H24 2021 Eau de Toilette

H24 (Eau de Toilette) von Hermès
Flakondesign Philippe Mouquet
7.4 / 10 994 Bewertungen
Ein Parfum von Hermès für Herren, erschienen im Jahr 2021. Der Duft ist frisch-grün. Es wird noch produziert.
Aussprache

Duftrichtung

Frisch
Grün
Zitrus
Holzig
Blumig

Duftnoten

MuskatellersalbeiMuskatellersalbei SclareneSclarene Narzisse AbsolueNarzisse Absolue RosenholzRosenholz

Parfümeur

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Bewertungen
Duft
7.4994 Bewertungen
Haltbarkeit
7.1877 Bewertungen
Sillage
6.7867 Bewertungen
Flakon
7.3847 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
6.9717 Bewertungen
Eingetragen von Franfan20, letzte Aktualisierung am 11.07.2024.

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Rezensionen

52 ausführliche Duftbeschreibungen
6
Preis
6
Flakon
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Sillage
6
Haltbarkeit
9
Duft
Leimbacher

2784 Rezensionen
Leimbacher
Leimbacher
Top Rezension 52  
Menschelnder Metallmonolith
Viele Parfumos kennen es - wachsen nach etlichen Jahren Parfumsammlung und -wissen, sinkt der Drang der spontanen Blindkäufe drastisch. Selbst bei olfaktischen Blockbustern. Selbst der Testdrang oft. Man muss einfach nicht mehr jeden Hype mitgehen oder gar starten, man hat Geduld und mehr als genug für drei Leben in der Pipeline. Aber ein brandneuer Hermesherrenduft ist eine Hausnummer, der man selbst bei extremster olfaktorischer Abgeschlagenheit und Sättigung kaum widerstehen kann...

"H24" ist der erste richtige neue Männerduft von Hermes seit dem Meilenstein "Terre d'Hermes", seitdem wurde die hausinterne Duft-DNA positiv "verwässert" und gefestigt zugleich, hat man sich nie hetzen oder beirren lassen oder dem Mainstream zu sehr angebiedert. Toll. Ein Haus mit erstaunlichen Düften und klarster Sprache. Egal wer am Drücker ist. Minimal, natürlich, oft hauchdünn - aber immer verdammt stilvoll und luxuriös und mit Idee, Charakter, Seele. Oft genug steckt wahrhaft Kunst dahinter. Was kann also nun dieser "Neue" für den Herr'n, auf den wir Fans jahrelang gewartet haben?

Auch wenn ich ihn vielleicht nicht ganz auf "Terre"-Niveau sehe, ist "H24" dennoch ein fabelhafter Duft geworden, für den sich Frau Nagel auf keinen Fall schämen muss. Ganz im Gegenteil: wir müssen danken und sie kann stolz sein! Da sieht die Zukunft dieser Kollabo rosig aus. "H24" ist ein metallisch-süßer Grünling, der mit kaum etwas im Parfumgame vergleichbar ist. Und da spreche ich von Massenmarkt bis tiefste Nische. Und das muss man erstmal schaffen und sich trauen! Frau Nagel gelingt hier eine neue understatete Herangehensweise an Süße sowie die "Nasenfarbe" Grün, die ich kaum hoch genug hängen kann. Mehr Signaturwürdigkeit geht nicht. Hermes macht uns hier wirklich mal wieder ein Geschenk und festigt das hohe Ansehen der Marke. "H24" geht immer, wirkt hochwertig verblendet und verwendet mit dem Muskatellersalbei einen Kernstoff, der in dieser (leicht blumig-femininen) Form einfach zu begeistern weiss.

