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Ergoproxy
24.06.2013, 15:03 Uhr
8Duft 10Haltbarkeit 10Sillage
Top Rezension 12

Düsterer Sonntag

Schon seit meiner frühesten Jugend, mag ich alles was irgendwie düster ist. Traurige und melancholische Orte, Musik, Fotografien und auch Düfte üben auf mich eine ganz eigene Ästhetik und Faszination aus. Wer jetzt aber denkt, dass ich gar suizidgefährdet, misanthropisch oder sonst irgendwie seltsam wäre, irrt sich gewaltig. Im Gegensatz zu meiner Vorliebe für allerlei Dunkles habe ich ein sonniges, lebensbejahendes Gemüt und erfreue mich eines großen, nicht virtuellen Freundeskreises, welcher sich gerne über diese kleine Marotte amüsiert.

Immer wenn ein Parfum das Prädikat dunkel oder Düster verliehen bekommt, wird zum Einen meine Neugierde geweckt, aber zum Anderen ertappe ich mich immer dabei, mit recht hohen Erwartungen an den Test, der so deklarierten Düfte, heranzugehen.

Einen Verdacht hatte ich vor dem Test von 1913 allerdings schon, ein Leichtgewicht wird dieses Parfum nicht werden, denn den Test von Lorèn, aus dem gleichen Hause, habe ich noch sehr deutlich in Erinnerung.

Schon der Auftakt von 1913 lässt keine Zweifel aufkommen, dieser Duft ist speziell und die Intensität der Kopfnote ist beinahe mit einer schallenden Ohrfeige zu vergleichen. Nur Düster, dass ist 1913 hier noch nicht. Vielmehr ist der Kopf streng, grün und fast schon minzig Frisch.

Nach ungefähr 5 Minuten beginnt sich der Duft dann langsam zu verdüstern. In mir entsteht das Bild von einem typischen Novembersonntag, welcher zuerst kalt und klar beginnt, bevor dann immer mehr Wolken den Himmel verdunkeln und diese ganz bestimmte, fast schon zwielichtige Stimmung entsteht. Verantwortlich für dieses Bild ist ein Akkord aus einer sehr herben Rose, als auch von leicht bitteren und trocken erdigen Nuancen.

Die Rose verblüht dann sehr langsam in einem sehr haltbaren Weihrauch-Zypressen-Akkord.

Was mir bei 1913 besonders gut gefällt, ist das Fehlen jeglicher olfaktorischer Erotik, welche gerne in Form von balsamischen oder süßen Noten in so mancher Basis, gerade bei Rosendüften, verarbeitet werden.
1913 ist dadurch für mich ein passender Duft für einen gloomy sunday oder einen Sonntag, wie ihn Morrissey besungen hat.
"Everyday is like sunday, evreryday is silent and gray..."

Lieber Yatagan, vielen Dank für diese Dufterfahrung.
7 Antworten
MonsieurMonsieur vor 13 Jahren
dunkel... :-)))
FrauHolleFrauHolle vor 13 Jahren
Fühl dich mal mit Licht eingerieben und mit Glanz und Glitter bestäubt. ;)
PaloneraPalonera vor 13 Jahren
Erst Yatagan, jetzt Du... Ich sehe schon, auch ich komme um einen Test dieses düsteren Gesellen nicht herum. Aber muß er denn gleich Ohrfeigen austeilen...?
ExUserExUser vor 13 Jahren
1
Oooh, Herr Ergo, das liest sich aber gut! Dann hast Du bestimmt auch noch ein paar düstere Tipps für mich ;-)
DobbsDobbs vor 13 Jahren
Eine Vase für dieses melancholische, aber trotzdem schöne Duftbild.
TaurusTaurus vor 13 Jahren
Fein beschrieben ... dann werde ich wohl bald was dazu kommentieren :-)
YataganYatagan vor 13 Jahren
Jaaaaaaa! ICH sage danke! ;)