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Heaven (Eau de Toilette) von Chopard

Heaven 1994 Eau de Toilette

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19.04.2014 - 15:36 Uhr
16
Top Rezension
8Duft 7.5Haltbarkeit 5Sillage

Verschließe nicht die Augen vor dem Himmel ..

Getrieben vom Wind, klarem und kühlen Schnitten, die einem durch das Gesicht klatschten, als würde sich ein Unwetter bereit machen. Dorthin verschlug es mich knappe 45 Tage lang. Ich, alleine in einem großen Haus, irgendwo im nirgendwo in Slowenien, in einer kleinen Küstenstadt. Das Wetter spielte verrückt, es umschloss einen die Graue Atmosphäre der Natur. Die Tropfen setzten sich fest und flossen nur so dahin, auf den alten, fast schon bröckligen Fensterscheiben. Sie fließen, genau wie das Leben. In eine Richtung. Allesamt nach unten.

Ich sitze , wie gewohnt , eingewickelt in meiner Decke, trinke Tee, schaue aus dem Fenster und hoffe dass das Wetter noch nicht abreist. Dieses kühle Nass gab mir einen kleinen, wenn doch inneren Schub der Zufriedenheit. Ich öffnete eine Balkontür, ging hinaus. Barfuß. Setzte einen Schritt vor dem anderen. Langsam ging ich hinaus in den strömenden Regen. Es war ein fantastisches Gefühl, richtig viel Nass ab zubekommen, was nicht aus der Dusche kam. Ich zog mein Baumwollshirt aus, breitete mich richtig aus und wurde richtig durchnässt, aber ich spührte dabei keinerlei Kälte in mir. Mein Körper gewöhnte sich schnell dran und ich genoss es in vollen Zügen. Ich bin Ewigkeiten nicht mehr einfach so im Regen gestanden. Barfuß, fast nackt.. Wie habe ich es als Kind genossen, mich durch den Regen zu schieben, lachend und immer wieder brüllend in große Pfützen hüpfend. Meine Mutter schrie dann wie eine Hysterische, stand dabei immer im Türrahmen und drohte mir, das ich kein Dessert bekommen würde, wenn ich nicht sofort ins Haus komme. Mein Vater sagte dabei immer, lass ihn doch. Meine Mutter sagte, es gehöre sich nicht und ich würde krank werden. Doch ich wurde es nie. Krank wird man ganz anders. Durch verschiedenste Schichten des Lebens. Das wird einem erst mit der Zeit bewusst. Wenn das "Kindsein" dann sich zum Ende neigt.

Weit und breit keine gaffenden Augen, die sich nach mir umschauen und ihre Linsen und Ohren weiten um sich zu fragen : "Was macht der Irre da?" Ich genoss die Einsamkeit, den Tumult, den ich nicht sah, der einfach weit weg von mir war. Kaum einer war unterwegs zu dieser Zeit. Ich sah draußen nur das Wasser klatschen, graue Wolken, ein paar Häuser, die alle zugezogene Vorhänge hatten.. Es war alles so still, nur die Natur brodelte. Ich liebe solche Momente, indem ich mich vollkommen mit der Natur identifizieren und zusammenkommen kann.

Ich habe mir auch Proben mitgenommen. Unzählige, die bei mir nur im Keller ihr Dasein fristeten. Allesamt in braune Apothekerfläschchen abgefüllt. Einen Restflakon fand ich dennoch auch vor. Die von Heaven. Heaven war einmal ein sehr beliebter Duft eines nahen Verwandten. Ich habe noch regen Kontakt zu ihm, obwohl er sich in Kanada befindet. Er hat mir auch den Heaven gezeigt und ich weiß es noch , wie hin und weg ich doch war. Jung war ich dazumal. Jung, gesund und stattlich. Habe mich Nächtelang nicht blicken gelassen, aber den Duft an sich habe ich glaube ich, nur zweimal getragen, obwohl er mir so gut gefallen hatte.

Eines Abends habe ich ihn getragen. In einer richtig alten Diskothek, die nur so von Whiskey und Urin stank. Meine Freunde bildeten sich ein, mal dort hinzugehen und ich ging mit. Irgendwie kam es mir so vor, als würde ich da gar nicht hineinpassen. Sauberes T-Shirt, fein in die Hose gesteckt, schöne,adrette Männerschuhe.. Darüber eine Lederjacke, die sich sanft um meinen Körper schloss. Heaven umschloss mich und ich zog einen Kreis durch die Diskothek, als würde ich mein Revier einnehmen. Nicht mit Leder, nicht mit harten und Tiefen Duftgängen. Nein - eher mit aquatischen und zitrusnoten!

