Collection Hermessence

Vétiver Tonka 2004

Vétiver Tonka von Hermès
Flakondesign Alnoor Design
7.8 / 10 451 Bewertungen
Ein beliebtes Parfum von Hermès für Damen und Herren, erschienen im Jahr 2004. Der Duft ist holzig-grün. Es wird noch produziert.
Aussprache

Duftrichtung

Holzig
Grün
Würzig
Süß
Gourmand

Duftnoten

TonkabohneTonkabohne VetiverVetiver HaselnussHaselnuss TabakTabak MaiglöckchenMaiglöckchen PralinePraline SandelholzSandelholz

Parfümeur

Bewertungen
Duft
7.8451 Bewertungen
Haltbarkeit
7.3326 Bewertungen
Sillage
6.2316 Bewertungen
Flakon
7.8309 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
6.046 Bewertungen
Eingetragen von Sani, letzte Aktualisierung am 21.06.2024.
Wissenswertes
Das Parfum ist Teil der Kollektion „Collection Hermessence”.

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Rezensionen

26 ausführliche Duftbeschreibungen
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Meggi

1019 Rezensionen
Meggi
Meggi
Top Rezension 44  
Bübü und wir
Das Eichhörnchen, dessen Menschen wir sind, heißt „Bübü“. Ein Name, wie ihn allein Kinder ersinnen können – denn es ist natürlich ein Spitzname, wir haben uns nicht offiziell miteinander bekannt gemacht. Trotzdem vertragen wir uns bestens, wir Menschen dürfen sogar auf einem guten Stück von Bübüs Revier wohnen. Die friedliche Koexistenz ist kein Problem, schließlich beansprucht Bübü tendenziell den Bereich ein Stockwerk über uns und zeigt außerdem für Grundbuch-Einträge keine sichtbare Begeisterung. Nebenbei bemerkt: Der Maulwurf ein Stockwerk unter uns hat sich übrigens auch nie namentlich vorgestellt. Ein Maulfaulwurf sozusagen.

Da Bübü uns nicht nahe genug kommt, dass ich je gemäß Artikel 6 Abs. 1 lit. a DSGVO sein Einverständnis zur Verarbeitung personenbezogener Daten (konkret: Fotos) hätte einholen können, berufe ich mich auf Artikel 6 Abs. 1 lit. f DSGVO und mache ein berechtigtes Interesse an der Vollständigkeit meiner vorliegenden dokumentarischen Abhandlung geltend: parfumo.de/Benutzer/Meggi/Bild/133580 und .../133741.

Bübü hat uns dazu dressiert, ihm in den kargen Monaten ein- bis zweimal am Tag zwei Nüsse auf die Terrasse zu legen. Die holt es (bei Eichhörnchen ist Genaueres ohne reichlich indiskrete Untersuchung nicht zu erkennen) sich dann irgendwann einzeln ab, nachdem es zuvor vom Schaukel-Gerüst aus aufmerksam die Lage gepeilt hat; zuweilen lässt sich das beobachten. Meist sehen wir Bübü allerdings nicht, doch die Gaben sind regelmäßig spätestens am folgenden Tag weg.

Bübüs Motivation in puncto Nuss ist nur zu verständlich. Besorgnis hingegen könnte – und damit sind wir nun endlich im Thema – mein allmählich geradezu obsessives Verhältnis zum Auftreten vermeintlicher Haselnuss in Düften erregen. Aber wir sind ja unter uns, hier in unserer Selbsthilfegruppe.

Erwacht war meine Neugier auf ‚Vetiver Tonka‘ (für die Probe danke ich Garcon!) seinerzeit durch den Test von Pal Zileris ‚Viaggio d'Africa‘, dem zu Recht eine Nähe zum Hermès attestiert wird. Ich bemühe im Fortgang freilich abgrenzenderweise lieber einen anderen Sparrings-Partner.

