Knize Ten 1925 Toilet Water

Knize Ten (Toilet Water) von Knize
Flakondesign Ernst Dryden
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7.9 / 10 662 Bewertungen
Ein beliebtes Parfum von Knize für Herren, erschienen im Jahr 1925. Der Duft ist ledrig-würzig. Die Haltbarkeit ist überdurchschnittlich. Es wird noch produziert.
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Duftrichtung

Ledrig
Würzig
Holzig
Animalisch
Rauchig

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
RosmarinRosmarin BergamotteBergamotte OrangeOrange PetitgrainPetitgrain ZitroneZitrone
Herznote Herznote
GewürznelkeGewürznelke GartennelkeGartennelke IrisIris RosengeranieRosengeranie SandelholzSandelholz ZedernholzZedernholz ZimtZimt RoseRose
Basisnote Basisnote
LederLeder BibergeilBibergeil AmbraAmbra MoosMoos MoschusMoschus VanilleVanille

Parfümeure

Bewertungen
Duft
7.9662 Bewertungen
Haltbarkeit
8.6509 Bewertungen
Sillage
8.0495 Bewertungen
Flakon
7.1455 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
8.2147 Bewertungen
Eingetragen von Seglein, letzte Aktualisierung am 15.05.2024.
Wissenswertes
Kreiert wurde der Duft für Wiens führenden Herrenausstatter Kniže & Comp. (sprich "Knische" mit weichem "sch"). Benannt wurde es nach der höchsten Vorgabe beim Polo. Nach diversen Russisch- und Spanisch-Leder-Düften und "Tabac Blond" war es einer der ersten modernen Lederdüfte überhaupt. Charakteristisch für Lederakkorde jener Zeit soll die Kombination einer bereits bekannten Birkenteer-Note (Birkenteer hat einen gummiartig-teerigen Geruch und wurde zum Gerben von festem Leder benutzt) mit einem Chinolinderivat, i. d. R. Isobutylchinolin, gewesen sein. Erst seit Ende des 19. Jahrhunderts waren Chinolinderivate synthetisch zugänglich und standen als Duftstoff zur Verfügung. Zu den Benutzern von Knize Ten sollen James Dean, David Niven und Billy Wilder gezählt haben.

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Womit der Duft vergleichbar ist
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Rezensionen

74 ausführliche Duftbeschreibungen
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Preis
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Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
10
Duft
Ponticus

63 Rezensionen
Ponticus
Ponticus
Top Rezension 94  
Für uns alte Männer und die, die es einmal werden wollen!
Erneut ist ein Jahr vergangen und der alte Mann sitzt, wie so oft in letzter Zeit, in seinem großen Sessel am Fenster und der wiederholte Rückblick auf längst vergangene Tage stimmte sein Herz wie immer etwas froher. Viel passierte nicht mehr in seinem Leben und so nahmen seine Erinnerungen an anno dazumal einen immer größeren Platz ein. Das Leben aber stürmt vorbei, reißt Wünsche und Träume mit sich. Oft bleibt wenig von den Sehnsüchten der Jugend erfüllt, obgleich das Verlangen immer noch groß ist, die Leidenschaft alte Knochen durchdringt und die Sinne neue Begehrlichkeiten auftun.

Bevor er mit seinen Gedanken ganz in der „guten alten Zeit" ankam, fiel der Blick auf seine Füße und er mußte gequält lächeln. Die steckten in dicken, warmen Pantoffeln, richtigen grauen Filzlatschen. Er, der Charmeur, Herzensbrecher und Frauenversteher, der einstmals nur edles Lederschuhwerk und exquisite Anzüge aus feinsten Stoffen trug, hatte mit den Jahren Federn lassen müssen. Begriffe wie Filzlatschencasanova und Pantoffelheld schwirrten durch seinen Kopf. Noch nimmt er es mit Humor, was zunehmend schwerer fällt, wenn er sich des Morgens in seine, mit Einlagen verstärkten, orthopädischen Treter zwängt! Dennoch hält er auch heute noch auf sich, trägt täglich Hose, Hemd, Jackett und legt auch sein Lieblingsparfüm auf, besonders gern wenn die Pflegerin ihn besuchen kommt.

