Pour un Homme gehört zu meinen absoluten Lieblingsdüften. Das fängt schon mit dem Namen an: Welcher Duft definiert sich schon über eine Zusage: für einen / den Mann? Homme, Men, pour Homme und Man gibt es viele, zu viele. Einen "Pour un Homme" dagegen gibt es tatsächlich nur einmal, und das bereits seit 1934.
Nicht selten liest man, dass Pour un Homme das erste wirkliche Herrenparfum auf dem Markt gewesen sei, aber diese These übersieht die vielen englischen Herrendüfte, die viel älter sind, und einige alte Vertreter der Gattung aus Frankreich oder Deutschland, die vielleicht noch nicht so klar als Herrendüfte beworben wurden.
Die Einmaligkeit von Pour un Homme besteht für mich aber im Duftverlauf, der durch einen ganz ungewöhnlichen Spannungsbogen definiert ist. Zunächst einmal ist in der Kopfnote der Lavendelduft sehr dominant. Derart starke Lavendeldüfte waren in den 30er Jahren de rigeur und galten als angemessen für den Herrn. Lavendel zeichnet sich durch eine leicht unterscheidbare, klare, etwas scharfe Frische aus, die anderen floralen Noten abgeht. Die Rose in der Herznote dagegen kann ich kaum wahrnehmen. Überhaupt spüre ich bei diesem Duft eine "Lücke" zwischen dem Auftakt mit Lavendel und Bergamotte und der Basisnote aus Tonkabohne, Vanille, Moos und Moschus, die ungewöhnlich weich und warm ist. Aber gerade diese Spannung zwischen einem reinen, frischen Auftakt mit Lavendel und der weichen Basis, die scheinbar gar nicht so recht zur Kopfnote passen will, und für den anfangs erwähnten ungewöhnlichen Spannungsbogen sorgt, macht den Reiz des Duftes aus.
Dass Pour un Homme bei parfumo nicht besser bewertet wurde, ist verständlich. Der Duft ist zwar ein Klassiker (und erhielt mit Impact einen runderen Bruder, der sogar in den TOP 100 der Parfumo-Herrendüfte gelandet ist), aber im Grunde ist er sperrig, gewöhnungsbedürftig, widerständig (durch den heute und für jüngere Generationen ungewohnten Lavendel). Fast könnte man meinen, der Duft wehre sich zunächst gegen seinen Träger.
Aber wie man weiß, ist das mit Dingen, die einem nicht sofort gefallen, an denen man aber verwundert hängen bleibt, oftmals so, dass man sich nicht mehr so recht von ihnen lösen kann. So ging es mir mit diesem Duft.
Wie immer eine feine Rezension. Bis heute finde ich die Kombination Lavendel-Vanille sehr extravagant u. ungewöhnlich. Eine Kreation aus Frische u. Wärme. Ich lernte den Duft Anfang der 70er kennen u. war geflasht.
Dieser wunderbare Duft ist wie ein handgeschöpftes Stück Seife, edel vepackt; um ihn zu genießen muss man erst mal runterkommen, dann erkennt man die Qualität. Vielen Dank für die Probe ;)
J.
Ich mag Widerspenstigkeit, auch bei Düften, und ich will sie nicht einmal unbedingt zähmen. Du hast mich jetzt sehr neugierig auf diesen Caron gemacht.
J.
Ein elegant einfuehlsamer Kommentar