AjlenAjlens Parfumkommentare

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Ajlen vor 145 Tagen 8
7
Duft
6
Haltbarkeit
5
Sillage
6
Flakon

Kopfnotenblender
Ich glaube man kann durchaus sagen, dass ein ausgeprägter Duftverlauf in aller Regel als positiv und hochwertig angesehen wird. Oft lese ich so Dinge wie ‚linear‚ oder ‚keine Veränderung’ als eher negatives Merkmal in den Kommentaren und Statements. Wieso eigentlich? Das setzt doch voraus, dass ein Verlauf immer gut sein muss. Ein Verlauf zum Schlechten wird erstaunlich selten thematisiert. Dabei kommt das bei meinen Tests doch mindestens genauso oft vor. Blue Seduction ist mal wieder so einer.

Diese Kopfnotenblender, die mit dem Auftakt punkten und zum schnellen Kauf animieren, kommen für mein Empfinden recht häufig bei Modedüften, wie z. B. den Zaras und bei der Drogeriebückware vor. Blue Seduction kann man wohl zur Drogerieklasse zählen und fällt für mich idealtypisch in die Kategorie dieser Kopfnotenblender.

Der Start hat mich sofort begeistert. Dieser ist meiner Meinung nach sehr gelungen und riecht keineswegs billig. Ich würde ihn als fruchtigen Melonensalat mit Minze beschreiben. Frische, Fruchtigkeit und leichte Süße sind schön austariert. Dabei steuert das Menthol eine angenehm kühlende Note bei. Kommt wirklich super!

Nur leider bleibt es nicht dabei. Die Frische geht doch recht schnell zurück, was man bei einem solchen Sommerfreshie grundsätzlich verschmerzen könnte. Nur leider ändert sich währenddessen auch noch der komplette Dufteindruck und Blue Seduction verliert jegliche Form. Zurück bleibt eine eher blasse, leichtwürzige Basis. Von den angegebenen Noten kann ich zu diesem Zeitpunkt höchstens noch etwas Kaffeewürze wahrnehmen. Der Rest ist undefinierbar, aber dann zumindest nicht mehr so intensiv, dass es stören würde.

Als kompletten Reinfall würde ich den Kauf daher auch nicht sehen. Für etwa zwei Stunden bekommt man eine sehr angenehme Frische geboten, danach wird’s schwach und nichtssagend. Das sollte man vor dem Kauf bedenken.
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Ajlen vor 9 Monaten 3
4
Duft
8
Haltbarkeit
8
Sillage
7
Flakon

Lass mich kurz überl...... Nein.
Auf den hier war ich sehr gespannt. Und ja, das ist wirklich mal was ganz anderes. Nur leider gefällt es mir so gar nicht. Und schön riechen kann ich mir den auch nicht.

Es handelt sich um eine eigentlich sehr interessante Kombination aus (ge)würzigem Grund mit minzig-frischem Aufbau. Darüber schwebt noch etwas wenig definierbares, irgendwo zwischen pudrigem Schleier und Synthi-Aquatik. Diese zimtartige Aquatik erinnert mich stark an Montblancs Présence (den ich nicht mag) und der süßwürzige und doch frische Anteil ist nah an Davidoffs Relax (den ich sehr gerne mag). Das klingt nicht nur chaotisch- es ergibt auch wirklich kein rundes Bild. Für mich riecht das von Anfang bis Ende total überladen und sehr, sehr unharmonisch. Interessant, anders und ungewöhnlich ist eben doch nicht immer gut.

Nun hab ich ihm mehrfach eine Chance gegeben. Es muss ja nicht immer die Liebe aus den ersten Blick sein. Aber schönriechen is hier wie gesagt irgendwie nicht. Eher im Gegenteil: je öfter ich ihn benutzt habe, desto unangenehmer wird er mir. Eine Premiere- das hatte ich so bislang noch nie.

Ob ich den behalten will? Lass mich kurz überl...... Nein.

Ajlen vor 10 Monaten 14
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage
7
Flakon

Der Schlechtwetter-Vetiver
Es ist schon eine Weile her, da hab ich mich im Forum auf die Suche nach Vorschlägen gemacht für einen passenden Duft auf Vetiverbasis. Es kamen viele tolle Tipps zusammen und die meisten davon habe ich ausprobiert. Am Ende bin ich zu dem Ergebnis gekommen, dass es nicht nur einen geben kann. Zu vielseitig und vielschichtig ist dieses Gras. Und zu abwechslungsreich ist, was die Parfumeure daraus gemacht haben. Am Ende wurde es dieser hier für die kühleren Monate und Elie Saabs Essence No. 6, dem ich zu gegebener Zeit auch noch einen Kommentar spendieren werde, für Frühjahr und Sommer.

Encre Noire Sport ist sehr Encre Noire und wenig Sport- eigentlich eher gar kein Sport. Er ist eine sehr grüne Variante, weshalb ihm der Name Encre Verte eigentlich viel besser gestanden hätte. Grapefruit frischt die dunkle DNA deutlich auf und Zypresse sorgt für eine zusätzliche kühle Note, die mich an neblig-kalte Morgenstunden im November denken lässt. Überhaupt wirkt der Duft zwar zu Beginn viel heller und freundlicher als das Original, bleibt für mich aber im Herzen genauso knarzig und unterkühlt und damit nicht viel zugänglicher.

Die herben und holzigen Aspekte des Vetivers werden durch diese Zusammenstellung besonders hervorgehoben. Für mich funktioniert das hervorragend, aber eher im Herbst und Winter und da insbesondere als Kontrast zu den vorherrschenden würzigen bis gourmandigen Düften. Gerade wenn man so wie ich gerne Parfums im Wechsel trägt, ist Encre Noire Sport eine gelungene Abwechslung in der kalten Jahreszeit. Eben ein perfekter Schlechtwetter-Vetiver.