Bei Herrn Ellena geht es schon mal gut los: Nach einem kurz lösungsmittelhaften Start erfährt nämlich das Säuerliche des Vetivers (vermutlich –ylacetat, womöglich gestützt von einem Spritzer Bergamotte) durch die beigefügte Süße eine regelrecht süßholzmäßig-lakritzhafte Wendung. Haribo, nicht dänisches Saltlakrids. Trotzdem frappierend dicht dran, ehe nur eine halbe Minute nach dem Aufsprühen allmählich folgsam der Gedanke an Haselnuss durchdringt, zunächst aufgrund der weiterhin präsenten Säure eher ähnlich einem entsprechenden Joghurt – wenngleich diese Assoziation nicht annähernd so zwingend ist wie das Lakritz.

Nach einer Stunde wirkt ‚Vetiver Tonka‘ auf mich ein bisschen seifig, herber, weniger süß. Eine anhaltende leichte Käsefüßigkeit spricht tatsächlich für einen Beitrag von Bergamotte. Doch vor allem begleitet mich im Verlauf das Als-ob-Lakritz zuverlässig über geraume Zeit hinweg und dieser Aspekt veranlasste mich zu einem Parallel-Test mit ‚Contre Pouvoir‘. Im Direkt-Vergleich sind die Unterschiede dann indes deutlicher als erwartet, obwohl ich feststelle, dass im Brecourt Vetiver eine noch etwas größere Rolle spielen dürfte, als ich gedacht hatte.

Zurück zur Nuss: Jungen, grünen Haselnüssen ist geruchlich eine gewisse Cremigkeit zu eigen, die vorliegend durch Moschus gespiegelt sein mag – sofern die Nuss-Idee gegenüber der gesüßten Vetiver-Gemengelage weiter verfolgt werden soll. Hm. Bislang hatte ich Haselnuss vornehmlich in Natur-Düften, die um Moschus selbstverständlich einen Bogen machen. Ohnehin riecht die Nuss hier anders, weniger nadelig-süß als vielmehr joghurtig-cremig.

Die cremige Beigabe ist der Schlusspunkt bei den Abweichungen zwischen ‚Contre Pouvoir‘ und dem heutigen Kandidaten, denn im Brecourt fehlt sie. Hingegen scheint bei der Hermessence ebenfalls eine ordentliche Kelle Ambroxan beteiligt, die sich nach hinten raus – um im Bild zu bleiben – mit Vetiver(-ylacetat) das Revier teilt. Darin lässt sich zudem bis abends eine, sagen wir, süß-cremige Schein-Nuss diagnostizieren. Fraglich ist natürlich, ob jene ohne Vorbefassung gleichermaßen als solche zu erkennen gewesen wäre.

Die Nuss, die Nuss, die Nuss…

Ob ich Bübü vielleicht mal um einen Gefallen bitten darf? Ich könnte ‚Vetiver Tonka‘ (oder einen sonstigen Nuss-Duft) auf die Terrasse sprühen. Falls Bübü den Fleck wider Erwarten interessiert beschnuppern sollte, werde ich mich hinfort nie wieder zweifelnd über die Destillation von Haselnüssen äußern. Abgemacht? Bübü…?
35 Antworten
Siebter

49 Rezensionen
Siebter
Siebter
Top Rezension 38  
Der Himmel über der Erde
Es ist eine recht dankbare Aufgabe, über Düfte von Jean-Claude Elléna zu schreiben, denn sie liefern nicht nur reichlich olfaktorisches Futter für ausführlich beschreibbares Kopfkino, vor allem sind sie linear - da muss man sich nicht so verrenken und zwei Stunden an einer Eröffnung herumformulieren, die nur zwei Minuten dauert.

Tatsächlich steckt in Vétiver Tonka ein hintersinniges Lächeln, welches nicht ausschließt, dass JCE seine Düfte deshalb so linear gestaltet, um uns hart schuftenden Kommi-Schreibern die Arbeit zu erleichtern. Vétiver Tonka ist wirklich ein sehr sehr freundlicher Duft. Diese Freundlichkeit ist aber dergestalt, dass sie einnimmt und überwältigt. Vétiver Tonka ist nicht einfach nur nett, er erfüllt lang gehegte Wünsche. Und er tut dies mit einem irgendwie hintersinnigen und sehr entspannten Lächeln.

