CaligariCaligaris Parfumkommentare

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Caligari vor 15 Tagen 16
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Duft
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Haltbarkeit
8
Sillage
8
Flakon

Grüner, animalischer Urzeit-Verrottungs-Rauch-Prozess
Das Extrait de Parfum von Top Shelf stand schon immer in einer Reihe mit No Prefume von The Zoo und Maderas de Oriente Oscuro von PK Perfumes. Zwei wirklich mutige und brachiale Düfte der letzten Jahre. Und er hat auch eine enge Verwandtschaft mit Tyrannosaurus Rex von Zoologist. Was Eliese, die ja ansonsten in ihrem kleinen, aber exquisiten Programm eher sanfte Noten anschlägt, bei der Entwicklung dieses Duftes angetrieben hat, würde ich nur zu gerne genauer wissen. Angesichts des übrigen Portfolios gleicht es einem Urschrei von ihr.

Dieser organische, verstörende Rauch. Als hätte sich der oben genannte T-Rex neben einer Schwefelquelle erleichtert und sich dabei die Haut versengt. Animalisch, dunkelgrün, feuchte Verrottung. Unbeschreiblich und einzigartig. Man kann die Hand nicht mehr von der Nase nehmen, so faszinierend ist diese ungewöhnliche Kombination.

Das Pure Perfume beginnt lieblicher als das Extrait. Es trägt eine leichte Fruchtigkeit in sich, die es noch mysteriöser macht. Macht-e! Denn schon nach wenigen Minuten liegen wir genau auf der Linie des Vorgängers, denn ich schon vor knapp einem Jahr von meinem lieben Sammlerkollegen Maggy4u übermacht bekam. Er kennt mich halt und landete damit bei mir einen Volltreffer.

Auch war es er, der mich schon über die Ankündigung des Pure Perfumes informierte, da er im Kontakt mit Elise steht. Da konnte ich nicht anders als ja zu sagen. Und so waren wir dank Maggy4u die Ersten, die durch ihn diese Preziose erhalten durften. Vielen Dank an dieser Stelle für deine stets willkommene Unterstützung! Wir haben uns sehr über dieses Kleinod - im wahrsten Sinne des Wortes - gefreut!

Das Pure Perfume ist für den Träger selbst. Es bleibt bei dir und kleidet dich ganz nah. Intimer. Und es ist daher sehr zuträglich, dass es vollmundiger und tiefer als das Extrait ist, was auch am genüsslicheren Konsum hängen mag.

Der Flakon ist ein Hingucker, sehr ungewöhnlich und äußerst fragil. Es ist nichts für die Reise oder zwischendurch. Dahingehend ist das Konzept konsequent. Es ist für die stillen und intimen Momente zuhause.
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Caligari vor 1 Monat 12
8.5
Duft
8
Haltbarkeit
7
Sillage

Glatteis²
Angesichts der bisher abgegebenen Bewertungen mutmaße ich mal, dass da offenbar entweder ein paar Unbedarfte oder ein paar Pseudo-Ramstein-Fans wohl etwas überrascht wurde. ☺ Bei mir war es genau umgekehrt. Denn tatsächlich war es eine Blindprobe und ich dachte: "Wow!!! Was für eine perverse Gothic- / Independent-Klitsche aus den USA hat denn diesen Kracher vom Stapel gelassen. Animalisch (aber so richtig), rauchig und würzig. Dreckig, kurz vor Barnyard. Was für ein toller Duft." Und dann kam die Auflösung vom edlen Spender (Danke Groover60) und ich traute meinen Augen und meiner Nase kaum. Schade, dass es nur ein EdT ist. ☺
Gefreut habe ich mich hingegen über die Produktbeschreibung auf der Homepage von Ramstein:
"Das ist ein extremes Produkt und nicht für den täglichen Gebrauch bestimmt – nichts für Zartbesaitete!"

"Extremes Produkt"?
"Nicht für den täglichen Gebrauch"?
Also wer schreibt denn so was? ☺

Für viele eine unangenehme, für mich jedoch eine angenehme Überraschung.
5 Antworten

Caligari vor 1 Monat 19
9
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Deep Black Sedation Coffee Oud
Beim ersten Angeruch meinte ich "Oud Luwak", zumindest sein Zwillingsbruder wäre wieder auferstanden. Aber "Agar de Noir" ist weit mehr als eine Ergänzung. "Oud Luwak" ist zwischenzeitlich nicht zuletzt aufgrund von Möhrensaft auf der einen und Narde auf der anderen Seite zu einer Oud-Ikone geworden, die unverwechselbar ist. Er ist laut, auffällig und ungestüm. Verhaltensgestört, aber nicht lästig. Und auch er enthält Kaffee, aber…

