Antaeus 1981 Eau de Toilette

Antaeus (Eau de Toilette) von Chanel
Flakondesign Jacques Helleu
Platz 67 in Parfums für Herren
8.1 / 10 1242 Bewertungen
Antaeus (Eau de Toilette) ist ein beliebtes Parfum von Chanel für Herren und erschien im Jahr 1981. Der Duft ist würzig-holzig. Haltbarkeit und Sillage sind überdurchschnittlich. Es wird noch produziert.
Aussprache

Duftrichtung

Würzig
Holzig
Animalisch
Ledrig
Erdig

Duftpyramide

Kopfnote Kopfnote
MuskatellersalbeiMuskatellersalbei KorianderKoriander MyrrheMyrrhe BergamotteBergamotte LimetteLimette ZitroneZitrone
Herznote Herznote
ThymianThymian BasilikumBasilikum JasminJasmin RoseRose
Basisnote Basisnote
BibergeilBibergeil EichenmoosEichenmoos LabdanumLabdanum PatchouliPatchouli

Parfümeure

Bewertungen
Duft
8.11242 Bewertungen
Haltbarkeit
8.6937 Bewertungen
Sillage
8.1920 Bewertungen
Flakon
7.8921 Bewertungen
Preis-Leistungs-Verhältnis
7.7315 Bewertungen
Eingetragen von DonVanVliet, letzte Aktualisierung am 02.03.2024.
Wissenswertes
Antaeus (Antaios) war ein Riese in der griechischen Mythologie. Er war der Sohn des Poseidon und der Gaia mit nahezu unbezwingbarer Stärke.

Rezensionen

109 ausführliche Duftbeschreibungen
10
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
10
Duft
Can777

239 Rezensionen
Can777
Can777
Top Rezension 98  
Der Sturm
Wenn ich mit mir alleine bin,dann kommen sie sehr oft. Die Gedanken an die alten Zeiten. Wie es in meiner Jugend war. Der beschwerliche Weg vom Jüngling zum Mann. Schöne Momente und Erinnerungen. Aber auch traurige Ereignisse. Wie Fetzen fliehen sie in meinen Kopf herum. Zerrissene Erinnerungen aus einem schon gelebten Leben. Meinem Leben! Düfte die ich einst trug und liebte helfen mir dabei diese Fetzen der Erinnerung wieder zu einem Bild zusammen zu fügen. So wie Antaeus es tut wenn ich ihn auflege. Der schwarze Sturm von Chanel durchströmt mich wie ein Fluss der Gefühle und Emotionen die so schwer zu beschreiben sind wie der Duft selbst. Es sind so viele Duftnoten wie Gedankenfetzen die umher fliegen. Bittere Tränen wie Koriander und Salbei,Versprechen in grün-weichen Basilikum geflüstert ,stechender Thymian und harzige-zähe Myrrhe die Freunde zusammen hielt wie Brüder. Wenn ich Antaeus trage kommen sie,sie alle. Ob Mensch oder Ereignis. Antaeus bläst sie wieder zurück zu mir. Der Geruch von Eichenmoos und Bibergeil und die Momente der menschelden Stunden der Zweisamkeit. Geerdete Versprächen aus Patchouli und Schwüre der Liebe auf dem Plattencover von Roxy Music balsamisch-weich geschrieben wie der Duft von Labdanum. Antaeus war immer bei mir wie Kouros und Versace L‘Homme. Die Götter waren mir immer wohlgesonnen. Oftmals mehr Glück als Verstand auf dem langen Weg zum Mann. Nicht immer war es schön,aber Antaeus blieb es. Auch wenn Freunde starben trauerte er mit mir und gab mir Kraft und Halt weil auch Männer verwundbar und schwach in ihren Leben seien können. Und ich war es auch oftmals! Doch der schwarze Sturm war in solchen Momenten für mich da,wie in so vielen anderen auch. Nichts lies er heran und nichts ließ er heraus wenn man im Auge des Sturms verweilte. Wenn ich heute nach all den Jahren Antaeus trage wird es wieder ruhig um mich und mein innerstes Selbst,weil er sich dann wieder aufbaut,der schwarze Sturm von Chanel. Mächtige,wild und leidenschaftlich! Antaeus bringt mich zurück in die Zeit die mich für mein Leben geprägt hat aus Freud,Leid und Verlust. Vieles hat sich verändert in meinem Leben,auch Antaeus hat sich verändert. Aber nur für die,die ihn noch kannten als er von Chanel erschaffen wurde. Er ist immer noch ein Gott und er hat immer noch die Macht zu herrschen über Leidenschaft und Erhabenheit. Und er hat die Macht mich fliegen zu lassen durch die Zeit im Zentrum seines Auges!

