Login

DonCologne

DonCologne

Rezensionen
6 - 10 von 12
"So willst du doch nicht etwa zu den Bauarbeitern?!"
Es war Spätsommer und ich plante einen längeren Besuch bei meinen Eltern. Da es mir bei Herrenklassikern - zum Unmut meines Portemonnaies - des Öfteren in den Fingern juckt, wurde "Pour Un Homme de Caron" von mir gleich direkt zu meinem Elternhaus bestellt, so dass die Vorfreude der Ankunft für mich gleich doppelt groß war. Wie ein Klassiker aus den 30ern, der heute noch ver- und vor allem gekauft wird, wohl riechen würde?!

Bei Ankunft waren gerade Bauarbeiter/Handwerker auf dem Grundstück meiner Eltern zugange. Es hieß auch gleich, dass draußen womöglich noch etwas Hilfe beim Tragen schwerer Klinkersteine benötigt würde. Als "Mustersohn" ; ) habe ich natürlich auch gleich meine Hilfe angeboten, die dankend angenommen wurde. Also schnell alte Klamotten an und ja...warum nicht gleich auch mal ein paar Spritzer vom neuen Caron ausprobieren, damit das Arbeiten nicht zu fad wird (ich hoffe in diesem Forum, wird man für solche Eigenarten, im Gegensatz zu meinem sonstigen Umfeld, nicht belächelt ; ) ).

Ich wollte soeben zur Tür hinaus, als meine Mutter mir hinterherrief: "So willst du doch nicht etwa zu den Bauarbeitern gehen? Schrecklich süß...die werden denken, dass du vom anderen Ufer bist und die bezirzen möchtest!" Hach jaa...wie ich meine Mutter für ihre äußerst differenzierten Kommentare zu manchen meiner Düfte liebe. ; )
Trotzdem sind wir nun auch gleich bei meinem Kernproblem mit dem Duft: die starke Vanille!

Der Duft: Ist für meine Begriffe sehr puristisch gehalten. Da wären nämlich Lavendel und Vanille. Wäre es ein Tom Ford, würde er wohl "Lavender Vanille" heißen. Der Lavendel hier bei Caron wirklich wunderschön authentisch gehalten. Erst neulich kam ich aus einer Wohnung und dachte, dass hier jemand Caron PUHDC tragen würde, dabei waren es nur ein paar Lavendelpflanzen in der Sonne direkt neben der Haustüre. Die Vanille könnte für mich etwas dunkler und trockener sein, kommt aber eher gelblich, lieblich daher. Der Duftverlauf ist so, dass nach anfänglicher Lavendelexplosion, die Vanille schnell ins Spiel kommt. Würde der Duft nach 10 Minuten stoppen, wäre für mich die Balance perfekt. Aber die Vanille überholt einfach mit der Zeit den Lavendel und nimmt mir zu sehr überhand. Obwohl natürlich eine gewisse Lavendelgrundnote über die ganze Zeit hinweg erhalten bleibt, wird er mir schlussendlich eine Spur zu süß. Also wieder was dazugelernt: Auch alte Herrenklassiker können ziemlich süß sein. ; )

Obwohl ich ein Herz für Düfte mit Bestand habe, bzw. da immer sehr neugierig bin, musste der Flakon schlussendlich weiterziehen. Ich hoffe er und der neue Besitzer werden besserer Freunde.
8 Antworten
Gezuckerter Grasovka
Vorab: Die Rezension bezieht sich auf eine Abfüllung. Ich gehe jedoch stark davon aus, dass es sich um eine aktuelle Formulierung und keine Vintage-Version o.Ä. handelt.

Duft: Der Titel sagt es bereits. Mich erinnert die Hauptnote sehr stark an den bekannten Grasovska Wodka, welcher mit Bisongras aromatisiert wird. Insofern kann ich das "Grüne" des Dufts gut nachvollziehen, wobei es für mich keine natürliche, organische Grüne (wie man es von so manchem Nischenduft gewöhnt ist), sondern eine eher ins synthetisch gehende Grüne für mich ist. Der Duft hat definitiv auch eine Süße (die von mir aus an Zuckerwatte erinnern kann), die ihn aber keinesfalls ins Feminine abdriften lässt (dafür ist der maskuline grüne Wodka-Touch zu dominant). Vom hier oft beschriebenen Leder, welches mich zum Testen auch hauptsächlich bewegt hat, rieche ich hingegen nichts wirklich, also für mich kein Lederduft! Einen großartigen Duftverlauf kann ich nicht feststellen, aber die Hauptnote ist an die 3-5 Stunden gut präsent, danach schwächelt er m.E. schon sehr.

