Es musste um das Jahr 1600 sein. Ein tristes Jahrhundert, schattiert von Grau. Ein blutjunge Prinzessin, die sich schon lange nicht mehr aus ihrem Gemach traut und ihr Dasein in ihren eigenen vier Wänden fristet. Kein Ansporn, zu leben. Nur noch vegetieren. Nur noch dem Rausche und dem Fluge in den Himmel, zugeneigt, den der köstliche Wein auslöst.
Immer liegt sie betreten in ihrem Bett und verlangt die ganze Zeit nach Wein. Wasser meidet sie, wie der Teufel das Weihwasser. Viel zu lasch, viel zu langweilig für sie. Sie braucht den Geschmack von saftigen Trauben in ihrem Mund, damit sie sich lüstern mit der Zunge über ihre vollen, roten Lippen, fahren kann. Heimlich träumt sie aber von weiten Veilchenfelder und lässt die eigenen vier Wände in der hintersten Ecke, ihrer Seele , stehen. Nur ein paar Veilchen zierten ihre Nachtkommode. Ansonsten war der Raum komplett abgedichtet und erschien nur bei Tageslicht in einem blassen Orange. Sonnenlicht war auch nie was für sie. Sie erhellte nur innerlich ihren Körper und ihren Geist mit ein paar erdachten, wohlig warmen Sonnenstrahlen.
Wein musste ständig her. Süffig, dezent süß mit einem enormen Farbgehalt, den sie immer so gierig betrachtet hatte. Sattes Rot, das sie zu verschlingen drohte. Dabei weitete sie ihre Augen, wie ein Aasgeier, der eine Beute nur für sich allein, entdeckt hatte. Sie verschmolz förmlich mit der orangen Raumfarbe und dem süffig, roten Wein. Gedanklich tappte sie in ein dunkles Nichts, schloss die Augen. Ohne noch daran genippt zu haben, verfiel sie schon in einen Rausch. Summend wippte sie dabei mit ihrem Kopf. Eine Melodie, die nur sie kannte. Die aber anderen eher Furcht einflößte. Es war ein dumpfer, schwarzer Klang, der ertönte. Er wirkte äußerst belastend, schwer. Und das aus einem fast schon hohlen, sehr mageren Körper. Seltsam war sie. Die unersättliche Prinzessin. Seltsam und sehr wortkarg. Mit einer milchigen, weißen Haut, die wie ein Gespenst in diesem orangen Raum aussah. Wie nicht vorhanden. Seel und herzlos. Das störte sie aber nicht. Sie formte sich ihre eigene Welt und lies keinen daran teilnehmen. Ihre Welt , voller Veilchenfelder und roten Flüssen.
Und wenn dann der erste Schluck kam, so kam auch in ihr die Euphorie hoch. Ihr Blut begann sofort zu kochen. Machte die blasse Haut dezent rot. Sie schmeckte noch das Holzfass aus dem Wein heraus. Ein guter Wein, der hunderte von Jahren in den dunkelsten Kellern, heranreifte. Fruchtige Spritzer gaben dem Wein eine jugendliche Frische, an der sie sich immer schon teuflisch ergötzte. Samtige Tapsen gingen durch den Genuss. Vorsichtig, zahm. Es fühlte sich alles wohlig und vertraut an. Sie aß dabei nur ein paar Kirschen. Reife Kirschen. Einzig und allein, war das ihre feste Nahrung zum flüssigen Wein. Der Rausch war vollkommen. Dieser Wein sollte nur für sie alleine sein. Gedanklich fraß sie alle, wer daran nur seine Lippen ansetzte.
Doch der Rausch hält nicht lange. Schnell geht die Frische der Früchte zurück, das Holz wird blass. Aus süffigen Rotwein wird schnell nur noch eine blasse leicht rote Lake. So musste immer, pausenlos , was her. Immer nachkippen. Ja nicht absetzen. So begab sich die unersättliche Prinzessin in den Rausch ihrer Sinne.
Bloody Wood ist ein hervorragender Duft, der wirklich eine interessante, süffige Weinnote hat. Kirsche ist sehr reif, das Holzige passt perfekt. Fließt schön mit ein. Samtig wirkt der Duft, lässt sich aber von der Frische immer wieder streicheln. Leider vergeht dies nur zu schnell. Denn die Haltbarkeit ist bei mir gerade bei vier bis vier ein halb Stunden. Die Sillage ist auch etwas schüchterner. Schade eigentlich. Denn so gefällt er mir richtig gut und mehr Biss hätte ihm sicherlich auch nicht geschadet.
So muss die unersättliche Prinzessin eben immer einen nachkippen.. Bis zur Bewusstlosigkeit.