Götter leben ewig,.....Antaeus wird es!
32 Antworten
8
Preis
10
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Foxear

22 Rezensionen
Foxear
Foxear
Top Rezension 70  
Auf Umwegen zur innigen Männerfreundschaft
Antaeus – zu Deutsch etwa „ich trete entgegen, ich begegne“. Benannt nach Antaios, einem griechischen Halbgott. Er zwang vorbeiziehende Reisende immer zu einem Kampf heraus, welchen er stets gewann. Für seinen Vater Poseidon fertige er einen Tempel aus den Schädeln der Unterlegenen. Ich müsste nur den Zerstäuber betätigen, damit sein Kampfgeist aus dem schwarzen Turm entspringt und mich zum Duell fordert – war ich dieser Begegnung gewachsen?

Antaeus erschien 1981 – gerade im Herrenbereich eine Zeit geprägt von verschwenderischer Opulenz und komplexer Düfte. Anfangs strotzt der Duft vor Potenz: wild und bissig stürzt er sich auf die Haut. Bereits hier zeigt sich, ob man seiner Gewürzkeule gewachsen ist. Im Verlauf wird er sanfter, lieblich florale Noten tun sich auf, werden allerdings von der Basis aus Bibergeil und Patchouli überschattet – im Gesamtbild ergibt sich eine trocken würzige Ledernote. Verabschieden tut er sich würzig grün – ohne Patch und Moos nix los! Aus dem Duftnotencocktail ergibt sich ein herber, warmer und facettenreicher Chypre der besonderen Art. Die vorhandene Animalik wird dezent dosiert, die Krallen wurden fein gestutzt – elegant und alltagstauglich. Wenig verwunderlich, dass er Anfang der 80er ein enormer Kassenschlager war.

Vergleicht man die Flakons von Antaeus und Pour Monsieur (1955), sind beide formidentisch. Rechteckige, schlanke Wolkenkratzer. Der Flakon von Pour Monsieur ist klar, hell und vermittelt Heiterkeit sowie Lebensfreude. Antaeus hingegen ist dunkel und undurchsichtig– ein geheimnisvoller Halbgott, der gefangen in seinem finsteren Turm seinen nächsten Herausforderer erwartet.

Antaeus kam zufällig zu Beginn meiner Parfumbegeisterung im Vintage Gewand in meine Hände. Erstmalig testete ich ihn im Januar auf der Arbeit. Noch heute, fast vier Monate später, erinnere ich mich gut daran. Er war knarzig, abstrakt, schwer zu greifen und lächerlich präsent – als wollte er mich von der Arbeit abhalten. Abends bewertete ich ihn auf Parfumo mit 5 von 10 möglichen Punkten- ich hatte die erste Begegnung gegen ihn verloren, mein Kopf indes zierte nicht den Tempel von Poseidon. Womöglich war das zu komplex für meine damals jungfräuliche Nase. Nachdem ich anschließend Starthilfe für klassische (Herren-) Düfte bekam und mich in alles verliebte, was mindestens eine Dekade älter als ich war, erinnerte ich mich an den griechischen Halbgott, der noch wartend im Regal lag.

Nun, da meine Brust meterlange Brusthaare zierten, ich kiloweise Goldketten um meinen Hals trug, Kouros zum Gottesdienst auflegte, bei süßen Düften sofort Schnappatmung bekam, Bären als Sparringspartner in der Freizeit hatte und nebenbei mit den Tampa Bay Buccaneers den Super Bowl gewann, fühlte ich mich Manns genug für meine nächste Begegnung mit dem griechischen Griesgram.

… Unversehens stand ich in einem Wald und das Wasser aus dem Zerstäuber formte sich zu einer menschlichen Gestalt. Da stand er vor mir – der griechische Riese – halbnackt und muskelbepackt, einzig mit einem Lendenschurz aus Leder bestückt. Hämisch grinste er mich an, verlor kein einziges Wort und stürmte sogleich auf mich los. Er packte mich am Hals, wollte mir den Kehlkopf eindrücken- doch ich leistete Gegenwehr. Ich riss seine Arme von mir ab und wuchtete ihn mit meinem gesamten Körper gen Boden. Im Fall sah ich flüchtig sein sinisteres Grinsen aufblitzen- er schien das bevorstehende Scharmützel voller Passion zu begrüßen.

