Sie war zwar nicht seine Maitresse - doch er schien trotzdem amouröse Absichten gehegt zu habe - und Josefines natürlicher Körpergeruch betörte ihn wohl zur Genüge.
Auf jeden Fall war er ein Nasenmensch.
Ich muss ihm beipflichten, denn bei aller Liebe zu Parfums bevorzuge ich hin und wieder die natürliche Duft Aura eines Menschen.
Oberförster Mani duftet ausgezeichnet, wenn er aus dem Walde kommt - mit einer Duftschleppe aus Gehölzen, Baumharz und feuchter Erde.
Mein Ex brachte den wohligen Pferdestall Duft mit ins Haus.
Und mein bester Freund erfreut meine Nase mit einem Gemisch aus Waschpulver, Tabak und Motoröl.
Auch frischer Schweiss kann angenehm sein.
Aber diese markanten Duftnoten kann ich in Maitresse nicht entdecken.
Ein überraschend leichter transparenter Duft - ohne Raffinesse und Verruchtheit.
Aber vielleicht gingen die Maitressen von anno dazumal ja auch sehr subtil vor.
Die meisten dieser Spezies waren ja auch von feinem adligen Geblüt.
Vielleicht ist in diesem blütigen Duft ja auch Kopulan beigemengt worden - ein Duftstoff der ausschließlich Männer betört?
Ich rieche allerdings nur einen gut austarierten Duft mit vielen Blütenanteilen - woraus der edle Osmanthus hervorsticht.
Interessant dazu das leicht herbe Veilchenblatt - gebettet auf weiches Wildleder.
Amber sorgt für eine dezente Süße.
Ja, Maitresse gefällt mir - stimmt aber nicht mit meinen Assoziationen überein.
Ich hatte Gewagteres erwartet.
Aber vielleicht ist das grad der Trick des Duftes?
Frei nach dem Sprichwort : Stille Wasser gründen tief.
Der Trick des Duftes ist vermutlich, daß eine Maitresse, die ihn trägt, eine Maitresse bleibt und eine Nichtmaitresse durch das Tragen dieses Parfums nicht automatisch zu einer Maitresse wird ;-)