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Top Rezension
Warum immer soviel Cashmeran, Frau Laurent?
Ja, der Duft ist toll.
‚Déclarartion’ war schon immer ein großer Duft (zumindest nach meinem Empfinden) und Mathilde Laurent, die Chefparfümeurin des Hauses Cartier, sieht es offenbar nicht anders, sonst würde sie nicht die DNA des Original-Duftes in all den von ihr kreierten Flankern so getreulich beachten.
Auch der Schöpfer des vor über 20 Jahren lancierten Duftes hält ihn nach eigenen Angaben für einen seiner besten.
Eine Hommage an ‚Eau d’Hermès’ sollte er sein, jenem frühen Meisterwerk Edmond Roudnitskas, das sein Schüler fast ein halbes Jahrhundert später neu interpretierte.
Anders als sein Lehrer, verortete Jean-Claude Ellena den Grundcharakter seines neuen Duftes eher in Richtung eines semi-orientalischem Chypre-Duftes und ließ die deutlichen Leder-Nuancen des Roudnitska-Duftes etwas in den Hintergrund treten.
Mathilde Laurent sorgt nun dafür, dass genau diese Leder-Noten wieder stärker zum Vorschein kommen, was allerdings nicht dazu führt, dass sich der neue Duft ein Stück Richtung ‚Eau d’Hermès’ rückverwandeln würde, nein, sie entwickelt ihn weiter in Richtung ihres eigenen Duft-Fingerprintes, und der ist vorallem durch die häufige Verwendung eines Duftstoffes gekennzeichnet, durch Cashmeran.
Mathilde Laurent liebt Cashmeran. In vielen ihrer Kreationen ist es in einer selten anzutreffenden Quantität erlebbar und entfaltet neben all seinen wunderbar duftenden Aspekten leider auch seine – zumindest für mich – unangenehmen Seiten.
Aber Mme Laurent ist nicht die einzige, die ihre Formeln mit einem Übermaß an Cashmeran anreichert: François Demachy hat beispielsweise auch sein allseits beklatschtes ‚Eau Sauvage Parfum’ (ebenfalls ursprünglich ein Roudnitska-Duft) damit beglückt, desgleichen Maurice Roucel sein ‚Dans tes bras’.
Mathilde Laurent selbst hat wiederum ihr eigenes ‚Roadster’ damit überladen, sowie den eigentlich wunderbaren Patchouli-Duft ‚L’Heure Mysterieuse’.
Cashmeran kann man nun ganz wunderbar finden, besonders wenn man süßlich-hell-holzige Nuancen in Verbindung mit einer entfernt Moschus-artigen Hautnote schätzt, aber man kann auch schnell von ihm genervt sein – genervt von all der synthetischen karamell-holzigen-Babyhaut-Flauschigkeit.
Seltsamerweise stört mich aber das Cashmeran in ‚Déclaration Parfum’ nicht ganz so sehr wie in dem Dior-Duft oder in ‚Roadster’, da die Basisnoten dessen hell-beige Süßlichkeit ganz gut in Schach halten. Dennoch ist es da, und leider deutlich erkennbar. Gerade der Vergleich mit Ellenas ‚Déclaration’ lässt es besonders hervortreten.
Momentan habe ich seinen Duft auf dem einen Handrücken und Mme Laurents Version auf dem anderen.
Für sich gesehen ist die Parfum-Version nicht schlecht: sie ist volltönend, entfaltet Volumen und eine üppig orchestrierte Tiefe, alles durchzogen von dem sattsam bekannten ‚Déclaration’-Sound, aber dunkler gestimmt, satter. Die heller tönende Brillianz, die Stahlkraft und Raffinesse des Originals erreicht sie aber nicht.
Das ist nicht weiter schlimm, befindet sich ‚Déclaration’-Parfum doch hier in recht beachtlicher Gesellschaft: denn ähnlich wie mit diesem vermeintlichen ‚Parfum’ (vermutlich eher ein EdP) verhält es sich bei anderen Schwergewichten wie dem schon genannten ‚Eau Sauvage Parfum’, aber auch ‚Hèritage Eau de Parfum’, ‚Dior Homme Parfum’, ‚Fahrenheit Parfum’, oder auch ‚PuH de Caron Impact’ – sie erreichen allesamt nicht die Klasse ihrer EdT-Vertreter.
Natürlich ist das alles Geschmacksache. Manche bevorzugen halt eher Duft-Boliden in modernistisch aufgeblähter Machart (Cashmeran, Ambroxan & Co...), aber mir ist das zu laut, zu SUV-like, zu viel Soundgenerator-Gepose....