Es folgte ein stundenlanges Raufen um Leben und Tod, aus dem kein eindeutiger Sieger hervorging. Als sich die Sonne verabschiedete, schallte noch immer das Kampfgeschrei zweier Todgeweihter durch die finstere Nacht. Wir beide waren vollkommen adrenalingeladen, brodelndes Blut rauschte angetrieben von donnernden Herzschlägen durch die filigranen Kapillaren unserer lebhaften Leiber – ob der körperlichen Anstrengung waren wir beide restlos erschöpft und verschwitzt, das Geplänkel jedoch zog sich fort. Uns beiden schwand fortwährend die Kraft, diesen frenetischen Todesreigen ewig fortzuführen.

Bis zuletzt wollte keiner von uns die Niederlage eingestehen- als sich abrupt etwas Sonderbares ereignete. Überraschend unterbrach ein hervorhuschender Biber unser Ballett des Todes und machte mit einem Geräusch auf sich aufmerksam. Als der griechische Halbgott diesen bemerkte, begann er spontan laut schallend zu lachen. Erschöpft und entkräftet saß er sich auf den bemoosten Waldboden neben den Biber. Zunächst war ich perplex – einen Augenblick später fing auch ich laut zu lachen an und ließ mich entkräftet zu Boden sinken. Erste Sonnenstrahlen küssten unsere verschwitzten und vom Kampf gezeichneten Leiber, während Antaios mit glasklaren Augen tief in meine Seele blickte – blitzartig manifestierte sich in mir die Gewissheit, dass zwischen uns eine lebenslange innige Männerfreundschaft aufblühen würde.

Passende Musik: Ton Steine Scherben – Heut‘ Nacht
42 Antworten
9
Flakon
8
Sillage
10
Haltbarkeit
9
Duft
Profumo