An die erste Begegnung mit Knize Ten, seinem Lieblingsparfüm, erinnerte er sich genau. Es war in den 50ern in einer gut sortierten Herrenabteilung wo der Verkäufer, ein Gentlemen vom Scheitel bis zur Sohle, ihm ein Probefläschchen auf den soeben erstandenen Anzug legte. Seine Worte „ein Kavalier der so einen feinen Stoff trägt, sollte auch das beste Parfüm dazu bekommen“ lösen immer noch Gefühle des Glücks und der Dankbarkeit aus, denn er mochte diesen eleganten, herben und markanten Duft von Anfang an.

Zu Beginn ein kurzer, aber heftiger Sturm von orangig-zitroniger Frucht, leicht herb-süßlich und mit einigen krautig-grünen Böen angereichert, die aber keinen Schaden anrichten. Das Getöse legt sich dann recht schnell zugunsten eines leichten, hintergründigen, aber beständigen Windes von bittrig-orangigem Duft. Ein Hauch von Blümchen und Gewürzen säuselt umher deren Geruch jedoch nur von Relevanz wäre, wenn er fehlen würde. Dafür liegt Leder in der Luft, dickes raues Leder der angenehmster Art. Und etwas Tier ist mit dabei ganz ohne Pipi und Exkremente, fein eingebunden und mit Tiefe und einem langen Leben versehen durch eine moosig-ambrierte Moschusbasis. Der Vanille gebührt hier eher eine Außenseiterrolle, bei der ihr Fehlen eher bemerkt würde als ihre Anwesenheit. Der Clou der komplexen Aromatik des Knize Ten Lederduftes aber liegt für mich in der Abwesenheit einer Himbeer- und Weihrauchnote. Undenkbar fast für viele der heutigen Kreationen in Leder und ein Geschenk an Generationen und für mich.

Knize Ten weiß auch Frauen zu begeistern, aber der Duft ist kein „Compliment Getter“ im eigentlichen Sinne. Das Gesamtpaket muß stimmen! Hier verführt der Parfümträger, nicht das Parfüm. Markant sowieso und recht maskulin, aber ohne Haare auf der Brust, ist Knize Ten auch eine Option für den herben Charme einer verführerischen Dame. Hier sind Brusthaare ohnehin überflüssig. Das gilt für die jüngere Generation genauso. Traut euch!

Der alte Mann, teif in seiner Rückschau versunken, hatte ein Lächeln auf den Lippen. Das "beste Parfüm" hatte ihn immer begleitet und auch er war der Beste in vielem, was er tat. Auch die Frauen liebten ihn und er sie, sowohl seine eigene und auch andere. Er brach Herzen und war doch immer mit dem Herzen dabei. Heute ist er allein mit seinen Erinnerungen und alles hat sich verändert, er trägt sogar warme Feinrippunterwäsche mit Eingriff. Nur sein Parfüm ist gleich geblieben und das verleiht ihm etwas Sicherheit, schließlich hat auch der Spätherbst noch warme Tage. Gleich kommt die Pflegeschwester, es sollte doch mit dem Teufel zugehen, wenn er nicht zumindest ein liebvolles Lächeln erhaschen könnte.

Erst wenn wirklich Schluss ist, ist Ende im Gelände! Danke und ein erfülltes Jahr 2023 für alle Leser!
70 Antworten
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Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9.5
Duft
Salva

78 Rezensionen
Salva
Salva
Top Rezension 47  
Der legendäre Fürst aus Österreich
Knize Ten

Ein Parfum aus einer ganz anderen Zeit.

Aus einer Zeit, in der Herren als geckenhaft galten, wenn sie Parfum trugen.

[…]

Der Name Knize ("Knischä" ausgesprochen, wobei das -sch- weich gesprochen wird) stammt aus dem Tschechischen (original geschrieben mit -í- und einem kleinen -v- über dem -z-) und meint einen hohen Adligen im Rang zwischen einem Grafen und Herzog, also wörtlich übersetzt einen Fürst.

Hinter diesem einzigartigen Parfum steht das Unternehmen Knize&Comp.
Ein traditionsreicher Herrenausstatter aus der österreichischen Hauptstadt Wien, der 1858 von Josef Knize, dessen Wurzeln ins damalige Südböhmen (dem heutigen Tschechien) zurückgehen, gegründet worden war.
Sein Kundenstamm bestand aus großen Persönlichkeiten, worunter sich diverse Staatsoberhäupter befanden. Im 20. Jahrhundert ließen sich Grand-Dames wie Marilyn Monroe Blusen anfertigen, oder bspw. Marlene Dietrich Fracks für ihre Bühnenshows schneidern.