Edel und einfach. Super linear und der Flakon ist nichtssagend - aber das waren auch schon fast die einzigen milden Kritikchen. Der Rest ist pure Everyday-Eleganz. Grünes Aluminium, Barbershop auf Wolke 7, süß genug für die Jugend, aber reif genug für alles danach. Ich habe ein breites Grinsen im Gesicht. Wer den jetzt ins Büro entführt, falls das bei dem ein oder anderen schon möglich sein sollte, bevor der Hype richtig losrollt (obwohl ich gar nicht sicher bin, ob dieser dezente Feingeist für einen Hype wirklich gemacht ist) - der ist momentan wohl beeindruckender König und mehr als gut beraten. Ein wenig Bügeleisenliebe.

Flakon: mir etwas zu minimal und Früh-00er
Sillage: dezent trotz besonderer Süsse
Haltbarkeit: 6 Stunden, verhindert das Überrunden

Fazit: simpel, klar, synthetisch und doch natürlich, besonders - ganz Hermes! "H24" geht 24/7/365! Eine Klasse eleganter und besser als was ähnlich große Konkurrenten seit Jahren beeinander unkreativ und massentauglich-lahm abpausen... "H24" kommt einem moderen Klassiker schon sehr nah. Kaufenswert.
8 Antworten
8
Flakon
7
Sillage
7
Haltbarkeit
8
Duft
Taurus

1069 Rezensionen
Taurus
Taurus
Top Rezension 39  
Alles eine Frage der Erwartungshaltung
Hurra – Hermès hat mal wieder einen neuen Herrenduft an den Start gebracht. Das ist definitiv eine aufregende Nachricht und entsprechend sind mit diesem Traditionshaus etliche Erwartungen geknüpft. Vor allem wird sofort ein Vergleich mit dem Überflieger Terre d´Hermès gezogen, der mittlerweile zu den ikonenhaften Düften zählt und jede Menge Taler in die Kassen gespült hat.

Und da es davon reichlich Flanker und Flankesflanker gibt, ist es durchaus legitim was neues zu wagen und auf die Beine zu stellen. Immerhin wird TdH ja nicht eingestellt, sondern nur das Portfolio erweitert. Und jeder, der sich ein wenig mit den Dufthäusern bzw. –marken beschäftigt wird wissen, dass dahinter eine gewisse Kernkompetenz steckt. Bei Hermès, die ebenfalls zu den Big Playern wie Chanel, Dior (gehört zu LVMH), YSL (gehört zu Kering S.A.), Guerlain (LVMH) sowie Prada und Armani (Lizenzabkommen mit L´Oreal) zählen, die H24 mit großen Werbeaufwand in den Markt drücken, ist die Kernkompetenz eher bei den frischeren Düften zu finden.

Einen gourmandigen Verführer wird wohl kaum jemand von dieser Marke erwarten – zumindest für den Mainstream-Bereich. Der m. E. recht ansprechend gemachte Werbespot verspricht einen modernen innovativen Duft mit urbanen sowie natürlichen und somit leicht widersprüchlichen Zügen mit etwas Frischecharakter. So zumindest würde ich den Clip interpretieren. In der Machart verwandt mit TdH und relativ passend zur Marke bzw. Corparte Identity und dank wiederbefüllbarem Flakon sowie Kartonage aus recyceltem Material ganz im Zeichen der Nachhaltigkeit.

Doch kommen wir nun endlich zum Duft. H24 ist eigenständig genug, dass mir spontan kein Duftzwilling oder Ähnlichkeiten zu anderen Mainstreamern einfällt. Er schnuppert in seiner relativ linearen Art gnadenlos grün, ein wenig floral und vor allem würzig, mit viel besagtem klassischen Muskatellersalbei, einem Hauch herbe bis zart säuerliche Noten und wenn man seine Nase (was man ja eigentlich nicht machen sollte) an den gesprühten Handrücken drückt, dann kommen ein paar versprenkelte beinahe süßlich-sirupartige Fruchteindrücke entgegen. Dazwischen eine Mischung aus metallischer Kühle und holziger Wärme mit synthetischen Anleihen, die man aber durchaus tolerieren kann, ohne dass sie anbiedernd oder billig wirken.
Und Nein, H24 steht nicht für 24 Stunden Haltbarkeit oder 24 Meter Halbkreisprojektion. Da verhält sich dieses Eau de Toilette zur Enttäuschung einiger Kids ganz normal.