284 Rezensionen
Profumo
Profumo
Top Rezension 62  
No 5 pour Homme
16 Jahre war ich alt, als der Duft auf den Markt kam. Ich trug damals mein erstes, von eigenem Geld erstandenes Parfum, ‚Armani pour Homme’, das mir die Verkäuferin in der Parfümerie – damals trugen sie noch weiße Kittel! – empfohlen hatte. Ich bestand nicht darauf anderes zu probieren, vermutlich traute ich mich nicht, sondern beugte mich ihrer Autorität, kaufte es und trug es tapfer bis es leer war. Dann war ich wieder zur Stelle. Diesmal zeigte ich auf einen Flakon der mir gefiel: ein schwarzer, eckiger. Die strenge Dame sagte, oh Chanel, das sei aber ziemlich teuer! Aha, ob ich es mal probieren dürfte. Aber bitte, und sprühte es mir auf. Wohin weiß ich nicht mehr, ist auch egal. Wie vom Donner gerührt stand ich da – das war ES, ich konnte gar nicht aufhören an mir zu schnuppern - und stammelte nur noch, ja, das nehm´ ich. Die Dame packte es umständlich ein, was vergeudete Liebesmüh war, denn kaum auf der Straße, riss ich die Packung auf und nebelte mich ordentlich ein. Ich war selig. Mein Parfum! Ich hatte mein Parfum gefunden! Im Überschwang der Jugend war ich mir sicher, mein Leben lang würde ich kein anderes Parfum mehr benutzen als dieses. Und wie ich es benutzte– verschwenderisch und im Übermaß.
Aber es waren die 80er, da trugen Jungs wie ich nicht nur kräftige und recht süße Düfte (Lagerfeld und Zino waren andere Beispiele), wir malten uns auch Kajal unter die Augen, lackierten uns manchen Fingernagel, blondierten die Haare, färbten sie anschließend grell-bunt und schufen gewagte Frisuren mit Tonnen von Haarspray – nun ja, die 80er eben.
Meinem Vorhaben immer Antaeus tragen zu wollen, blieb ich tatsächlich ziemlich lange treu, jedenfalls einige Jahre. Erst als Davidoff mit Cool Water auf den Markt kam, brach ich mein Gelöbnis. Den ‚neuern’ trug ich mit ebensolcher Begeisterung, allerdings nicht ganz so lange, denn wenige Jahre später kam Egoïste und schon war ich wieder bei Chanel gelandet....
Auch wenn ich Antaeus einige Zeit selten bis gar nicht getragen habe, ich hatte immer ein Fläschchen daheim im Regal. Bis heute. Ich kann mir auch gar nicht vorstellen keines zu haben, es muss irgendwie da sein, es gehört zu mir, zu meinem Leben. Dabei fand ich es zwischenzeitlich mal ganz abscheulich und klagte mich an, wie konntest du nur! Das war in der Zeit, als ich hinter den bekannten, gängigen Namen die vielen exklusiven und weniger exklusiven Nischenmarken entdeckte- das ganze mir bis dato unbekannte Universum der Parfumkunst! Ich war wie paralysiert! Kaufte ein Creed nach dem anderen, Etro, Mazzolari, Artisan, Maitre Parfumeur et Gantier usw. – die Hälfte, wenn nicht mehr, habe ich schon längst wieder per Ebay verkauft. Geblieben ist: Antaeus, meinem olfakrorischen Snobismus zum Trotz. Interessant war auch, je länger ich mich mit all den kleinen und kleinsten Nischenfirmen beschäftigt habe, desto eher konnte ich wieder anerkennen was die ‚Big Boys’ zuwege brachten – zumindest bis vor einigen Jahren. Denn die wirklich großen Parfumeure – J.P.Guerlain, Edmond Roudnitska, Henri Robert und Jacques Polge - waren ja auch bei den großen Häusern, bei Guerlain, Dior und Chanel.
Antaeus war Jacques Polges erstes Parfum für Chanel. Mitte der 70er Jahre konnte das Haus Chanel den Herren im Grunde überhaupt keinen Duft mehr anbieten. ‚Pour Monsieur’ war eingestellt, desgleichen das einstmals berühmte ‚Cuir de Russie’ – der Markt für Herrendüfte, allzu lange äußerst stiefmütterlich behandelt ja mitunter gänzlich missachtet, dieser nunmehr geradezu explodierende Markt verlangte unbedingt einen Herrenduft aus dem Hause Chanel. Man durfte nicht mehr länger abseits stehen, ein großer Wurf musste her. Da lag es nahe, den gigantischen Erfolg des firmeneigenen Schlachtrosses No 5 auf maskulinem Terrain wiederholen zu wollen.
