
Marieposa
90 Rezensionen

Marieposa
Top Rezension
30
Pans Labyrinth
Die Rauchwolken der Detonationen sind mir gefolgt bis in das undurchdringliche Schwarz-Grün der nächtlichen Wälder, durch die schneidend scharfen, hochaufragenden Gräser und Farne, bis zu den kargen Ästen des toten Baumes. Mir ist, als könne ich ihre Stimmen in der Ferne hören, wie sie harsche Befehle bellen, den rot glühenden Safranflammen entfliehen oder sich ihrem prasselnden Züngeln ergeben, denn zum Löschen ist es längst zu spät.
Ich schließe meine Finger fester um die drei magischen Steine, damit sie sich in meiner Hand erwärmen wie Leder, krieche auf bloßen Knien durch den Schlamm, hinein in die schier endlose Dunkelheit des Baumes, wo wogende Wurzeln sich wie gierige Finger recken, sich Moos und Flechten mit meinem Haar verweben, sich Käfer und Gewürm um meine Glieder ringeln. Spuren von Brandgeruch sind mir gefolgt, von Benzin. Mit im Schlick versinkenden Händen gelingt es mir kaum, die Steine festzuhalten oder den Tierspuren zwischen den Baumwänden zu folgen, doch ich gebe nicht auf, bis ein Tropfen Blut im Mondlicht leuchtet und verlorene Blüten an totgeglaubten Zweigen sprießen. Denn ich bin Prinzessin Moanna und ich habe keine Angst.
**
Manchmal ist es unglaublich, wie unmittelbar und intensiv ein Duft eine ganz bestimmte Erinnerung oder Assoziation erwecken kann. Im Fall von Le Pere du Noire – an dem ich schon seit einer ganzen Weile herumschnuppere, mich aber bis heute nicht getraut habe, den Duft richtig zu tragen – ist es so, dass ich ganz unmittelbar die Filmmusik von Pans Labyrinth in meinem Kopf höre.
Die Kopfnote, in der ich vor allem die scharfen Facetten von Vetiver, Nagarmotha und Safran wahrnehme, lodert bedrohlich wie ein näherkommendes Feuer, in dem immer wieder kleine Benzinwolken detonieren – und vielleicht fühle ich mich ein bisschen wie Guillermo del Toros Ofelia, als sie am Ende des Films mit ihrem Babybruder im Arm dem flammenden Inferno in Vidals Hauptquartier entflieht.
Die Schärfe hält noch eine Weile an und ich kämpfe mich durch die lanzenartigen, scharfkantigen Blätter von Vetivergräsern, bevor der Duft immer kühler und erdiger zu werden scheint. Offenbar bin ich immer noch Ofelia, aber nun zu einem früheren Zeitpunkt im Film, denn ich sinke auf die Knie und krieche über schlammige Böden ins Innere des toten Baumes. Die erdig-wurzeligen Facetten des Vetiver verbinden sich mit kaltem, bitterem Grün und den rauchig-ledrigen Seiten von Nagarmotha, das eine Erinnerung an das initiale Inferno wachhält. Da ist auch eine mineralische Note, deren Herkunft ich nicht deuten kann, und immer wahrnehmbarer Castoreum. Tiere müssen ihre Fähren auf meinem Weg hinterlassen haben.
Während sich mein Herzschlag beschleunigt, versuche ich, etwas Blumiges im Duft auszumachen. Rosen sind normalerweise nicht meine besten Freunde, aber in dieser schwarzgrünen Dunkelheit wäre mir ihre Süße ein kleiner Wegweiser und immerhin sind sie unter den Duftnoten gelistet. Interessanterweise gelingt es mir erst in der etwas wärmeren, ledrigen Basis, etwas Rosenähnliches auszumachen – ein paar wenige weiche Blütenblätter mildern schließlich den Duft und eine metallische Note, die mich an Blut erinnert, bohrt sich wie eine Nadel in meine Haut. Verwundert bin ich nicht über diese Entwicklung, schließlich wird auch im Film Ofelias Blut vergossen, bevor der totgeglaubte Baum wieder Blüten treiben kann.
Die Duftreise, auf die mich Le Pere du Noire entsendet, ist unglaublich intensiv und genauso fesselnd und verstörend wie Guillermo del Toros dunkles Märchen. Und so, wie der Film die Kraft des Ungehorsam und der Vielstimmigkeit inszeniert, wagt es auch der Duft, sich dem allgegenwärtigen Gefälligkeitsdiktat zu entziehen, ohne die Tragbarkeit einzubüßen.
Einen Filmtrailer gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=nxDKN4wwo5k
