Ich mag den echten Duft von allen Zitrusblüten. Meist sind diese etwas süßlicher als die Frucht und die ölreichen Blätter. Dementsprechend gefallen mir auch Parfums mit diesem Duftbaustein. Sogar Echt Kölnisch Wasser von 4711 finde ich ab und zu lecker, obwohl ich dieses nicht mein Eigen nenne.
Da die Duftkreationen von Czech & Speake meist etwas eigenwilliger sind, war ich auf den Neroliduft schon sehr gespannt.
Der Eigenwilligkeit ist man auch bei "Neroli" treu geblieben. Obwohl man den Duft durchaus als Soliflor bezeichnen kann, hat er recht ungewöhnliche Untertöne.
Neroli beginnt mit einer klaren, aber intensiven Note der Namensgeberin. Die Fruchtigkeit kommt dann langsam hinzu, bleibt aber auf meiner Haut nicht sehr lange erhalten.
Nach ca. 10 Minuten intensiviert sich die Nerolinote und projiziert je nach Entfernung eine andere Unternote. Direkt auf der Haut wirkt sie fast schon narkotisch, aus ca. 10 cm Entfernung kommt eine leicht rauchige Note durch und noch weiter weg meint man fast schon eine Jasminnote wahrzunehmen. Ich bin auch überrascht, wie intensiv dieser Duft sich entwickelt. Normalerweise sind Parfums mit dieser Blüte als Thema eher leicht und blumig-frisch.
Hier entwickelt sich eine ungewöhnliche würzige Süße, welche wahrscheinlich von Ylang-Ylang erzeugt wird. Trotz des eher klassischen Duftthemas ist hier Herrn Stephen ein simples, aber geniales "Wässerchen" gelungen, welches nicht bei jedem auf innige Gegenliebe stoßen wird.
Fazit: EdC-Charakter mit EdT-Haltbarkeit, fern ab von Oma und Konsorten!
Bleibe ich doch lieber bei meinem "Azahar", der schönste Orangenblütenduft der mir bisher unter vielen begegnet ist, nit traumhafter Sillage und Haltbarkeit.