Die Götter wurden bemüht, zumindest die noch einigermaßen erdverbundenen. Herkules war wohl ein wenig zu kraftstrotzend und übermächtig, also entschied man sich für dessen Antipoden Antaios, von Herkules allein dadurch besiegt, dass er ihn in die Luft zu heben vermochte – Antaios unbesiegbare Kräfte schwanden sobald er die Erde nicht mehr berührte. Kraftvoll und Erdverbunden – ein gutes Motto für Chanels neuen Duft. Und wie duften Götter (auch Kouros ist einer)? Nun, vielleicht: süß-balsamisch, nach Wachs und Honig, aromatisch nach Kräutern wie Salbei und Lavendel, von Blumen bekränzt und von edlem Holz umgeben - auch mal mehr, mal weniger nach erhitztem Körper, da beständig im Kampf stehend, mit Neben- bzw. Konkurrenzgöttern ringend.
Riecht so Antaeus? Auf papierenem Teststreifen, nein. Auf der Haut, vor allem schweißfeuchter, ja. Auf Papier oder auch Textil entfaltet der Duft vor allem ein Aroma von edlem, mit herbem Honig und (Bienen-) wachsigen Essenzen behandeltem Holz. Auf der Haut aber verschmilzt dieses Mahagoni-Aroma mit einer dezenten aber deutlich wahrnehmbaren animalischen Note, vermutlich Castoreum. Interssanterweise tritt diese Note nicht ganz so deutlich hervor wenn Frauen diesen Duft tragen. Dann entfalten sich vor allem die süß-balsamischen, holzigen Noten. Auf männlicher Haut entwickelt er sich jedoch in eine weitere Dimension – eine körperliche, leicht schweißige und daher prekäre. Kouros, Jules und Yatagan gehen da ein gutes Stück weiter und werden von vielen, gerade heute, auch folgerichtig als untragbar empfunden. ‚Mann’ riecht nicht mehr nach Mann, schon gar nicht wenn geduscht und parfümiert. Dann riecht er frisch. Das war nicht immer so. In den 70er und frühen 80er Jahren wurde verstärkt mit animalischen Essenzen experimentiert, die ein männliches Aroma kreieren sollten, in der Annahme, dass wir ein solches anziehend und verführerisch empfinden, und nicht abstoßend oder gar stinkend. Nun, Antaeus wagt sich da nicht sonderlich weit hervor, zumindest im Vergleich mit anderen Düften dieser Epoche. Dennoch hat es eine animalische Note, die heutige Nasen, besonders jene die in Zeiten ozonisch-aquatischer Duftwasser geschult wurden, befremdet. Nicht umsonst wirbt ein Duft der heute ähnlich erfolgreich ist wie Antaeus damals war - Terre d´ Hermès – damit, frei von jeglicher animalischer Beimischung zu sein. Man muss es heutzutage betonen: seht her, ich bin ganz unanimalisch (sondern mineralisch). Wie die Zeiten sich ändern!
Apropos verändern: Antaeus, so offensiv wir es heute empfinden, war früher noch weit kräftiger. Anfang der 90er Jahre wurde es zum ersten Mal reformuliert, vermutlich aufgrund damals neuester IFRA-Bestimmungen (wir erleben heute nicht die erste Reformulierungs-Welle!). Jacques Polge nutzte diese Umarbeitung dazu den Duft etwas leiser zu machen, ohne dessen Charakter, Präsenz und Langlebigkeit zu gefährden. Es ist ihm, wie ich finde, gelungen. Andere bedauern bis heute, dass Antaeus nicht mehr das ist, was es einmal war, ja behaupten, es sei nur noch ein Schatten seiner selbst. Ich kann dem nicht zustimmen. Antaeus ist immer noch Antaeus, hat allerdings ein paar Pfunde verloren und ist etwas transparenter geworden. Nichts schlechtes, per se, wie ich meine. Glücklicherweise ist, wann immer an diesem Duft Hand angelegt wurde, Jacques Polge, der Schöpfer, daran beteiligt.
Fast 30 Jahre sind seit seiner Einführung vergangen und ich denke Antaeus ist durchaus zum Klassiker avanciert – auch wenn Luca Turin rät ihn die nächste Dekade den Frauen zu überlassen. Als klassischer, holzig-aromatischer Herrenduft der zwischen Chypre und orientalischem Genre changiert, wird er bleiben. Und vielleicht erlebt er ja schon bald eine Renaissance, wer weiß?! Wir leben doch seit Jahren in einer Zeit des ‚Retro’ - in der Mode, der Architektur, der Einrichtung - warum nicht auch der olfaktorischen Vorlieben? Zurück zur goldenen Zeit, als noch aus dem Vollen geschöpft wurde – bei den Damen die 20er und 30er Jahre, bei den Herren die 70er und 80er Jahre!
Für diese Epochen stehen No 5 und Antaeus.
Es kommt mir auch so vor als seien beide Düfte irgendwie miteinander verwandt. Ich weiß nur nicht wie, denn sie riechen völlig verschieden. Aber vielleicht besitzen beide ja eine annähernd gleiche DNA, denn auch im Habitus sind sie sich sehr ähnlich – wie zweieiige Zwillinge!
9 Antworten
6
Flakon
9
Sillage
9
Haltbarkeit
9.5
Duft
MajorTom