Lieber Floyd, ich danke dir für die Testgelegenheit – und auch wenn mir hier Pans Labyrinth in den Sinn kam, bist du selbstverständlich immer noch mein Lieblingsfaun.
Ich schließe meine Finger fester um die drei magischen Steine, damit sie sich in meiner Hand erwärmen wie Leder, krieche auf bloßen Knien durch den Schlamm, hinein in die schier endlose Dunkelheit des Baumes, wo wogende Wurzeln sich wie gierige Finger recken, sich Moos und Flechten mit meinem Haar verweben, sich Käfer und Gewürm um meine Glieder ringeln. Spuren von Brandgeruch sind mir gefolgt, von Benzin. Mit im Schlick versinkenden Händen gelingt es mir kaum, die Steine festzuhalten oder den Tierspuren zwischen den Baumwänden zu folgen, doch ich gebe nicht auf, bis ein Tropfen Blut im Mondlicht leuchtet und verlorene Blüten an totgeglaubten Zweigen sprießen. Denn ich bin Prinzessin Moanna und ich habe keine Angst.
**
Manchmal ist es unglaublich, wie unmittelbar und intensiv ein Duft eine ganz bestimmte Erinnerung oder Assoziation erwecken kann. Im Fall von Le Pere du Noire – an dem ich schon seit einer ganzen Weile herumschnuppere, mich aber bis heute nicht getraut habe, den Duft richtig zu tragen – ist es so, dass ich ganz unmittelbar die Filmmusik von Pans Labyrinth in meinem Kopf höre.
Die Kopfnote, in der ich vor allem die scharfen Facetten von Vetiver, Nagarmotha und Safran wahrnehme, lodert bedrohlich wie ein näherkommendes Feuer, in dem immer wieder kleine Benzinwolken detonieren – und vielleicht fühle ich mich ein bisschen wie Guillermo del Toros Ofelia, als sie am Ende des Films mit ihrem Babybruder im Arm dem flammenden Inferno in Vidals Hauptquartier entflieht.
Die Schärfe hält noch eine Weile an und ich kämpfe mich durch die lanzenartigen, scharfkantigen Blätter von Vetivergräsern, bevor der Duft immer kühler und erdiger zu werden scheint. Offenbar bin ich immer noch Ofelia, aber nun zu einem früheren Zeitpunkt im Film, denn ich sinke auf die Knie und krieche über schlammige Böden ins Innere des toten Baumes. Die erdig-wurzeligen Facetten des Vetiver verbinden sich mit kaltem, bitterem Grün und den rauchig-ledrigen Seiten von Nagarmotha, das eine Erinnerung an das initiale Inferno wachhält. Da ist auch eine mineralische Note, deren Herkunft ich nicht deuten kann, und immer wahrnehmbarer Castoreum. Tiere müssen ihre Fähren auf meinem Weg hinterlassen haben.
Während sich mein Herzschlag beschleunigt, versuche ich, etwas Blumiges im Duft auszumachen. Rosen sind normalerweise nicht meine besten Freunde, aber in dieser schwarzgrünen Dunkelheit wäre mir ihre Süße ein kleiner Wegweiser und immerhin sind sie unter den Duftnoten gelistet. Interessanterweise gelingt es mir erst in der etwas wärmeren, ledrigen Basis, etwas Rosenähnliches auszumachen – ein paar wenige weiche Blütenblätter mildern schließlich den Duft und eine metallische Note, die mich an Blut erinnert, bohrt sich wie eine Nadel in meine Haut. Verwundert bin ich nicht über diese Entwicklung, schließlich wird auch im Film Ofelias Blut vergossen, bevor der totgeglaubte Baum wieder Blüten treiben kann.
Die Duftreise, auf die mich Le Pere du Noire entsendet, ist unglaublich intensiv und genauso fesselnd und verstörend wie Guillermo del Toros dunkles Märchen. Und so, wie der Film die Kraft des Ungehorsam und der Vielstimmigkeit inszeniert, wagt es auch der Duft, sich dem allgegenwärtigen Gefälligkeitsdiktat zu entziehen, ohne die Tragbarkeit einzubüßen.
Einen Filmtrailer gibt es hier: https://www.youtube.com/watch?v=nxDKN4wwo5k
Lieber Floyd, ich danke dir für die Testgelegenheit – und auch wenn mir hier Pans Labyrinth in den Sinn kam, bist du selbstverständlich immer noch mein Lieblingsfaun.
Aktualisiert am 13.10.2024 - 08:20 Uhr
29 Antworten



Java-Vetiver Absolue
Kaschmir-Safran Absolue
Nagarmotha
Hedion
sibirisches Bibergeil
Arabica-Kaffee CO2
bulgarische Rose Otto
spanisches Labdanum Absolue



Can777
ElAttarine
Duftgroupie
Chizza
Cenno






































