Laut Wikipedia ist der Korporal in vielen Streitkräften der unterste Rang der Unteroffiziere, in deutschen Heeren bezeichnet dieser den Stabsgefreiten. Im französischen Militär gehört der Mannschaftsdienstgrad des "Caporal," der wiederum in verschiedenen Dienstgraden eine weitere Unterteilung hat, zum berittenen Heer, seiner Mannschaft können wohl bis zu 30 Personen unterstellt sein.
Ich bin kein großer Freund des Militärs, aber dieser charmant schneidige und schnittig frische "Caporal" ist doch einen Test wert. Er ist einer von diesen hochgewachsenen blonden Männern mit Seitenscheitel, einem mitreißenden Lächeln, dem fast aristokratisch kantig scharf geschnittenem Gesicht und lachend frisch blauen Augen, dem sein langer und schwerer doppelreihiger Wollmantel mit den alten Messingknöpfen ganz hervorragend steht. Er ist nicht nur ein Mann in der Mannschaft, sondern auch der nächste Vorgesetzte und Freund, dem man gerne zuhört. Er liebt sein Pferd und die Natur, ist aber auch den städtischen Genüssen nächtlicher Bars, schneller Autos und guter Kleidung nicht abgeneigt.
Den Start des "Caporal" finde ich ausgesprochen humorvoll, denn die Kombination von saftig frischen Zitrusnoten und aromatisch belebender Minze bringt mich gedanklich in die Kindheit zurück und lässt das gute alte "ATA" Scheuerpulver wieder auferstehen...Sauberkeit soll man in der Armee ja wohl lernen. Dieser kräftige "Badreiniger" Start in seiner trocken und leicht pudrig ätherischen Frische bleibt nicht nur bis zum Schluß erhalten, sondern erinnert mich auch sehr an Maître Parfumeurs "Centaure", der jedoch im weiteren Duftverlauf facettenreicher und opulenter bleibt. Diptyque's "L'Eau des Hespérides" beschreitet zwar andere Wege, ist mit dieser Minznote aber auch nicht ganz so weit weg. Lavendel gibt mit seiner herb floralen und energetisch krautigen Note und hier auch recht seifigen Facette das eindeutige Erkennungszeichen für klassische Fougèredüfte im Herzen bei - das verleiht den Eindruck frisch gestärkter Baumwollhemden - und krautiges Geranium scheint den Charakter etwas zu verdichten, ohne dass dabei die florale Note als wirklich "blumig" oder feminin zu bezeichnen wäre. Die Basis stimmt sich sanft und gut ausbalanciert mit herb moosiger Wärme, grün holzig erdigem Vetiver (ohne rauchige Facetten) und trockenem Zedernholz luftig und elegant mit ein. Sie nimmt der zitrisch kühl krautigen Kopf - und Herznote die fast scharfe und saubere Strenge, wirkt sanft umhüllend und die Kombination von Zedernholz und Minze scheint in dieser trockenen und fast ätherischen Klarheit perfekt kombiniert zu sein. Auch Minze, Lavendel und Vetiver scheinen die positiv grüne, seifige und klassisch männliche retro und fast britisch anmutende "Barbershop" Aura des "Caporal" gut zu stützen, obwohl mir diese hier noch frischer, knackiger und weniger konservativ statisch erscheint, als es viele klassiche Fougèredüfte häufig sind. Das mag vielleicht auch an dem Relaunch liegen, denn 1985 hatte der Duft wahrscheinlich eine "tiefere Stimme," die alte Version kenne ich nicht.
Haltbarkeit und Silage sind anständig, aber nicht raumfüllend und passen sehr gut zu dem sehr klar strukturierten und ehrlich heiter eleganten Charakter des Duftes, der sich -wie der charamante "Caporal" selbst- nicht aufdrängen will, er weiß eher zwischen den Zeilen zu lesen.
Es scheint tatsächlich ein Trend zu sein, alte Düfte wieder beleben zu wollen. Wenn diese dann auch so aussehen, laufe ich als Verfechter gerne vorneweg. Innerhalb eines Jahres ist "L'Eau du Caporal" von 1985 nach Goutals "Eau de Monsieur" und Le Galions "Eau Noble" der dritte - eher Männer ansprechende - Duft, der mein Interesse geweckt hat. Es hat sich gelohnt, weiter so.
Den habe ich immer übersehen. Den Trend irgendwie auch. Die dritte gute Nachricht heut. Caporal klingt wie genau mein Ding. Navigateur - R.I.P - war auch so hervorragend. Danke!