Zu schön um wahr zu sein.
Was für Duftnoten!
Ich hatte mich schon gefreut. Beim Start legt dieser Duft sich so richtig ins Zeug und präsentiert eine wunderschön fluffig-mandelige Amarettinote. Hatte mich auf Kokos gefreut, war leider nicht dabei, aber egal.
Das ganze dauert so ca. zwei Sekunden. Kein Scherz. Nur zwei Sekunden pure Freude. Yay!
Dann folgt der Absturz. Keine Ahnung wo sich die oben genannten Noten versteckt halten oder ob die Mischung komplett missglückt ist, nach dem Motto: Wir mischen das da oben zusammen, wird schon klappen.
Ich bekomme einen angekokelten Marshmallow in Reinform. Kennt ihr das, wenn der Marshmallow im Lagerfeuer teilweise verbrennt und so eine Kruste bildet? Das riecht dann verbrannt und etwas säuerlich.
Und genau diese Note bleibt dann auf meiner Haut übrig und sie verändert sich dann auch nicht mehr. Mit ganz viel olfaktorischer Vorstellungskraft kann ich noch ein winzig kleines Minimolekül Honig wahrnehmen.
Vielleicht ist es ein Fantasieduft und ich soll mir Honig und Mandeln vorstellen anstatt des Kokelmarshmallow.
Wo bist Du hin?
Oh geliebte Loulou wo bist Du bloß hingegangen? Ich hatte Dich als Teenagerin in Form eines Splash Flakons. Deine Dosierung war dadurch gar nicht so einfach: Platsch auf die Finger und dann irgendwo im Hals–Dekolleté–Bereich verreiben, oder so ähnlich.
Du warst überall präsent und zu haben. DER Teenieduft der ausgehenden 80er Jahre. Ein Kind seiner Zeit, anders als die madamigen Düfte der Mütter. Der Flakon war seltsam, irgendwie unpassend zum Namen und sehr unhandlich. Dieses hellblaue Hexagonplastikding mit dem bordeauxfarbenen Verschluss.
Du warst damals schon extrem pappsüss und schwer mit einer Monstersillage, aber auch irgendwie jung, schön, anders und einzigartig. Vorher gab es keine Deiner Art.
Jetzt habe ich Dich nochmal getestet, einfach um in Erinnerungen zu schwelgen. Nein, das bist nicht Du, der hier ist anders, der ist stark reformuliert.
Es empfängt mich eine Katzenpipinote, stechend, kratzig und dann eine schwüle Süsse, der jegliche Weicheit von damals fehlt und an Kaugummi erinnert. Sie haben Dich kaputtgemacht.
Halten tust Du auch nur ein paar Stunden und dann bist Du restlos verduftet.
Ganz schön Wummsig
Doctor Mi ist eine Kosmetikfirma, die sich auf medizinische Hautpflegeprodukte spezialisiert hat. Letztes Jahr hat sie zwei Düfte auf den Markt gebracht auf die ich hier bei Parfumo gestossen bin.
Da ich, was Düfte angeht durchaus süss mag, hat mir Duftpyramide von Love Mi sehr zugesagt, also musste er her.
Der Flakon kommt ganz unschuldig daher und lässt nicht erahnen was für ein Haltbarkeits- und Sillagemonster sich darin befindet. Lediglich die Farbe der Flüssigkeit lässt erahnen, dass er nicht ganz so harmlos sein könnte.
Erstmal vorsichtig am Sprühkopf geschnüffelt: Interessant und auf jeden Fall süss. Dann einen (!) Sprüher auf das Handgelenk gesprüht: Wow, der macht keine Faxen der geht gleich so richtig ab!
Es entfaltet sich zunächst eine blumige Süsse, Karamell und Tonkabohne sind sofort präsent. Dann wird die Tonkabohne dominant und er wird für einige Zeit leicht staubig. Ich dachte mir so: Huch, was passiert den da?
Aber dann wurde er einiger Zeit zu einem süssen Orientalen, der entfernt an Casmir von Chopard erinnert, allerdings ohne dessen penetrant stechende Eigenschaften, eher weich und rund.
Vanille, Karamell und Tonkabohne übernehmen die Führung und vereinen sich auf der Haut zu einer honigsüssen Melange, die stundenlang hält.
Ich hatte nur einen Sprüher auf dem Handgelenk und ich konnte den Duft den ganzen Tag sehr gut wahrnehmen. Als er seine Basis erreicht hat, blieb er unverändert und vor allem unverändert stark.
Einordnen würde ich ihn eher zu besonderen Anlässen und eher im Herbst/Winter, da er nach meinem Empfinden sehr süss und sehr stark ist.
Auf jeden Fall ist er für alle einen Test wert, die süsse Orientalen mögen.
Wo sind sie denn alle hin
Zunächst sei gesagt, dass die Duftpyramide der von Cheops alle Ehre macht. Umso neugieriger war ich natürlich diesen Duft zu testen und war ganz gespannt, was das wohl für ein Schätzchen sein würde.
Am Anfang rieche ich nur Holz und Rauch, alles was in der Kopfnote sein soll, entzieht sich komplett meiner Nase.
Ein bischen Rose mit Schafskäse und Honig lassen sich kurz blicken bis dann Ambra mit den Aldehyden eine unglückliche Verbindung eingeht die mir leicht in die Nase beisst.
Warum erschafft man ein Parfüm mit so vielen Duftkomponenten wenn am Ende nur Holz und Rauch rauskommt. Die leichte Schafskäsenote ist wohl das berühmt berüchtigte Oud.
Also am Lagerfeuer gegrillter Schafskäse, das trifft es für mich.
Später im weiteren Verlauf wird er dann etwas gefälliger und tatsächlich etwas süss. Vielleicht bahnt sich der Honig seinen Weg durch das Oud.
Einer Wertung enthalte ich mich, da sich mir dieses Kunstwerk leider nicht erschliesst, aber vielleicht braucht meine Nase noch etwas mehr Schulung.
Der Flakon ist jedoch grossartig, den habe ich bewertet.
Vanille ganz hinten
Auf der Webseite wird dieser Duft als sonnige Vanille beschrieben. Er startet tatsächlich hell, leicht zitrisch, aber auch etwas herb.
Auf der Webseite verspricht der Duft eine Reise zu exotischen Inseln und traumhaften Stränden. Ich komme mit diesem Duft ehrlich gesagt nicht weiter als bis zum Mittelmeer. Da hat die Marketingkeule etwas zu dick aufgetragen. Wenn ein Duft so etwas in meinem Kopf auslösen soll, muss schon etwas mehr dahinter sein.
Tatsächlich rieche ich Pfeffer, Sandelholz und herbe Grapefruit. Nach und nach gesellt sich eine leichte Radiergumminote dazu, was dem Duft leider eine gewisse Künstlichkeit gibt.
Von den SD Düften für mich der schwächste. Eine schöne warme Vanille vermisse ich, er schliesst zitrisch-holzig mit einer kleinen Prise Vanille ab.
Dürfte Damen und Herren gut stehen.