Ein Blick auf die Duftpyramide offenbart zunächst kein Feuerwerk an Innovationen: Vetiver ist nicht gerade ein seltener Protagonist in der Welt der Herrendüfte, die Tonkabohne ist eine beliebte Zutat, um Vanillenoten etwas erwachsener wirken zu lassen, Sandelholz und Tabak, tja, das hatten wir auch schon mal so - okay, aber immerhin handelt es sich hier ja um ein ausgewiesenes Unisex-Parfum. Also: Haselnuss, Maiglöckchen, Praline. Ach Du Schande, jetzt wird es doch noch äh... interessant. Zumal ich Vetiver-zentrierte Düfte nicht ausstehen kann. Vetiver ist als Nebendarsteller ein sehr gern gesehener Gast in meiner Nase, Guerlains "Vetiver" habe ich aber nach wenigen Tagen eingetauscht.

Nach dem Aufsprühen war ich drauf und dran, die Erwähnung von "Praline" ernst zu nehmen, "Gourmand" war das erste Urteil, dass ich fällte, aber bereits nach wenigen Augenblicken revidierte. Nicht wegen der überraschenden Klarheit und Transparenz, die ein sehr zentrales Element dieses Duftes ist, sondern weil dies tatsächlich ein Vetiver-Duft ist. Dieser Vetiver springt einem nicht ins Gesicht, aber er bildet ein grünes und erdiges Fundament, und wenn ich von einem Fundament schreibe, dann meine ich eines, das bis zum Horizont reicht. Der Betrachter jedoch findet sich weit über diesem Grund und schwebt in luftiger Höhe mit Tonkabohne und Haselnuss.

Die Duftpyramide ist noch nicht vollständig beackert, schon fällt etwas aus dem Raster: tatsächlich sind Tonkabohne und die wesentlich dominantere Haselnuss luftig, leicht, fast sphärisch. Süß? Ja, durchaus süß, aber zwischen der Haseltonka und dem erdigem Vetivergrund tut sich ein weiter Raum auf, in dem sich die Aromen der bislang vorgestellten Protagonisten harmonisch vereinen, ohne auch nur im Mindesten ihre Widersprüche aufzugeben. Der geradezu verankert wirkende Vetiver nimmt der Haseltonka nichts von seiner Süße, und diese Süße federt nicht ein Gramm des erdigen Vetiver ab, beide Elemente bewahren ihre Integrität, obwohl sie sich in einem durch den anderen bedingten außergewöhnlichen Kontext befinden. Die Ruhe und Harmonie ist angesichts des Spagats zwischen diesen beiden Elementen ziemlich bemerkenswert, finde ich.

Ich rieche nichts florales und schon gar keine Praline, Sandelholz und insbesondere Tabak erscheinen mir wahrnehmbar, aber weit im Hintergrund - beides ist ohnehin nicht dazu geeignet, einen Duft transparent und luftig erscheinen zu lassen. Bevor ich hier missverstanden werde: Vétiver Tonka ist sicherlich kein zartes Lüftchen. Die Noten haben Kontrast, das süße Element lässt sich nicht verleugnen, zudem hat JCE diesem Duft eine weit überdurchschnittliche Haltbarkeit und einen recht ordentlichen Duftwolkenumfang verpasst. Würde mich jemand nach dem Aggregatzustand dieses Duftes fragen, so würde ich sagen, dass Vétiver Tonka zellophanartig ist, genauer: wie eine Rolle Film - transparent und leicht, aber doch auch dicht und somit ein perfektes Medium für Bilder.

Woher kommt diese Transparenz? Wenn man mal etwas genauer darauf achtet, offenbart Vétiver Tonka durchaus eine wenn auch allmähliche und subtile Entwicklung: der Duft wird laufend transparenter, was nicht bedeutet, dass er seine Kraft verliert oder sich zurückzieht. Vielmehr erweitert sich der Himmel zwischen dem erdigen und dem süßen, es wird kühler, ernster, das Sujet bleibt dennoch gleich. MariellaMmmh, der ich übrigens meine Abfüllung von Vétiver Tonka zu verdanken habe (wofür ich ihr *immer und ewig* dankbar sein werde), beschreibt in ihrem Kommentar eine kühle und ruhige Nacht am Fenster, und dieses Bild finde ich sehr treffend.