105 Rezensionen
MajorTom
MajorTom
Top Rezension 41  
Deja-vu der Superklasse
Gestern war ich wieder mal in meiner Lieblingsparfümerie. Und während ich an verschiedenen Kleenextüchern diverse Düfte Probe schnüffelte, fiel mein Blick auf eine rote Chanel-Packung. Antaeus. Mein Duft Ende der 80er. Es gibt ihn immer noch.

Also um einen Testsprüher gebeten. Augen zu. Nase auf. Einmal eingezogen und sofort wieder Ende der 80er gekommen. Fruit of the Loom T- und Sweatshirts. Spencer mit Schulterpolstern. Weiße Loafer. Auch weiße Socken. Lederkrawatten. Pilotenhemden mit Schulterklappen. Ladies in Karottenjeans. Über dem Knöchel endend. Weiße Stöckelschuhe. Klamotten im Miami Vice Style. Hammer Musik. Und Antaeus.

Kopfkino aus, Augen auf und zurück im dritten Jahrtausend.

Es fällt mir schwer, den Duft detailliert zu beschreiben, was definitiv für ihn spricht, weil es schon mal zeigt, wie extravagant er auch heute noch ist. Und spätestens die Aussage meiner Beraterin „ja, es gibt ihn immer noch, aber ehrlich gesagt, oft verkaufen wir ihn nicht“ war für mich Anlass genug, sofort zuzuschlagen. Weil alles off mainstream interessant ist und macht. Und ich habe ein bisschen Angst vor dem Tag, an dem nicht mehr genug verkauft wird,um ihn im Regal stehen zu haben.

Einige meiner Vorredner/-schreiber beklagen, man habe Antaeus durch diverse Reformulierungen gewissermaßen kastriert und seiner ehemaligen Klasse beraubt. In der Tat, auch wenn es 30 Jahre her ist, auch ich habe den Eindruck, dass er damals nochmehr geknallt hat. Aber lasst euch nicht täuschen - auch heute hat das Dingens noch richtig Bums. Richtig. Wirklich. Und auch heute noch ist die Komposition von Früchten und Gewürzen einfach einzigartig. Bibergeil gibt dem Ding am Ende diese typische, unverkennbare und unheimlich männliche Note.

Haltbarkeit und Sillage empfinde ich schwächer als in der Urform, das lässt sich allerdings problemlos durch ein bis zwei Sprüher mehr auf das 80er Level hochfahren und somit je nach Anlass und Bedarf individuell gestalten.
Flakon: damals ein Statement, heute eher im Schatten diverser netter Entwicklungen in diesem Bereich.

Und der Duft selber einfach der Hammer. Nix für (und das meine ich jetzt bitte vollkommen wertneutral) Warmduscher, Wohnmobilfahrer, couch potatoes, Damenradfahrer oder Kurzarmhemdenträger. Sondern was für echte Typen, Machos, Ultramaskuline, Tanklastzugausbremser.

Einfach geil.

Schön, dass es dich heute noch gibt.
9 Antworten
9
Flakon
9
Sillage
10
Haltbarkeit
10
Duft
FabianO

1003 Rezensionen
FabianO
FabianO
Top Rezension 39  
Verruchter Koriander-Leder-Gigant für die Ewigkeit!
Es fing mit einer Flohmarktminiatur Mitte der 90er-Jahre bei mir an.

Eine komplett schwarze Flasche, tieflila gegen das Sonnenlicht?
Der Inhalt überfiel mich als 13-Jähriger. Urgewalt, brachial, stark, schwer, eine Sinfonie aus satten Gewürzen, Ledrigem, Herb-Süßen.

Ich kam davon nicht mehr los, habe es über Jahre immer wieder probiert.
Nicht zu kaufen getraut, vielleicht war ich mir unterschwellig bewusst, dass ein 15/16-Jähriger damit auf die Nase fällt. Trotzdem, eine Art Sonderstellung hatte es seitdem immer, nur der Mut zu einer ganzen Flasche fehlte ob meines Alters.
Gerade das schwere, eingefettete Leder im Kern kam mir wohl nicht altersgerecht vor.

Ein paar Jahre nicht darüber nachgedacht, meiner Frau hatte ich ihn mal in der Parfümerie vorgeführt, sie sagte nur: "Oh Gott, alter Kerl! Bitte nicht!"

Da ist man dann wieder mal bei so einem Monolithen der Duftgeschichte,an den wohl JEDER sich erst herantesten und ihn "lernen" muss.

Als ich ihn dann vor etwa 2 Jahren mal wieder in Ruhe alleine testete, ganz bewusst den Phasenreichtum, das Volumen, die Tiefe, das Animalische, das Rauchige, das Ur-Maskuline, die geniale Komposition mir wieder richtig bewusst wurde, konnte ich nicht mehr anders. Er wurde gekauft!

Der Auftakt: Er haut einen wirklich aus den Socken! Viel, viel Koriander und Salbei, "angespitzt" durch zitrische Nebentöne. Eine Würzbombe, die ihresgleichen sucht. Fast herzhaft, delikat, eine Idee an provencalische Küche kommt schon auf bei mir.

Etwas Beschwörendes, Meditatives gesellt sich gleich dazu, die Myrrhe wirkt hier fast kirchlich-feierlich. Über allem schwebt bereits das Ledrige-Animalische.

Die Nase bekommt hier verdammt viel zu tun, das ist toll, imposant, ein richtiger olfaktorischer Lehrgang, was sag ich, ein Studium!

