Eigentlich wollte ich zu diesem Parfum nur ein Statement schreiben, aber hier bedarf es doch mehrerer Worte.
Vor vielen Jahren war das Haus Nicolai eine tolle Entdeckung für mich und ich verliebte mich in einige schöne Düfte und nannte auch einige mein Eigen.
Dann, nach längeren und kürzeren Parfumopausen und das Leeren meiner Flakons, verlor ich das Haus aus den Augen bzw. aus der Nase, bis mir eine nette Parfuma vor einiger Zeit ein paar Abfüllungen neuester Kreationen von P. de Nicolai spendierte. Dabei waren wirklich einige nette Düfte und eben auch Crème Ébène. Hier frage ich mich doch ernsthaft was Madame de Nicolai sich dabei gedacht hat.
Crème Ébène schickt mich in ein Saunatrauma zurück, das ich schon fast vergessen hatte. Früher ging ich gerne saunieren, aber der o.g. Kreuzkümmelknülch hat mir dieses Vergnügen – zumindestens in der gemischten Sauna (obwohl ich immer ein Saunakilt trug, ganz nackig war nicht) – gründlich verkümmelt. Ein sehr dicker, mittelalter Mann, der immer mehr an die Frauen heran rückte, bis die verschreckt den Saunagang beendeten. In den Ruhepausen lag er auf der Liege und mümmelte Falafel mit Kreuzkümmel.
Aber der Duft strotzt nicht nur so von Kreuzkümmelfalafel, sondern auch von Kardamom. Was eigentlich gar nicht schlecht riecht mit seiner Ähnlichkeit zu Muskat, aber hier wird der Pfefferkuchen deutlich überreizt.
Trotzdem sind das Gewürze, die ich eigentlich mag und sogar Safran, aber der macht hier den Kohl nicht fett.
Dann kommt jemand in die Sauna und macht einen Aufguß aus den Nadeln verschiedener Zederarten und ich werde mit Zederzweigen gepeitscht. Soll die Durchblutung fördern, aber was hier durchblutet wurde, ist nur meine Nase.
Wo ist hier das Cremige? Hier kommt keine Lieblichkeit oder ein Hauch von Süße an, der dem harschen Zedernspektakel entgegen steuert. Vanille zeigt sich nicht und Moschus hat sich in die hintersten Sphären der Sauna verzogen.
Noch vor 10 Jahren galt das Haus de Nicolai fast noch als Geheimtipp, stammt doch Patricia aus der großen Guerlain Familie.
Jetzt wirft sie im Stakkato Düfte auf den Markt. Muß sie denn irgendwie mithalten? Ach Mensch Madame, mit diesem Duft bist Du – zumindestens bei mir – durchgefallen.
Wenn man die Nuancen der einzelnen Komponente nicht treffsicher hinbekommt, dann wird das ein Fiasko. Hier war es wohl so. Aber Nicolai's Düfte waren noch nie meins.
Bloß gut, dass ich den Duft vor dem Lesen deiner Rezension getestet habe. Denn dieses Sauna-Trauma kann ich so gut nachvollziehen und seither meide ich solche Zusammenkünfte. Aber zurück zum Parfüm: ich mag ihn sehr 😄.
Ich finde das er überhaupt nicht nach Sauna riecht. Ist ein wunderschöner, würziger Duft für die kalte Jahreszeit. Jeder hat eine andere Empfindung und deshalb einfach mal testen. Die S/H ist bemerkenswert und auf der Haut entwickelt er sich so schön.
Leider kann ich diesen "Untergang" der PdN nur zu gut nachvollziehen...ihre Kreationen der letzten Jahre haben mich weder begeistert noch zum Kauf verführt...(Früher bin ich sowohl in Paris als auch in London immer in eines ihrer Geschäfte gegangen und habe Düfte für meine Freunde und mich selbst gekauft!!!). Es läuft jetzt auch in Paris in den Traditionshäusern so wie auch sonst überall...schau's Dir Caron an, Courrèges, Balmain, Guerlain...und eben auch Patricia. Vermutlich kann man aufgrund der EU-Reformulierungsbestimmungen und des veränderten Geschmacks der jüngeren Käuferschichten nichts mehr produzieren, was uns noch anspricht. Überall sind diese Ambrozenoide drin...
Auch die alten PdNs sind verändert worden...
Für ein so ekelerregendes Saunabild finde ich deine Bewertung des Duftes sehr hoch. Ich kenne ihn noch nicht und möchte ihn auch gar nicht kennenlernen. Für mich sind die Düfte von Patricia de Nicolaï sehr unterschiedlich, was nicht unbedingt mit dem Erscheinungsjahr zu tun hat. So kamen beispielsweise im Jahr 2008 zwei Düfte heraus: der tolle Sacrebleu Intense und der für mich problematische Eau Turquoise.