Okay, nochmal: woher kommt diese Transparenz? In der hiesigen Duftpyramide ist nichts, was uns den Trick verrät, gleiches gilt für Fragrantica, Basenotes ist gerade offline und auf der Seite von Hermès wird auch nichts offenbart. Der ziemlich populäre YouTube-reviewer MyMickers brachte mich schließlich auf die Spur, denn er erwähnt in seinem Video zu Vétiver Tonka Neroli - was mich ziemlich überrascht hat, denn Neroli gehört zu meinen liebsten Duftbausteinen und diesen konnte ich nun aber so gar nicht mit diesem Duft verbinden. Man muss Neroli tatsächlich suchen, aber wenn man dies tut, entdeckt man es doch, insbesondere nach Verstreichen der ersten zwei Stunden des Duftverlaufs. Das ist ein lustiger aha-Effekt - selten habe ich eine so prägnante Note derart gut versteckt erlebt, und das obwohl Neroli hier einen sehr entscheidenden Beitrag zu diesem Duft liefert.

Ich liebe Vétiver Tonka sehr. Dieser Duft ist überaus sanft und beruhigend, aber auch charakterstark und gar nicht so gefällig, wie er mir durch die warmen und süßen Akkorde zunächst erschien. Wenn ich darüber nachdenke, gibt es eigentlich nicht viele Menschen, zu denen dieser Duft passt - das ist kein Business-Duft, kein Duft für Abschlepper und Abschlepperinnen, kein softer Metrosex-Duft, er passt nicht zur netten Dame von der Supermarktkasse und schon gar nicht zum knarzigen Macho. Er passt zu mir, da bin ich mir recht sicher, aber die Typbeschreibung "Siebter" ist hier wohl kaum hilfreich.

Intelligenz, Stil, wohlwollender Hintersinn, Freundlichkeit, Hingabe und Konsequenz sind Wörter, die mir zu Vétiver Tonka einfallen - tatsächlich ist das ein Bild, was ich auch gerne von mir selbst hätte.

Wehmut löst in mir der Umstand aus, dass mir nunmehr noch etwa eine Portion meiner Abfüllung dieses Duftes bleibt. Die Düfte der Hermèssence-Reihe sind teuer, zudem steht an der Tür der Hermès-Boutique in Berlin so ein Türsteher-Pinguin, der mir ein beherztes Eintreten und Herumprobieren nachhaltig verleidet. Beides zusammen führt dazu, dass der Erwerb eines Flakons von Vétiver Tonka mich derzeit noch etwas überfordert. Vielleicht konstruiere ich mir aber auch etwas zurecht, um mich nicht zu ruinieren.

Irgendwann werde ich mich aber doch ruinieren, denn dieser Duft gehört zu mir.
20 Antworten
7.5
Flakon
7.5
Sillage
7.5
Haltbarkeit
8
Duft
loewenherz

887 Rezensionen
loewenherz
loewenherz
Top Rezension 35  
Und ich bewache deinen Schlaf
Der Impuls beim Wahrnehmen eines Wohlgeruches kurz die Augen zuzumachen ist etwas dem menschlichen Wesen Immanentes. Wenn man an einer Bäckerei vorbeigeht, aus der es nach ganz frischen Brötchen duftet, das erste Mal am Strand nach einer langen Autofahrt - oder auf einem asphaltierten Parkplatz im Sommer, gleich nach dem Regen. Aber nur wenige Düfte schaffen es, dass man die Augen noch ein Weilchen zubehalten möchte.

Wir Menschen sind visuelle Wesen. Zum Schließen der Augen bei Tageslicht - also dem freiwilligen (wenn auch nur temporären) Verzicht auf unsere Fähigkeit zu Sehen - gehört Vertrauen. Ein Gefühl von Sicherheit. Die völlige Abwesenheit von Gefahr. Ruhe. Stille. Manchmal unterstützen haptische Reize dieses Wohlgefühl: ein weiches Hundefell oder die Berührung warmer Haut. Oder der Atem von jemandem, den wir lieben, ganz in der Nähe.