Somit ist H24 kein interner Thronanwärter, der TdH kopiert oder im Weg steht, aber auch keine direkte Konkurrenz zu Sauvage, auch wenn man seine Umsatzzahlen gern erreichen würde. Aber er zeigt definitiv mehr Kante als Bleu de Chanel oder Y von YSL, obwohl ich meine Zweifel habe, dass er dessen Status erreichen kann. Gönnen, ja gönnen würde ich es ihm auf jeden Fall.

Meine Erwartungshaltung wurde jedenfalls getroffen, denn H24 verkörpert einen modernen Duft mit traditionellem Charme. Zudem passt er hervorragend ins Portfolio von Hermès und zu den Jahreszeiten Frühling, Sommer und gegebenenfalls noch Herbst.

Für den Winter würde ich wohl eher was aus dem Hause Prada bevorzugen, denn kuschelige Düfte für die kalte Jahreszeit ... das können die – und das wäre denen gegenüber meine Erwartungshaltung.
18 Antworten
7
Preis
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Profumorist

76 Rezensionen
Profumorist
Profumorist
Top Rezension 41  
Lockdown.Duft.Fragezeichen.
Die 70er und 80er Jahre waren geprägt durch gehaltvolle, moosige, schwere, raumfüllende, mit Testosteron geschwängerte prägnante Düfte wie „Azzaro pour homme“, „Antaeus“, „Patou pour homme“, „Quorum“, um nur einige zu nennen. Etwas später kam noch „Boss No. 1“ und „Zino“ hinzu. Unisex gab es noch nicht wirklich. Das waren noch die Signaturdüfte von Darth Vader, Gordon Gecko und dem Terminator. Das, was wir heutzutage als Klassiker bezeichnen und noch so oft gerne tragen.

Mitte/Ende der 80er änderte sich die olfaktorische Landschaft radikal. Aus schwer und moosig wurde aquatisch und frisch. Krasser kann ein Wechsel gar nicht sein. Angefangen mit „Green Irish Tweed“ und drei Jahre später mit „Cool Water“ und „New West“ schwappte die Erfrischungs-Welle über uns hinweg. In den 90er kamen noch „L’eau d’Issey pour homme“, Calvin Kleins Unisex-Meisterwerk „CK One“, Kenzos "Pour homme" und Giorgio Armanis Disco-Schleuder „Acqua di Gio“ hinzu. Alles, was wir heutzutage als moderne Klassiker bezeichnen und teilweise noch gerne tragen.

Mitte / Ende der 90er und Anfang des neuen Jahrtausends änderte sich wieder etwas. Es wurde süßlich. „Le male“. Jean Paul Gaultier. In den 00er Jahren kamen noch „One Million“ und „Spicebomb“. Die hochwertigen Ableger dieser Stilrichtung hören auf den Namen „Dior Homme“. Irgendwer entdeckte auch auf einmal ein komisches Harz aus dem Adlerholzbaum und Leder war trotz des Vegan-Trends auch wieder up-to-date.

Und was hat sich ab Anfang der 10er Jahre getan? Richtig. Die so oft gescholtenen Duschgel-Düfte. „Aventus“, „Bleu de Chanel“, „Sauvage“ und all ihre Konsorten, Nachahmer und Trittbrettfahrer. Und trotz ihrer „Mankos“ erfreuen Sie sich überall auf der Welt nach wie vor größter Beliebtheit. Sie sind durch die Bank frisch gehalten und zu jeder Jahreszeit und zu jedem Anlass tragbar. Die eierlegende Wollmichsau?