Die Herznoten schleichen sich nach etwa 15 Minuten ein, und nun wird es blumig-krautig. Rose und Jasmin spielen einen Moment lang feminine Nuancen aus, für unerfahrene Nasen kommt hier wohl etwas Verwirrung auf.
Männliches Basilikum und würzig-süß-herber Thymian treten dem aber resolut entgegen und entfachen einen Streit darum, wer die Oberhand behält.

Letztlich ist das aber schon lange entschieden- wer den Duft mehrfach probiert hat, weiß, wie der Film weitergeht:
Das bibergeile, leicht verruchte, satt verwendete Leder, das schon zu Beginn sene Anwesenheit klarmachte, zeigt, wer Herr im Haus ist.

Da wird dann auch klar, das der Name "Antaeus" ein absoluter Geniestreich ist!
Ein nahezu unbesiegbarer Riese der griechischen Mythologie! Geht´s größer?
Dass hier sogar klassische Bildung vonnöten ist, um den Namen zu verstehen, macht deutlich, mit welchem Anspruch vor 33 Jahren noch ein Duft kreiert wurde- nichts weniger als ein Kunstwerk zu schaffen war das Ziel!

Man muss fast lachen (oder weinen?), wenn man sich wahllos aus den 2000er-Jahren eine Namensliste aktuellerer Düfte heranzieht - 1 Million, Go! Jump! Secret Mission, Man, man, man, man....mehr sage ich dazu nicht....

Die Basis vollendet dann gigantisch gut alles Opulente, Brachiale, Kantige, auch den ein oder anderen Verstörende.
Satte, balsamische, moosig angehauchte, wohlig-warme, leicht süße, nie das Grundwürzige vergessende Ledrigkeit.

Haltbarkeit bombastisch, deutlich über 12 Stunden. Aber das ist eben Chanel at its best. Möge dieser Monolith nie, nie, nie, nie, nie, nie aufgegeben werden!!
Meine Frau findet ihn mittlerweile übrigens auch ganz gut. :-)
12 Antworten
Weitere Rezensionen

Statements

162 kurze Meinungen zum Parfum
Eggi37Eggi37 vor 10 Monaten
8
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9
Duft
Bad Boy Sache
Angerauchte Bikerjacke
Elvis Frisur
Aftershave-Kräutermixtur
Frauen finden es Bibergeil
Auch Schwiegermama sagt nicht nein
55 Antworten
PinseltownPinseltown vor 3 Jahren
9
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
9.5
Duft
Mein alter Baum
Tief in Erde vereint
Facettenreich lebenserfahren deine biberbemooste Haut
Streng und sanf zugleich
Geborgener Zufluchtsort
27 Antworten
DelightfulDelightful vor 2 Jahren
8
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
9.5
Duft
Hesperiden tropfen
Auf Deinen herben Rücken
Im würzigen Salbei
Kühlst Du
Seifig Deine warme Haut
Eine liebliche Blüte
Fällt auf dunkle Erde
46 Antworten
FoxearFoxear vor 3 Jahren
10
Flakon
8
Sillage
8
Haltbarkeit
10
Duft
Erst frenetischer Todesreigen, dann sinnbetörendes Ballett. Wie die Musik verstummt, mündet er in inniger Männerfreundschaft.
25 Antworten
MonsieurTestMonsieurTest vor 2 Jahren
8
Flakon
8
Sillage
9
Haltbarkeit
8
Duft
Klassisch-chanellig-schön
wie ohne Leder & Holz
nach würzigem Salbei-Koriander-Myrrhe Intro
sanft geiler Biber
Lecker ledriges Holz nagt.
21 Antworten
Weitere Statements

Diagramm

So ordnet die Community den Duft ein.
Torten Radar

Diskussionen zu Antaeus (Eau de Toilette)

Turben in Herren-Parfum
Mal eine andere Sache, zZt im Netz als Auktion drin.Wo angeblich kein Batchcode drauf wäre!Was ist denn davon zu halten, bei Chanel gibt es doch...
Nikodemus in Beratung
Moderner und sommerlicher, aber mit ähnlicher Bibergeil-Keule: "gs02" von Biehl Parfumkunstwerke
ExUser in Herren-Parfum
Ich hab' beide und finde sie auch nicht besonders ähnlich! Sind beide sehr gut, allerdings beide auf ihre Weise polarisierend! Anateus ist sehr dominant...

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