Danke für die wie immer tolle Rezension! Ich bin auch ein wenig traurig über die Entwicklung, die Parfums de Nicolai nimmt. Bin ein riesen Fan von "Madame" und fand immer, dass ihre Unabhängigkeit und Freiheit von den Tagestrends ihre große Stärke und fast ein Alleinstellungsmerkmal waren. Kreationen wie New York, Vie de chateau (ingestellt, warum??), Odalisque, L´Eau Mixte, Vanille Tonka, Cap Neroli etc. pp sind beredter Ausdruck davon. Aber alle neuen Releases haben diesen Pfad leider verlassen. Die "Gourmandisen" fand ich typischen Standard-Kitsch, Iris Medicis einen mittelschweren Chemie-Unfall (Hauptsache das Zeug hält wie Kleister) und bei Creme Ebene bin ich ganz bei Deiner Einschätzung. Für die neue Laufkundschaft ist das Haus trotzdem nicht "hip" genug und das allfällige "Story-Telling" (Schach oder Antike oder was sich Kreativdirektoren halt so ausdenken) fehlt auch gänzlich. So verprellt man alte Fans ohne bei neuen Käuferschichten wirklich mithalten zu können. Schade!
@Nixnoris Du sagst es. Die o.g. Parfums hatte ich auch fast alle und auch Mahadja und Maharani etc. Die waren noch innovativ irgendwie. Bei Iris Medicis stimme ich Dir zu. Alte Fans werden nun auch schon 40 oder 50 + sein oder wie ich 60 +. Aber vielleicht denkt man sich wir sind schon gestorben.
find den auch nicht sonderlich gelungen... bei Nicolai zeichnet sich schon länger ein generationswechsel ab, und wie es ausschaut geht es in Richtung oriental-gourmand…gähn. von den vorherigen drei gourmand dueften ist angeblich nur einer von Madame gemacht, und zwei davon von den neuen Junior Parfumers im Haus…
Vielleicht wollte Patricia de Nicolaï bei diesem neuen Duft einfach nur aus den alten Erinnerungen zwischen New-York und der Osmothèque in Versailles 'raus? 😉
Eine Retraumatisierung hat sie sicher nicht beabsichtigt...
@Gold Häuser wie Nicolai (oder FB) sind keine reine Nische mehr, die orientieren sich auch an den Verkaufszahlen. Unabhängige ParfumeurInnen, die wirklich aus Idealismus heraus arbeiten, finden sich eher im Indie-Bereich (z.B. Diana St. Clair, vertrieben von Sainte Cellier oder Bogue Profumo). Da wird's dann aber auch abenteuerlich... Ich hab' mir etwa das Discovery Set von Les Abstraits schicken lassen - war sauteuer, aber eher enttäuschend... Ein guter Duft erfordert eben auch entsprechende technische Möglichkeiten und die kosten Geld...
Warum allerdings die (zahlungskräftige) Käuferschicht der Älteren so vernachlässigt wird, wie es derzeit den Anschein hat, kann ich mir auch nicht wirklich erklären. Ein Umstand dabei ist jedenfalls, daß die IFRA und die EU viele Duftinhaltsstoffe verboten bzw. stark beschränkt haben und ein "klassischer" Duft de facto gar nicht mehr verkauft werden darf...
@Gold Du sagst es! Aber die Gruppe der Menschen 40, 50. 60, 70 + ist auch groß und wir sind meistens geschmackssicherer und nicht mehr fremdbestimmt. Beast an sich ist ein dämliches Modewort. Aber wir brauchen keine Bestien, die noch dazu überzuckert sind.
Beast und süß...genau! Aber ein Haus wie PdN wäre besser beraten, wenn es sich diesem Trend nicht unterordnen würde. Carbonnel und Bisch produzieren genug für die Beast Mode - Synthetik-Fans. PdN scheint mir da ziemlich 'lost'. Wenn sie die Älteren mit der anderen Duftsozialisation nicht mehr bedienen können, aber nicht trendy genug sind, um die unter 20jährigen, meist männlichen Kunden abzuholen...
Generell geht heutzutage der Trend nach Beast. Und süß. Die ParfumeurInnen, die noch in den 1980er- und 1990er-Jahren sozialisiert wurden, wie eben Patricia de Nicolaï, hatten ein ganz anderes Geruchsideal. Jüngere Shooting-Stars wie Quentin Bisch oder Chris Carbonnel lassen's da weit mehr krachen. Das macht es schwierig für die älteren.
Den kenn ich noch nicht - aber da ich Kreuzkümmel mag und zum Glück bisher nur angenehme Saunaerlebnisse hatte , könnte er vielleicht eher was sein.
Aber ich kenne es, wenn ein Duft einmal an so ein blödes Erlebnis andockt, ist es schwierig...
Auch die alten PdNs sind verändert worden...
Eine Retraumatisierung hat sie sicher nicht beabsichtigt...
Warum allerdings die (zahlungskräftige) Käuferschicht der Älteren so vernachlässigt wird, wie es derzeit den Anschein hat, kann ich mir auch nicht wirklich erklären. Ein Umstand dabei ist jedenfalls, daß die IFRA und die EU viele Duftinhaltsstoffe verboten bzw. stark beschränkt haben und ein "klassischer" Duft de facto gar nicht mehr verkauft werden darf...
Bitte nochmal schreiben!
Aber ich kenne es, wenn ein Duft einmal an so ein blödes Erlebnis andockt, ist es schwierig...