Vielleicht noch nicht?! Denn was kommt denn nun im neuen Jahrzehnt auf uns zu? Dior hat damit im letzten Jahr begonnen. Das neue „Dior Homme“. Frisch ohne wirkliche Zitrik. Schwebend sanfte Holzigkeit. Man vermutet kaum Sillage, weil man sie selber schwierig wahrnehmen kann. An anderen Mitmenschen wahrgenommen, ist sie aber enorm. Ähnlich Molecule No. 1. Molekular halt.

Wie Ihr seht, ändert sich im Leben nun stetig vieles. Das ist Naturgesetz und das ist auch gut so.

Wenn Hermès einen neuen Männerduft lanciert, ist bei mir die Vorfreude riesig. „Terre d’Hermès“ ist eines meiner absoluten Lieblingsdüfte für eine einsame Insel. Und „Voyage d’Hermès“ eines der unterschätzten Düfte.

H24 ist in all seinen Phasen ungemein weich und frisch. Frische ohne erkennbare Zitrik. Leicht grün ohne Assoziationen an Gräser oder Wälder. Blumig, aber kein Blumenstrauß in einer Vase. Wenn Pepper 81 weiter unten schreibt, der Duft erinnere sie an das alte „Higher“ von Dior, kann ich dem nur zu 100% zustimmen. H24 ist einfach hervorragend austariert und ausbalanciert.

Die Haltbarkeit ist sehr gut. Mehr als acht Stunden bei mir. Zur Sillage kann ich nicht viel sagen. Ich vermutet aber, dass diese ebenfalls nicht von schlechten Eltern ist (wenn Andere sie an einem wahrnehmen).

Was bleibt? Nun, ich denke, dass der H24 ein weiterer Duft einer neuen Kategorie oder besser gesagt, einer neuen Machart ist. Dior hat es vorgemacht. Und ich verwette meine Sammlung, dass Chanel mit ihrem neuen Männerduft auf die gleiche Machart setzen wird. Und alle anderen werden dann nachziehen. Und nein, das ist nicht der Untergang des Abendlandes. Das ist der Gang der Zeit und der ist eben nicht aufzuhalten. Und natürlich wird er denjenigen nicht gefallen, die eher auf orientalische und süße Düfte stehen.

Ach ja, interessant wäre es noch zu wissen, wie man diese Düfte wohl nennen wird. Molecular Freshies? (wird ja eh alles gedenglished).

Gruß

Euer Profumorist

PS: Ich kann Jedem hier nur den Film „Nose“ über Francois Demanchy und Dior empfehlen. Erstaunlich objektiv gehalten und einfach nur schön inszeniert.
9 Antworten
8
Preis
9
Flakon
6
Sillage
7
Haltbarkeit
8.5
Duft
Aglianico

28 Rezensionen
Aglianico
Aglianico
Top Rezension 34  
Ein Grünling für alle Tage
Da ist er also: Der erste (Nicht-Flanker-)Herrenduft von Christine Nagel als Hausparfümeurin bei Hermès. Die Erwartungen waren – sind und bleiben – hoch. Terre d‘Hermès lässt grüßen. Es gibt leichtere Aufgaben, als in Jean-Claude Ellenas Fußstapfen zu treten.

Angesichts der Prognose, dass in den nächsten Tagen sicherlich noch zahlreiche Kommentare zum H24 auf Parfumo niederregnen werden, fasse ich mich im Folgenden kurz und möchte nur auf ausgewählte Aspekte eingehen.

Ja, es handelt sich wie angekündigt um einen recht transparenten Grünling, der einen Frischeeindruck ohne Zitrik erzeugt. Ein leichter, zunehmend sanfter Duft, flüchtig, leise, nicht aufdringlich. Wer Angst vor dem Muskatellersalbei hat, dem sei gesagt: Hier riecht nichts streng. Ja, dieser besondere Salbei ist deutlich herauszuriechen und macht den Duft meines Erachtens weich und „nicht komplett unsüß“, obgleich der Duft absolut nichts mit Süße oder gar zuckriger Süße zu tun hat. Salbeidüfte erzeugen bei mir diesen „nicht komplett unsüß“-Eindruck (Kamilledüfte übrigens eigenwilligerweise auch).