"Agar de Noir" hat die Kraft der Wärme. Das Besänftigende, was "Oud Luwak" fehlt. Die Ausreißer werden hier durch eine sehr große Portion Kaffee eingefangen. Keine Frage. Die beiden hier verwendeten Ouds sind ebenso non-konformistisch wie bei "Oud Luwak", aber sie lenken nicht von der grundlegenden Ruhe ab, die dieser Duft ausstrahlt. Es ist ein Oud-Duft, der den schwärzesten Kaffee den ich kenne in sich trägt. Und auch wenn man sie nicht direkt wahrnimmt, die Basisnoten aus Balsam, Labdanum und Tonkabohne potenzieren die von den beiden Hauptprotagonisten ausgebreitete Ruhe und lassen eine schwarz-braune, kuschelige Decke entstehen.

Es dauerte einige Stunden, bis ich die sublime Wirkung dieses Duftes erkannte. Ohne überhaupt sein Augen- bzw. vielmehr sein "Nasen-Merk" auf den Duft zu richten, vereinnahmt er dich und hüllt dich in Wohlbefinden.

Es gibt einige Oud-Öle und auch Attars, die diese Entspannung bei mir hervorrufen. Bei sprühbaren Düften ist das aber sehr selten der Fall. In "Agar de Noir" treffen sich Dunkelheit, Wärme und Kraft, ohne jedoch Aufmerksamkeit zu wollen. Und das ist schon eine Kunst, bei einem so potenten Duft, der locker einen ganzen Tag überdauert.

Vielen Dank liebe PallasCC für diesen wunderschnönen Duft, den ich nie auf dem Schirm hatte und der mich nun in seinen Bann gezogen hat.

PS: Obwohl ich nicht sonderlich viel Wert auf das Äußere, in diesem Fall auf den Flakon lege, muss ich hier mal meine Begeisterung zu diesem Kunstwerk zum Ausdruck bringen. So sollten alle hochwertigen Extraits verpackt sein! Der Flakon sieht nicht nur sehr hübsch aus, sondern er funktioniert tadellos und liegt optimal in der Hand, was nicht zuletzt auf das sehr dicke Glases und den massiven Metalldeckel zurückzuführen ist.
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Caligari vor 2 Monaten 20
9
Duft
10
Haltbarkeit
9
Sillage
9
Flakon

trocken, wenig Schatten, karge Landschaft, Lagerfeuer, Pferd mit Ledersattel, kaum Gelegenheit sich zu waschen... Freiheit!
Desperado. Wie passend!

So riecht man, wenn man wochenlang in der Prärie umherzog und sich die Gerüche von Pferd, Leder, Lagerfeuer, Wüste, Holz und Harz in den Kleidern verfangen haben und die Patina aus diesen Gerüchen sich mit der Zeit in die Haut frisst.

Wer, wie ich es tue, der Natur in ihrer eher vegetationslosen, minimalistischen und niederschlagsarmen Form nahesteht, dem werden sich beim Genuss dieses Duftes entsprechende Bilder vor die Augen schieben. Die Schönheit einer "entkleideten", "ungarnierten" Landschaft, die die Sinne auf das Wesentliche reduziert und dadurch die Aufmerksamkeit wie einen Schirm aufspannen lässt. Der weitgehende Wegfall akustischer Reize lässt die Gerüche mit dem Sichtbaren verschmelzen. Ich befinde mich im Südwesten der USA, den Steppen Sibiriens oder der Wüste Gobi in der inneren Mongolei und die Sehnsucht nach diesen Orten macht sich in mir breit.

Die schweren, dunklen Ouds sind die Basis dieses lauten und unbequemen Duftes. Raffiniert ist die Beimengung von Zeder, Bergamotte, Zitrone und Ingwer, die aber nicht die Kraft haben, diese unerschütterliche Grundlage zu verändern. Sie ergänzen sie, in dem Sie einen scharfen Rauch generieren, wie man ihn von versotteten Kaminen her kennt.

Die Basis aus Amber, Sandelholz und Tolubalsam ist glücklicherweise angenehm schwach. Sie kappt nur die Spitzen dessen, was ansonsten zu laut verbrannt oder verglüht wäre. Darüber hinaus bewahren sie die von den potenten Ouds ausgehende Wärme, indem sie sie in ein trockenes Fell schlagen.

Durch das Guajakholz wird schlussendlich noch eine Schaufel feuchen Drecks bzw. Torfs ins Feuer geworfen. Die dadurch animalisch wirkenden Noten suggerieren das Vorhandensein von Zibet und Hyraceum.

