Die Marke LEN Histoire Privée begegnete mir das erste Mal bei der diesjährigen Tagung des Bundesverbandes der Parfümerien in Düsseldorf. Ich wurde netterweise eingeladen, obwohl ich weder in noch für eine Parfümerie tätig bin. Während der Tagung stellten sich am Rande einige kleine Parfum-Labels vor, die neue Vertragspartner suchen. Ähnlich wie halt die Global Art of Perfumery, die es ja leider nicht mehr gibt.
Eines der Label war LEN Histoire Privée, die sich auf ihrem Stand mit gleich sechs Kreationen präsentierte. Das Damen-Parfum „Jeux Dangereux“ gewann sogar einige Monate später den Artistic Independent Preis bei den Duftstars 2019.
Der Name des Labels leitet sich laut eigener Beschreibung vom französischen Soldaten/Parfumeur Francoise de la Lenes ab, der nach Napoleons gescheitertem Russlandfeldzug 1812 als Französischlehrer bei der Familie des Grafen Artuchowski blieb und als Dank der Dame des Hauses zwei Parfümrezepte schenkte.
Die Familie konnte diese vor russischer Revolution, Emigration und Kriege bewahren und mit Hilfe der Ururenkelin und Gründerin des Labels Jelena von Olnhausen zu realen Düften verwandeln. Hinzu kamen dann noch vier weitere Kreationen.
Inwieweit diese recht abenteuerliche Geschichte stimmt, kann ich nicht urteilen. Überhaupt hat man es hier mit dem Storytelling, denn jeder dieser Düfte wird mit einem anderen Land und einer kleinen romantischen Erzählung verknüpft. So geht es bei „Just Roulette“ um einen italienischen Schauspieler, seiner Ehefrau, ihrer kleinen Tochter und ihrem Kindermädchen auf ihrer Yacht.
Man merkt, es geht recht mondän zu und die Parfums sind entsprechend im höheren Preissegment zu finden. Dafür haben sie als Extrait de Parfum eine 23 bis 28 prozentige Konzentration von Parfümölen und sind recht nobel vom „The Different Company“ Gründer und Designer Thierry de Baschmakoff in punkto Verpackung und Flakon gestaltet worden.
Doch kommen wir nun endlich zum Duft. Allein schon von den Ingredienzien wie Grapefruit, Iris sowie Zedernholz und Vetiver kann man ein wenig ahnen, wohin die Reise geht bzw. die Kugel rollt.
Wer jetzt an Terre d´Hermès denkt, liegt gar nicht mal so verkehrt. Doch hier haben wir es es nicht bloß mit einer Kopie oder Adaption, sondern mit einer spannenden Weiterentwicklung zu tun, denn durch die Iris wird dem spritzig-fruchtigen Grapefruit ein pudrig-weicher Kontrapunkt gesetzt.
Auch Vetiver und Zedernholz rotieren mit im Kessel und sind schneller präsent als offiziell angekündigt, womit die Assoziation zu TdH verstärkt wird.
Die Grapefruit-Note ist natürlich jene, welche sich am schnellsten wieder verabschiedet. Was am Ende bleibt, ist weiterhin ordentlich Iris und Zedernholz mit einer leisen Spur Vetiver. Vom Moos nimmt man so gut wie nichts wahr.
Insgesamt gefällt mir „Just Roulette“ außerordentlich gut, obwohl ich seltsamerweise TdH für mich persönlich schon vor über 10 Jahren abgehakt hatte. Doch in dieser gewitzten und clever ausbalancierten Version bekommt das Thema wieder seinen Reiz. Nebenbei frage ich mich, ob man einen ähnlichen Effekt erhält, wenn man TdH mit Infusion d´Iris von Prada layert.
Ja – ich mag diese beinahe widersprüchliche Mischung und wie ich letztens bei Beauty Affair in Düsseldorf gesehen habe, hat man wohl eine exklusive Parfümerie gefunden, welche die komplette Serie anbietet. Da werde ich mir den „She&Male“ sowie den „Try To Follow Me“ auch noch mal vorknöpfen.
Sehr hilfreicher Kommentar, dieser kommt auf die Testliste.
Den Hintergrund des Labels kannte ich nicht. Vorletztes Jahr habe ich LEN entdeckt und mir spontan She&Male zu gelegt und nie bereut.
Mit solchen Storys ist eine Marke bei mir immer schnell abgehakt, d.h. Testen nur durch Zufall. Klingt einfach zu aufgesetzt. Und auch das Bild zum Parfum finde ich sehr uninspiriert. Der Duft klingt aber sehr ansprechend. Danke für die Einführung!
Ach das habe ich wieder gern gelesen. Schöne Duftbeschreibung und wertvolle Informationen zu einem mir noch ganz unbekanntem Dufthaus. Zum Duft selbst würde ich evtl. Nein sagen, da mir TdH schon gar nicht gefällt. Zum Kommentar sage ich aber Ja!
Den Hintergrund des Labels kannte ich nicht. Vorletztes Jahr habe ich LEN entdeckt und mir spontan She&Male zu gelegt und nie bereut.