Ich war erfreut wie ich Heaven entdeckte und gab gleich einen kleinen Tropfen auf die Brust und auf den Handrücken. Ja, der junge Kerl, hat sich keineswegs verändert. Er ist noch immer frisch geblieben. Trägt etwas Freches an den Mann, ohne dabei sich richtig vom Boden abzuheben. Er ist nicht gekippt. Ich müsste ihn sicherlich zwei Jahre bei mir haben und der Duft ist so, wie ich ihn in Erinnerung habe. Oder hat meine Nase komplett abgedriftet? Zum Himmel stinkt es auf jeden Fall gar nicht, dieses Zeug!

Heaven setzt sich dumpf auf mir ab, obwohl er nur so von aquatischen Noten durchsetzt ist. Das Herbe bringt ihn in Form und macht es maskulin. Ich finde diese Verbindung zwischen Aquatischen und Würzigen äußerst ansprechend, wobei sich auch der Zitrus auch in den Duft hineinschleicht. Eigentlich mag ich nicht so gerne Düfte, die mit Zitrone, bzw. Zitrusnoten angereichert sind. Aber dieser hier, hat keine anspringende und säuerliche Art an sich. Er ist frisch. Frisch wie ein Laken, wenn man es nach dem Waschgang auf den Bett ausbreitet und sich frisch geduscht und nackt drauflegt. Das sind kleine Glücksmomente, eines Menschen, die keiner einem nehmen kann. Wenn auch nur für Sekunden.

Er wird dann etwas süßlich,springt etwas ab von der aquatischen Note, wirbelt etwas blumiges umher. Veilchen kommen mir direkt in den Sinn. Ich kann mich nicht nach der Pyramide einordnen, denn er hat für mich einen gradlinigen Verlauf, der nur ein paar Abzweigungen hat.

Nach und nach kommt auch etwas holziges daher. Es setzt sich nicht drückend im Duft ab, sondern wirkt viel mehr natürlich und bringt den Duft als klaren und dennoch sinnlichen Kandidaten über die Bühne.

Halten tut er sich bei mir, bis ca. 6 Stunden. Also nicht die Welt, auch die Sillage ist nicht Weltklasse, aber er ist ein schöner Kandidat, mit den man sich durchaus pudelwohl fühlen kann. Er ist ein braver Kerl, auf den ersten Riecher, doch befasst man sich länger mit ihm oder wird länger von ihm umgeben, so weiß man auch dann , das auch die bravsten vor dem Schlafen gehen sündigen..

Verschließe nicht die Augen vor dem Himmel.
Lasse das Blau auf deine Augen wirken, auch wenn es zeitweise von grauen Wolken besiedelt ist. Und wenn der Regen kommt, dann lass ihn kommen. Verstecke dich nicht vor der Natur. Vor dem Nass. Vor dem ,was uns am Leben hält.
Spreize dein Haupt entgegen oben und genieße jeden Tropfen, der auf den Gesicht fällt. Spüre die Nässe, die Kälte. Spüre deinen Körper. Sei verbunden mit ihm!
7 Antworten
CallasCallas vor 11 Jahren
Sehr gefühlvoll geschrieben; ich hoffe, es geht Dir besser.
MandelmausMandelmaus vor 11 Jahren
Wie schön wieder von dir zu lesen. Vielen Dank für de worteichen und lesenswerten Kommentar :)
SmelloSmello vor 11 Jahren
Danke für deine Worte, Pokal erstmal.
GaukeleyaGaukeleya vor 11 Jahren
Schön, wieder von Dir zu lesen :-). Ein wunderbarer Kommentar zu einem schönen Duft!
YataganYatagan vor 11 Jahren
Immer wenn Du gezwungenermaßen Pause machen musst, merke ich was mir fehlt: diese Kommentare!
ZoraZora vor 11 Jahren
Ein schöner Kommentar. Allein schon der Titel macht neugierig auf den Duft.
ShamisShamis vor 11 Jahren
Danke für diesen schönen Kommentar und die Erinnerung an einen wunderbaren Duft.