Vetiver kannte ich ja bereits aus "Baiser du Dracon" von Cartier, und ich habe hier auch den Doppeltest gestartet, um mir die Varianten von Vetiver klar zu machen, die nicht eindeutig männlich definiert sind.Beiden Düften ist ja auch eine gewisse Naschkatzenlust eigen. Für mich waren beide auch Draufstürzdüfte, das werden manche ab und zu ähnlich erleben, vermute ich mal frech. Während beim Drachenkuss alkoholische Noten die Gelüste befriedigen und auch mehr Süße vorhanden ist,so ist es beim Vetiver Tonka der Tabak, der sich wirklich wunderbar einfügt. Haselnuss und Praline, sollten sie vorhanden sein, lösen sich mit in Wohlgefallen auf, und das meine ich wörtlich. Denn Wohlgefallen ist das Spezifische: Das Trio von Tabak, Tonkabohne und Vetiver, der sich hier den Hut aufgesetzt hat, die anderen beiden aber eben mit unter einen Hut bringt,strömen Gelassenheit, aber kein Phlegma,aus. Dass Hermes auch gut mit Tabak umgehen kann, beschrieb ich bereits in dem Kommentar über "Ambre narguile". Hier im VT spielen aber leicht grüne Töne mit.Ich glaube kaum, dass das Maiglöckchen hier gekläutet hat, eher ist es ein Quäntchenchen Grasiges oder sogar Waldmeisterliches.Und das ist gut so, weil hier dem sanften, kullernden Spiel der Tonkabohne eine Spur kitzelnder Halme entgegen gesetzt wird, die verhindern, dass der Duft aus Weichheit in Schmierigkeit abdriftet.
VT hat einen Samtcharakter.Ich meine jetzt nicht den fürchterlichen Synthetiksamt, der immer einen billigen Geschmack erahnen lässt, sondern hochwertigen aus Baumwolle, matt, dicht,vielleicht in Moosgrün.Wie ein edler, zeitloser Blazer begleitet mich dieses Hermes-Schätzchen durch den Tag.Bei aller Sanftmut verkündet er Selbstbewusstsein und er hält wunderbar.Eigenwillige Mischung aus Präsenz und Dezenz. Ich halte ihn für einen Unisexduft, auch wenn Hardcore-Vetiver-Fans vielleicht nicht auf ihre Kosten kommen.Ich könnte mir auch vorstellen, dass Chanel Nr.19-Trägerinnen ihn -trotz eines völlig anderen Charakters- mögen könnten.
J.C. Elléna hatte dereinst die Erscheinung eines zerriebenen Feigenblatts in den Händen einer Frau. Und das hat ihn so "bekehrt", jetzt ist Grün seine Duftmission, so kommt es mir vor.
Das Grüne kommt vom Vetiver.