Insbesondere im Zeitalter der „Belle Époque“ von 1884-1914 gelang dem Unternehmen ein Riesensprung. Man expandierte nach Berlin, Paris und Prag, womit international rasch Ruhm erlangt werden konnte. 1888 erhielt Knize&Comp. den Titel als sogen. "k.k. Hof-Schneider" (kaiserlicher und königlicher Hoflieferant). Dies bedeutete, dass man in der österreichisch-ungarischen Doppelmonarchie als Händler und Dienstleiter die Sonderbewilligung erhielt, Waren an den österreichischen Hof zu liefern. Ein Ritterschlag für jeden Unternehmer damals.

Die folgenden Jahrzehnte waren von Erfolg gekrönt, ehe es aufgrund des Zweiten Weltkrieges einen Einbruch gab. Die Filiale in Berlin wurde zerstört, jene in Prag und Paris im Zuge des Eiseren Vorhangs geschlossen. Es dauerte einige weitere Jahrzehnte, bis man wieder Fuß fassen konnte und das Unternehmen mit einem Neuaufbau 1978 von vorne beginnen musste, bei dem nun auch eine Damenlinie rausgebracht wurde. 1984 eröffnete man einen weiteren Lokal in Wien und erst seit 2012 existierte in Prag ein neuer Laden, der jedoch wohl 2020 geschlossen worden zu sein scheint.

[...]

Das Parfum "Knize Ten" ("ten" steht in diesem Falle für die höchste Vorgabe beim Polo - die Sportart des englischen Adels), welches u.a. von F. Coty mit kreiert wurde und bereits seit 1925(!) auf dem Markt ist, wird vom Hersteller als weltweit erste Herrenduftserie vermarktet. Es ist ein besonderer und außergewöhnlicher Chypre, der jedoch im Kern mit einer sanften, ledrig-ambriert-balsamischen Basis positiv aus der Reihe tanzt.

Beginnen tut er für meine Nase mit einer leicht zitrischen Kopfnote geprägt von Petitgrain und Rosmarin, die mich an ein typisches stilvolles Herren-Cologne á la "Colonia" vom Hause Acqua di Parma erinnert. Jedoch verblasst die Kopfnote recht schnell und es kommt ein floraler Aspekt dazu, der dafür verantwortlich ist, dass der Duft kein typisch trockener und langweiliger Lederduft ist. Denn das ist er garantiert nicht, im Gegenteil.
So sticht er mit seiner angenehmen Ledernote in der Basis, die sich recht zügig zu bemerken macht, schon hervor. Jedoch wird sie in feinster Art und Weise umrahmt mit einer von mir wahrgenommenen leicht süsslich-warmen Ambernote, die dem Duft einen zurückhaltend sinnlichen Akkord verleiht. Doch dies ist eher im Hintergrund zu riechen, denn die ledrig-holzig/moosige Komponente steht mMn eher im Vordergrund und bleibt dann so bestehen.

Im Gesamten strahlt dieses Parfum eine ausdrucksvolle Tiefe und markante Aura aus, die seines Gleichen sucht, wie ich finde.

Persönlich siedle ich "Knize Ten" in der kälteren Saison an. Da man hier ein recht starkes und intensives Dufterlebnis bekommt, reichen mMn 2-3 Spritzer vollkommen aus. Denn nicht nur stark projizieren tut er, sondern über eine sehr gute Ausdauer mit mind. 8-9h verfügt er ebenso.

Zu erwerben gibt es ihn schon in - für Herrendüfte eher ungewöhnlichen - 15ml-Flakons, aber auch in 30 sowie 50ml. Diese sind aus schwerem Glas und neben dem normalen Sprayer auch als Splash zu erhalten.

Anzumerken sei zudem, dass "Knize Ten" nicht den Beinamen "Eau de Toilette" trägt, sondern "Toilet Water".

[...]

Fazit:

Die Marke ist heute deshalb so von Bedeutung, da es in den 1920ern weltweit als erste Herrenmodemarke überhaupt galt. Und um dieses unverwechselbare Parfum schätzen zu können, sollte man sich mit der Geschichte dieses traditionsreichen Hauses auseinandersetzen. Denn man kann nur den Hut vor den Unternehmern ziehen, die immer wieder die Fahne des Namens Knize hochhielten und dafür gesorgt haben, dass er dank seiner Nachfolger sich nie unterkriegen lassen hat und wie ein Stehaufmännchen für seine Werte und Prinzipieren gekämpft hat.