Mein Dufteindruck unterscheidet sich deutlich zwischen „auf Papier getetest“ und „auf der Haut gestestet“, obwohl dies bei mir selten vorkommt. Auf dem Papier sind die einzelnen Komponenten deutlicher umrissen, haftet den ersten Sekunden aber auch ein seltsamer Haribo-Colorado-weiße-Ananas-Eindruck an, der sich rasch verflüchtigt (ein Glück) und einem „modernen Grün“ ohne jede Traditionalismus-Anhaftung Platz macht. Grün, aber nicht spröde. Herb, aber nicht sehr herb. Vegetation, aber kein Wald. Es erinnert mich ein bisschen an den Geruch des Grüns von Schnittblumen, nachdem sie bereits eine Zeitlang in der Vase standen - aber ohne jede Fäulnis! Tatsächlich habe ich bald auch die versprochene Bügeldampfassoziation, fände diesbezüglich das Attribut „metallisch“ aber übertrieben. Eher „unmoschusartig fluffig“, und das in maskulin.

Der weitere Verlauf ist recht linear, der Duft dabei wie angesprochen stets leise, dezent, seriös. H24: einer für 24/7.

H24 tritt ein schweres Erbe an und stellt wohl keinen weiteren Meilenstein dar. Dennoch erscheint er mir noch tragbarer als der „Terre“, da mich dessen hoher Iso-E-Super-Anteil schon bei wenigen Spritzern manchmal etwas nervt.

Also: kein Kunstwerk, aber ein tragbarer Duft für jeden Tag, etwas „jünger“ als „Terre“ gehalten, aber weit entfernt von synthetischer Anbiederung an die Mitte des Mainstreams mit schnell zirkulierender austauschbarer Ware. Einen Test wert!

++++++

Nachtrag 5.3.:

Nach mehrmaligem Tragen ein paar Ergänzungen: Alltagssuchtpotenzial. "Unique". Wunderbar unaufdringlich. Die Fruchtigkeit (die vielleicht von dem Zusammenspiel von krautigem Salbei und floraler Narzisse herrührt) geht für mich nun mehr Richtung grüne Bananenschale kombiniert mit besagtem überreifen Banenenfleisch ohne Süße (ja, paradox). Klingt schräger, als es (er) riecht. Ein wundervoller Duft. Ähnlich wie die Bottega Veneta-Düfte Mainstream, ohne langweilig/billig/kopiert zu sein/wirken. Kein "crowdpleaser", auch wenn es schön wäre, wenn die "crowd" ihn tragen würde. Das Jahr beginnt olfaktorisch gut.
11 Antworten
7
Sillage
8
Haltbarkeit
7
Duft
Jazzbob

119 Rezensionen
Jazzbob
Jazzbob
Top Rezension 27  
Natur trifft auf Moderne
Selten hat man so große Hoffnungen auf einen guten neuen Designer-Herren-Duft beobachten können, wie bei Hermès' H24. Die Gründe dafür sind offensichtlich: Einerseits lanciert die Marke nicht einen Duft nach dem anderen, sondern tut dies eher mit Bedacht, andererseits orientiert sich Hermès nicht an Trends und hat ja mit Terre d'Hermès 2006 schon einen großen Erfolg gehabt, der bis heute anhält.

Die Kreation von Christine Nagel ist weit weg von den 'blauen' und Ambroxan-lastigen Parfums oder den süß-würzigen Gourmands und orientiert sich an den sehr zeitgemäßen Themen Natur und Nachhaltigkeit (*), wobei sich die Marke selbst treu bleibt.

