Nachdem ich begann, hier zu stöbern, überfallen mich immer mehr Erinnerungen.
Bisher war mir gar nicht bewusst, dass doch so viele, unterschiedliche Düfte meine Kinder- und Jugendjahre begleiteten.
Gut, es ist alles schon recht lange her. Aber wenn man erst beginnt zu graben, kommt Überraschendes zu Tage.
Nachdem ich in frühen Teenager-Jahren Mouson-Lavendel und später Yardley's English Lavender benutze, gehört "Uralt Lavendel" zu den frühen Düften, die ich meiner Mutti zuordnen kann.
Ein Fläschchen lag im Wäscheschrank: ob es ihre geheime Reserve war, weiß ich nicht. Gefragt habe ich nie. Denn verschlossen, wie es war, hätte es doch dort keinen praktischen Nutzen gehabt.
Ich nahm dieses Fläschchen gern in die Hand. Denn wie viele der damaligen "Duftwässer", war auch dieses in einem sehr ansprechenden Glas-Flacon. Es war etwas, das ich mit Freude anfasste.
Eine Flasche war immer in Gebrauch. Nicht nur, um sich selbst und das obligate Taschentuch zu beduften, sondern auch, um dem Kind Gesicht und Hände abputzen zu können.
Was sie ständig an mir herumzuputzen hatte, weiß ich nicht. Denn Essen und Trinken war unterwegs nicht erlaubt; also konnte ich doch nicht klebrig gewesen sein!
Ich weiß nur, dass immer wieder einmal die "guten" "Tempo"-Taschentücher und "Uralt Lavendel" aus der Tasche geholt wurden. Dann hieß es: "Komm mal her! Wie siehst Du wieder aus?"
Und los ging es! Ich erinnere mich, dass ich es an den Händen als recht angenehm empfand. Ich roch dann so gut!
Nur wenn sie begann, mir im Gesicht herumzufuhrwerken, brüllte ich. Das hatte den logischen Erfolg: ich bekam immer Lavendel in den vom Brüllen offenen Mund.
Ich fand das scheußlich und auch lästig!
Während ich dies schreibe, merke ich, dass ich damals doch noch recht klein gewesen sein muss.
Denn wenn wir später unterwegs waren, hieß es: "Hier! Putz Dich ab!"
Nach diesen Erfahrungen ist es eigentlich ein Wunder, dass ich den Duft von Lavendel immer noch sehr schätze. Ganz besonders allerdings die Stauden.
Ich trinke sogar Lavendelblüten-Tee mit Honig. Er soll beruhigend wirken und bei Einschlafschwierigkeiten helfen. Das soll wirklich so sein!
Ich kann das nicht bestätigen, ich bin der Gegenentwurf: mich macht Lavendel unruhig.
Erst vor kurzem las ich einem Roman über Frauen, die Parfum herstellen. Jedes Kapitel wurde mit der Vorstellung eines Duftstoffes eröffnet.
Seitdem weiß ich, dass Lavendel auch eine sehr belebende Wirkung zugeschrieben wird.
Na, da habe ich aber Glück gehabt, dieses Buch in die Hand zu bekommen! Bisher hielt ich mich für besonders närrisch!
Wie es auch sei: die Reinheit des Lavendelwassers ist immer wieder anziehend!
Schön geschrieben :) auf mich wirkt Lavendeltee sehr beruhigend. Hatte mal ne Zeitlang Panikattacken & Unruhe abends, da hat der Lavendeltee immer gut geholfen.
m Glück gabs schon vor einigen Jahren Feuchttücher in kleinen Packungen *ggg* Lavendel-Schorle schmeckt auch sehr gut, habe ich einmal im Allgäu getrunken.
Wunderbar beschrieben, der Duft hat sich dir wohl doch mit allem drum herum tief eingeprägt. Bei uns war's ein ähnliches Geputze&Gereibe, öfter auch mit Omas feinem Stofftaschentuch + 4711.
Ich kann mich erinnern, dass meine Oma sich den mal zu Weihnachten gewünscht hat. Da war ich auch noch ein Kind. Gerochen habe ich ihn aber nie an ihr!