Fazit: Ein nicht unorigineller Duft, welcher bei Vielen auf Gefallen stoßen dürfte. Er ist männlich und irgendwo auch sexy (es gab für ihn durchaus positive Reaktionen aus der Damenwelt), er geht im Alltag oder auch aufs Date. Die Sillage ist m.E. besser, als er direkt vom Handgelenk riecht. In glühender Sommerhitze könnte er sicher ein wenig penetrant werden und im Winter etwas untergehen, weshalb ich ihn perfekt für den Frühling finde. Seine Schwäche sehe ich in der Haltbarkeit und für Ü30 kommt er mir dann doch ein wenig zu "jung" rüber. Ansonsten kann man den getrost mal probieren. Mich überzeugt er einfach nicht voll und ganz, weshalb kein Flakon angeschafft werden muss.
1 Antwort
Blue Seduction vs. Versace Man Eau Fraiche
In den Statements hier taucht es ja immer wieder auf, dass der Blue Seduction und Versaces Eau Fraiche verdammt ähnlich riechen. Nun einen "Klon" zu unterstellen wäre m. E. mehr als berechtigt, mutet aber schon fast witzlos (oder eben besonders witzig) an, da der Parfümeur bei beiden ja der selbe ist. Warum man sich selbst kopiert, bleibt mir etwas schleierhaft. Über die Gründe dahinter kann man nur spekulieren...ein Schelm wer das Böses denkt und vermutet, dass es etwas mit Geld zu tun hat. ; ) Will ich auch nicht weiter werten. Die eine Kopie mehr oder weniger, davon wird die Parfümwelt nicht untergehen und manchem gefällt es ja sogar (besser).

Duft: Ein recht typischer Aquat. Grundton ist der Geruch einer "frischen Meeresbrise", dem sich nach zitrischer Eröffnung fruchtige Komponenten und eine dezente Süße beigesellen. Das alles kommt jedoch ziemlich synthetisch daher. Die fruchtigen Komponenten erinnern an eine Mischung aus Wassermelone und vielleicht dieser - aus fast allen Supermärkten bekannten - grünen "Granny Smith" Apfelsorte. Die Süße ist frisch kaugummiartig und gefällt mir nicht. Den hier gelisteten Cappuccino, den manche auch hier herauszuriechen scheinen, konnten ich und auch die Leute, den ich den zum Riechen gegeben habe, nicht feststellen.

Vergleich: Habe beide Duftstreifen vor mir liegen und hundertprozentig identisch sind sie nicht. Der Hauptunterschied ist für mich der, dass Versaces Eau Fraiche eine Spur "natürlicher", frischer und zitrischer daherkommt und ihm nicht die, auf mich doch recht penetrant wirkende, synthetische Kaugummisüße innewohnt (ein explizit süßer Duft ist es trotzdem nicht), die Blue Seduction etwas mehr "playboymäßig" rüberkommen lässt. Aber da laut "Salva" A. Banderas als sog. "Latin Lover" gilt, passt das ja dann, bzw. ist ja dann auch nur konsequent. Alles in allem sind beide wirklich ähnlich, wobei ich im Zweifel mit dem Eau Fraiche gehen würde, auch wenn ich behaupten würde, dass Blue Seduction schon ein wenig besser performed. Ich nehme den Duft recht viele Stunden sehr deutlich wahr (auf dem Duftstreifen füllt er mehrere Stunden den Raum), auch wenn ich es mit der Zeit eher als lästig empfinde. Letztendlich wären beide Düfte nichts wirklich für mich! Für Aquatenliebhaber ist das sicherlich, neben Düften wie dem bekannten Nautica Voyage, eine sehr günstige Option, die auf die meisten Mitmenschen wohl recht angenehm rüberkommen dürfte.

Ich hoffe, dass ich ein wenig weiterhelfen konnte. Mein Flakon wird jedoch weiterziehen müssen!
1 Antwort
Respekt vorm Alter
Ach good old Knische, was mach ich nur mit dir? Du bist dreimal so alt wie ich, ein echter (Herren-)Klassiker, einer der ersten Lederdüfte überhaupt, der es aus Wien bis in die große Welt geschafft und so einige Düfte überlebt hat. Wie "Unruh" hier bereits erwähnt hat, passt du zum Anzug oder Jeans und Harrington, weshalb du sicherlich das Mittel der Wahl von echten Gentlemans wie David Niven warst, aber auch von in Harrington gekleideten Draufgängern wie James Dean am Hals getragen wurdest. Auch "neueren" Klassikern, wie der von mir sehr geschätzte Antaeus, haftet der Geist deiner Inspiration an. Schon alleine aus Respekt vor deiner Lebensleistung, werde ich dich mit besonderer "Nachsicht" beurteilen. Denn Hand aufs Herz: Ein bisschen altbacken riechst du schon, wenn auch nicht so altbacken, wie es dein Alter vermuten lassen würde!