Das originale ‚Déclaration’ auf meinem anderen Handrücken riecht einfach besser: frischer, strahlender, raffinierter. Die für viele so prekären Gewürze, Kardamom und ein Hauch Cumin, kommen besser Geltung und die später im ‚Cologne Bigarade’ zur vollen Schönheit gereifte Orange ist hier schon in Ansätzen zu erleben. Alles in wunderbarer Balance und noch nicht Ellenas späterem Minimalismus-Gebot folgend über die Maßen eingedampft.
Aber eben auch nicht von Mathilde Laurents geliebten Cashmeran verbappt und verklebt. Wobei ich froh sein muss, dass nicht Mr Demachy den Duft in die Hände bekommen hat – vermutlich hätte er noch mehr Cashmeran und Ambroxan in die Formel gerührt und ihn zur Farce seiner selbst aufgepumpt.
Nein, ‚Déclaration Parfum’ ist zum Glück nicht zu einer Farce geraten sondern kann sich wirklich sehen lassen.
So weit, so la la...
Ein guter Duft, aber kein überragender.
Überragend ist und bleibt das alte ‚Déclaration’.
Haltbarkeit und Projektion sind gut, aber auch nicht besser als beim Original.
Und der Flakon ist leider genauso häßlich....
‚Déclarartion’ war schon immer ein großer Duft (zumindest nach meinem Empfinden) und Mathilde Laurent, die Chefparfümeurin des Hauses Cartier, sieht es offenbar nicht anders, sonst würde sie nicht die DNA des Original-Duftes in all den von ihr kreierten Flankern so getreulich beachten.
Auch der Schöpfer des vor über 20 Jahren lancierten Duftes hält ihn nach eigenen Angaben für einen seiner besten.
Eine Hommage an ‚Eau d’Hermès’ sollte er sein, jenem frühen Meisterwerk Edmond Roudnitskas, das sein Schüler fast ein halbes Jahrhundert später neu interpretierte.
Anders als sein Lehrer, verortete Jean-Claude Ellena den Grundcharakter seines neuen Duftes eher in Richtung eines semi-orientalischem Chypre-Duftes und ließ die deutlichen Leder-Nuancen des Roudnitska-Duftes etwas in den Hintergrund treten.
Mathilde Laurent sorgt nun dafür, dass genau diese Leder-Noten wieder stärker zum Vorschein kommen, was allerdings nicht dazu führt, dass sich der neue Duft ein Stück Richtung ‚Eau d’Hermès’ rückverwandeln würde, nein, sie entwickelt ihn weiter in Richtung ihres eigenen Duft-Fingerprintes, und der ist vorallem durch die häufige Verwendung eines Duftstoffes gekennzeichnet, durch Cashmeran.
Mathilde Laurent liebt Cashmeran. In vielen ihrer Kreationen ist es in einer selten anzutreffenden Quantität erlebbar und entfaltet neben all seinen wunderbar duftenden Aspekten leider auch seine – zumindest für mich – unangenehmen Seiten.
Aber Mme Laurent ist nicht die einzige, die ihre Formeln mit einem Übermaß an Cashmeran anreichert: François Demachy hat beispielsweise auch sein allseits beklatschtes ‚Eau Sauvage Parfum’ (ebenfalls ursprünglich ein Roudnitska-Duft) damit beglückt, desgleichen Maurice Roucel sein ‚Dans tes bras’.
Mathilde Laurent selbst hat wiederum ihr eigenes ‚Roadster’ damit überladen, sowie den eigentlich wunderbaren Patchouli-Duft ‚L’Heure Mysterieuse’.
Cashmeran kann man nun ganz wunderbar finden, besonders wenn man süßlich-hell-holzige Nuancen in Verbindung mit einer entfernt Moschus-artigen Hautnote schätzt, aber man kann auch schnell von ihm genervt sein – genervt von all der synthetischen karamell-holzigen-Babyhaut-Flauschigkeit.
Seltsamerweise stört mich aber das Cashmeran in ‚Déclaration Parfum’ nicht ganz so sehr wie in dem Dior-Duft oder in ‚Roadster’, da die Basisnoten dessen hell-beige Süßlichkeit ganz gut in Schach halten. Dennoch ist es da, und leider deutlich erkennbar. Gerade der Vergleich mit Ellenas ‚Déclaration’ lässt es besonders hervortreten.
Momentan habe ich seinen Duft auf dem einen Handrücken und Mme Laurents Version auf dem anderen.
Für sich gesehen ist die Parfum-Version nicht schlecht: sie ist volltönend, entfaltet Volumen und eine üppig orchestrierte Tiefe, alles durchzogen von dem sattsam bekannten ‚Déclaration’-Sound, aber dunkler gestimmt, satter. Die heller tönende Brillianz, die Stahlkraft und Raffinesse des Originals erreicht sie aber nicht.