Hans Georg Staudt hat einmal eine Geschichte zu einem Duft geschrieben, in der es um eine Figur geht, die monatelang durch den Orient und die Steppen Asiens zieht, um dabei Rohstoffe für seine Duftkreationen zu sammeln. Diese Figur erscheint vor meinem Auge, wenn ich dieses trockene, harsche und blumenlose Extrait genießen darf. Tagelang auf dem Rücken seines treuen Begleiters durch die trockene Steppe, nachts vorm Lagerfeuer und nur selten die Gelegenheit für eine ausgiebige Wäsche. Ich fühle mich an meine Reisen in die oben beschriebenen Gegenden zurückversetzt.

Vielen Dank für diese in Flaschen abgefüllten Erinnerungen und Sehnsüchte. Und danke, dass dem Meisterwerk Pallas nun die zweite Figur der Geschichte zur Seite gestellt wurde.
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Caligari vor 2 Monaten 19
8.5
Duft
9
Haltbarkeit
8
Sillage
10
Flakon

Unverhofft kommt...
... bei mir, was Düfte anbelangt, eigentlich leider nicht oft, sondern eher ziemlich selten.

Die Probe davon hatte ich vor ca. einem halben Jahr schon unter der Nase. Ich mochte Bortnikoff (am Anfang) sehr. Aber irgendwie wurde dann offenbar recht schnell eine hauseigene Hobelmaschine und einige Bögen Sandpapier angeschafft, um das zu glätten, was für mich die anfangs sehr geschätzte Urwüchsigkeit der Bortnikoffs ausmachte.

Als ich dann jedoch eine Probe von Sayat Nova unter die Nase bekam, war ich wirklich überrascht. Ich dachte nicht, dass Dimitry noch mal so rücksichtslos mischen und auch noch abfüllen würde. No h mehr überrascht war ich dann von den, für botnikoff'sche Verhältnisse, unterdurchschnittlichen Bewertung hier auf Parfumo.de. Sayat Nova und ich, sind wohl etwas aus der Zeit gefallen. Nach nur zwei Jahren? Für mich war und ist es nach Mysterious Oud (Extrait de Parfum) der einzige Blrtnikoff, den ich sehr gerne hätte.

Sayat Nova ist ein extrem oud-lastiger Duft. Im Prinzip könnte er so auch als reines Oud-Öl existieren. Mit zwei Ausnahmen. Der Spagat zwischen mittlerer Holzigkeit und gleichzeitig extremer, etwas heller Rauchigkeit ist mir so von keinem einzelnen Oud-Öl bekannt, weswegen die drei aufgeführten Oud-Sorten sehr nachvollziehbar sind. Dazu kommt noch eine scharfe, fast ätherische Note, die sich bis ins Hirn hinaufzieht. Mutmaßlich von der Aprikose, verbunden mit eben diesen Ouds. Ich mag diese Holzqualm-Düfte, wie sie in zahlreichen Varianten z. B. von Kerosene angeboten werden. Aber Sayat Nova tritt deren gesamtes Sortiment in die Tonne. Hier überflügeln die natürlichen Ingredienzien die Vorgenannten um ein Vielfaches. Dazu kommt noch die kompromisslose Kraft, der beinahe schwarzen Flüssigkeit. Ihn zu tragen ist für mich bewusstseinserweiternd, weil Anspruch, Qualität, Leistung und Alleinstellung einhergehen. Der Duft vereinigt so viele gute Eigenschaften von Oud, dass ich ihn als einen der besten Oud-Düfte einstufen möchte. Jeder, der Oud an und für sich mag, jedoch mit dem tupfen von Oud-Ölen "Berührungsängste" hat, sollte vielleicht hier mal seinen Frieden damit schließen, um so die Kraft von Oud an sich heran und wirken zu lassen.

Kennt ihr das? Es gibt die Düfte, die man unbedingt gleich haben will, damit sie flux von der Wunschliste verschwinden und diese endlich verkürzen. Und die anderen, bei denen man an eine solch rasche Lösung nicht so recht glauben mag. Aber kann man so einen Duft wie all diejenigen behandeln, die gar keine Begehrlichkeiten weckten? Wohl kaum. Für solche Düfte habe ich eine eigene Rubrik. Und wenn du dann ein Paket erhältst, dieses öffnest und darin dann völlig unverhofft einen Duft von dieser "möcht' ich gern, krieg ich aber eh nie"-Liste entdeckst, dann ist das um ein Vielfaches schöner als deine # 1 der Most-Wanted-Liste ganz unsexy im Onlinehandel zu bestellen, wie geplant vom Paketboten entgegenzunehmen und abzuhaken.

Danke PallasCC für die Erfüllung von dem, was für mich kaum erreichbar und noch mehr als ein Wunsch war. ♥
10 Antworten

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