Das erste mal gerochen habe ich dich im Knize-Geschäft in Wien. In dieses etwas veraltet wirkende, nicht mit der Zeit wirklich gehen wollende und damit angenehm unangepasste und trotzdem noble Bekleidungsgeschäft passtest du wirklich gut. Ich nahm dich nur auf dem Duftstreifen mit, den mir eine ältere nette Verkäuferin mit den Worten: "Der ist schon was spezielles!" aushändigte. Sie hatte nicht zu viel versprochen und du bliebst mir in nachhaltiger Erinnerung, weshalb ich lange lange Zeit später dich noch einmal als Probe orderte.

Zum Duft: Er eröffnet wirklich interessant und markant würzig, ja fast stechend, beißend und an Rasierwässer älterer Dekaden erinnernd. Auch ein nicht frischer, eher muffiger (kern-)seifiger Geruch haftet ihm an. Er wirkt auf mich etwas "kreidig", ja ein bisschen wie ein alter Lederlappen mit dem die Tafel gewischt wurde, in einem mit hölzernen Bänken ausgestatteten alten Klassenzimmer. Nun fängt er langsam an pudriger zu werden und riecht in der Luft, neben all der ledrigen Würze, leicht vanillig und dezent süß und ich fange an zu verstehen, warum der auch manch Frau an sich gefällt . Er hat viel Tiefe und erinnert mich zunehmend an den Geruch meiner 80er-Jahre Antaeus Miniatur. Ich weiß nicht ob es das gemeinsam enthaltene Bibergeil ist, aber ja, das wirkt schon etwas animalisch im angenehmen Sinne. Zum Ende hin riecht er mir dann schon ein bisschen zu sehr nach altem Puder und einen Geruch den "Fabistinkt" hier finde ich gut getroffen hat, nämlich Banane. Oder vllt. besser gesagt Bananenschale, die in der Sonne gelegen hat. Ich hoffe das klingt jetzt nicht alles schlimmer als ich es meine...am Ende kommt man wohl, wie so oft, ums selber Schnüffeln einfach nicht drumherum.

Alles in allem wirklich interessanter Duft, aber sicherlich nicht jedermanns Sache. Ich persönlich habe viel Wertschätzung für den Duft übrig und würde ihn gerne an einem älteren, im angenehmen Sinne konservativ gebliebenen, etwas eigensinnigen, Herren sehen, der typisch wienerisch ruhig auch ein wenig grantig sein darf. Oder eben wahlweise an einer etwas älteren verruchten Diva. Und wenn ihr etwas davon in euch tragt, dann gefällt er sicherlich auch euch. ; ) Meine Probe werde ich in Ehren halten, aber in Zukunft doch lieber wieder zu Antaeus greifen, den ich etwas geschmeidiger, mystischer und dunkler empfinde.

PS: Der alte Herr hat übrigens immer noch ganz schön viel Durchhaltevermögen...der kann auch noch nach mehreren Stunden (und das nicht zu knapp) und seine Dienste sind für einen verhältnismäßig schmalen Taler zu haben.

PPS: Wen ein paar Frauenreaktionen vom wohlgemerkt Duftstreifen interessieren...
Schwester: "Erinnert mich irgendwie an ne alte (geschminkte) Frau!"
Mutter: "Du hattest schon schlechtere! Aber etwas alt."
Cousine: "Iiieeeh!"

Danke für eure Aufmerksamkeit!

6 Antworten
Der Macho mit dem Big Red Kaugummi
Ich weiß nicht wie es euch geht, aber mich erinnert der total an diese Wrigley's "Big Red" Zimtkaugummis. Demnach ziemlich originelle und irgendwie geile Eröffnung. Aber wie beim Kaugummi flacht das alles auch recht schnell ab und was bleibt ist eine etwas antiquiert wirkende Patchouli/Sandelholz-Basis, die so manch Old Schooler gefallen könnte und die etwas jüngeren Semester (mich eingeschlossen) abschrecken dürfte.

Vielleicht ein trashiges Accessoire für die ein oder andere Retro-/Motto-Party, die auch etwas länger gehen darf (denn er performed recht gut). Ansonsten enge Jeans, halboffenes Hemd (Brusthaare), Halskettchen, Schnauzer, Vokuhila, ein paar Spritzer Jōvans "Sex Appeal" und ab nach Pattaya. Wenn dir dann die süßen Thai-Mädels im Arm liegen, liegt das nicht an deiner vollen Brieftasche, sondern an diesem herausragenden Cologne. Versprochen! ; )

Nachtrag - True Story:
Ich habe den Duft mehr oder minder als "Scherzartikel" bzw. eben als "trashiges Accessoire" dem Geburtstagsgeschenk für einen Freund mit beigelegt. Am Tag darauf hat seine langjährige Freundin Schluss gemacht. Seid also vorsichtig beim Verschenken, ansonsten geht es eurem Flakon, wie meinem und er landet zerbrochen und vor Wut auf den Boden geklatscht bei der Ex-Freundin auf dem Boden in der Wohnung. O-Ton meines Freundes: "Das schien mir das Beste, was man mit diesem räudigen Duft machen kann!"
0 Antworten
6 - 10 von 12