit der winterlichen Großstadt.
Das Rätsel ist gelöst.
Der Duft ist L'Agent.
4 Antworten
Ich wollte ihn lieben
oder zumindest mögen, diesen Duft der schönen Elizabeth.
Nachdem ich die vorausgegangenen Kommentare und die vielen Bewertungen zu diesem und auch den anderen Taylor-Düften angeschaut hatte, war ich mir sicher, 79% können nicht irren. Bei Günter Jauch hätte ich jedenfalls bedenkenlos den Publikums-Joker genommen.
Als mir die Smaragde dann im Web günstig vor die Maus kamen und das auch noch in Kombi mit der Bodylotion, war mein gesunder Menschenverstand komplett ausgeschaltet und ohne den Duft jemals getestet zu haben schlug ich blind zu und kaufte gleich die 100 ml-Flasche.

Päckchen angekommen, ausgepackt und beherzt aufs Handgelenk gesprüht. Sofort ist mir klar, dass ich diesen Duft sehr wohl schon gerochen habe und die Erinnerung daran nicht positiv ist. "Cool bleiben", mahne ich mich innerlich, "Jetzt gehst du nochmal ganz unvoreingenommen da ran."

Also Nase wieder Richtung Handgelenk, was eigentlich gar nicht nötig ist, da der Duft eine unwahrscheinliche Intensität besitzt. Eine regelrechte Blütenbombe ist da vor meinem Riechorgan explodiert, aber für mein Empfinden leider keine harmonische. Besonders eine Note, die ich so aus der Natur nicht kenne - eventuell die Gardenie? - drängt sich laut und unangenehm in den Vordergrund. Mit relativer Erleichterung nehme ich zur Kenntnis, dass das Ganze nicht auch noch schwülstig und süß ist.

Okay, man muss dem Duft Zeit geben, sich zu entwickeln und vielleicht kann ich ihm dann doch noch etwas abgewinnen. Also schnell an Kaffeebohnen geschnüffelt, was allerdings nichts nützt, da die Wolke mich mittlerweile komplett eingehüllt hat. Verzweifelt versuche ich, mich auf etwas anderes zu konzentrieren, aber vergeblich. Die unbekannte Blüte bohrt sich durch meine Nase in den Kopf und nach kurzer Zeit machen sich dort stechende Schmerzen breit.

Notgedrungen versuche ich meinen Dufttest durch Abwaschen abzubrechen, aber Smaragde und Diamanten sind bekanntlich recht widerstandsfähige Mineralien und der Duft macht den Namensgebern alle Ehre, denn ich kriege ihn auch nach mehrmaligem Einseifen nicht hundertprozentig neutralisiert. Leider bekomme ich dadurch den weiteren Duftverlauf nicht mehr mit, habe aber auch keine Lust, um jeden Preis weiter zu leiden.

Als ich mich ein paar Tage später vollständig erholt habe, wage ich noch einen Sprüher auf ein Kosmetiktuch. Auch hier ist mir die Kopfnote unangenehm und ich bringe das Tuch erstmal außer Reichweite. Nach einiger Zeit hat sich der Duft darauf jedoch tatsächlich positiv entwickelt, viel harmonischer und "zahmer" als auf meiner Haut.

Fazit: Erst testen, dann kaufen.
Die Smaragde und ich passen nicht zueinander.
4 Antworten
Goldene Himbeere
1. Akt

Auftritt die Verpackung.
Goldfarben marmoriert wie Licht- und Schattenspiel mit leichter Reliefprägung erweckt sie den Eindruck flüssigen, geschmolzenen Goldes und setzt damit den Namen des Duftes optisch um. Aurum ist das lateinische Wort für Gold. Schwarz hinterlegt ist vorn der eingeprägte goldfarbene Namensschriftzug und schwarz ist auch die komplette Innenausstattung der Verpackung. Sicher darin eingebettet ruht der Flakon.

2. Akt

Der Flakon erscheint. Walzenförmig, die unteren zwei Drittel komplett vergoldet, ergibt sich eine solide Basis. Das obere Drittel besteht aus durchsichtigem Glas, das mit goldglitzernden Pflanzenteilen/Samenkapseln gefüllt ist. Das Glaselement lässt sich drehen und vermittelt eine gewisse Leichtigkeit. Dadurch wirkt der Flakon fast wie ein Kunstobjekt. Der Sprühkopf darüber ist wie die Basis goldglänzend. Der Flakon liegt schwer, aber sicher in der Hand und der Sprühknopf lässt sich gut bedienen.

3. Akt

Beschwingt betritt der Duft die Bühne. Zuerst noch frisch und fruchtig unterlegt - man kann zitrische Noten und eine sehr dezente Himbeere erkennen - entwickelt sich sehr schnell das blumige Herz und schwillt zu einem vollen, üppigen Blumenbouquet auf einem zum Dahinschmelzen weichen und warmen Fond an. Die Blütennoten verbinden sich dabei zu einer wunderbar harmonischen Einheit, aus der sich keine einzige in den Vordergrund drängt oder unangenehm auffällt. Dabei werden sie bereits von Vanille, Ambra, Moschus und edlen Hölzern unterstützt. Alles zusammen ergibt eine noble, unaufdringliche Duftaura, die mehrere Stunden anhält und sich mit einer sanft-süßen, balsamischen Basis allmählich zurückzieht.

Fazit: Obwohl mich Gold als Farbe nicht anspricht, ist es für diesen Duft mit seiner warmen Ausstrahlung gut gewählt. Aurum ist eine sehr schöne florientale Kreation des in Dubai beheimateten Hauses Ajmal, die sich durchaus mit den großen westlichen Duftschöpfungen messen kann. Aurum war im Jahr 2011 bei den arabischen Fifi Awards in der Kategorie bestes Damenparfum nominiert.
3 Antworten
216 - 220 von 227