Hier ist all das in einem Duft. Hier ist Vertrauen. Wärme. Sicherheit. Hier ist Sonnenlicht durch noch geschlossene Augenlider. Das wohlige Gefühl beim Erwachen aus einem Schläfchen am Nachmittag, wenn wir beim müden Blinzeln merken, dass da jemand ist, gleich neben uns. Der vielleicht ein Buch gelesen und uns die Brille abgenommen hat. Dessen Brust wir beim Atmen sich heben und senken spüren können. Der über unseren Schlaf gewacht hat.

Hier ist das sonnendurchflutet Warme, das Heitere, das Heile. Haselnuss, Tonka und helles Holz geben Hermessence Vétiver Tonka einen leuchtenden Umriss aus goldfarbenem Licht und der Wärme eines bullernden Ofens. Und doch man lasse sich hier nicht täuschen: ein Gourmand im Sinne von zahnwehsüßem Jahrmarktfrohsinn ist er nicht. Vétiver Tonka hat eine leuchtende und doch diffuse Wärme, die vielschichtig ist und mehrdimensional - scheint sie im einen Moment noch beinahe grasig, ist da im nächsten Moment eine Trockenheit wie von hellem Sand oder die Griffigkeit von sonnenwarmer Wolle. Tabak und der namengebende Vetiver fügen eine freundliche Ruppigkeit hinzu - so wie der Hund uns nach dem Schläfchen fordernd anstupst, weil er nach draußen will. Und wir stehen auf. Dankbar. Und Gerne.

Fazit: Vetiver - gezähmt, doch nicht gebrochen. Ein Duft von Vertrauen und Geborgenheit, ein Nasenschmeichler und ein Seelentröster.
8 Antworten
10
Flakon
7
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
MariellaMmmh

215 Rezensionen
MariellaMmmh
MariellaMmmh
Top Rezension 27  
Einsame Nächte
Ich atme tief durch. Die kalte Nachtluft ist klar. Eine angenehme Brise streift mein Gesicht, meine Haare wehen im Takt des Windes mit. Ich stehe am Fenster und genieße die Ruhe der Nacht. Die ganze Stadt schläft. Nirgends brennt noch Licht. Es ist nach drei.
Eine Motte tänzelt im Licht der Laterne. Irgendwo ertönt das Zirpen einer Grille. In dem Gartenteich des Nachbarn verteidigt ein Frosch sein Revier. Die schwarze Katze, die hier in der Straße zu Hause ist, huscht lautlos unter ein Auto. Ich atme nochmals tief durch und fühle wie sich meine Lungen mit der kalten Luft füllen.

Ich trage Vétiver Tonka. Ich hätte mir nie zu Träumen gewagt mal einen Duft zu benutzen, der nach Tabak riecht. Aber dieser hier hat es mir ganz besonders angetan. Für mich ein Duft der Widersprüche, die aber passen. Kaum ein anderer Duft raubt mir dermaßen den Verstand. Kaum ein anderer beruhigt mich wie dieser.
Der Duft ist ganz weich, ganz warm, dunkel, minimal kratzig. Die Frische des Vetivers gepaart mit der balsamischen Wärme der Tonkabohne. Ich schnupper an meinem Handgelenk und werde immer ruhiger. Ich sehe wie in der Dunkelheit der Nacht der heiße Dampf meines Tees aufsteigt und schaue gebannt zu, wie er mit dem Wind davonschwebt. Ich nehme einen Schluck und spüre die Wärme, die sich nun in meinem Magen ausbreitet.
Ein Blick zur Uhr zeigt, dass die Lernpause vorbei ist. Erfrischt mache ich mich wieder an die Arbeit. Ich lächel. Es wird alles gut.