Das ist nicht weiter schlimm, befindet sich ‚Déclaration’-Parfum doch hier in recht beachtlicher Gesellschaft: denn ähnlich wie mit diesem vermeintlichen ‚Parfum’ (vermutlich eher ein EdP) verhält es sich bei anderen Schwergewichten wie dem schon genannten ‚Eau Sauvage Parfum’, aber auch ‚Hèritage Eau de Parfum’, ‚Dior Homme Parfum’, ‚Fahrenheit Parfum’, oder auch ‚PuH de Caron Impact’ – sie erreichen allesamt nicht die Klasse ihrer EdT-Vertreter.
Natürlich ist das alles Geschmacksache. Manche bevorzugen halt eher Duft-Boliden in modernistisch aufgeblähter Machart (Cashmeran, Ambroxan & Co...), aber mir ist das zu laut, zu SUV-like, zu viel Soundgenerator-Gepose....
Das originale ‚Déclaration’ auf meinem anderen Handrücken riecht einfach besser: frischer, strahlender, raffinierter. Die für viele so prekären Gewürze, Kardamom und ein Hauch Cumin, kommen besser Geltung und die später im ‚Cologne Bigarade’ zur vollen Schönheit gereifte Orange ist hier schon in Ansätzen zu erleben. Alles in wunderbarer Balance und noch nicht Ellenas späterem Minimalismus-Gebot folgend über die Maßen eingedampft.
Aber eben auch nicht von Mathilde Laurents geliebten Cashmeran verbappt und verklebt. Wobei ich froh sein muss, dass nicht Mr Demachy den Duft in die Hände bekommen hat – vermutlich hätte er noch mehr Cashmeran und Ambroxan in die Formel gerührt und ihn zur Farce seiner selbst aufgepumpt.
Nein, ‚Déclaration Parfum’ ist zum Glück nicht zu einer Farce geraten sondern kann sich wirklich sehen lassen.
So weit, so la la...
Ein guter Duft, aber kein überragender.
Überragend ist und bleibt das alte ‚Déclaration’.
Haltbarkeit und Projektion sind gut, aber auch nicht besser als beim Original.
Und der Flakon ist leider genauso häßlich....
10 Antworten
ElAttarine vor 8 Monaten
Eben erst gelesen, wo ich ihn erstmalig teste. Tolle und sehr hilfreiche Würdigung! Ich werde jetzt auf die Suche nach Ellenas Ur-Version gehen.
CR7 vor 11 Monaten
Viel bla bla aber wenig Aussagekräftiges zum eigentlichen Duft.
Landei vor 3 Jahren
Genau. Als aufgebläht und ausgehöhlt empfinde ich auch viele Reformulierungen! Ein Jammer!
DieNase vor 5 Jahren
Gut getroffen. Und du hast mich auf die Idee gebracht, einen der Orangendüfte (Concentrée d'orange Verte oder Terre d'Hermes Eau tres fraiche) mit Original Declaration zu layern.
Parzival852 vor 6 Jahren
Vielen Dank für deinen sehr informativen Kommentar. Hier konnte ich einiges lernen. Bin begeistert!
Fresh21 vor 6 Jahren
Super Kommentar. Alleine der Cashmeran-Exkurs ist 5 Pokale wert :)
Chevalier vor 6 Jahren
Was für ein genialer Beitrag. Einer der besten die ich hier gelesen habe!
Gold vor 7 Jahren
Deine Kommentare sind für mich immer Highlights. Danke!
Yatagan vor 7 Jahren
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Ausgezeichneter Kommentar! Ja, zu viel Cashmeran kann nerven, aber gegen Ambroxan ist es die Edelvariante der Duftboliden. Und gerade gestern habe ich zufällig (sic!) mal wieder Déclaration getestet und für wunderbar befunden, auch wenn ich Eau d’Hermes noch schöner finde. Ebenso wie dieses tolle D. Parfum. Verhält sich vielleicht zum Original wie Eau Sauvage Parfum zu Eau Sauvage.
Parma vor 7 Jahren
Déclaration ist auch für mich ein Meisterwerk. Einer meiner wenigen 10.0er. Das Parfum steht noch auf meiner Merkliste. Kann es aufgrund deines hervorragenden Kommentars aber nun schon sehr gut einschätzen. Cashmeran empfinde ich wie du (ebenso Ambroxan, Kaschmirholz und Konsorten) - in kleinen Mengen erträglich, aber nicht die beste Lösung - und Düfte damit sind oft ein NoGo für mich. Vielen Dank für diese Info-Fülle!