Nicht nur aufgrund der Historie hat man es im "Knize Ten" mit einem Stück Duftgeschichte zu tun. Dieses herb-markante Parfum verkörpert Tradition, Klasse und Stil wie wenige andere und gehört mit seiner komplexen Komposition - wie ich finde - im Prinzip in jede klassisch geprägte Herrenkollektion.

Für mein Dafürhalten bildet er in seiner Gesamtheit eine Art Gegenpart zu klassischen Düften anderer renommierter Duftländer wie Frankreich, Italien oder England.

Ein fürstliches Parfum aus dem schönen kleinen Österreich.

[...]

Vielen Dank für's Lesen!
31 Antworten
7.5
Flakon
7.5
Sillage
10
Haltbarkeit
9
Duft
Ergreifend

486 Rezensionen
Ergreifend
Ergreifend
Top Rezension 47  
Kindheitserinnerungen
Seitdem ich klar denken kann, kenne ich diesen Duft. Mein Vater schwört auf ihn, hat sich vollkommen mit diesen Duft in einem Kessel verschmolzen. Man kann schon sagen, meinen Vater gibts nur in ganz, wenn er Knize Ten trägt.

Als Papa damals im Jahre 88 , mit einem Rucksack per Zug , alleine irgendwo im nirgendwo, nach Österreich als Gastarbeiter kam, öffnete sich ihm eine ganz andere Kultur. Er hatte einen Traum, sich von dem Kommunismus, der im damaligen Jugoslawien herrschte zu entfliehen. Denn man roch schon die raue Atmosphäre, sah die kalten Wände und die Fronten zwischen den Menschen. Auch hatte er keine Lust, sich mit seinen Eltern rumzustreiten, denn die wollten immer das er was "gscheites" macht. Papa hingegen, beendete "nur" eine Hotelfachlehre und strebte danach, ins Ausland zu gehen. Raus aus der öden Kleinstadt, im Norden Bosniens, wo es schon zu brodeln begann. Vater ist ein absolut toleranter Mensch und gab überhaupt nichts auf diese Parolen, die Tag ein Tag aus Bosnien schließlich belagerten. Papa sagte bei seinem Abschied, das er für keinen Staat der Welt, je eine Waffe halten würde. "Für wen ist ein Krieg? Gegen wen, gegen was führt man Krieg? " Er nahm mich oft auf den Schoss, wenn er mir seine Alltagsgeschichten erzählte.

Eigentlich war Papa nicht gerade ein Mustersohn, den meine Großeltern, als konservative Kommunisten , sich gewünscht hätten. Oma beschwert sich heute noch, auch erzählt sie viel von ihm, wie er sich Nächte lang wo rum trieb, sich gegen den Kommunismus wendete, auch fast im Gefängnis landete, sich tage lang nicht meldete oder einfach nur mal per Zug nach Belgrad trottete, ohne darüber ein Sterbenswörtchen zu verlieren. Sarajewo - Belgrad. Das war seine Zuglinie. Ich glaube Papa meinte mal, er habe diese Strecke sicherlich 200 Mal hinter sich gebracht, in all seinem Leben. Dabei traf er sich in seiner Heimatstadt mit immer denselben Leuten. Gemeinsam ging es zuerst nach Sarajewo, dann kurze Zeit drauf, nach Belgrad.

"Die Jugend, die Jugend. Seitdem diese Pubertät erfunden wurde, sind doch alle Jugendlichen vollkommen verrückt geworden" - heißt es in einem serbischen Komödienfilm, aus dem Jahre 1989. Da knüpfte meine Oma auch immer an. Wobei sie heute auch ganz stolz ist auf ihren Sohn, da er im gesamten Bosnienkrieg, die ganze Familie versorgte und auch einen langen Weg hinter sich ließ. Denn, wir mussten über Ungarn nach Serbien fahren, um dann nach Bosnien zu gelangen. Das war eine Tortur, an die ich mich nicht gerne zurück erinnern möchte.

Ich kam 1991 mit meiner Mutter nach Österreich. Erstmals wollte meine Mama nicht herkommen, da sie total dagegen war, sich in einem anderen Land niederzulassen. Mein Vater drängte aber darauf und man wusste und man hörte es von überall. Es wird Krieg geben.