Danke.
16 Antworten
10
Flakon
6
Sillage
6
Haltbarkeit
9
Duft
Landlord

86 Rezensionen
Landlord
Landlord
Top Rezension 25  
Ich bin dann mal weg
Ja, das ist einer der Düfte, der zu nichts anderem geschaffen ist, als in ihm zu verschwinden. „Vetiver Tonka“ umhüllt mich von Beginn an mit einer warmen Würze, die ihresgleichen sucht. Wie bei allen Hermessencen, die ich bisher getestet habe, gibt es keine große Entwicklung zu beobachten. „Vetiver Tonka“ geht mit seiner nussigen Note, die mit feinen grünen Tönen unterlegt ist, sofort in die Vollen - und verweilt auch dort. Es gibt kaum Entfaltung in der Zeitachse, wohl aber in die Tiefe. Ein richtiger Auraduft, der mehr und mehr mit meiner Haut verschmilzt.

Immer wieder lasse ich meine Nase über die Haut gleiten und lege mit Genuss die vetiverig-würzigen Töne frei, die unter der herben, minimal rauchigen Haselnuss-Tonka-Creme verborgen sind. Köstlich. Und zum Anbeißen. Was besonders sinnig ist, wenn die Landlady den Duft trägt. Er ist einer der wenigen Essenzen, die wir gleichermaßen genießen. Ein im besten Sinne androgyner Duft.

Und wie bei allen Hermessencen hat das wohlig leichte und gleichzeitig tiefschichtige Dufterlebnis offenbar seinen Preis: die mangelnde Haltbarkeit. Nach etwa fünf Stunden gibt meine Haut „Vetiver Tonka“ wieder frei. Laut Meister Ellena ist eben nicht beides zu haben: Luzide Traumhaftigkeit und zähe Marathonausdauer. Wobei das mit der Ausdauer relativ ist. Denn während andere Düfte mehrere Phasen durchlaufen, die nicht zwangsläufig in allen Abschnitten gleichermaßen zu begeistern wissen, kann ich mich bei dieser Hermessence auf fünf Stunden gleichbleibenden Nasenschmaus freuen.

Um einen Preis kommt man allerdings nicht herum: den üppigen Anschaffungspreis - der ausgerechnet antiproportional zur Haltbarkeit verläuft. Wie praktisch, dass es zumindest den kleinen 15-ml-Flakon gibt, aus dem ich mir gelegentlich ein paar Stunden innerer Versenkung gönne...
5 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

39 kurze Meinungen zum Parfum
KnopfnaseKnopfnase vor 3 Jahren
7
Sillage
7
Haltbarkeit
8
Duft
Mit kühnen Nüsse-Küssen
und glücklichem Gewüssen
sündigen, wie fein,
kühl-süß
würzig-grün
müssen Frühlingsdüfte sein.
18 Antworten
AzuraAzura vor 3 Jahren
9
Flakon
6
Sillage
7
Haltbarkeit
9
Duft
Wär ich ein Eichkätzchen,
Trüge ich diesen!
Überall Wälder und Wiesen,
Feinste Haselnüsse,
Plätschernde Flüsse
Und pfeifende Spätzchen.
14 Antworten
AukaiAukai vor 3 Jahren
5
Flakon
6
Sillage
6
Haltbarkeit
7
Duft
Vetiver, frisch geduscht,
wirft sich in Schale.
Nuss-Schale.
Steckt Zigaretten ein,
vergisst das Feuerzeug.
Ein Pralinchen für den Weg.
12 Antworten
Lenka85Lenka85 vor 2 Jahren
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Vetiver & Tonka ergeben einen Duft, der zwischen frisch u. warm changiert und eine sehr interessante, cremige Abstrahlung hat. Eher nussig..
14 Antworten
FvSpeeFvSpee vor 4 Jahren
7
Sillage
8.5
Duft
Aufgemerkt nun also! Zwei ausgeleierte Hauptzutaten ganz vortrefflich eingeleiert! Trotz Haselnuss+Praline kein Süßgourmand. Einfach schön.
6 Antworten
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Diskussionen

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KnickzimtKnickzimt vor 8 Jahren
Beratung
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ExUserExUser vor 13 Jahren
Beratung
Besuch einer Hermès Boutique
GRRRR, ja blöderweise gibt es Équipage, Rocabar oder Bel Ami leider nicht in den 15ml Größen, das machen sie nur bei den Hermessenzen - schade eigentlich.Aber ich will mal beim nächsten Besuch fragen,...

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