(* Jedenfalls spricht die Parfümeurin davon im Interview:
https://bellevue.nzz.ch/mode-beauty/hermes-neuer-herrenduft-h24-christine-nagel-im-interview-ld.1598832)

Ein wenig polarisiert H24 schon einmal – zumindest bekommt man diesen Eindruck, wenn man die unterschiedlichen Wahrnehmungen und Bewertungen hier liest. Häufiger fiel auch bereits der Begriff 'Fougère', welchen ich persönlich nicht als zutreffend erachte, denn dafür fehlen mir Lavendel und Cumarin. Stattdessen würde ich eher von einem fruchtigen chypre-artigen Duft sprechen.

Die Kopfnote gefällt mir nicht so gut, denn obwohl zunächst ein frischer Hauch von Grapefruit zu erahnen ist, habe ich nach und nach vor allem die Assoziation mit Birne (die ich weder riechen, noch essen mag) und sogar an Banane fühle ich mich ganz leicht erinnert. Dadurch schwingt hintergründig eben eine gewisse fruchtige Süße mit, die mich stört, aber nicht auf dem Level vieler anderer Designer-Düfte ist. Von Anfang an sind zudem die zwei wesentlichen Seiten von H24 präsent: Salbei bringt eine angenehme, realistische Krautigkeit mit sich und in der Basis ist eine holzige Note erkennbar, die zwar spürbar synthetisch wirkt, dabei jedoch so gekonnt eingesetzt wurde, dass der Duft tatsächlich an frisch gebügelte Wäsche und das noch heiße Eisen erinnert. Etwas Metallisches ist also schon vorhanden, kommt aber meiner Meinung nach nicht stechend daher.

Somit verbinden sich Natur und Moderne in einem Parfum, dass durchaus als unisex hätte deklariert werden können. Durch die herb-grüne und die metallische Facette überwiegt aber der klassisch-maskuline Part. Alle einzelnen Noten/Akkorde erscheinen mir als ziemlich vertraut, doch in der Summe hat H24 schon eine hohe Eigenständigkeit. Aufgrund der Kopfnote empfinde ich die Gesamtkomposition als nicht ganz so stimmig und bei vier Sprühern hielt sich der Duft nicht nur sehr beständig auf meiner Haut, sondern projizierte auch recht lange. So luftig und dezent, wie ihn Manche wahrnehmen, ist er also nicht.

Selbst wenn H24 nicht ganz nach meinem Geschmack ist, würde ich mich freuen, wenn mit ihm ein neuer Trend, hin zu frischen, grünen, weniger süßen und vor allem nachhaltigeren Düften beginnen würde.
11 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

303 kurze Meinungen zum Parfum
PollitaPollita vor 3 Jahren
7.5
Duft
Ein frisch gewaschenes T-Shirt, eine Zitrone und ein Stück Seife. Frisch, maskulin, nett. Stört keinen, begeistert halt auch nicht.
21 Antworten
Medianus76Medianus76 vor 3 Jahren
8
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Nach einem herb frischen
Sommergewitter
erfüllt die süßlich warm
umrahmte
sauber dampfende Luft
die metallisch ionisierte Atmosphäre
25 Antworten
SchatzSucherSchatzSucher vor 2 Jahren
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8
Duft
Ein hellgrüner Frischling mit einem Hauch Bügelstube. Geradlinig, blitzsauber und zeitgeistig. Kein großer Wow-Effekt, aber gefällt.
20 Antworten
YataganYatagan vor 3 Jahren
7
Flakon
7
Sillage
7
Haltbarkeit
6.5
Duft
Guter Kick bei der Kopfnote, dann aber doch schnell etwas enttäuschend: moschus-synthetisch, blumig-grün, fruchtig, kustholzig: geht klar.
18 Antworten
Zauber600Zauber600 vor 3 Jahren
9
Flakon
7
Sillage
8
Haltbarkeit
8.5
Duft
Maskuline Blüteneleganz, ambriert mit metallischen Barbershop-Noten UND Reminiszenz an sehr gute ältere Frischedüfte
Gelungener Spagat !!
10 Antworten
Weitere Statements

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