Die Jahre vergingen, ich lebte mich ein, mein erster Schultag kam. Die Last immer wieder ins zertörte Land zu fahren, die Verwandten zu sehen, lastete ganz schön tief auf meiner Kinderseele. Doch auch da gab es immer wieder schöne Augenblicke. Zumal konnte ich mich da auch erinnern, das Papa sich nach dem Jahr 1997 sich Knize Ten kaufte. Papa roch fortan nach dem Parfum. Es gefiel ihm so gut, das er es eigentlich immer dann auflegte, wenn er richtig gut gelaunt war. Wenn es schlechte Tage gab, so war die Wohnung nicht geschwängert von dem rauen Lederduft, der eine Beton der Gewürze aufweist. Und dann wenn ich und Papa wieder mal nach Bosnien fuhren, war das ganze Auto voller Knize Ten, gemischt mit einem ganz rauen Mehlgeruch. Das werde ich glaube ich nie vergessen.

Ich selbst habe Knize Ten, im Laufe meiner Jugend, immer von Papa stibizt und mich mit ihm regelrecht eingegossen. Meine Mutter war nicht so begeistert und sperrte die Sachen oft in einen Schrank, zu dem ich keinen Zutritt hatte. Mein Konsum ging nämlich ins Unermessliche :D :D

Für mich ist Knize Ten, wie schon erwähnt ein sehr rauer Lederduft, der wirklich viel Gewürze in sich aufweist. Er beginnt zuerst sehr kräftig zitronig, für manche sogar stechend, doch dies verfliegt schnell und die raue Ledernote bildet sich fortan. Was ich an Knize Ten liebe, ist das er auch an Ladys ladylike wirken kann, denn er ist nicht übertrieben durchtrieben von Männlichkeit. Er ist auch für Frauen gut tragbar, wie ich finde. An mir gibt er sich aber deutlicher lauer, als wie auf Papa! Auch hat der Duft eine schöne rauchige Stütze, die ihn so richtig markant macht. Geradlinig ist er, zwar nicht ein Gentleman, aber ein elegantes Kerlchen, das so manche an die Brust lässt und den Trost über einen bringt, wenn man mal traurig ist. Er ist nicht aussätzig und schreit nicht nach Aufmerksamkeit. Er ist eigentlich nur mit dem Träger in einem. Haltet tut er sich lange und die Sillage greift schon mal zum Gegenüber.

Da ja alles schon gesagt wurde zu diesem Duft, wie man bei den vielen Kommentare sieht, möchte ich auch nicht näher in irgendwelche Duftkomponente einsteigen. Ich möchte nur letztendlich hinzufügen, das ich Knize Ten liebe. Wirklich liebe. Und ich liebe meinen Vater. Und ich liebe diese Erinnerung an Knize Ten. Dieses Gefühl, das auch Knize Ten ein Teil meiner Geschichte ist.
16 Antworten
10
Haltbarkeit
10
Duft
Profumo

284 Rezensionen
Profumo
Profumo
Top Rezension 35  
Der Gentleman tanzt Walzer!
Es wird oft behauptet bei Knize Ten handle es sich um den ersten und somit ältesten Lederduft – das stimmt nicht ganz. Tabac Blond von Caron, dass Vincent Roubert sicher kannte und vermutlich auch in der Nase hatte als er Knize Ten komponierte, ist einige Jahre älter, desgleichen diverse Cuir de Russie und Peau d´Espagne bzw. Spanish Leather – Düfte, die sich um die Jahrhundertwende großer Beliebtheit erfreuten. Die Jahreszahl 1781 die Creed für sein Royal Englisch Leather angibt kann man allerdings getrost als Marketing-Gag verbuchen – ein Teil der Inhaltsstoffe, vor allem jene die das Lederaroma kreieren, waren damals noch gar nicht bekannt.

