Einerseits klassischstes Fougère, so sehr old school, das man gar nicht glauben mag es handele sich hier um ein aktuelles Naturparfüm, zumal auch die Haltbarkeit phänomenal ist. Die kräftigen Moosnoten (up yours, IFRA! ), Lavendel, Zistrose, Vetiver, Weihrauch und das Tonka-Coumarin sorgen für eine intensive, waberende grün-heuig-trocken-krautige Nebelwand - wirklich beeindruckend. Inmitten dieses Dschungels aber sitzt nun Dr. Livingston im Hipsteroutfit und schlürft entspannt einen Espresso. Diese perfekt eingepasste Portion Zeitgeist rettet den Duft vor einer bei aller Genialität allzu ironiefreien Retroness und macht ihn zur Fougère-Schwester im Geiste neoklassischer Chypres wie Ma'ai von Bogue - wirklich beeindruckend. Obschon ich nun selber den Dschungel ins Spiel gebracht habe, ist die Conrad Assoziation des Titels für mich tatsächlich nicht stimmig: dies ist kein Or Black (ein wirklich düsteres Fougère), kein Ort enthemmter Wildheit wie Conrads kolonialismusgesättigte Afrika-Phantasmagorie, sondern eher was der Gentlemen Joseph C. im frühen zwanzigsten Jahrundert zum makellosen Anzug getragen hätte. Aber vielleicht sagt das etwas über den Stand unserer durchsynthetisierten Duftkultur aus, in der Axe-Duftsuppe "männlich," Zuckerwatteparfüm "sexy." und jeder Anflug von Körperlichkeit "ihhbääh" ist. Wie dem auch sei: Heart of Darkness, nein; Heart of Fougère: yes - wirklich beeindruckend!