Es mag auch an diesem regelmäßigen Wechsel liegen, aber für mich hat Encre Noire Sport ausreichend Power. Morgens aufgetragen, kann ich ihn abends immer noch gut wahrnehmen. Er strahlt aber nur zu Beginn kräftiger ab und bleibt in der Folge eher körpernah. Der Flakon ist typisch Lalique: schön und wertig. Praktisch im Handling ist das Format aber leider nicht.

Nochmal herzlichen Dank an die Community für die Hilfe bei der Suche, die zu diesem hervorragenden, wenn auch eher düsteren Wintervetiver geführt hat.
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Ajlen vor 12 Monaten 8
7.5
Duft
8
Haltbarkeit
6
Sillage
6
Flakon

Fruchtjoghurt
Zur Veranschaulichung dieses Duftes möchte ich gerne Fruchtjoghurt heranziehen. Hersteller, Marke und Sorte sind erstmal egal, aber billig sollte er sein. Wir alle kennen diesen Fruchtjoghurt. Und allseits bekannt ist auch, dass das Natürlichste, das so ein Joghurt jemals gesehen hat, vermutlich das Pausenobst des Chemielaboranten ist, das er auf dem Weg vom Kühlschrank zur Spüle an den ganzen Reagenzgläschen vorbeigetragen hat. Und trotzdem, wider besseren Wissens und gegen jede Vernunft: Mir schmeckt´s.

So ungefähr kann man sich also auch New Game von La Rive vorstellen. Durch und durch synthetisch. Irgendein undefinierbarer Fruchtersatzriechstoff (in etwa Typ frisches Apfelkompottimitat) trifft auf eine Art Universalgewürzmischung (am ehesten Typ pseudoorientaler Kräutertraum) trifft auf irgendeine generische Kunstholzbasis (vermutlich Typ "Sweet Pressspan"). Darüber liegt von Anfang bis Ende ein vollsynthetischer Duftschleier ( definitiv Typ Haarlack aus der 500ml Discounter-Familiendose). Und trotzdem, wider besseren Wissens und gegen jede Vernunft: Mir gefällt´s.

Im Gesamtpaket riecht das ausgewogen frischfruchtig, leicht würzig und durchweg sauber. Besagter Synthetikschleier macht ihn für mein Empfinden sogar noch moderner und irgendwie urban. Er fällt mir mich in die Kategorie Immergeher, No-Brainer etc. Ich denke ihr wisst, was ich meine. Hält auch solide, bei moderater Sillage. Mein einmaliger Test von Azzaro Wanted liegt zu lange zurück um mich daran zu erinnern. Daher kann ich nicht beurteilen, wie nah die Verwandtschaft ist. Aber auch ganz stand-alone betrachtet macht New Game für mich schon eine gute Figur.

Mein Fazit: Günstiger "daily rocker", mit dem man sicher nicht aneckt. Eher solide als Hype. Für den jungen oder junggebliebenen Mann ohne Synthetikphobie. Eher casual als elegant und eher Tag als Club. Not bad!
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Ajlen vor 13 Monaten 2
7
Duft
5
Haltbarkeit
5
Sillage
6
Flakon

Le Proll
Die Querverweise führten mich vom DK Men, einem meiner absoluten Favoriten, hierher. Und tatsächlich ist Le Dandy in der Basis sehr nah dran. Doch zu Beginn des Duftes fühle ich zuerst an einen anderen alten Bekannten erinnert.

Überreife Früchte- für mich sticht Pfirsich und etwas Plaume hervor- machen den Auftakt. Die eher undefinierbare alkoholische Komponente gibt dem ganzen einen leicht gärenden Eindruck. Ich bekomme im Zusammenspiel mit den Gewürzen Rumtopf-Assoziationen. In dieser Phase könnte man Parallelen zum Auftakt von Paloma Picassos Minotaure ziehen. Die beiden teilen sich die etwas menschelnde Obstigkeit, gehen aber ansonsten komplett unterschiedliche Wege.

Auch Le Dandys Duftherz weckt Erinnerungen. Die Zusammenstellung der Gewürze hat etwas vom Vintage Égoïste, sobald sich die Früchte zurückgenommen haben. Leider ist diese Phase sehr Chanel wieder verflogen (5 Euro in die Kalauer-Kasse) und ich habe das Gefühl, mehr oder weniger gleich im Anschluss zur Basis zu kommen. Diese ist wie eingangs erwähnt dem DK Men / Fuel for Men sehr ähnlich: milde Hölzer und Gewürze auf einem Bett aus Verloursleder.

Nun ist das Ergebnis sprichwörtlich mehr als die Summe seiner Teile, was sich hier leider negativ bewahrheitet. Die Bestandteile sind gut gewählt, aber schlecht arrangiert. Trotz einiger schöner Momente lässt sich nicht darüber hinwegsehen, dass das Gesamtbild wenig dandyhaft und elegant sondern eher grobschlächtig gezeichnet wirkt. Auch andere Werte lassen mich eher an einen Proll als an einen Dandy denken: so wirkt der Flakon zwar schön gemacht, der Zerstäuber ist aber von der plumpen, rotzigen Art. Ähnlich patzig ist auch die Performance: Zu Beginn vorlaut, dann eher kleinlaut und dann verdammt schnell weg. Dicke Hose und so.

Schlussendlich tu ich mich hier mit der Einordnung sehr schwer. Der Duft ist zu gut für eine schlechte Bewertung und gleichzeitig zu schlecht für eine gute Bewertung. So kann Le Dandy, der eigentlich mehr Le Proll ist, bei mir leider nicht wirklich punkten.
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