Das Jahr 1924 ist aber auch schon eine Weile her, sodass der Anspruch einer der ältesten Lederdüfte zu sein durchaus zutrifft. Der schon genannte Vincent Roubert, der häufig mit François Coty zusammen arbeitete, entwickelte diesen Duft für einen Wiener Schneider und Herrenausstatter dessen Ladengeschäft am Wiener Graben von keinem geringeren als Adolf Loos entworfen wurde, und das noch heute von vielen Architekturbegeisterten aufgesucht wird. Der Duft wurde zusammen mit der ersten ‚prêt-a-porter’- Kollektion des Schneiders angeboten – ein Novum in der Parfumgeschichte und nur vergleichbar mit Coco Chanel die ihren Kreationen ebenso erlesene Düfte zur Seite stellte. Auch der Name des Duftes ‚Ten’ mag eine Reminiszenz an Chanels immens erfolgreichen Duft ‚No 5’ sein. Da zu jener Zeit die meisten Herrendüfte aber aus Großbritannien kamen und der ‚Gentleman’ als Synonym für gepflegte, stilvolle Männlichkeit galt, entschied man sich am Wiener Graben eher an diese Tradition anzuknüpfen als den französischen Ursprung zu betonen. Man nannte den Duft fortan: ‚Knize Ten, The Gentleman´s Toilet Water’. Im Gegensatz zu den eher spröden meist auf Lavendel und Pinie basierenden britischen Wässerchen war, bzw. ist Knize Ten aber viel üppiger, schwelgerischer, nicht so sehr 'stiff-upper-lip' : ein Gentleman beim schwungvollen Wiener Walzer!

Und wirklich: der Duft spiegelt gekonnt die Aura eines gepflegten, stilvoll gekleideten, distinguierten und selbstbewussten Mannes aus einer Zeit wieder als das Tragen eines Anzuges noch eine Selbstverständlichkeit war, die Schuhe noch vom Schuhmacher stammten, der Friseur hauptsächlich von Herren zur Rasur aufgesucht wurde, die Hutmacher noch alle Hände voll zu tun hatten, da jeder, aber auch wirklich jeder Mann einen Hut trug, wie er ebenso ein Paar Lederhandschuhe besaß und vor allem: Walzer tanzen konnte, links wie rechts herum!
Zu diesem, heute vielleicht ein wenig altmodisch anmutendem Bild eines Mannes – Gentleman, nicht Dandy! - passt kaum ein Duft besser als Knize Ten.
Ein gewisses Dress-up ist heute sicher immer noch vonnöten, um diesen Duft tragen zu können. Mit ausgewaschener Jeans und Schlabber-T-Shirt verträgt er sich nicht sonderlich und auch mit der Jugend hat er es nicht ganz so. An reiferen, nicht zwangsweise älteren Herren aber kann er sich sehr vorteilhaft entwickeln!
Zum Auftakt ein dezidiert maskuliner Akkord von frisch gewachstem und poliertem Leder im Zusammenspiel mit Bergamotte, Zitrus und dem etwas medizinischem Aroma von Rosmarin, gefolgt von einem kurzem Schwenk ins klassisch feminine Repertoire mit Iris, Rose und Nelke, ruhend auf einer pudrig-animalischen Basis von Amber und Moschus – ganz große Oper! Dabei ist der Duft nicht so nahtlos durchkomponiert wie das ebenso üppige Tabac Blond, das insgesamt runder, weicher, fließender ist. Knize Ten ist ein wenig rauer und ruppiger, hat so manche ungeschliffene Kante – das passt aber gut zur maskulineren Aura des Duftes. Eine Frau wie Marlene Dietrich – eine Kundin von Knize – wäre, Anzug und Zylinder tragend, mit einem solchen Duft vorstellbar. Ansonsten ist Knize Ten wirklich ein Duft, der den Herren vorbehalten ist.

Ende der 80er Jahre hat Edouard Fléchier für Etro ‚Gomma’ (= Gummi) komponiert, eine Reminiszenz an Knize Ten – etwas weniger maskulin im Auftritt, mit weicheren Linien und reduziertem Gewicht, eine Art ‚Knize Ten light’. Ich kann Gomma allen empfehlen denen Knize Ten zuviel ist, zu harsch, zu kräftig, zu laut. Gomma ist leiser, fast schüchtern, verfliegt jedoch fast in Windeseile - im Gegensatz zum recht langlebigen Knize Ten.

Ich bevorzuge definitiv das Original.
5 Antworten
7.5
Flakon
7.5
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Haltbarkeit
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Duft
Meggi

1019 Rezensionen
Meggi
Meggi
Top Rezension 29  
Retrospektive Verneigung
Knize Ten habe ich vor gut zwei Jahren Jahren, kurz nach Beginn der Parfum(o)-Zeit, bei Manufactum in Hamburg beschnuppert. Irritiert. Achselzuckend. Heute darf ich feststellen: Ich war noch nicht reif dafür. Fein, dass ich Gelegenheit zu einem neuerlichen Test hatte.

Vielleicht hatte mich seinerzeit der Kokel-Rosmarin des Auftakts abgeschreckt. Inzwischen weiß ich, er könnte der Großvater von demjenigen aus Numero Uno oder 1681 von Carthusia sein. Zudem wird er doch reizvoll diszipliniert und kontrastiert von süffigem Petitgrain. Bereits wenige Minuten später finde ich den Duft nunmehr erstaunlich mild. Das gilt freilich allein im Vergleich, der hat schon Kraft, der Junge. Rosmarin bleibt über Stunden hinweg spürbar, wenn auch nicht mehr kokelig.

Andere, rundere Gewürze scheinen sich beizumischen - Kardamom? Das tut dem Duft gut, fügt seinem strengen Blick ein kleines Augenzwinkern hinzu. In dieselbe Richtung weist die Süße. Für deren Quelle muss ich in die Pyramide sehen: Zimt.

Nach einer Stunde nehme ich eine baldrianige Bibergeil-Note wahr und innerhalb der zweiten Stunde Nelke (die Blume). Und endlich entfaltet sich gelassen, als habe sie alle Zeit der Welt, jenes veilchen-halspastillige Leder, das ich sehr mag und das einem seit einigen Jahren gerne und offenbar teilweise zwanghaft von Himbeere & Co. vergällt wird. Und damit sind wir bei einem wichtigen Punkt, nämlich einer Zutat, die einfach mal durch Abwesenheit glänzt. Es riecht NICHT nach Himbeere. Schön.

Obendrein hat mich bei manchen moderneren Düften – und das fällt mir erst jetzt in der Rückschau auf – das Artifiziell-Verkopfte an der veilchenhaften Ledernote womöglich unbewusst gestört. Knize Ten ist, um ein Modewort zu strapazieren, authentischer. Kräftig-kernig-birkenteerig, aber ohne rustikal zu wirken.

Am Nachmittag entwickelt der Duft eine Vanille-Süße, die dem Halspastillen-Leder allmählich einen neuen Dreh gibt. Direkt auf der Haut bleibt es gleichwohl markant-würzig und der Birkenteer lässt keinen Zweifel aufkommen, wer am Ende das Sagen hat. Mithin hält Knize Ten seinen Charakter bis in den Abend hinein wacker aufrecht.

Fazit: Vorzüglich. Einen besseren Lederduft kenne ich bislang nicht. Die meisten probierten Kollegen können dem Altmeister nicht das Pflegemittel reichen.

Bliebe allenfalls ein einziger, höchlichst individuell empfundener Nachteil: Es ist kein Weihrauch drin (*wegduck*). Eventuell ließe sich allerdings das bitter-gummiartig-teerige Leder auf Wunsch in eine harzige Richtung deuten. Erwähnt sei außerdem der Preis: 48 Euro für 50 ml. Bei Manufactum in Hamburg habe ich sogar eine üppigsammlungs-kompatible 15ml-Reise-Größe für schlappe 14 Euronen gesehen. Na, das ist doch ein Wort!
18 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

120 kurze Meinungen zum Parfum
PinseltownPinseltown vor 4 Monaten
Aus blumig Würzrauch
Der Holzhöhle
Kriecht die Lederbestie
Animalisch grün Augen glühen warm
Keine Angst
Sie will auch nur geliebt werden +
38 Antworten
SchalkerinSchalkerin vor 2 Monaten
7
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
7.5
Duft
Mit Blümchenhemd im Ledersessel
sitzt er da, nicht mehr ganz jung
aber immer noch kräftig u tierisch gut
bisschen nervig manchmal.
58 Antworten
FoxearFoxear vor 3 Jahren
8
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9.5
Duft
Rauchiges und trockenes Leder, ambrierte Basis, leicht verrucht. Spaßbefreit, emotionslos, düster: Fein.
29 Antworten
FrauKirscheFrauKirsche vor 6 Monaten
7
Sillage
8
Haltbarkeit
9
Duft
Herbe Zitrusfrische
nelkengepudert
Rosengeranie
warm gewürzt
Zimtblumen zieren
geseiftes Leder
sinnlich
männlich...
38 Antworten
SalvaSalva vor 3 Jahren
8
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9.5
Duft
Heftiger Stoff!
Nicht für jedermann
Wie aus 'nem anderen Planeten
Ledrig, würzig, animalisch
Hat was dreckig-geiles-versautes
Gefällt
21 Antworten
Weitere Statements

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